12.03.2009 - 18:31 Uhr

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Die Muttersucher

Text: christina-waechter

Wollen Männer nur schnellen Sex? Nein, sie wollen nur schnell Kinder. Über die Torschlusspanik einer Generation, die sich plötzlich sehr, sehr alt fühlt.

Er hatte sie nach einem Geschäftstermin in Frankfurt angesprochen, eigentlich etwas zu forsch für ihren Geschmack. Ein Investmentbanker, Felix war sein Name. Ob sie nicht noch mit ihm was trinken wolle, direkt ums Eck sei die »Rote Bar«. Es war ein langer Tag gewesen, aber Felix lächelte sympathisch, und der Abend war immer noch warm. So standen sie dann doch draußen vor der Bar. Auf dem Main fuhren Schiffe. Er machte ihr ein Kompliment nach dem anderen. Wie alt? Unglaublich, sie sähe ja zehn Jahre jünger aus! Bis er sie plötzlich mit der Frage überfiel: »Sag mal, könntest du dir vorstellen, eine Familie zu gründen?«


Es war nicht ihre erste Erfahrung dieser Art und es wurde allmählich deprimierend: Junge Männer auf dem Weg in die Vierziger, gute Berufe, voll im Leben und bislang immer gut für einen kurzweiligen Abend; doch neuerdings wartete sie in solchen Momenten nur noch auf die eine Frage, die jegliche Offenheit, jeden Flirt abrupt beenden würde. In einem Internetforum für Singles brachte eine Besucherin das Phänomen kürzlich so auf den Punkt: »Seit einiger Zeit lerne ich ständig Männer kennen, die schon beim ersten Date fragen, ob ich Kinder haben will. Habt ihr das auch schon erlebt? Kriegen jetzt die Männer unsere Torschlusspanik?«

Diese pochende Angst übrig zu bleiben, kinderlos, war lange Zeit den Frauen vorbehalten. Weil die Natur nicht ganz gerecht ist, also die Chancen, mit 45 noch schwanger zu werden, gegen null tendieren; wohingegen Stammvater Abraham laut Bibel noch mit hundert gezeugt haben soll. Dann wurde die Pille erfunden – von einem Mann. Die Frauen emanzipierten sich, verdienten Geld und wurden wählerischer. Seitdem gestaltet sich die Beziehungsanbahnung kompliziert. Sicher, Michael Douglas wurde mit 56 noch einmal Vater, Rupert Murdoch sogar mit 72. Doch nicht jeder ist ein Michael Douglas. Und für männliche Durchschnitts-Singles über vierzig wird der Markt offenbar langsam eng.


Michael Kurz*, 44, ein kerniger Oberbayer mit Reihenhaus in einer Kleinstadt vor München, verdreht demonstrativ die Augen, wenn er sich vorstellen soll, dass er noch Jahre auf ein Baby warten muss. Der Informatik-Ingenieur will jetzt ein Kind, und zwar ein eigenes. Okay, zuerst mal will er eine Frau. Darin liegt ein großer Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Torschlusspanik. Männer wünschen sich zunächst eine gute Partnerschaft, die sie dann mit einem Sohn oder einer Tochter krönen wollen. Torschlusspanische Frauen bringen zur Not auch als Single-Mutter ein Baby zur Welt. Sie können zwar nicht ewig – aber gebären ist immer noch ihr Metier.

Michael jedenfalls hatte bis zu seinem vierzigsten Geburtstag immer lange Beziehungen. Es lebte sogar schon ein Schulkind unter seinem Dach. Die Tochter seiner letzten Partnerin, auf die war er stolz. Aber die Frau verlor ihren Job, er hat noch mehr gearbeitet, um sie und das Kind zu finanzieren. Irgendwann warf sie ihm vor, dass er für sie zu wenig Zeit hatte. Sie landeten beim Paartherapeuten, der auch nichts mehr retten konnte. Er sei ein so liebevoller Stiefvater gewesen, die Trennung auch deshalb schlimm. Heute hat er gar keinen Kontakt mehr zu der Kleinen.

