19.02.2009 - 18:30 Uhr

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Zum Beispiel: Globalisierung. Eine Wirtschaftskolumne (I)

Text: klaus-werner-lobo - Fotos: soma69/photocase.de; Paul Sturm

Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute verlangt er offene EU-Grenzen - für alle Menschen

Globalisierung bezeichnet die zunehmende weltweite Vernetzung in allen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation. Ich zum Beispiel habe Freunde und Freundinnen in Brasilien, im Kongo und Australien, mit denen ich in verschiedenen Sprachen fast gratis chatten, E-Mails verschicken und via Skype online telefonieren kann. Als Journalist kann ich im Internet auf die Archive der New York Times oder einer kleinen indischen Zeitung zugreifen, mir von Menschenrechtsgruppen in Hong Kong oder Nigeria Informationen schicken lassen und per Weblog mit Leuten auf der ganzen Welt kommunizieren. Ich lade mir die Musikfiles internationaler Bands und DJs herunter und sehe mir auf YouTube Filme aus aller Welt an. Außerdem genieße ich fair gehandelten Kaffee aus Bolivien, Schokolade aus Ghana und Bananen aus Costa Rica. Und hin und wieder steige ich in ein Flugzeug, um fremde Kulturen kennen zu lernen, obwohl ich weiß, dass das aus ökologischer Sicht gar nicht gut ist und es sich nur wenige Menschen leisten können.
Das Internet hat die Welt zum Dorf gemacht, in dem sich Menschen verschiedener Kontinente zum virtuellen Kaffeetratsch zusammenfinden können. Unser Alltag gleicht allerdings eher einem „globalen Supermarkt“: Unsere Tomaten werden in Holland gepflückt und in Marokko gewaschen, unsere Jeans aus indischer Baumwolle in China genäht und von einer US-Firma verkauft, unsere Handys in Finnland designt und in Taiwan aus Bauteilen zusammengebaut, deren Rohstoffe aus dem Kongo stammen und in Deutschland verarbeitet wurden. Auf Homepages wie getfriday.com können vielbeschäftigte Manager sogar eine Sekretärin buchen, die ihnen von Indien aus einen Termin beim Zahnarzt in München reserviert – das ist mittlerweile billiger, als eine deutsche Sekretärin zu bezahlen. Das Problem dabei: Diese Art der Globalisierung bringt nur Vorteile für jene, die von den großen Einkommensunterschieden zwischen reichen und ärmeren Ländern, von der Ausbeutung von Menschen, Umwelt und billigen Rohstoffen profitieren. Das hat dazu geführt, dass heute die zwei reichsten Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte der Weltvermögen besitzen, während sich die ärmere Hälfte der Menschheit gemeinsam ein Prozent der Reichtümer der Erde teilen muss und in absoluter Armut lebt. Es ist vor allem eine Globalisierung der Konzerne: Die 500 größten Firmen der Welt dominieren 70 Prozent des globalen Handels und fast die Hälfte des Weltsozialproduktes, obwohl sie nur 0,05 Prozent der Arbeitsplätze weltweit sichern und kaum noch Steuern zahlen, um zum Sozialsystem beizutragen. Statt einer Globalisierung für Konzerne wäre eine Globalisierung für Menschen nötig. Waren, Kapital und die Früchte harter Arbeit können heute ungehindert "reisen". Menschen dürfen das nicht – vor allem dann nicht, wenn sie aus ärmeren Ländern kommen. Was heißt ärmere Länder! Die meisten Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind wesentlich reicher als fast alle Industrieländer. Nigeria, Kongo, Brasilien usw. verfügen über wesentlich mehr Bodenschätze und viel bessere landwirtschaftliche Bedingungen als zum Beispiel Deutschland, das drittreichste Land der Welt. Doch genau diese Reichtümer werden ihnen von den multinationalen Unternehmen weggenommen, die bei ihren Raubzügen auch noch auf die Unterstützung durch unsere Regierungen zählen können. Wenn die Menschen dann – quasi ihren Reichtümern nach – vor dem Elend zu uns flüchten wollen, sagen unsere Regierungen dann: Draußen bleiben! Das ist, wie wenn ich meiner Nachbarin den Kühlschrank ausräumen würde, am Abend mit ihrem Bier ein Fest veranstalte, und sie darf nicht mitfeiern. Zu diesem Thema mehr beim nächsten Mal. ***
Klaus Werner-Lobo ist Autor und Clown. Sein neuestes Buch heißt „Uns gehört die Welt! Macht und Machenschaften der Multis“, seine Website ist unsdiewelt.com


