18.02.2009 - 18:30 Uhr

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"Hitler war doch Österreicher"

Text: philipp-mattheis

Der Rapper Samy Deluxe animiert seine Hörer mit einem skurrilen Argument zu mehr Nationalstolz.

Angestrichen:

„Und wir haben kein Nationalstolz und das alles bloß wegen Adolf -
ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich ‘n Österreicher
Ich frag mich was soll das, als wäre ich Herbert Grönemeyer
Die Nazizeit hat unsere Zukunft versaut
die Alten sind frustriert deshalb badet die Jugend es aus
Und wir sind es Leid zu leiden, bereit zu zeigen
wir fangen gerne von vorne an, Schluss mit den alten Zeiten
Siehs mal so:
Dies hier ist unser Deutschland
Dies hier ist euer Deutschland“


Wo steht das denn?
Das ist ein Textauszug von Samy Deluxe' Single-Auskopplung „Dis wo ich herkomm“



Erklärungsversuche, weshalb es den Deutschen am Nationalstolz fehle, gibt es zahlreiche: die Kleinstaaterei im Mittelalter, das späte Zusammenwachsen zu einem Nationalstaat, die regionalen Unterschiede und auch die wechselhafte Geschichte, die wenig Anlass zum Jubeln bietet. Alles, was den Deutschen angeblich an Selbstbewusstsein fehle, an Adolf Hitler festzumachen, ist schon eine selten simple Erklärung.

Mit einer an Schwachsinn kaum zu überbietenden Begründung, doch endlich stolzer auf das eigene Land zu sein, wartet nun Samy Deluxe auf. In seinem – wohl gutgemeinten - Motivationssong "Dis is wo ich herkomm" heißt es: "Und wir haben kein Nationalstolz und das alles bloß wegen Adolf - ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich ‘n Österreicher".

Selten hat eine Textzeile derart viele Fragen aufgeworfen:

* Steht Samy Deluxe bei den Nationsanimateuren von Du bist Deutschland unter Vertrag?

* Steckt der Aggro-Berlin Rapper Fler mit seiner Deutschtümelei dahinter?

* Haben sich die Deutschen jetzt 60 Jahre umsonst für die Verbrechen der Nazis geschämt?

* Müssen Goebbels, Göring und Konsorten jetzt historisch neu bewertet werden, weil sie für ihre Gräueltaten gar nicht verantwortlich sind - schließlich sind sie ja nur einem Österreicher auf dem Leim gegangen?

* Waren alle Deutschen, die Hitler 1933 wählten, in Wahrheit Österreicher?

* Sind eigentlich die Österreicher an allem Schuld?

* Sollten sich Rapper einfach mit anderen Themen beschäftigen?

Angesichts der Schwere des Themas und des daraus sich ableitenden endlosen Diskurspotenzials ist es wohl das Sinnvollste, die letzte Frage schlicht mit "Ja" zu beantworten.


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ruebezahl
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Mag ich Mag ich nicht

-2

18.02.2009 - 18:35 Uhr
ruebezahl

wie sagte schon albert e.: Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher.

Aporia
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.02.2009 - 18:40 Uhr
Aporia

Dem ist nichts hinzuzufügen.

karrrrrrak
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Mag ich Mag ich nicht

-2

18.02.2009 - 18:45 Uhr
karrrrrrak

die schlussstrich mentalität ist ja schon teil der populärkultur. dümmer gehts nicht! aber da muß sich nur den medialen diskurs der letzten jahre anschauen, da werden täter zu opfern, die sich im schwarz rot geilen fahnenrausch wieder unbeschwert einen runterholen können.
die soziale gegensätze verschärfen sich, aber scheiß egal man kann ja stolz sein ein deutscher zu sein, wenn man sonst nichts hat.

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

4

18.02.2009 - 18:53 Uhr
afrirali

das eigentlich interessante fällt dem schwachkopf von redakteur (sorry, aber wenn du von schwachsinn schreibst, dann musst du dir das wohl sagen lassen -- ich denke ja immer wieder an den stil von jetzt.de) natürlich nicht auf, dass nämlich ein afro-deutscher deutschen nationalstolz für sich in anspruch nimmt. all die weißen glatzen in west und ost werden ihre probleme damit haben, genauso wie diejenigen, die vom volk als schicksalsgemeinschaft reden. das war ja übrigens auch das interessante am A.C. hit damals, dass dort "ausländer" auf ihre deutsche identität pochten.

in der tat nämlich ist es das wichtigere für eine deutsche identität, dass schwarze jugendliche zum alltag hier gehören, als die vergangenheit. (dass ich als professioneller historiker das mal sagen würde...)

abgesehen davon hat der gute redakteur von ironie wohl noch nie was gehört.

