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Elektro-Nische
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Kultur| 16.03.2009 18:30Die Elektro-Nische. Mit Gui Boratto, Prodigy, Miss Kittin etc.
Text: friedemann-karig
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Friedemann Karig erzählt von minimalem Techno, maximaler Disco und noch mehr geilem BummBumm.
Gui Boratto - Take my breath away![]() Das Problem von Artist-Alben im elektronischen Bereich sprach ich schon mehrfach an: Meistens sind die 2,5 eigenständigen Ideen, die ein Produzent und DJ aus seinem Computer kratzt, plus eine Handvoll zeitgemäßer Bleeps und Booms nicht Stoff genug, um über eine Stunde und mehrere eigenständige Tracks hinweg zu unterhalten. Langeweile hält Einzug, wenn kein echtes Konzept und Talent vorliegt. Faszinierendes Gegenbeispiel: Gui Boratto und sein Album „Take my breath away“. Schon der Titeltrack ködert mein Gehör wie ein geschickter Fliegenfischer und lässt mich mit seinen gleitend-kratzenden Harmonien und klanglichen Untiefen so schnell nicht mehr los. Ein Lied für den nächsten großen Moment. Und erlaubt sich Boratto auch bei „Colors“ die Sünde der Seichtheit, findet er ansonsten immer wieder einen Weg, einzigartig und dabei gleichzeitig vielfältig zu musizieren. So geraten „Ballroom“ und „Atomic Soda“ als lupenreine Minimal/Tech-House Perlen zu hitverdächtigen Tanzbären, „No Turning Back“ zu Elektro-Pop-Spielerei und „Godet“ zum besten Lullaby für etwaige schlaflose Nächte. Für mich sicherlich das beste Release diesen Monat und damit ein Name, der in Zukunft mehr Aufmerksamkeit verdient. Und jetzt viel Spaß. The Prodigy - Invaders must die ![]() Wenige Bands, das kann man ganz ohne Nostalgie oder Vergötterung sagen, haben die 90er so geprägt wie dieser Haufen Verrückter aus England, die für die elektronische Musik ihre Funktion als Einstiegsdroge ähnlich legendär erfüllten wie Oasis für alle Arten von Britpoppern und -Rockern. Dieses Frühjahr 2009 also sieht ein neues, von allen Seiten mit einer gewissen Mischung aus kindlicher Vorfreude und purem Pessimismus erwartetes Album, welches zumindest meine Erwartungen übertrifft. Denn der originale Prodigy-Sound hat ein Jahrzehnt Stillstand überlebt, sich an den Quellen neuer Produktionsparameter erfrischt und dabei die Konkurrenz nicht aus den Augen gelassen. Selbstbewusst und rotzig statt trotzig, wie es eben nur eine solche Super-Band sein kann, mit deutlich ausgeprägtem Hang zu eingängigen Riffs und Vocals, zeigen sich uns drei zwar sichtlich gealterte, aber keineswegs brav gekiffte Musiker besonderer Machart. Die erste Single „Invaders Must Die“ rezensierte ich hier zwar schon als höchstens befriedigend, die weiteren Tracks jedoch steigen deutlich höher ein: „Colours“ zum Beispiel ist ein astreiner Popsong wie es damals schon „Smack my bitch up“ in die Charts schaffte, „Stand Up“ klingt nach Moby in cool, „Warriors Dance“ traut sich eine catchy Hook mit Frauenstimme. Jeder Beat sitzt, knallt und lässt keine Luft, die meisten Fiepser stecken da, wo sie stecken sollen, und manche Refrains kriegt man tagelang nicht mehr aus dem Kopf. Das ganze Album bleibt dabei konstant auf maximaler Energie, was auf Dauer etwas nervenraubend sein kann, bei Prodigy aber ja noch nie wirklich anders war. Für alte Fans also definitiv interessant, für neue der Beweis, dass die 90er nicht ganz so tot sind, wie viel behaupten, respektive: gute Musik stirbt nicht. Nächste Seite: Miss Kittin & more! Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Teste Deutschlands große Tageszeitung jetzt zwei Wochen kostenlos und unverbindlich: hier klicken!
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