20.02.2009 - 18:30 Uhr

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Hilfe, die Heten kommen!

Text: malte-goebel - Illustration: dominik-pain

Szene-Clubs wie das Berghain in Berlin waren mal die Hotspots der schwulen Subkultur. Jetzt werden sie von feierwütigen Heten überrant. Aber das macht nichts - solange die sich an die Regeln halten und nicht alle auf einmal kommen.

Es gibt zwei Sorten von Homo-Clubs. Die einen werden von Heten kaum besucht, wegen Darkroom oder zu viel Plüsch oder beidem. Den anderen rennen party- und szenewütige Heten die Bude ein, wie Möbel Olfe oder Berghain in Berlin, in München der Candy Club – schwul oder queer gestartete Orte, in die die Homos zum feiern gingen – und jetzt immer mehr Heten. Kann man ja auch verstehen: Die Musik ist gut, die Leute entspannt, die Party lang. Nur: Wenn zu viele von euch kommen, kanns auch kompliziert werden.
Das musste meine alte Freundin Karla neulich erleben, die mit ihrem Freund nicht auf die schwullesbisch-türkische Party „Gayhane“ im Berliner SO36 gelassen wurde. „Unglaublich!“, schimpfte sie später mir gegenüber, „wir wollten da einfach bloß tanzen. Das ist doch Diskriminierung, wenn wir da nicht reingelassen werden“, warb sie bei mir um Zustimmung. Naja, sagte ich, ich hätte dich sicherlich reingelassen, als Freundin von mir. Aber sonst ist das auch eine verständliche Entscheidung, eine Homo-Party nicht zu sehr heterosexuell werden zu lassen. Denn: klar hat sie Recht. Als Einzelperson und durchaus homo-offener Mensch hätte sie nicht den schwullesbischen Charakter der Party geändert. Aber als offenbar heterosexuelles Pärchen dann schon. Es hat ja seinen Hintergrund und Sinn, dass Schwule und Lesben ihre (auch jeweils) eigenen Partys veranstalten. Nicht, weil Heten nicht so gut feiern könnten (auch wenn das auch manchmal zu vermuten wäre). Sondern weil es einfach anstrengend genug ist, den ganzen Tag im täglichen Leben von einem heterosexuellen Mainstream umgeben zu sein. Das öffentliche Leben atmet Heterosexualität, was einem nur auffällt, wenn man nicht davon betroffen ist: Zeitschriftentitel. Werbung. Filme. Fernsehclips. Da will man auch mal „unter sich“ sein, was sich etwas doof anhört, aber hey: Star Wars-Fans treffen sich auch zu eigenen Abenden, es gibt Banker-After-Work-Partys oder Heavy-Metal-Kneipen, wo ich auch nicht unbedingt hingehen muss. Okay, sexuelle Orientierung ist auch keine Musikrichtung. Aber wie es nicht laufen sollte, zeigt genau die Gayhane-Party, auf die meine Freundin gehen wollte. Die wurde irgendwann Anfang der 90er gegründet, als erste schwullesbische Party mit türkischer Musik (oder: türkische Party für Schwule und Lesben). Der Abend wurde schnell sehr beliebt unter Schwulen und Lesben, dann kamen irgendwann viele heterosexuelle türkische Frauen, die es toll fanden, einfach nur tanzen zu gehen, ohne ständig von anstrengenden Typen angegraben zu werden. Das wiederum sprach sich dann bei den Typen rum, so dass auf einmal immer mehr Heten die Gayhane-Abende stürmten. Und dann war es keine Homo-Party mehr. Vorübergehend. Bis die Türsteherinnen und Türsteher am Einlass rigoroser durchgriffen. Also: etwas ist okay, zu viel bitte nicht. Oder man macht es wie mein alter Freund Philipp. Der ist bekennend heterosexuell, trotzdem traf ich ihn neulich im SchwuZ (stand mal für „SchwulenZentrum“) auf einer Indie-Party. Überall um uns rum waren Indie-Boys und –Girls mit Myspace-Frisuren und H&M-Klamotten, nur er trug einen weißen Anzug mit Hut. „Ich habe ein Date“, raunte er mir zu. „Mit einer Frau. Ich hab sie gestern auf ner Party kennen gelernt. Meinst du, es ist ein schlechtes Zeichen, dass wir zum ersten Date ins Schwuz gehen?“ Da platzte sie in unsere Unterhaltung, mit zwei Bieren in der Hand und in dem gleichen weißen Anzug wie er. Mit Hut. Philipp sah meinen Blick und erklärte: „Wir dachten, das ist der beste Ort, um mal diese weißen Anzüge auszuprobieren.“ Nett. Kommen jetzt die Heten in die Homo-Szene, wenn sie etwas Freakiges an- oder ausprobieren wollen? A la „auf den Homo-Partys laufen eh alle wie die Clowns rum, da fällt das nicht auf“? Naja, falsch gedacht. Aber schlimm fand ichs erst recht nicht. Wenn der Indie-Konsens mal durch ein paar abgedrehte Heten durchbrochen wird: Gern. Also, liebe Heten: Ist okay, wenn Ihr zu unseren Partys kommt. Aber bitte nicht alle auf einmal. Verhaltet euch ruhig. Und zieht eure lustigsten Anzüge an, damit wir euch erkennen.


