24.03.2009 - 18:30 Uhr

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Die grüne Revolution im Kleiderschrank

Text: marie-piltz

Angestrichen: Es braucht Druck und öffentliche Aufmerksamkeit, bis sauber und sozialverträglich hergestellte Kleidung eine Selbstverständlichkeit wird. Jedes Kleidungsstück sollte eine weiße Weste haben. Nichts anderes darf mehr angeboten werden. Das ist das Ziel. (…) Kurzzeitig befiel mich die Angst, dass ich womöglich nackt und barfuß gehen müsste, wenn ich versuchte, mich ökologisch und ethisch einwandfrei zu kleiden. Die gute Nachricht ist: Es geht, ich bin von Kopf bis Fuß auf Öko umgestellt und musste keinen Kredit aufnehmen. Und es ist ein Ammenmärchen, dass man mit grüner Mode nicht schön und aufregend aussehen kann. Wo steht das denn: In dem Buch „Saubere Sachen. Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt“, das Kirsten Brodde, ehemalige Redakteurin des Greenpeace-Magazins, kürzlich im Ludwig Verlag veröffentlicht hat. Die Modebloggerin (gruenemode.de) erklärt darin anhand zahlreicher Beispiele, informativ und locker geschrieben, wie man Verantwortung für seinen Konsum übernehmen kann. Dabei räumt sie nicht nur mit gängigen Vorurteilen auf (Öko-Mode ist unsexy und teuer), sondern widerlegt diese auch gleich mit den passenden Fakten und Fotos von origineller bis glamouröser Kleidung für jedes Budget. Natürlich winkt zwischen den Zeilen die Aktivistin Brodde mahnend mit dem grünen Zeigefinger. In 16 Kapiteln klappert sie so viele Mankos der schnelllebigen Modebranche ab, dass einem ganz schwindelig wird: Von den Gesundheitsgefahren giftiger Pflanzenschutz- und Färbemittel, über den hohen Wasserverbrauch zur Herstellung einer Jeans (3.500 bis 14.000 Liter) bis hin zur „modernen Sklavenarbeit“ in den Textilfabriken. Ihre gewiss nicht neuen aber in der versammelten Dichte erschreckenden Befunde untermauert sie nicht nur mit den Daten anderer, sondern verleiht ihnen durch Recherche-Erlebnisse aus eigener Hand zusätzliche Glaubwürdigkeit. Dabei versteift sich Kirsten Brodde nicht bloß darauf, per Schocktherapie das schlechte Gewissen ihrer Leser zu wecken. In persönlichen Anekdoten reflektiert sie selbstironisch das eigene öko-korrekte Verhalten („Meine Teenager-Tochter kauft nicht gerne mit mir ein.“). Jedes Kapitel schließt sie mit Verweisen auf weiterführende Literatur, Links zu Kampagnen für saubere Kleidung oder einem Überblick über glaubwürdige Öko-Siegel. Das wirklich Gute an dem Buch ist aber, dass es neben Hintergrundinformationen und persönlichen Erlebnissen zwischendurch immer wieder konstruktive Tipps gibt, wie man selbst Schritt für Schritt eine „grüne Revolution im Kleiderschrank“ starten kann. Im großen Serviceteil am Ende des Buches sind 15 alltagstaugliche Vorschläge „für eine attraktive Verbindung von Mode und Moral“ aufgelistet. Diese reichen von „Klassiker kaufen“ über „selber schneidern“ bis „Modewechselpartys organisieren“. Brodde erklärt, wo man sich über die Ökobilanz von Unternehmen informieren kann oder was man am besten mit seiner nicht mehr benötigten Kleidung anfangen sollte. Und eine umfangreiche Liste von Designern, Modelabels, Bezugsmöglichkeiten, Literaturtipps und Online-Shops gibt dem Leser die Möglichkeit, auf grüne Shopping-Tour zu gehen.
Kirsten Brodde: "Saubere Sachen - Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt" ist im Ludwig Verlag (Random House) erschienen und kostet 16.95 Euro


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Nama
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26.03.2009 - 18:12 Uhr
Nama

okkasionalsozialist sagte:
textilien lassen sich nunmal sehr günstig herstellen.


Es mag ja stimmen, dass man billig produzieren kann. Aber auch nur, weil die Produktion in Länder verlagert ist, in denen die Menschen (zu) wenig verdienen und sich niemand für Umweltschutz interessiert.

okkasionalsozialist sagte:
ich kaufe auch gerne möglichst teures, aber vor allem wenn sich argumentation auf nachprüfbare eigenschaften des produktes selbst bezieht.


Das finde ich echt lobenswert!

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