Narrenfreiheit
Sie sind wieder unter uns. Überall sieht man sie. Rote Clownsnasen, seltsam anmutende Kleidung, Schminke. Lieschen Müller goes wild. Es ist wieder diese Zeit im Jahr, wo biedere Bürokauffrauen zusammen mit hippen Unternehmern einen draufmachen. Die Zeit der humbatäteräs, der Helaus. Ich habe Angst. Wir haben Fasching. Wahnsinnig originelle Kostüme werden entworfen, Alkohol in Massen gekauft, vernichtet und anschließend – auf welchem Weg auch immer - wieder nach draußen befördert. Diese Zeit im Jahr, in der die Spirituosenindustrie und die Kostümverleihe die Eurozeichen fast schon auf die firmeninternen Kaffeautomaten aufdrucken. Aber auch die Krankenhäuser, die Notapotheken (für die Pille danach - wenn der wilde Cowboy vielleicht etwas zu voreilig geschossen hat und die Prinzessin zu sehr vom Märchenland benebelt war) und wohl auch die Müllabfuhr haben gut zu tun. Es scheint, als ob viele Menschen zu dieser Jahreszeit am Weiberfasching ihr Gehirn abgeben und dann unter großen Schmerzen wieder an Aschermittwoch einsetzen. Das erklärt dann natürlich auch folgende Anzeige für einen Faschingsball, die ich gelesen habe: „Afrika – Husch Husch Husch wir feiern heut im Busch“. Bamm. Ein wahrhaft großartiges Meisterwerk deutscher Dichtkunst. Nahezu umwerfend dieser Paarreim. Und die unglaublich präzise Vorstellung von Afrika. Ich bin wahrlich beeindruckt. Kleine Anmerkung am Rande für diese Narren. Afrika ist groß, sogar ziemlich groß. Dementsprechend besteht nicht ganz Afrika aus Busch. Man findet dort Wüsten, Berge und sogar – man mag es kaum glauben - Schnee. Dieser Nachwuchsgoethe ist auch nicht sonderlich mit den örtlichen Begebenheiten im afrikanischen Busch vertraut. Jedenfalls lässt es sich nur schwer vorstellen, eine Musikanlage, eine Lichtanlage und eine Bar fernab von jeder Zivilisation aufzubauen, inmitten von Dornensträuchern – diese natürlich schön mit Luftschlangen dekoriert - , Klapperschlangen, Skorpionen und anderen gefährlichen Getier, welches solche buntverkleideten Wesen wohl eher als Eindringling, aber keinesfalls als Partygast betrachten würde. Noch skurriler wäre die Situation dann, wenn – wider Erwarten – doch irgendwelche Einwohner dieses Landstriches sich dorthin verirren würden. Ein fröhlich-gelalltes „Ai, schau mol do ... a nackiche Necha“ des feierwütigen Karnevalisten und ein Zuprosten mit anschließendem Polonaisetanzen zu den Klängen von „Die Affen rasen durch den Wald“ könnte unter Umständen nicht als friedliches Annähern aufgefasst werden. Im Anbetracht der Tatsache, dass die Menschen mitten im Busch sowieso nie einen Gedanken daran verschwenden würden, so ekzessiv und den ursprünglichen Traditionen abtrünnig, zu feiern, ist es unserem Möchtegern-Goethe sicherlich entgangen, dass die Menschen dort nur davon träumen können, allein den Eintrittspreis zu dieser Veranstaltung, geschweige denn die Kosten für Kostüm und den Alkohol, als ein monatliches Gehalt zu bekommen. Aber daran denkt ein Narr doch nicht. In diesem Sinne: Helau, Helau, uns geht’s doch gut, den Rest interessiert doch ka Sau.- Diese Woche fand ich im Garten ein paar Leichen wieder 09.05.2012
- Mahlzeit 29.01.2012
- Zwei Dinge sind Zeichen von Schwäche: Schweigen, wenn man reden müßte, und sprechen, wenn man schweigen sollte! 25.01.2012
- morgenlicht 15.02.2011
- ist heute dienstag oder februar? 14.02.2011
Ich wäre in den nächsten Tagen gerne in Köln, ach …
und ich auch...
*








0
18.02.2009 - 21:44 Uhr
mas