20.03.2009 - 18:30 Uhr

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"Geld arbeitet nicht" - zum Beispiel Kapitalismus

Text: klaus-werner-lobo

Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt!" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute wird er grundsätzlich

So, jetzt aber. Ich habe ja versprochen, mich ein bisschen darüber auszulassen, warum die globale Ausbeutung durch Konzerne System hat und warum das nicht nur unglückliche Einzelfälle sind. Ihr habt sicherlich schon mal gehört, dass Banken und Investmentfonds sagen: „Geben Sie uns Ihr Geld, wir lassen es für Sie arbeiten!“ Sie versprechen uns damit, unser Geld zu vermehren. Vor allem jene, die sehr viel mehr Geld haben, als sie zum täglichen Leben brauchen, können dieses Geld zum Beispiel in Aktien oder Fonds investieren, wo es dann – quasi von selbst – mehr werden soll. Ok, ich gebe zu, dass das Vertrauen in Banken und Fondsmanager seit der Finanzkrise ein bisschen gelitten hat. Dennoch aber wird diese wundersame Geldvermehrung noch immer massiv beworben und sogar staatlich gefördert – etwa durch die Privatisierung der Rentenkassen anstelle der solidarisch finanzierten Altersvorsorge, wo jeder entsprechend seinem Einkommen etwas beiträgt. Was aber bedeutet das, „Geld für sich arbeiten“ zu lassen? Hat schon mal jemand einen Geldschein mit einem Spaten in der Hand gesehen? Geld arbeitet nicht. „Geld für sich arbeiten lassen“ bedeutet, dass dafür andere Menschen arbeiten müssen. Und wenn Kapitalbesitzer, ohne sonst irgendwas beizutragen, dieses Kapital einfach vermehren können, dann müssen andere dafür für sehr wenig (manchmal sogar ohne) Einkommen arbeiten. Oder es muss die Umwelt ausgebeutet werden. Eine dritte Möglichkeit ist, dass dieses Geld durch Spekulationsgeschäfte vermehrt wird, also wie in einem Spiel: Man wettet auf das Eintreten bestimmter wirtschaftlicher Situationen (zum Beispiel sich ändernde Rohstoffpreise oder Währungsschwankungen). Je mehr Geld jemand zur freien Verfügung hat und auf ein eventuell eintretendes Ereignis setzt, desto höher sind seine Gewinnchancen und desto weniger schmerzhaft eventuelle Verluste. Außerdem bedeutet Geld natürlich Macht, und wer es hat, kann die Spielregeln mitbestimmen und den Spielverlauf beeinflussen. Auch wenn das auf Kosten jener geht, die ihr Geld tatsächlich noch zum Tausch von Waren und Dienstleistungen oder zur Sicherung ihrer Renten brauchen – weil sie nämlich nur oder nicht einmal soviel haben, wie sie zum Leben benötigen. KapitalanlegerInnen fordern seit einigen Jahren immer höhere Renditen – so nennt man den Gewinn im Vergleich zur Höhe des investierten Kapitals – die durch nachhaltiges Wirtschaftswaschstum niemals erzielbar wären. Deshalb müssen die ManagerInnen von Aktiengesellschaften, Banken und Investmentfonds darauf schauen, in möglichst kurzer Zeit hohe Profite zu erzielen und können nicht so sehr darauf achten, ob bei ihren Geschäften Menschenrechte verletzt, Umwelt und Lebensräume zerstört, Arbeitsplätze vernichtet oder gar ganze Länder in wirtschaftliche Krisensituationen gestürzt werden. Wenn wir uns darüber wundern, warum im globalisierten Kapitalismus moralische Werte kaum zählen, dann muss uns klar sein, dass dies nicht die Schuld einzelner ManagerInnen ist. Das Problem bildet unser lediglich auf Profit orientiertes Wirtschaftsystem. Natürlich ist trotzdem jeder Mensch für sein Handeln verantwortlich. Der Hauptgrund für die Ungerechtigkeiten in unserer Welt liegt aber nicht im „bösen“ Verhalten einzelner Personen, sondern im allgegenwärtigen Gewinnstreben, wie es die Basis der kapitalistischen Wirtschaftsordnung darstellt. Man könnte auch sagen, schuld ist die bei uns weithin akzeptierte Tatsache, dass viele mehr haben, als sie zum Leben bräuchten, und dass diejenigen, die ohnehin schon viel besitzen, ihr Geld auf Kosten der Ärmeren noch vermehren. Die Globalisierung hat dazu geführt, dass Kapital weltweit relativ ungehindert zur Gewinnmaximierung eingesetzt werden kann. Konzerne, die von hohen Einkommensunterschieden und niedrigen Sozial- und Umweltstandards profitieren, tendieren automatisch dazu, diesen Zustand aufrecht zu erhalten und zu verschärfen. Da geht’s nicht um moralische Mängel Einzelner, da geht’s um ein krankes System, das uns und den Planeten an den Abgrund treibt. Dass es dazu auch Alternativen gibt, die gar nicht so kompliziert wären, wenn man nur will, möchte ich in meinen nächsten Kolumnen ein bisschen näher ausführen. P.S.: Wer sofort nach Aktionsmöglichkeiten sucht sei herzlich eingeladen, sich am kommenden Samstag am internationalen Aktionstag "Wir zahlen nicht für eure Krise!" teilzunehmen. Infos: http://www.28maerz.de ***********
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