Am liebsten würde er ja zu Hause bleiben, doch weil er weiß, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt, fährt Michael, der Bergsteiger und Tierfreund, zweimal die Woche zu After-Work-Partys in die Stadt. Er geht jetzt auf die fünfzig zu, im Grunde fühlt er sich für die Partys nicht mehr jung genug. Ja, klar, Jugend ist nur eine Frage der Einstellung. Doch beim Online-Dating merkt er, in welcher Liga er sich inzwischen bewegt.

Und wie oft spielen die Frauen falsch! Machen sich zehn Jahre jünger, aber schon beim ersten Date erkennt man, dass sie weit über vierzig sind – und damit, leider, zu alt für ein Kind. Nach unserem Interview schickt er eine SMS, dass ihn das schöne Gespräch sehr gefreut habe. Ob man sich nicht noch mal auf ein Glaserl treffen wolle?

Aber war vierzig nicht gerade noch das neue dreißig? Hatte nicht Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, noch 2005 in seinem Buch Schöne junge Welt die ewige Jugend ausgerufen? Das Ende der »Macht der Altersstrukturen und der Herrschaft der alten Lebensblaupausen«? – Familie? Kommt später. Das starr-bürgerliche Lebenslaufdiktat: völlig überholt.

Nur wenige Jahre später klingt das vollkommen anders. Bei einer Erhebung des Deutschen Jugendinstituts 2008 sagte der allergrößte Teil (90 Prozent) der befragten Männer zwischen 15 und 42 Jahren, dass sie gern Väter werden wollen. Wie viele es tatsächlich erreicht haben? Ein Drittel der 25- bis 59-Jährigen.

Irgendwann erwischt auch die Letzten die Angst, dass die Zeit abläuft, inzwischen gilt der unerbittliche Lauf der Natur nicht mehr nur für Frauen. So meldete die britische Tageszeitung The Guardian: »Die biologische Uhr beeinträchtigt die Zeugungsfähigkeit.« Und die Daily Mail legte nach: »Risiko für Fehlgeburten bei Männern jenseits der 35 wächst.« Von diesen Meldungen aufgeschreckt, unternahm ein 41-jähriger Journalist des Observer-Magazins einen Selbstversuch, um seine Spermien überprüfen zu lassen. Seine Stichprobe war dann zwar in Ordnung, doch das Fazit des Autors klingt melancholisch: »Ich habe kein Alibi mehr, ich bin reif zum Zeugen. Ich brauch jetzt nur noch die Frau.«

Runde Geburtstage können die schlimmsten Gegner sein, besonders jenseits der dreißig. Und um die vierzig machen sich auch bei den meisten Männern erste Zeichen körperlichen Verfalls bemerkbar. Justus streitet das gar nicht ab. »Okay, die goldenen Zeiten sind vorbei. Jetzt hab ich halt einen Waschbärbauch statt Waschbrettbauch«, versucht er die harten Fakten mit Humor zu überspielen. Aber man merkt, dass er sich mit anderen, jüngeren Gästen im Münchner »Café King« vergleicht.

Er ist ein aufgeschlossener, reflektierter Typ. Einer, der gern reist, seine Wohnung mit Kunst aus fernen Ländern eingerichtet hat und in seiner Arbeit aufgeht. Da nun aber auch wirklich all seine Freunde Familien haben, nervt ihn die Single-Existenz zunehmend. Jeden Sonntagabend sitzt er beim Tatort mit dem Hund auf der Couch.

