Der starke Dollar in der Wiso-Betrachtung
Am letzten Montag war ein Bericht im ZDF in Wiso zur Dollarstärke zu sehen. Im Großen und Ganzen ging es um folgende Analyse. Der Euro kommt unter Druck, weil einige Volkswirtschaften im Euroraum ein zu hohes Haushaltsdefizit haben. Richtigerweise wurden hier Spanien und Irland genannt. Spanien hatte 2008 ein Defizit von gut 3 % und wird in 2009 ein prognostiziertes Defizit von über 6 % haben. Irland hat ein Defizit von 6,3 % in 2008 und es wird für 2009 sogar mit über 12 % gerechnet. Da man nun in der Eurozone durch diese hohen Teildefizite ein Währungsrisiko sieht, ist der Dollar derzeit gegenüber dem Euro so stark.So zumindest die Analysten, die Sendung Wiso, die Börsenhändler und auch die Ratingagenturen, die manche Länder bereits in den Ratings runter setzen und damit verteuern sich für diese Länder die Kredite.
Stimmt das denn nun, was uns da erzählt wird ?
Nein. Rechnen scheint grundsätzlich nichts zu sein, was bei Analysten, Spekulanten und Ratingagenturen zur Jobbeschreibung gehört. Also übernehmen wir das Rechnen. Bereits die Nachrichtenmeldungen sprechen hier eine deutliche Sprache:
"Im dem am Donnerstag vorgelegten Haushaltsentwurf für das Fiskaljahr 2010 wird das Minus für das laufende Jahr auf 1,75 Billionen Dollar geschätzt. Dies wären 12,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der höchste Anteil seit 1945. Für 2010 schlägt der Demokrat ein Defizit von 1,17 Billionen Dollar vor. Der Entwurf muss vom Kongress verabschiedet werden, wo es zahlreiche Änderungen geben dürfte. Das Haushaltsjahr 2010 beginnt am 1. Oktober."
Zitat aus: http://www.focus.de/politik/ausland/haus...
Also so hoch wie der höchste Sünder in Euro-Land.
Amerika hat gerade ein 800 Mrd. Konjunkturprogramm aufgelegt. Nach einem 700 Mrd. Rettungspaket im letzten Herbst für die Banken wurde noch einmal um 270 Mrd. erhöht. Dazu kommt ein Standard-Defizit des normalen Haushaltes von um die 400 Mrd. Dollar. Von den einzelnen Bundesstaaten reden wir dabei noch gar nicht. Kalifornien muss immer wieder den Haushalt sperren, weil man gar keine Kredite mehr bekommt. Also nehmen wir die 800 Mrd. Konjunkturpaket und die 400 Mrd. normaler Haushaltsverschuldung mal zusammen, dann kommen wir auf 1,2 Billionen und das macht bei 14 Billionen Bruttoinlandsprodukt, das aber gerade im letzten Quartal 2008 relativ unbemerkt von den Nachrichtenmeldungen bereits um 6,3 % gesunken ist, 8,5 % aus. Geht man von einer weiter fortlaufenden Rezession aus und rechnet man die Rettungspakete mit ein, dann ist man sicher schnell über den 10 %.
Damit hat Amerika ein höheres Defizit, als eines unserer Sorgenkinder Spanien. Warum dies eine Belastung für den Euro ist, wird wohl schwer zu erklären sein. Und sicher wird keine Ratingagentur auf die Idee kommen, die Kreditwürdigkeit von Amerika herunter zu setzen. Aber genau da gehen die Probleme eben los.
