01.03.2009 - 00:10 Uhr

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Gedanken zur Krise

Text: Fink

Im Studium, Mitte der 90er Jahre, und es war nicht BWL, weissagte der Prof, inzwischen auch unter der Erde, ein wenig vor der statistischen Zeit, dass die Telekom-Aktien am Tag nach dem Börsengang eine Menge mehr wert seien. So war es auch. Wem eine Aktie für umgerechnet 14,57 € zugeteilt wurde und rechtzeitig verkaufte, war der König. (Heutiger Kurs: 9,56 €. Immerhin 0,9 % mehr als am Vortrag.) Im Nachhinein kann man sagen, dass hier eine sehr geschickte Enteignung von Privatvermögen stattfand. Dann kam das Internet. Ich beantragte eine Email-Adresse und schaffte es mit Mühe, mit einem altehrwürdigem Konsolenprogramm am Uni-Rechner eine Mail zu verschicken. Ein Jahr vergeht und irgendwann hat jeder Email. Und ich ein 33-kB-Modem. Plötzlich geht das Leben nicht mehr ohne Email. Das war die Zeit, als man noch montags das Jetzt-Magazin las. Bekannte erzählten von ihren phantastischen Aktiengeschäften. Einige hingen den ganzen Tag im Netz und verfolgten jeden Börsengang. Sich auf die Erstkäuferliste setzen lasen und schnell verkaufen. Stolz verkündeten einer, dass er sich von den letzten Spekulationsgewinnen gerade den aktuellen Aldi-Rechner gekauft hatte. Dieser Aldi-Pc-Käufer vergaß nur leider sein Studium bei den vielen Aktiengeschäften. Das Studium endete und MLP meldete sich. Ich ging hin, es gab ja schließlich ein paar belegte Brötchen umsonst. Es hätte sogar Bücher fürs Referendariat umsonst gegeben, wenn ich drei weitere Adressen bekannt gegeben hätte. Freunden wollte ich den Mist nicht zumuten und von alten Feinden hat man ja die Adresse nicht im Kopf. Der Mensch war rhetorisch gut geschult, überzeugte mich aber nicht. Ich sollte also jeden Monat einen Haufen Geld zurücklegen, damit ich im Alter statt 200.000 DM mehr als 400.000 DM (jaja, das waren noch DM-Zeiten) auf der hohen Kante haben würde. Aber die 100 DM, die der Reichtum im Alter monatlich gekostet hätte, habe ich lieber in der Gegenwart angelegt. Das Referendariat begann und eine Blase endete und zwei Hochhäuser auch. Lehre aus der Geschicht - spekulieren lohnt nicht. Das Berufsleben begann und plötzlich meldeten sich die Versicherungen und Banken. Sie wollten nicht mein Bestes - sie wollten mein Geld. Ich entschied mich für ein langweiliges Tagegeldkonto. Ein Herr mit Schnäuzer tingelte durch die Talkshows und verkündete, wie wichtig die private Altersvorsorge sei. (Seinen Laden hat er rechtzeitig verkauft und muss sich um sein Alter keine Sorgen mehr machen.) Ich machte mich selbständig und keiner meldete sich mehr. Naja, die Reserven gingen auch erstmal drauf. Es waren keine üppigen Jahre, aber ich war froh, mein eigener Chef zu sein und nicht einem Idioten gehorchen zu müssen. Hin und wieder Gespräche mit gut verdienenden Bekannten oder Freunden. Jemand erzählt, dass er einen phantastischen Job in London habe. Kurze Neidgedanken, die schnell vergingen. Ein anderer hat gerade auf irgendwelche Lebensmittel gewettet und sich über den Gewinn gefreut. Mancher spekulierte wieder fröhlich drauf los uns schimpfte auf den Staat, der auf alles zuviel Steuern verlange, da könne man ja gar nicht fürs Alter vorsorgen. (Jetzt plötzlich kann es gar nicht genug Staat geben.) Ich wies darauf hin, dass jemand,der um 1900 geboren wurde, zweimal erleben musste, dass das Geld nichts mehr wert ist. Je mehr Wirtschaftskrise desto besser begann mein Geschäft zu laufen. Und ich berate nicht geschädigte Kapitalanleger. Wenn Geist und Körper mitmachen, muss ich ohnehin bis 70 arbeiten. Mit Spekulationsgeschäften will und werde ich nicht reich werden. Und sollte ich Geld übrig haben, werde ich es nicht anderen Spekulanten zur Verfügung stellen, die nur an ihren Bonus denken.