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air_kaviar
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.02.2009 - 10:47 Uhr
air_kaviar

interessant, wo habt ihr denn die ganzen forderungen herausgelesen, die ihr dem autor vorwerft? der text ist eine einzige zustandsbeschreibung. die einzige forderung die gemacht wird, ist die nach einer globalisierung für den menschen. da das hier der beginn einer kolumne ist, tippe ich dass hier die ausgangslage geschildert wird.

@synthie: wenn die globalisierung für die entwicklungsländer so toll ist, dann können wir ja freizügigkeit einführen. denn dann geht es den leuten in ihrer heimat ja so gut, dass sie garnicht herkommen bzw. bleiben wollen.

wobei ich nicht bestreite, dass die globalisierung für die entwicklungsländer auch positive auswirkungen hat. nur werden eben die profite nicht von denen gemacht, die sie erwirtschaften.

riesenherz
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Mag ich Mag ich nicht

-1

20.02.2009 - 11:02 Uhr
riesenherz

1
"Die Auslegung eines Gesetzes beginnt und endet mit seinem Wortlaut", lernen die Juristen im ersten Semester (und behrzigen es dann sogar als BVerfG-Richter nicht mehr, siehe Asylrechtsprechung); die Soziologen und andere Gesellschaftswissenschaftler lernen, etwas später,: Die Wertung und Deutung einer gesellschafts(-politischen) Aussage beginnt und endet "mit der Definition der Kommunikationssituation" (Habermas), in der die Aussage getroffen wird.

2
Aus meiner Sicht gehen daher die sehr klugen Ausführungen von Synthie_ und_Roma durchaus mit dem Anliegen des Clowns Lobo konform: in seiner schlichten und kindlich-unbefangenen Art weist ein Clown auf die irreale Welterklärung der Erwachsenen hin. Zu Ende gedacht würde der Vorschlag Lobos ja genau darauf hinauslaufen, sich endlich mal über die Ungeheuerlichkeit (und die in der Finanzkrise zur Zeit ja ungeheuerlich spürbar werdenden Konsequenzen) dieser Lebensform "Irrealis" der so abgeklärten Erwachsenenwelt nachhaltig Gedanken zu machen. Und sich ggf. einer Vereinnahmung durch die ebenso großen Vereinfacher einfach zu widersetzen.

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

-14

20.02.2009 - 11:05 Uhr
afrirali

jetzt hab ichs raus: riesenherz ist einfach im grunde seines herzens immer ein kind geblieben, das mit großen staunenden und erschreckten augen auf die welt blickt und sie nicht versteht, sich dann aber im laufe der jahre erklärungen für dieses unverständnis gesucht hat.

Dieser Text wurde ausgeblendet, weil er von vielen Usern als schlecht bewertet wurde. Hier kannst Du ihn wieder einblenden.

synthie_und_roma
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Mag ich Mag ich nicht

-1

20.02.2009 - 11:08 Uhr
synthie_und_roma

air_kaviar sagte:
interessant, wo habt ihr denn die ganzen forderungen herausgelesen, die ihr dem autor vorwerft? der text ist eine einzige zustandsbeschreibung. die einzige forderung die gemacht wird, ist die nach einer globalisierung für den menschen. da das hier der beginn einer kolumne ist, tippe ich dass hier die ausgangslage geschildert wird.

