Mai-Si-Mi-Lan!
Text: xifan-yang
In Deutschland ist der Berliner Maximilian Hecker ein Indie-Künstler, in Asien wird er als ein Popstar verehrt
Wie erklärst du es dir, dass besonders Menschen in Asien sich von deiner Musik angesprochen fühlen?
Ich glaube, die Leute in Asien verstehen mich. Ich fühle mich im Alltag vielen Zwängen ausgesetzt, verhalte mich häufig nüchtern, manchmal verklemmt. Das erhöht nicht gerade meine Lebensqualität, im Gegenteil. Ich versuche, meine Emotionen so gut wie möglich aus dem Alltag fernzuhalten . . .
. . . was ja häufig von Asiaten behauptet wird.
. . . das ist auch mein Eindruck. Ich glaube, dass man in Asien lernt, mit seinen Gefühlen hauszuhalten. In bestimmten Situationen, im Rahmen von Feiern, im engen Kreis der Familie oder unter Freunden zeigt man seine tiefen Emotionen allerdings umso stärker. Auch auf Popkonzerten werden sie intensiver als im Westen ausgelebt. Mein Charakter ist der asiatischen Mentalität in der Hinsicht sehr nahe. Ich brauche die Musik, um meine eigenen Gefühle wahrzunehmen.
Autogrammstunde in der chinesischen Großstadt Guangzhou
Deine Lieder handeln von einem sehr hohen Ideal von Liebe. Manche bezeichnen deine Musik als Kitsch.
Hierzulande finden die Leute sie soft, weiblich, schnulzig und tendenziell uncool. Ich bekenne mich in meinen Liedern zu einer paradiesischen Vorstellung von Liebe und Erlösung, die wahrscheinlich nicht viel mit der Realität zu tun hat. Das ist ein sehr radikales Bekenntnis.
Sind wir in Europa zu abgeklärt?
Hier wird so etwas belächelt. In Deutschland kriege ich häufig zu hören: "Das meint der ironisch, der will uns doch veräppeln etc."
Und?
Nein, ich meine das nicht ironisch. Nie. Insofern habe ich es in Asien leichter, weil man mich akzeptiert, wie ich bin und weil man nicht gleich alles in popkulturelle Schubladen schiebt. Meine asiatischen Fans gehen zum Glück kaum intellektuell mit Popmusik um, sie nehmen sie einfach intuitiv, eins zu eins, auf. In Asien machen romantische Liebesballaden bestimmt 70 bis 80 Prozent aller Popmusik aus.
Hast du dich in Asien fremd gefühlt?
Die Leute, die ich hauptsächlich in Asien getroffen habe, waren junge Großstädter, die in vielen Aspekten sehr westlich denken. Trotzdem war es schwierig, sich zu verständigen. Manche Probleme wurden verschwiegen, stattdessen einigte man sich darauf, zwischen den Zeilen zu lesen. Es kam zum Beispiel vor, dass mir Konzertveranstalter versichert hatten: "Die Technik und das Equipment stehen", vor Ort fanden wir aber nichts vor. Dass manche Dinge anders laufen, als offen ausgesprochen wird, konnte ich als europäischer Tölpel natürlich nicht wissen.
Du hast bereits im April wieder Konzerttermine in Peking und Tokio. Hast du schon mal daran gedacht, eine asiatische Sprache zu lernen?
Eine Zeitlang habe ich daheim versucht, mir Mandarin mit einem Langenscheidt-Sprachkurs beizubringen. Bisher kann ich aber nur ein paar einfache Sätze wie: "Ich habe keine Freundin". Das kommt auf Konzerten in China immer gut an.
Das Album "One Day" erscheint am 27. März bei Louisville Records.