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Fink
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08.03.2009 - 17:24 Uhr
Fink

Ergänzend dazu aus einem Interview der FAZ mit einer ehemaligen Brokerin:

Hatten Sie denn keine Schuldgefühle, wenn Sie institutionellen Anlegern hochspekulative Produkte verkauft haben, als wären es Sparbücher?

Nein. Wir haben ja nur die Vorgaben des Vorstands umgesetzt. Ich fand es allerdings unglaublich, wie sehr die Privatanleger ausgenommen wurden. Das lag vor allem an der Provisionsstruktur. Ich habe meinen Bekannten immer geraten, die Finger von solchen konstruierten Finanzprodukten zu lassen.

Und bekanntermaßen leben die Finanzvertriebe ja auch von der Provision.

MLPBerater
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10.03.2009 - 11:35 Uhr
MLPBerater

Ja Herr Fink, da sind wir wiedermal am Punkt. Gesundes Halbwissen reicht halt nicht zum mitschnabeln. Ein "normaler" Finanzdisntleister, darf solche Schachen gar nicht verkaufen. Dazu braucht man eine KWG-Lizenz. Die gibt´s beim BaFin. Dieses Geschäft bleibt - von wenigen Ausnahmen abegsehen - ausschließlich seriösen und selbstlosen Banke(r)n vorbehalten. Zum Beispiel Sparkassen, die ihrer in Finanzangelegenheiten ausgesprochen versierten und risikobereiten Klientel gerne "Garantie"-Zertifikate von den Lehman-Brüdern verkauft haben. So schauts aus!

Fink
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10.03.2009 - 12:42 Uhr
Fink

An den Herrn aus der PR-Abteilung von MLP: verdient Ihr Unternehmen und der einzelne Berater nicht auch in erster Linie durch Provisionen?
Und was bietet denn ein normaler Finanzdienstleister alles an? Schrottimmobilien waren ja früher gerne im Angebot.
Naja, erst entwickelt sich eine Finanzindustrie und später eine Klägerindustrie. Soziologisch ein Zeichen der Ausdifferenzierung der Gesellschaft. Und der Anleger ist die Gans, die zweimal geschlachtet wird.

Mannheimer
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10.03.2009 - 22:48 Uhr
Mannheimer

als man noch montags das Jetzt-Magazin las.

ähm, war das nicht dienstags?
und mlp ist eh s..., betrüger am werk sag ich nur.

MLPBerater
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Mag ich Mag ich nicht

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11.03.2009 - 09:46 Uhr
MLPBerater

Herr Fink, bitte, wovon leben Sie? von verkauften Exemplaren und verkauften Werbeseiten - und Ihre Mutter von seitenweise Immobilieninseraten. Ist das nun auch unanständig? Schließlich machen Sie sich damit zum Handlanger von potenziellen Betrügern. Natürlich leben Finanzdienstleister von Provisionen, wovon denn sonst. Ich bitte nur darum, die Dinge etwas differenzierter zu betrachten. Das Immobilienbeispiel ist ja nun auch wieder typisch. Die von ihnen erwähnten Schrottimmobilien wurden meist von Banken (oder deren Tochtergesellschaften) verkauft, die die Finanzierung (von der Mutter) gleich mitgeliefert haben. Gerade in München sitzt eine davon. Die eine Hälfte hat mittlerweile eine Italienische Mutter, die andere ist praktisch pleite. Und jetzt kommts: der Süddeutsche Verlag steht an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit den (Ihr Duktus:) Verbrechern sogar in Geschäftsbeziehung. Ei wie witzig. Im übrigen bin ich nicht der Herr aus der PR-Abteilung, sondern ein ganz einfacher Berater, der von Provisionen lebt, so wie Sie von verkauften Exemplaren, Werbeseiten und Immobilieninseraten ;-). Mich nervt nur Prügel - auch verbale - einzustecken, die sich andere verdient haben. Vereinbaren Sie doch einen Beratungstermin, die nächstgelegene Geschäftsstelle finden Sie im Web. Sie müssen ja nichts kaufen, aber sie bekommen wenigstens mal einen Eindruck, wie seriöse Finanzberatung aussehen kann, ohne dass Sie ständig Ihre Vorurteile kultivieren müssen.

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