Freiheitsliebe
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Mag ich Mag ich nicht

1

18.02.2009 - 18:58 Uhr
Freiheitsliebe

afrirali sagte:
das eigentlich interessante fällt dem schwachkopf von redakteur (sorry, aber wenn du von schwachsinn schreibst, dann musst du dir das wohl sagen lassen -- ich denke ja immer wieder an den stil von jetzt.de) natürlich nicht auf, dass nämlich ein afro-deutscher deutschen nationalstolz für sich in anspruch nimmt. all die weißen glatzen in west und ost werden ihre probleme damit haben, genauso wie diejenigen, die vom volk als schicksalsgemeinschaft reden. das war ja übrigens auch das interessante am A.C. hit damals, dass dort "ausländer" auf ihre deutsche identität pochten.

in der tat nämlich ist es das wichtigere für eine deutsche identität, dass schwarze jugendliche zum alltag hier gehören, als die vergangenheit. (dass ich als professioneller historiker das mal sagen würde...)

abgesehen davon hat der gute redakteur von ironie wohl noch nie was gehört.


*word*

was philip-mattheis oft hier macht grenzt an grobe fahrlässigkeit bis vorsatz. schlecht recherchiert, wie immer. samy-deluxe: vater aus dem sudan, mutter deutsche. brauch niemand reaktionär schreien nun^^

getupkid
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7

18.02.2009 - 18:59 Uhr
getupkid

afrirali sagte:
das eigentlich interessante fällt dem schwachkopf von redakteur (sorry, aber wenn du von schwachsinn schreibst, dann musst du dir das wohl sagen lassen -- ich denke ja immer wieder an den stil von jetzt.de) natürlich nicht auf, dass nämlich ein afro-deutscher deutschen nationalstolz für sich in anspruch nimmt. all die weißen glatzen in west und ost werden ihre probleme damit haben, genauso wie diejenigen, die vom volk als schicksalsgemeinschaft reden. das war ja übrigens auch das interessante am A.C. hit damals, dass dort "ausländer" auf ihre deutsche identität pochten.

in der tat nämlich ist es das wichtigere für eine deutsche identität, dass schwarze jugendliche zum alltag hier gehören, als die vergangenheit. (dass ich als professioneller historiker das mal sagen würde...)

abgesehen davon hat der gute redakteur von ironie wohl noch nie was gehört.


was ist denn jetzt genau daran neu, dass ein "afro-deutscher" nationalstolz für sich proklamiert? und macht die tatsache, dass sich ein paar ost-glatzen ärgern, die dinge, die er sagt, irgendwie klüger?

karrrrrrak
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Mag ich Mag ich nicht

-2

18.02.2009 - 19:01 Uhr
karrrrrrak

@afri
ob nun ein afrodeutscher für eine schlußstrichmentalität wirbt oder ein deutscher ist egal im endeffekt läufts aufs gleiche hinaus.
das ist ein geistiger brandsatz der da gezündet wird und wer da zündelt ist ja mal scheissegal.
...und dein positivrassismus ist mal echt unter aller sau. weil er ein afrodeutscher ist darf er das...hallo tickts bei dir noch richtig?

p.s. der A.C. hit hat auf den rassismus angespielt und die gleichen rechte gefordert. er hat aber nicht versucht sich mit deutschland überzuidentifizieren und deutscher sein zu wollen als die deutschen, indem er dem geschichtsrevisionismus eine breche schlägt und genau das tut dieser song.

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Mag ich Mag ich nicht

-2

18.02.2009 - 19:03 Uhr
karrrrrrak

da bekommt afrirali auch schon schützenhilfe von der richtigen seite

ruebezahl
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Mag ich Mag ich nicht

2

18.02.2009 - 19:04 Uhr
ruebezahl

aber das ist ja mal ebenso derber schwachsinn von einem weiteren schwachkopf (sorry, aber das musst du dir in deinem stil von jetzt.de wohl auch sagen lassen). als sei es eine wirklich ironische pointe zweiter ordnung, wenn nationalstolzer schwachsinn von einem "afro-deutschen" und keinem "echten" deutschen verzapft würde. und als würde das irgendeinen naziarsch darob heftig in den hämorrhoiden jucken. tuts mitnichten. schwachsinn bleibt schwachsinn, egal wer ihn äußert. und ironie: dass migrantenkinder nationalstolz entwickeln halten auch nur ein paar wenige besonders begabte für ironisch.

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

0

18.02.2009 - 19:06 Uhr
afrirali

getupkid: in deutschland hat es (leider) noch keine lange tradition, dass nicht "ethnisch" deutsche eine deutsche identität einklagen. bis vor kurzem galt hier noch de facto das blutsrecht. und in den diskussionen um integration ist es auch alles andere als klar, ob "nicht-weiße deutsche", meist als deutsche mit migrationshintergrund bezeichnet, sich als deutsche sehen oder nicht. ich finde es durchaus erfreulich, wenn sich eine deutsche identität einerseits im selbstverständnis einer multiethnischen gesellschaft, andererseits im selbstverständnis einer demokratischen und liberalen gesellschaft bildet. und hierzu leistet so etwas einen beitrag, der wichtig ist, weil er an gesellschaftlichen bruchzonen wirken kann. ja, nationalstolz kann integrativ sein, mit all den scheußlichen folgen; aber er kann auch gutes hervorbringen. auf solches achtet der schwachkopf von redakteur aber leider nicht, weil er im reflex nicht mal die ironie bemerkt, die vor allem eines sagt: dass es mit verlaub wichtigere fragen gibt, als die von ihm gestellten. aber die interpretatorischen fähigkeiten des herrn mattheis sind wohl eher eingeschränkt.

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philipp-mattheis

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