Früher fand er das ganz normal. Früher hatte er auch mit seinen drei engsten Kumpels noch einen monatlichen Jour fixe. Jetzt wird der jedes zweite Mal abgesagt. »Ich glaube, es ist ihnen peinlich, mich zu sehen, weil sie nur von ihrem Familienglück erzählen können. Einer bekam gerade das dritte Kind.« Ihr Leben kommt ihm fast schon wie eine Parallelwelt vor. Wie ein Idyll. Die Frauen lernen in der Krippe Frauen mit gleichaltrigen Kindern kennen, und weil ja die Kleinen so nett miteinander spielen, freunden sich auch noch die zugehörigen Partner an.

*Alle Namen von der Redaktion geändert.

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alces
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Mag ich Mag ich nicht

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12.03.2009 - 18:49 Uhr
alces

"Auf dem Weg in die Vierziger" ist man kein "junger Mann" mehr. Hat man dies (und ein paar andere Dinge) begriffen, ist man einfach nur ein Mann. Wenn nicht, ist man ein Kindskopf.

querspieler
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Mag ich Mag ich nicht

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12.03.2009 - 19:32 Uhr
querspieler

Äh, ich verstehe glaub ich gar nicht wovon die Rede ist, soweit weg ist das von mir. Die Entscheidung Familie oder nicht würd ich auf jeden Fall nicht mit 40 treffen, sondern etliche Jahre früher.

QuoteTheRaven
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0

13.03.2009 - 09:32 Uhr
QuoteTheRaven

querspieler sagte:
Äh, ich verstehe glaub ich gar nicht wovon die Rede ist, soweit weg ist das von mir. Die Entscheidung Familie oder nicht würd ich auf jeden Fall nicht mit 40 treffen, sondern etliche Jahre früher.


frueh familie = karrieretod

dieses mit der tuer ins haus fallen (beziehung, ja gerne, aber nur wenn du dir auch vorstellen kannst mit mir eine familie zu gruenden) kenne ich wirklich eher von frauen.

ich habe mit denjenigen meiner bekannten, die sich in letzter zeit sehr rege fortgepflanzt haben so gut wie nichts mehr zu tun. sie haben keine zeit und oftmals kein anderes thema mehr als ihre kinder. was ich durchaus verstaendlich finde, sie stellen ja auch den neuen lebensmittelpunkt dar. ich dagegen muesste lange nachdenken um ein thema zu finden was mich noch extensiver langweilt als kinder.

mittlerweile muss man sich ja wirklich schon dafuer verteidigen wenn man sich nicht fortpflanzen moechte.

zehnterjuni
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1

13.03.2009 - 09:47 Uhr
zehnterjuni

was für ein dummer artikel. kann es sein dass der mann immer der arsch ist? er will keine kinder - idiot. er will kinder - auch idiot. zum glück ist gott eine frau.

__xxx__
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.03.2009 - 10:35 Uhr
__xxx__

Ein Artikel der mich auch direkt berührt, wenn auch das ganze etwas oberflächlich/seicht behandelt wird.

Das Problem ist ein anderes und es betrifft beide Geschlechter - es gibt immer weniger junge Frauen die ein Kind wollen, da Karriere etc. im Vordergrund steht. Mit solchen Damen kann man meistens bis mindestens 30 keine ernsthafte Beziehung anfangen, weil sie es schlicht nicht wollen. Dann setzt die Torschlußpanik irgendwann ein, jedoch ist dann das Männerangebot schon deutlich begrenzt weil Männer eben auch eher junge partnerinnen wollen und sich mit einer 30+ dame eher weniger abgeben möchten. Vor allem wenn es sich dann um eine durch das Geschäftsleben verbitterte, "vermännlichte" personlichkeit handelt (gibt es heutzutage viel zu oft und immer mehr) mit der man eh nichts anfangen könnte unabhängig vom Alter.

Um jetzt nicht die ganzen Klischees auseinander zu dröseln, kurz zusammengefasst - diese Frauen will keiner und die "guten" sind bis dahin meistens vergeben, verheiratet etc. Doof gesagt, viele Frauen haben sich aus dem echten Leben "wegemanzipiert". Vor dem Problem steht ein 35 bis 40-jähriger Mann und zu der Gruppe gehöre ich langsam auch.