@synthie: wenn die globalisierung für die entwicklungsländer so toll ist, dann können wir ja freizügigkeit einführen. denn dann geht es den leuten in ihrer heimat ja so gut, dass sie garnicht herkommen bzw. bleiben wollen.

wobei ich nicht bestreite, dass die globalisierung für die entwicklungsländer auch positive auswirkungen hat. nur werden eben die profite nicht von denen gemacht, die sie erwirtschaften.


1. es gibt hunderte millionen von menschen, denen es besser geht. die wollen gar nicht zu uns. aber eben nicht in afrika, weil es da keinem besser geht. dies allein nur auf die bösen multinationalen konzerne zu schieben ist mir zu einfach. das ist alles was ich sage. würden die afrikaner besser regiert - wie inder und auch chinesen - dann könnten die dort für bessere verhätnisse sorgen

2. es ist zynisch offene grenzen zu fordern, weil alle die besser ausgebildet sind sofort zu uns kommen. gerade die länder mit wenig "humankapital" werden einen ungeheuren aderlass hinnehmen müssen. das wird für noch schlechtere verhältnisse dort vor ort sorgen.

3. wird es immer ungerechtigkeit ind er welt geben. leute die mehr leisten können (und wollen) und solche die es eben nicht tun. wie xxx schon sagte: gib allen menschen auf der erde heute gleich viel geld. in wenigen jahren gibt es wieder wenige reiche und viele arme.

riesenherz
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Mag ich Mag ich nicht

-1

20.02.2009 - 11:09 Uhr
riesenherz

afrirali sagte:
jetzt hab ichs raus: riesenherz ist einfach im grunde seines herzens immer ein kind geblieben, das mit großen staunenden und erschreckten augen auf die welt blickt und sie nicht versteht, sich dann aber im laufe der jahre erklärungen für dieses unverständnis gesucht hat.


*ertapptaufschreck*

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Mag ich Mag ich nicht

-1

20.02.2009 - 11:12 Uhr
riesenherz

@Synthie: Du hast in vielem recht, keine Frage. Aber es gibt sehr alte Traditionen zu versuchen, mit dieser von dir beschriebenen gesellschaftlichen "Grundkonstante" anders umzugehen: von der Allmende, über die alten jüdischen Traditionen von Schuldenerlaß und Neuverteilung bis hin zu dem Versuch einer sozialen (!) Marktwirtschaft bei gleichzeitigem Offenhalten des eigenen Paradieses via Asylrecht.
Wir sollten uns da alle nicht einfach mit abfinden, daß solche Versuche so oft scheitern.

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

-7

20.02.2009 - 11:12 Uhr
afrirali

ich hätte hinzufügen sollen, dass diese erklärungen natürlich nie das level des kindlichen unverständnisses verlassen haben.

Dieser Text wurde ausgeblendet, weil er von vielen Usern als schlecht bewertet wurde. Hier kannst Du ihn wieder einblenden.

air_kaviar
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.02.2009 - 11:13 Uhr
air_kaviar

synthie, du hast recht. aber wo steht im text etwas davon, dass er den lokalen regierungen keine schuld gibt? du beziehst dich auf naive ansichten eines 15 jährigen weltverbesserers. die finde ich im text nicht.

afrirali
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Mag ich Mag ich nicht

-2

20.02.2009 - 11:15 Uhr
afrirali

und riesenherz, dann solltest du dich vielleicht einmal fragen, warum diese traditionen irgendwann nicht mehr funktionierten. infantil wird es in dem moment, indem du das nur auf die "raubzüge" der "multis" schiebst. das ist die infantile erklärung: was man nicht mag und nicht versteht, das kann nur das werk finsterer gestalten sein, weil wenn alles mit rechten (gerechten) dingen zugehen würde, wäre es anders. ich frage mich ja übrigens auch, wie du solche "traditionen" durchsetzen willst.

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Mag ich Mag ich nicht

-2

20.02.2009 - 11:16 Uhr
afrirali

air: sorry, aber der clown argumentiert nicht "jugendlich", also wie ein 15jähriger, sondern, das sah riesenherz ganz richtig, wie ein kind, also wie ein 10jähriger.

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