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okkasionalsozialist
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.03.2009 - 01:35 Uhr
okkasionalsozialist

MorbusBahlsen sagte:
Na na na okka. Wo ist denn die okkasionalkultur...


ich sage einfach nur, dass er keinen schimmer hat. also wirklich gar keinen. angesichts des unsinns, den er los lässt, finde ich das äußerst kultiviert und zurückhaltend. es schließen sich ihm ja auch spontan genau die richtigen kandidaten an.

aber wie gesagt, unterhaltsam ists trotzdem.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

3

26.03.2009 - 01:41 Uhr
MorbusBahlsen

Und gleich nochmal. Jemand, dem man offiziell bekundet, er habe keinen Schimmer, kann man gerne für sich privat unterhaltsam finden. Alles andere ist Hohn, und Hohn ist absolut indiskutabel.

okkasionalsozialist
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Mag ich Mag ich nicht

-1

26.03.2009 - 01:52 Uhr
okkasionalsozialist

jedenfalls freue ich mich wirklich, dass er zurück ist. er war ja viele monate gar nicht hier und da hat hier echt was gefehlt.

denn eines ist auch klar: digital_data repräsentiert eine bestimmte weltanschauung und einen wichtigen teil der bevölkerung, die hier sonst praktisch nicht vertreten sind. das führt immer wieder zu amüsanten konfrontationen.

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Mag ich Mag ich nicht

0

26.03.2009 - 01:55 Uhr
okkasionalsozialist

und bitte nicht gleich komplett verausgaben. ungefähr am freitag oder samstag müsste ein neuer lobo-artikel kommen. da hoffe ich auf euch alle in alter frische. bin vielleicht nicht gleich am anfang dabei, aber sobald ich dazu komme ;)

Aporia
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Mag ich Mag ich nicht

-1

26.03.2009 - 01:57 Uhr
Aporia

okkasionalsozialist sagte:
denn eines ist auch klar: okkasionalsozialist repräsentiert eine bestimmte weltanschauung und einen wichtigen teil der bevölkerung, die hier sonst praktisch nicht vertreten sind. das führt immer wieder zu amüsanten konfrontationen.

Ups.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.03.2009 - 02:01 Uhr
MorbusBahlsen

I'm not amused. Not by the dumb nor by the wankers.

moonloveaddicted
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Mag ich Mag ich nicht

1

02.05.2009 - 13:58 Uhr
moonloveaddicted

Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand! (Max Frisch)

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-2

02.05.2009 - 13:59 Uhr
moonloveaddicted

Dass der Kapitalismus an sich ein krankmachendes System ist, das nicht funktionieren kann, ist eine so einfache, unkomplizierte Wahrheit, dass sie leider niemand glauben will.

okkasionalsozialist
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Mag ich Mag ich nicht

0

03.05.2009 - 22:06 Uhr
okkasionalsozialist

Aporia sagte:
okkasionalsozialist sagte:
denn eines ist auch klar: okkasionalsozialist repräsentiert eine bestimmte weltanschauung und einen wichtigen teil der bevölkerung, die hier sonst praktisch nicht vertreten sind. das führt immer wieder zu amüsanten konfrontationen.


Ups.


nö, die meinige ist sehr untypisch ;)

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