17.03.2009 - 18:30 Uhr

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Fahrverbot für Atheisten

Text: sarah-stricker - Foto: www.buskampagne.de

Schwere Zeiten für Gott: Das Geld für die „Buskampagne“ ist beisammen – und das viel schneller als erwartet. Eigentlich könnten die Atheisten-Busse sofort losrollen. Aber die Verkehrbetriebe machen einen Rückzieher.

Die Sache lief gut an. Gerade mal eine Woche ist es her, dass www.buskampagne.de an den Start ging (jetzt.de berichtete). Das Ziel: Eine Werbekaktion für gottloses Glück. Nachdem in London und Madrid bereits seit Monaten Busse mit Sprüchen wie „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben“ herumfahren, will eine Initiative aus Atheisten und Agnostikern die Banner auch nach Deutschland holen, vorerst nach Berlin, München und Köln. Ursprünglich rechnete der Sprecher der Gruppe, Philipp Möller, damit, über einen Monat zu brauchen, um das erste Spendenziel von 19.500 Euro zu erreichen. Im Endeffekt dauerte es dann gerade mal fünf Tage. Tausende stimmten ab, welcher Slogan ihrer Meinung nach deutsche Großstädter durch den Alltag begleiten soll. Als die Initiatoren nun aber bei den Verkehrbetrieben anriefen, um die Werbeflächen zu mieten, der Rückschlag: Die Berliner Verkehrbetriebe lehnen die Kampagne rundheraus ab, genauso wie die MVV in München, und auch die KVB in Köln will vorerst keine Werbung fürs Nichtglauben zulassen. Dabei hatte die „Buskampagne“ vor dem Spendenaufruf bei den Werbepartnern der Verkehrsbetriebe in Berlin, Köln und München angefragt. „Keiner der Mitarbeiter der zuständigen Agenturen hat Bedenken geäußert“, sagt Philipp Möller.
Nach dem Spendenerfolg verabschiedete der Vorstand der Berliner Verkehrbetriebe jetzt jedoch kurzerhand einen Beschluss, wonach in Zukunft keinerlei religiöse oder weltanschauliche Werbung akzeptiert werde. Die Betonung liegt dabei auf „in Zukunft“. Immerhin ist es keinen Monat her, dass „Pro Reli“ in Berliner U-Bahnhöfen noch Unterschriften für die Wiedereinführung des verpflichtenden Religionsunterrichts sammelte – mit der ausdrücklichen Genehmigung der Berliner Verkehrsbetriebe. „Das war keine Werbung in dem Sinne“, rechtfertigt BVG-Sprecher Klaus Waclak die Entscheidung. „Wenn jemand auf einen Fahrgast zugeht und ihn um ein Autogramm bittet, kann man Nein sagen. Aber solchen Bannern, wie sie die Buskampagne vorsieht, kann man nicht entgehen.“ Allerdings macht er klar, dass es auch für „Pro Reli“ und ähnliche Initiativen nach diesem Beschluss schwer wenn nicht gar unmöglich sein wird, öffentliche Verkehrsmittel in der Hauptstadt als Plattform zu nutzen. „In dieser Stadt regen sich Viele über vieles auf“, so Waclak. Zwar sehe er ein, dass es das Ziel der „Buskampagne“ sei, durch eben jene Aufregung eine Diskussion anzustoßen, aber „das muss nicht bei uns stattfinden. Wir müssen uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen.“ Mit der gleichen Begründung lehnt auch die Münchner MVV die Banner ab. Keine religiöse Werbung. Allein die KVB in Köln hält an ihrer grundsätzlichen Zusage fest, möchte den Start der ersten bedruckten Busse jedoch verschieben. Nach dem Einsturz mehrerer Häuser in der Innenstadt habe man ganz andere Probleme. Trotzdem will die „Buskampagne“ nicht aufgeben. „Wir fühlen uns in der Relevanz der Kampagne eher bestätigt“, sagt Philipp Möller. „Wir wollen den 35 Prozent Konfessionslosen eine Stimme geben und bekommen das jetzt verweigert. Es ist doch Doppelmoral, wenn erst jahrelang religiöse Werbung geduldet wird, dann kommt eine Anfrage für eine weltanschaulich anders orientierte Kampagne und plötzlich machen die Verkehrbetriebe einen Rückzieher.“ Als Alternative will die „Buskampagne“ nun erstmal Verkehrsbetriebe in anderen Städten anfragen. „Wegen des anstehenden Kirchentages bietet sich beispielsweise Bremen an, auch Stuttgart oder Münster wurden von den Spendern häufig vorgeschlagen“, sagt Philipp Möller. Im Notfall würden die Initiatoren aber auch auf andere Werbeträger ausweichen. „Wir machen auf jeden Fall weiter. Jetzt erst recht.“


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kikuju
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 18:46 Uhr
kikuju

naja IN der ubahn ist ja auch naja, nicht alles voll aber oft genug werbung für jeses, gott und glauben. von wegen "dem kann man entgehen". und während der bus ja an mir vorbei fährt, muss ich in der bahn da eine ganze fahrt drauf schauen.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 19:35 Uhr
__xxx__

War ja klar dass es zu viele stören wird. Welcome to the dark ages.