Was wird die Verschuldung für Auswirkungen haben oder einfache Frage: Inflation oder Deflation
Prüfen wir zu erst, wie es zu den beiden Auswirkungen kommt. Eine Inflation entsteht zum Beispiel, wenn ein Land nicht mehr kreditwürdig ist, d.h. das Vertrauen in das Geld geht verloren. Dies entwertet das Geld und so steigen die Preise und das Geld verliert immer schneller an Wert. Wie kommt es zur Deflation. In einer Wirtschaftsflaute können die Unternehmen ihre Waren nicht mehr richtig verkaufen. Die laufenden Kosten (Löhne, Mieten, Leasingverträge, Strom, Kommunikation etc.) müssen aber weiter bezahlt werden. Gibt es dann auch keine Kredite mehr, so wie jetzt, dann muss irgendwo Geld her um die Verbindlichkeiten zu bezahlen. Man versucht Artikel, die sich nur schwer verkaufen lassen über den Preis zu verkaufen. In der Kfz-Branche sieht man das gut, wenn die Rabatte auf Autos bei rückläufigen Verkaufszahlen größer werden. Dadurch sinken die Preise und es entsteht die Deflation. Wenn der Verbraucher dies erst einmal bemerkt, dann wartet er mit seinem Kauf, denn morgen wird es noch billiger, denn dann ist der Druck auf dem Unternehmen seine Rechnungen zu bezahlen noch größer.
Dies ist übrigens ein großes Problem unserer Warenkörbe und der Ermittlung von Preissteigerungen. Denn dort werden Sonderaktionen oder Rabatte auf die normalen Preise nur ungenügend erfasst.
Ob wir also nun eine Inflation oder eine Deflation bekommen, hängt davon ab, wie wir mit der Krise umgehen. Macht der Staat gar nichts, kommt die Deflation. Fängt der Staat die gesamte Krise mit Krediten auf, laufen wir in die Inflation. Am besten wäre also eine Mischung. Der Staat muss durch Konjunkturpakete die momentanen Wirkung abfedern (z.B. Abwrackprämie), dies aber nur bis die Gesetzgeberischen Eingriffe greifen, die die Schieflage der Wirtschaft korrigieren. Am Beispiel von Amerika habe ich ja schon durch gerechnet, dass sich die Amerikaner nur 37 % der selbst produzierten Waren kaufen können. Das Konjunkturpaket erhöht dieses Anteil auf sage und schreibe 43,5 %. Also um 6,5 %, das würde die Rezession vom 4. Quartal ausgleichen. Bliebt es dabei, müsste die Regierung jedes Jahr 800 Mrd. in die Wirtschaft pumpen um den Status Quo zu halten. Es müssen also Korrekturen in der Wirtschaft her. Diese Korrekturen sind aber in keinem Land derzeit wirklich in Sicht.
Das Ergebnis ist damit bedrückend. Die amerikansiche Währung hatte schon vor der Krise ein Glaubwürdikeitsproblem, das wird sich in einigen Monaten, wenn das Konjunkturprogramm nicht die Kraft hat die Krise zu bewältigen, noch verschärfen. Auch bei uns ist das Paket eigentlich zu klein. Wir hatten im 4. Quartal 2,1 % Rezession und damit wären so ungefähr 60 bis 70 Mrd. Euro nötig um alleine diesen Einbruch auszugleichen. Da die Kreditsumme bei uns aber damit noch deutlich niedriger ist, ist bei uns derzeit eher eine Deflation zu erwarten.
Digital_Data
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10.03.2009 - 19:14 Uhr
riesenherz
Bleibt die Unwägbarkeit Psychologie.
Mir scheint es ja so zu sein, daß zu den Umbrüchen dieser Zeit in unserem Land auch soziale Wandelungen, veränderte Einstellungen auch im Umgang mit Geld etc. gehören.
Und das "Gesetz der großen Zahl" läßt viele Dinge sehr kurzfristig aus dem Ruder laufen (siehe Krankenversicherungs-"reform"). Das ist nur noch begrenzt steuerbar.
Weswegen es für mich nach wie vor nötig wäre, grundsätzlich und prinzipiell autonomiestärkende Strukturen zu schaffen. Selbst wenn das insgesamt auf das Wachstum dämpfend wirken dürfte.