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komber
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Mag ich Mag ich nicht

11

20.02.2009 - 19:06 Uhr
komber

Aha sieht man den Leuten an der Türe also wieder mal ihre sexuelle Gesinnung an der Nasenspitze an oder was?
Schwieriges Thema!

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.02.2009 - 19:07 Uhr
soylentyellow

Was ist denn eine MySpace-Frisur?

Stürzt da mein Betriebssystem ab weil es von den ganzen blinkenden und schrillen Elementen überfordert wird oder was ist eine MySpace-Frisur?

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Mag ich Mag ich nicht

0

20.02.2009 - 19:08 Uhr
soylentyellow

komber sagte:
Aha sieht man den Leuten an der Türe also wieder mal ihre sexuelle Gesinnung an der Nasenspitze an oder was?


Das ist so wie mit der Religion - die sieht man schließlich auch an der Nasenspitze...

xoxo
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Mag ich Mag ich nicht

2

20.02.2009 - 19:08 Uhr
xoxo

endlich sagt mal einer was sache ist

danke dafür

wobei ich kenn mittlerweile auch den einen oder anderen heten-club wo mittlerweile mehr schwule und solche die es werden wollen als sonstwas rumläuft

Ioana
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Mag ich Mag ich nicht

2

20.02.2009 - 19:08 Uhr
Ioana

ich sehe es eigentlich nicht gerne als "hete" bezeichnet zu werden, da ich die formulierung "homo" auch nicht benutze, das hat mit respekt zu tun. in einem artikel ist es ohnehin fehl am platz.
deine klage verstehe ich. ich wüsste als heterosexuelle auch nicht auf eine homosexuelle party gehen, weil ich mich da fehl am platz fühlen würde. und wenn, würde ich mich dem anlass angemessen anziehen. klar will man da unter sich sein. allerdings den "heterosexuellem Mainstream" zu beklagen ist an sich ebenso daneben wie diskriminierend. zum einen is nunmal die mehrheit der menschen heterosexuell, da können die "heten" eben nichts für, zum anderen stellen sie ebensowenig einen grauen "Mainstream" wie die homosexuelle bewegung ein regenbogenfarbiges, durch und durch quietschbuntes apartsein. ich finde es überhaupt das artikelbild sehr diskriminierend. auf der einen seite die graue einheitsmasse im gleichschritt, auf der anderen die bunten. sorry, ich finde das für die "Heten" sehr diskriminierend, damit machst du dich um keinen deut besser. immerhin heißt vielfalt ja nicht unbedingt totale abgrenzung verschiedener gruppen.

zusammenfassend: verstehe die nachricht des artikels, die verpackung ist unter aller sau.

elektroschmock
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Mag ich Mag ich nicht

4

20.02.2009 - 19:12 Uhr
elektroschmock

auweia - die schwullesbische szene mit einer trekkie-convention zu vergleichen... da hätte der malte vielleicht doch besser nochmal drübergelesen.
und das mit "verhaltet euch ruhig" klingt ein bisschen nach "mit der freundin tanzen verboten. das reichssubkulturministerium."
ich war letztes wochenende beim candy club und hatte nicht das gefühl unerwünscht gewesen zu sein. schon allein weil ich da ne menge freunde treffe, die maltes kastendenken offensichtlich nicht teilen.

musikmaedchen
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Mag ich Mag ich nicht

2

20.02.2009 - 19:26 Uhr
musikmaedchen

Also ich sehe nicht ob mein Gegenüber lesbisch, schwul oder hetero ist.

machmirblau
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.02.2009 - 19:30 Uhr
machmirblau

heten haben im allgemeinen eben auch keinen gaydar. diejenigen, dies angeht meist schon.. ;)

alcofribas
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Mag ich Mag ich nicht

9

20.02.2009 - 19:32 Uhr
alcofribas

"Als Einzelperson und durchaus homo-offener Mensch hätte sie nicht den schwullesbischen Charakter der Party geändert. Aber als offenbar heterosexuelles Pärchen dann schon"

gilt dann auch der umkehrschluß, dass alle nicht explizit als schwullesbisch gelabelten partys automatisch "hetero" sind und "offenbar homosexuelle" pärchen den charakter ändern und deswegen nicht reingelassen werden?

polaroid_android
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.02.2009 - 19:48 Uhr
polaroid_android

so so, London Calling als Kostümparty? Sowohl Homos alsauch Heteros dürfen sich gern wieder mehr Gedanken um individuelle Verkleidung machen, finde ich.

Insgesamt regt mich der Artikel aber auch irgendwie auf.

Ich hasse Heteropartys, ich hasse Homopartys.
Auf dem Popfloor beim Proxi Club fühle ich mich genauso unwohl wie bei einer heterosexuellen Hip Hop-Party.

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