Andere Seite, bei Männern laufen die Geschichten ähnlich, aber ca. um zehn Jahre versetzt. Bis 30 will man meistens nichts von Kindern und Verpflichtungen hören sondern "das Leben genießen" (was die wenigsten im wörtlichen Sinne auch wirklich tun), später richtung 40 merkt man plötzlich dass das Partyleben nicht mehr funktioniert weil man "zu alt" ist und keinen Spaß mehr daran hat und dann setzt da die Verzweiflung ein. Hier stehen die Männer immer noch "besser" da als Frauen, jedoch wird ab 30 aufwärts seitens der Damen nach wie vor nach alten Kriterien "bewertet" und hier trennen sich dann die Wunschkandidaten vom Rest meistens anhand von Erfolg, Geld, Macht, Besitz etc. Und das gnadenlos.

Ich bin selbst auch schon 34 und spüre langsam wie die ersten Zweifel aufkommen (ja, einige Jetztler werden lachen dass ich so was sage, ich weiß). Und ich fange mittlerweile auch an, dämlich zu grinsen wenn ich ein süßes Baby sehe :) Wo ich noch vor wenigen Jahren alles was mit Kindern zu tun hat voll abgelehnt hatte - so schnell geht das!

Mein bzw. unser Problem, siehe oben - eine junge Frau die beruflich gut fährt, ist mit 20-25 noch weit entfernt vom Gedanken an Kinder und Ehe. Eine 30+ ist zu 99% uninteressant oder bereits vorbelastet mit gescheiterter Ehe, Kids, verrückten Ex-Freunden/Ehemännern und so weiter und so fort. Somit gibt es eine "geeignete" Kandidatin im Schnitt einmal in hundert tausend und die muss man erst mal erkennen bzw. finden. Ist für keinen einfach.

Also alles in allem, Frauen stehen vor dem Problem wie sie Karriere und Familie verbinden können und Männer stehen vor dem Problem wie sie eine Frau finden die das kann und sie als "würdigen" Kandidaten sieht. Denn eine erfolgreiche Frau will in der Regel einen noch erfolgreicheren Mann.

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Mag ich Mag ich nicht

1

13.03.2009 - 10:38 Uhr
__xxx__

Und das hier:

"Darin liegt ein großer Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Torschlusspanik. Männer wünschen sich zunächst eine gute Partnerschaft, die sie dann mit einem Sohn oder einer Tochter krönen wollen."

... unterschreibe ich auch so. Kinder erst wenn die Partnerschaft länger gut funktioniert und sich als sinnvoll erweist.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.03.2009 - 10:47 Uhr
DagnyTaggart

Da passt der Faden ueber die sich Stylenden Maenner ganz gut:

http://jetzt.sueddeutsche.de/kommentare/...

Zwei Texte die beschreiben, dass das Aufloesen der Jungs-Rollenbilder kraeftig in die Hose geht.

jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.03.2009 - 10:48 Uhr
jurette_

QuoteTheRaven sagte:
frueh familie = karrieretod


Für Männer nicht.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

1

13.03.2009 - 10:56 Uhr
DagnyTaggart

jurette_ sagte:
QuoteTheRaven sagte:
frueh familie = karrieretod


Für Männer nicht.


Fuer Frauen auch nicht, wenn es frueh genug ist. - Freunde von mir haben im Studium Kinder bekommen und danach genauso gut durchgestartet - geht natuerlich nur, wenn man ne zuverlaessige Beziehung hat.

jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

-1

13.03.2009 - 10:59 Uhr
jurette_

dagny, das halte ich für Einzelfälle. Auch ein achtjähriges Kiund ist schwer mit einem Vollzeitjob zu vereinbaren und durchstarten in Teilzeit ist schwer.

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