Zum Beispiel: Globalisierung. Eine Wirtschaftskolumne (I)
Er hat das "Schwarzbuch Markenfirmen" geschrieben, in "Uns gehört die Welt" erklärt er Macht und Machenschaften von Konzernen - für jetzt.de macht Klaus Werner-Lobo Wirtschaft plastisch. Heute verlangt er offene EU-Grenzen - für alle Menschen
Globalisierung bezeichnet die zunehmende weltweite Vernetzung in allen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation. Ich zum Beispiel habe Freunde und Freundinnen in Brasilien, im Kongo und Australien, mit denen ich in verschiedenen Sprachen fast gratis chatten, E-Mails verschicken und via Skype online telefonieren kann. Als Journalist kann ich im Internet auf die Archive der New York Times oder einer kleinen indischen Zeitung zugreifen, mir von Menschenrechtsgruppen in Hong Kong oder Nigeria Informationen schicken lassen und per Weblog mit Leuten auf der ganzen Welt kommunizieren. Ich lade mir die Musikfiles internationaler Bands und DJs herunter und sehe mir auf YouTube Filme aus aller Welt an. Außerdem genieße ich fair gehandelten Kaffee aus Bolivien, Schokolade aus Ghana und Bananen aus Costa Rica. Und hin und wieder steige ich in ein Flugzeug, um fremde Kulturen kennen zu lernen, obwohl ich weiß, dass das aus ökologischer Sicht gar nicht gut ist und es sich nur wenige Menschen leisten können.
Das Internet hat die Welt zum Dorf gemacht, in dem sich Menschen verschiedener Kontinente zum virtuellen Kaffeetratsch zusammenfinden können. Unser Alltag gleicht allerdings eher einem „globalen Supermarkt“: Unsere Tomaten werden in Holland gepflückt und in Marokko gewaschen, unsere Jeans aus indischer Baumwolle in China genäht und von einer US-Firma verkauft, unsere Handys in Finnland designt und in Taiwan aus Bauteilen zusammengebaut, deren Rohstoffe aus dem Kongo stammen und in Deutschland verarbeitet wurden. Auf Homepages wie getfriday.com können vielbeschäftigte Manager sogar eine Sekretärin buchen, die ihnen von Indien aus einen Termin beim Zahnarzt in München reserviert – das ist mittlerweile billiger, als eine deutsche Sekretärin zu bezahlen.
Das Problem dabei: Diese Art der Globalisierung bringt nur Vorteile für jene, die von den großen Einkommensunterschieden zwischen reichen und ärmeren Ländern, von der Ausbeutung von Menschen, Umwelt und billigen Rohstoffen profitieren. Das hat dazu geführt, dass heute die zwei reichsten Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte der Weltvermögen besitzen, während sich die ärmere Hälfte der Menschheit gemeinsam ein Prozent der Reichtümer der Erde teilen muss und in absoluter Armut lebt. Es ist vor allem eine Globalisierung der Konzerne: Die 500 größten Firmen der Welt dominieren 70 Prozent des globalen Handels und fast die Hälfte des Weltsozialproduktes, obwohl sie nur 0,05 Prozent der Arbeitsplätze weltweit sichern und kaum noch Steuern zahlen, um zum Sozialsystem beizutragen.
Statt einer Globalisierung für Konzerne wäre eine Globalisierung für Menschen nötig. Waren, Kapital und die Früchte harter Arbeit können heute ungehindert "reisen". Menschen dürfen das nicht – vor allem dann nicht, wenn sie aus ärmeren Ländern kommen. Was heißt ärmere Länder! Die meisten Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sind wesentlich reicher als fast alle Industrieländer. Nigeria, Kongo, Brasilien usw. verfügen über wesentlich mehr Bodenschätze und viel bessere landwirtschaftliche Bedingungen als zum Beispiel Deutschland, das drittreichste Land der Welt. Doch genau diese Reichtümer werden ihnen von den multinationalen Unternehmen weggenommen, die bei ihren Raubzügen auch noch auf die Unterstützung durch unsere Regierungen zählen können. Wenn die Menschen dann – quasi ihren Reichtümern nach – vor dem Elend zu uns flüchten wollen, sagen unsere Regierungen dann: Draußen bleiben! Das ist, wie wenn ich meiner Nachbarin den Kühlschrank ausräumen würde, am Abend mit ihrem Bier ein Fest veranstalte, und sie darf nicht mitfeiern. Zu diesem Thema mehr beim nächsten Mal.
