Heraklit
Einer bekannten, wenn auch zweifelhaften Geschichte zufolge entschloss sich vor rund 14 Milliarden Jahren eine Singularität zur Entspannung. Seitdem hallt ein gewaltiges Gähnen durch die Zeit und Gott reckt die Glieder, die Dinge verlieren sekündlich an Halt, eine tödliche Entspannung breitet sich aus, aber ob einmal eine Kraft entsteht, sich wieder zusammenzureißen, das ist ach so zweifelhaft. Einer anderen, weniger bekannten Geschichte zufolge überschritt diese Entspannung vor einigen Monaten einen kritschen Punkt. Es war dies der beinah unbemerkt gebliebene Moment der Weltveränderung. In den Zoologischen Gärten aller Städte begannen die Tiere ihre Übungen im Beseufzen der Natur. Aus den Elefantenhäusern drang seit Tagen nichts andres als Geseufze, zwei Schabrackentapire fielen, als sie die warmen rauhen Hände ihres Pflegers fühlten, sofort in einen ohnmachtartigen Schlaf, die Leiche des letzten Strandammermännchens, welches am 18. Juni 1987 einäugig in einem Ressort in Florida gestorben, dort ausgestopft und ausgestellt worden war, wurde von einem kaum wahrnehmbaren Zittern durchzogen. Allein eine steinalte deutsche Ornithologin, die zufällig in diesem Moment einen schwer zu deutenden Blick auf den toten Vogel geworfen hatte, meinte im leblosen Körper eine Streckung des Halses zu erkennen, ein leichtes öffnen des Schnabels und ein Austreten von etwas wie Seele. Wenn nicht, dachte Professor Rabus, bei jeder Erweiterung des Verstandes die Gefahr des völligen Verrücktwerden bestünde, wir wüssten ja immer schon vom Weltuntergang. Er öffnete ein Buch über Botanik, legte wohl auch die Hand auf eine Abbildung, sah aber dann für eine nicht näher bemessbare Weile durch das Buch hindurch in die Leere. In der Duschwanne seiner Nasszelle hockte Bubenhauer und dachte nach über eine bessere Raumnützung durch dreieckige Duschen. Zum ersten Mal in seinem Leben, beschäftigte ihn eine Frage, die er nicht beantworten konnte. Was nämlich, fragte sich Bubenhauer, stellen wir mit dem ganzen Platz an, den ich schaffe in den Stunden und Tagen im Büro, wo ich Pläne zeichne mit feinem Bleistift oder auch mit Computerprogrammen. Vielleicht, so hoffte der Kleinstraumarchitekt, würden die Fragmente Heraklits ihm eine Antwort geben, mühsam erhob er sich und um sein Bein schlug der Schimmel unten am Duschvorhang. Einer gut bezeugten, aber nicht geäußerten Geschichte zufolge, sagte ich zu Dr. Mynx, wird alles gut. Ich beginne, sagte Dr. Mynx, bei den Füßen und er holte aus einem sauberen Schublädchen die Nadeln. Bald schon sah ich mich im Nebel, den der Glutwind aus dem Meer herausbeißt.
- So hatte ich mir das vorgestellt 18.10.2009
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- Im Rahmen meiner Psychoanalyse… 25.09.2009
- Im Rahmen meiner Forschungen… 21.09.2009
BillyBudd sagte:
Ein Buch mit all Deinen Texten wäre etwas Wunderbares.
oh ja!
[OK] [Abbrechen]
Sehr schön.
oder heißt es lehre?








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14.02.2009 - 15:16 Uhr
BillyBudd