Die grüne Revolution im Kleiderschrank
Angestrichen:Es braucht Druck und öffentliche Aufmerksamkeit, bis sauber und sozialverträglich hergestellte Kleidung eine Selbstverständlichkeit wird. Jedes Kleidungsstück sollte eine weiße Weste haben. Nichts anderes darf mehr angeboten werden. Das ist das Ziel.
(…)
Kurzzeitig befiel mich die Angst, dass ich womöglich nackt und barfuß gehen müsste, wenn ich versuchte, mich ökologisch und ethisch einwandfrei zu kleiden. Die gute Nachricht ist: Es geht, ich bin von Kopf bis Fuß auf Öko umgestellt und musste keinen Kredit aufnehmen. Und es ist ein Ammenmärchen, dass man mit grüner Mode nicht schön und aufregend aussehen kann.
Wo steht das denn:
In dem Buch „Saubere Sachen. Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt“, das Kirsten Brodde, ehemalige Redakteurin des Greenpeace-Magazins, kürzlich im Ludwig Verlag veröffentlicht hat. Die Modebloggerin (gruenemode.de) erklärt darin anhand zahlreicher Beispiele, informativ und locker geschrieben, wie man Verantwortung für seinen Konsum übernehmen kann. Dabei räumt sie nicht nur mit gängigen Vorurteilen auf (Öko-Mode ist unsexy und teuer), sondern widerlegt diese auch gleich mit den passenden Fakten und Fotos von origineller bis glamouröser Kleidung für jedes Budget.
Natürlich winkt zwischen den Zeilen die Aktivistin Brodde mahnend mit dem grünen Zeigefinger. In 16 Kapiteln klappert sie so viele Mankos der schnelllebigen Modebranche ab, dass einem ganz schwindelig wird: Von den Gesundheitsgefahren giftiger Pflanzenschutz- und Färbemittel, über den hohen Wasserverbrauch zur Herstellung einer Jeans (3.500 bis 14.000 Liter) bis hin zur „modernen Sklavenarbeit“ in den Textilfabriken. Ihre gewiss nicht neuen aber in der versammelten Dichte erschreckenden Befunde untermauert sie nicht nur mit den Daten anderer, sondern verleiht ihnen durch Recherche-Erlebnisse aus eigener Hand zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Dabei versteift sich Kirsten Brodde nicht bloß darauf, per Schocktherapie das schlechte Gewissen ihrer Leser zu wecken. In persönlichen Anekdoten reflektiert sie selbstironisch das eigene öko-korrekte Verhalten („Meine Teenager-Tochter kauft nicht gerne mit mir ein.“). Jedes Kapitel schließt sie mit Verweisen auf weiterführende Literatur, Links zu Kampagnen für saubere Kleidung oder einem Überblick über glaubwürdige Öko-Siegel.
Das wirklich Gute an dem Buch ist aber, dass es neben Hintergrundinformationen und persönlichen Erlebnissen zwischendurch immer wieder konstruktive Tipps gibt, wie man selbst Schritt für Schritt eine „grüne Revolution im Kleiderschrank“ starten kann. Im großen Serviceteil am Ende des Buches sind 15 alltagstaugliche Vorschläge „für eine attraktive Verbindung von Mode und Moral“ aufgelistet. Diese reichen von „Klassiker kaufen“ über „selber schneidern“ bis „Modewechselpartys organisieren“. Brodde erklärt, wo man sich über die Ökobilanz von Unternehmen informieren kann oder was man am besten mit seiner nicht mehr benötigten Kleidung anfangen sollte. Und eine umfangreiche Liste von Designern, Modelabels, Bezugsmöglichkeiten, Literaturtipps und Online-Shops gibt dem Leser die Möglichkeit, auf grüne Shopping-Tour zu gehen.

Kirsten Brodde: "Saubere Sachen - Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt" ist im Ludwig Verlag (Random House) erschienen und kostet 16.95 Euro
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DagnyTaggart sagte:
Schade dass Familien in Marokko, Mexico oder Indonesien (so einige der Etiketten in meinen Klamotten) durch die Arroganz einiger im Westens die Lebens- und Entwicklungsgrundlage genommen wird.
ja, da lassen wir doch lieber die heimische textilindustrie vor die hunde gehen. hier kriegen die näherinnen wenigstens noch hartz iv vonb meinen raubstaatszwangsabgaben, die drecksschmarotzer, gell dagny?
25.03.2009 - 01:23 Uhr
diedrossel
ist alles etwas teurer, aber dafür mit spitzenqualität, die die waschmaschine besser übersteht als alles H&M-Zeug!
meine Cousine mit Neurodermitis lobt die Baumwolle auch: sehr, sehr gut verträglich!
so einen store gibts wohl auch in hamburg und berlin.
so, genug werbung.
Kaufst du dir lieber drei T-Shirts bei H&M oder ein ökologisch wertvolles? Schon klar, wie soll sich ein armer Student oder Hartz-IV-Empfänger ein T-Shirt für 40 Euro kaufen, wenn es das anderswo für 5 Euro gibt? Trotzdem sollte man sich doch immer bewusst sein, dass es auf Kosten von jemanden gehen muss, wenn etwas so billig ist. In der Süddeutschen gab es dazu einen interessanten Text, in dem Näherinnen aus Bangladesh eine deutsche Kik-Filiale besucht haben. Nachzulesen unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/35...
ich kaufe auch gerne möglichst teures, aber vor allem wenn sich argumentation auf nachprüfbare eigenschaften des produktes selbst bezieht.
die ökosozialen argumentationen sind meist an den haaren herbeigezogen und können von den vorgeblich verantwortungsvolleren anbietern oft nicht ausreichend transparent gemacht werden. nur wenn dem doch so ist lohnt es sich, deutliche aufpreise zu akzeptieren.
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24.03.2009 - 22:18 Uhr
Nama