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- Zum Beispiel: Aktiv werden 12.06.2009
- Zum Beispiel Rinderzucht: Kühe, die subventionierten Klimakiller 05.06.2009
- Zum Beispiel: Das gute Image der Konzerne - und wie leicht es leidet 29.05.2009
- Zum Beispiel Festung Europa: Wie Italien Bootsflüchtlinge umschifft 15.05.2009
- Zum Beispiel Spaß: Subversiver Humor ist der beste Protest 07.05.2009
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ähm. stimmt, schutzzölle und sonstige handelsschranken sind ja schon lange abgeschafft, sieht man daran, wie sehr z.b. afrika von den früchten seiner harten arbeit profitiert, gell.
die allgemeinheit nutzt aber weder täglich skype oder informiert sich in den archiven der ny oder india times, alleine da fehlt dann schon der zugang zu "normalen" menschen.
hochqualifizierte wie lobo - die selbstständig sind und zu einer bildungs- und kommunikationselite gehören - die profitieren von den propagierten offenen grenzen. ein einfacher opelarbeiter. der bei skype nur skalp versteht, und der höchstens mal das tittenarchiv der bild besucht. der wird es wohl nicht so dolle finden, wenn massen von menschen den arbeitsmarkt überschwemmen, die den gleichen job für einen bruchteil des gehalts machen.
und was nützt es im endeffekt den armen ländern, wenn ihnen die bestausgebildeststen menschen weglaufen? genau: nichts.
Cheers!
Der Commodore
uebrigens ginge es dabei nicht nur um export, aber es ist doch irgendwo pervers, dass in manchen afrikanischen staaten bauern ihre waren nicht verkaufen koennen, weil chinesische importierte kartoffeln billiger zu bekommen sind.
ich bin an den artikel mit anderen erwartungen herangegangen. da fehlt zuviel. die auswirkungen des klimawandels, unser konsumverhalten anstatt das multikonzernebashing und die folgen der finanzkrise. denke nicht, dass ich lust bekommen habe auch nur eines seiner buecher zu lesen.
19.02.2009 - 18:59 Uhr
Ioana
was fuer ein unglaublicher bullshit. von dieser art der globalisierung profitieren genauso der programmierer in bangalore, die naeherin in zhengzou, der taxifahrer in luanda, und noch viele hundert millionen mehr.
und wer komplett offene grenzen fuer europa fordert soll doch bitte einfach mal das gehirn einschalten und einen schritt weiterdenken.
afrika profitiert doch - unter anderem - auch nicht, weil die politischen verhältnisse ein totales desaster sind. was auch an der politik der europäer und amerikaner und chinesen liegt - keine frage - andererseits führen uns afrikanische politiker ständig vor, wie man es niemals nie machen sollte. und wer so regiert wird hat nie eine chance - wie zum beispiel die asiaten oder teile der südamerikaner - von der gloabisierung zu profitieren.
Passt. "Eindimensional und monokausal" passt auch. Die Bösen sind wieder mal "Die Konzerne" und "unsere Regierungen"... daß leider auch prä- sowie postkoloniale Strukturen entscheidend zu der andauernden Armut in v.a. Afrika beigetragen haben, ist halt nicht so schön einfach darzustellen.
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19.02.2009 - 18:40 Uhr
synthie_und_roma