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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 19:37 Uhr
__xxx__

Und warum darf die Kirche dann ohne Ende werben? Allein schon dass sie mittlerweile etliche Radiosender unterwandert haben ist unverzeihlich.

nixbewiesenausserich
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0

17.03.2009 - 19:40 Uhr
nixbewiesenausserich

tja, da hat wohl jemand die rechnung ohne den vatikan gemacht. die haben wesentlich mehr kohle naemlich als diese lausigen neunzehntausendirgendwas piepen. nicht glauben wollen ist eben auch was anderes als glauben sollen. schade, ehrlich, finde ich. naja. ich sag mal: her mit irgendwas, was einem das wissen gegenueber dem glauben erleichtert und schon sind wir im geschaeft. *aehm*.

was deprimierendes wie: 'es gibt nicht mal einen gott' will doch wohl niemand auf oeffentlichen verkehrsmitteln lesen, entschuldigt mal. dieses gott oder keinen gott gezeder is doch schnee von gestern. das ist wie mit dem ewigen gejammer ohne alternativen loesungsvorschlag: zum kotzen. und bei der sinnsuche ist so auch keienm geholfen. mein vorschlag daher: 'nixbewiesenausserich auf jeden bus, jede bahn und jedes flugzeug draufschreiben. das impliziert wenigstens irgendwas, es sei jedem selbst ueberlassen. aber diese fade atheistenkacke .... also nee ...

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Mag ich Mag ich nicht

0

17.03.2009 - 19:45 Uhr
nixbewiesenausserich

„Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben“
... ist auch nur ein verkleideter appel an das bewusstsein, sicherheit oder was man dafuer haelt, waere irgendwie eine nennenswerte instanz. aber sicherheit ist, bei all meinem wissen, die groeßte luege seit dem es keinen gott mehr gibt. vielleicht lassen sich dadurch ueberwachungskameras besser verkaufen, aber fuer historische moral ist dieser slogan genauso wertvoll wie eiszapfen fuer bienen. was ein erfuelltes leben dennoch braucht: weniger besserwisser und mehr phantasie. guten abend.

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Mag ich Mag ich nicht

-1

17.03.2009 - 19:48 Uhr
nixbewiesenausserich

__xxx__ sagte:
Und warum darf die Kirche dann ohne Ende werben? Allein schon dass sie mittlerweile etliche Radiosender unterwandert haben ist unverzeihlich.


naja, scheisse mit scheisse zu bekaempfen endet der erfahrung nach nur in noch groeßerer scheisse. also muss man differenzieren ... (wasn shice wort...)

Fehlerteufel
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Mag ich Mag ich nicht

2

17.03.2009 - 19:55 Uhr
Fehlerteufel

Verkehrbetriebe

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

0

17.03.2009 - 20:51 Uhr
Jollscherl

das sympathische am atheismus war für mich immer der eine große unterschied zu den gläubigen (egal welchen glaubens): der atheist lässt normalerweise dem gläubigen seinen glauben und versucht nicht, ihn auf seine seite zu ziehen. andersrum scheint es mir oft anders zu sein.
ja... das war das, was ich am atheismus gut fand.
und nun sowas.
wieso glaubt nicht jeder das, was er will, und lässt den anderen glauben, was er will? und vor allem: wieso kann man nicht einfach mal nix glauben und das für sich behalten, sich daran erfreuen und die anderen ihr ding machen lassen? das eine ist genauso intolerant wie das andere.
religion und auch nicht-religion hat meiner meinung nach in der werbung nix verloren.

air_kaviar
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 22:03 Uhr
air_kaviar

das war mir klar. die KVB kann sich diese plakate nicht erlauben. die brauchen göttlichen beistand.

ro80
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 22:52 Uhr
ro80

Bigotterie. Die Stadt Köln und die Verkehrsbetriebe vereinnahmen die Opfer der Einstürze beim Bau der Nord-Süd-Bahn in ein religiös-verquastes Trauerfest. Ich sehe dort Kirchenvertreter und einen Imam, die die Betroffenheits-PR der Stunde zu nutzen wissen. Dazu gesellen sich mindestens ein eilends hergerichteter "Raum der Stille" und etliche Notfallseelsorger, die sich seit einiger Zeit ohnehin bei Großschadensfällen Bild drängen.

Nichtglaubenmüssen und Aufklärung fahren ab jetzt immer mit, sehen sich in Stadtgebiet und Land um und weisen auf jede unbotmäßige und dreiste Vereinnahmung öffentlichen Raums aus der spirituellen Ecke hin. Nüchtern-freundliche Definitionsfragen von interessierten Bürgern brauchten zwar keine Banner. Aber die eine oder andere nette Anfrage beim Sender, warum denn schon wieder überbordend von der Bischofskonferenz, oder einem pariserverbietenden Papst berichtet wird bzw. Religionsvertreter sich unhinterfragt in Szene setzen dürfen seien fortan erlaubt.

Wer hat die Toten in Religiös motivierten Kriegen generiert? Wer maßt sich an, heilsbringend zu wirken, einzig trostspendend zu sein, Feste, sog. Heilige und Lebensrichtlinien stiften zu müsen? Wer streckt die Hand nach unseren Kindern, sterbenden, trauernden, Senioren aus?

Religionen, wir schauen euch auf die Finger. Humanismus und Fortschritt, Neutralität und Aufklärung, Nüchternheit und Lebensfreude brauchen euch nicht. Wir bewältigen Geburt, Kindheit, erwachsenwerden und sogar Tod, Katastrophe und Ideologie ohne euch. Ja, pfiffige Leute wenden den Ideologieverdacht an auf jede eurer Äußerungen, seien sie sprachlicher natur, Gestus oder durch Kleidungscode. Vielleicht heißt es ja dann in Bus, Bahn, Funk und Print demnächst: "Wir müssen leider draussen bleiben"

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