15.03.2009 - 19:19 Uhr

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Die Hasen!

Text: melan

Ilianka buddelte Marmelade auf den Käse, in der verschwommenen Erwartung, ihr Gegenüber, ein etwa 30jähriger Industriespion aus den Halle, würde angewidert das Gesicht verziehen, worauf sie, Ilianka, hätte erwidern können, dass medizinisch nachgewiesen sei, dass die Geschmacksnerven der meisten Mitteleuropäer von der Evolution darauf zugerichtet seien, gerade diese Kombination mit Wohlgefallen zu belohnen. Aber der Industriespion blieb stumm. Ilianka, die mit provozierendem Gesichtsausdruck nun in ihr Brot biss, hätte weit ausgeholt und über den Eigensinn der Sinne referiert. Etwas enttäuscht, oder doch zumindest ratlos darüber, was sie nun, da die erwarete Reaktion nicht eintrat, sagen sollte, sah sie nach draußen, auf die Mauern, hinter denen ein Park lag, in dem Hasen lebten. Sittenhaller aber schwieg und dachte an den vor vier Jahren in seiner Nachbarschaft verstorbenen Jungen, der sich in einer Dezembernacht angezogen und seine Wohnung verlassen hatte, um sich in der erbarmungslosen Kälte bettfertig in eine Garageneinfahrt zu legen, wo er wieder einschlief und nicht mehr aufwachte. Die Erklärung, die damals gegeben worden war, dass der junge Mann nämlich Schlafwandler gewesen, hatte Sittenhaller eingesehen, gleichwohl nie akzeptiert. Wie wenig wussten diese beiden, die ich beobachtete aus meinem ewigen Reich heraus, dass sie mir glichen in ihrem Unverständnis gegen die Menschen. Als ich nämlich den Toten aufgehoben hatte und ihn fragte, wie ich alle frage: Was hast du dir nur gedacht?, so sagte er mir, er hätte nur geträumt, dass er von einem Arbeitstag nach hause ging, sich hinlegte, träumte und schlief, aber ich, dachte ich, kann nicht immer die Sonne scheinen lassen.
Und Ilianka nahm Sittenhallers Hand, hielt sie, ließ sie gehen, und Sittenhaller fragte: Schmeckt's? Und die Hasen im Park hinter den Mauern schliefen spät nach Sonnenuntergang in ihren Höhlen, aneinandergedrängt, damit sie nicht erfrieren. Der Schlafwandler weinte und bemerkte dennoch, ich hätte nicht alles falsch gemacht.


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9 Kommentare

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Breeny
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.03.2009 - 19:37 Uhr
Breeny

diese hingekleisterten Schwalbennester Balkone, die Geranie (oder ist es eine Begonie?) als Inbegriff des Spießigen, dazu noch die Hasenmaske - grandiose Komposition zur Unterstreichung des sperrigen Textes.

chippyq
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2009 - 20:25 Uhr
chippyq

der hase sieht zornig aus.

dascory
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.03.2009 - 20:29 Uhr
dascory

und ich muss an donnie darko denken, obwohl ich das nicht will.


wunderbar zu lesen.

DearMrSupercomputer
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Mag ich Mag ich nicht

2

15.03.2009 - 21:31 Uhr
DearMrSupercomputer

jeder habicht, den wir sehen,
elstern auch nicht zu vergessen,
alles, alles will ihn -- fressen!

chippyq
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Mag ich Mag ich nicht

3

15.03.2009 - 21:33 Uhr
chippyq

dearmrsupercomputer und ich möchten dir ein gedicht zum hasen darbringen:

menschen, hunde, wölfe, lüchse,
katzen, marder, wiesel, füchse,
adler, uhu, raben, krähen,

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Mag ich Mag ich nicht

2

15.03.2009 - 21:33 Uhr
chippyq

(also meins war der erste teil, ich habe das schlecht geplant)

amplifythegoodtimes
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Mag ich Mag ich nicht

1

15.03.2009 - 22:43 Uhr
amplifythegoodtimes

Ach!

_pulque_
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Mag ich Mag ich nicht

1

16.03.2009 - 12:03 Uhr
_pulque_

ach, wie wenig man so weiß !

yaya
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Mag ich Mag ich nicht

1

17.03.2009 - 12:19 Uhr
yaya

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Wen Bier hindert, der trinkt es falsch. (Benn)