Philipp im Schnee 6
Immer wenn ich in den Bus stieg, versuchte ich mich möglichst unbeachtet am Busfahrer vorbei zu mogeln. Doch ich wollte ihn auch nicht verletzten, denn nie wollte ich jemanden verletzen, denn ich wusste nur zu gut, wie viele Verletzte es ohnehin schon gab. Ich glaubte außerdem, dass der Busfahrer im Grunde ein anständiger Kerl war, weshalb ich mich zwang, ihm wenigstens zuzunicken. Es war nur die Andeutung eines Nickens mit der ich ihn begrüßte oder mit der ich mich wieder verabschiedete. Ein angedeutetes Nicken, das ich mir jedes Mal von neuem abringen musste, wenn ich in den Bus stieg, oder die drei Stufen hinuntersteigend den Bus verließ.Ich weiß noch, dass man natürlich nicht gern gesehen hatte, dass ich zu spät zur Arbeit gekommen war. Doch ich weiß auch noch, dass meine Chefin auf die Begründung meines Zuspätkommens nichts zu erwidern gewusst hatte. Sie hatte nur gesagte: Nun gut, jetzt sind sie ja endlich da.
Und ich habe gesagt: Ja, nun bin ich da.
Und vielleicht erschöpft sich das Monomentale von Naturereignissen allein schon darin. Vielleicht fußen die Kräfte von Naturgewalten allein darauf, dass selbst jemand wie meine Chefin ihnen gegenüber nichts zu erwidern weiß, dachte ich.
Als ich jedenfalls in den Bus stieg und wie immer dem Fahrer zunickte, schien er sich wie immer einen Augenblick lang zu vergessen. Sein fahles Gesicht, das sonst immer reglos war, kam in Bewegung. Sein Gesicht, in das sonst niemand jemals etwas hineinlesen konnte, schien für Sekunden etwas ausdrücken und hervorstammeln zu wollen. Vielleicht wäre es zuviel gesagt, dass er mich anlächelte, doch die Art wie im kurz die Gesichtzüge entglitten, glich vielleicht zumindest jener Art, wie er, früher vielleicht, als auch er noch gelegentlich glücklich sein konnte, lächelte. Er schien also, immer wenn ich ihm zunickte, seine Art des Lächelns zumindest zu zitieren, und ich weiß noch gut, wie unangenehm mir das immer war. Ich versuchte mich also so schnell wie möglich hinter die Lehen meines Vordersitzes zu verschanzen. Es war immer befremdlich, mich vor dem Busfahrer unsichtbar machen zu müssen, denn das war sonst nicht nötig. Sonst nämlich beachtete man mich ohnehin nicht. Einmal hatte ich sogar den Eindruck der Busfahrer könnte versuchte, mich um eine Verabredung zu bitten. Ich glaube ich habe es gerade noch rechtzeitig erkannten können, jedenfalls viel ich ihm mit einer Bemerkung über das Wetter im vielleicht letzen möglichen Augenblick ins Wort. Seitdem versuchte ich ihm hiefür möglichst keine Gelegenheit mehr zu bieten und manchmal dachte ich, alles liege an den Kontaktlinsen, denn sie machten mich wohl ansehnlicher. Früher bin vielleicht auch ich manchmal glücklich gewesen, jedenfalls trug ich früher eine Brille. Es war also nahe liegend, alles an den Kontaktlinsen festmachen zu wollen. Ich weiß noch, dass ich glaubte, dass alles mit den Kontaktlinsen begonnen hatte, und dass folglich alles an den Kontaktlinsen lag.
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20.02.2009 - 16:22 Uhr
mamau
Naja, insgesamt ist der Text wohl nicht wirklich für hier geeignet: In einem Satz wäre er viel zu lang, und so wie ich ihn poste ist er halt unschön zerstückelt.








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20.02.2009 - 15:38 Uhr
tomanic