13.02.2009 - 20:50 Uhr

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US-Amerikaner können sich nur 37 % der selbst produzierten Waren leisten

Text: Digital_Data

Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass unser Hauptproblem der Kaufkraftverlust der Weltbevölkerung ist und dadurch zu wenig Geld vorhanden ist um die produzierten Artikel zu kaufen. Ich will nicht heute mit diesen Problem näher auseinander setzen. Also prüfen wir zunächst ob diese Annahme auch stimmt. Die Bestätigung der fehlenden Kaufkraft Also fangen wir mal ganz einfach wieder zu rechnen an. Es bietet sich Amerika an. Amerika hat ein Handelsdefizit, das heißt es werden mehr Produkte importiert als exportiert. Amerika lebt nicht vom Export. Alle im Inland produzierten Produkte und Dienstleistungen, die an Endverbraucher verkauft werden, müssen also auch dort konsumiert werden. Eigentlich sogar auch die zusätzlich importierten Waren, aber diese vernachlässigen wir einmal. Amerika hat ein Bruttoinlandsprodukt von 14 Billionen Dollar. Also der Wert der in Amerika produzierten Waren und Dienstleistungen beträgt 14.000 Milliarden Dollar. Teilt man diese Summe durch 305 Mio. Einwohner so müsste jeder Einwohner 45.900 Dollar netto verdienen um diese Waren zu bezahlen. Das Durchschnittseinkommen pro Haushalt (!! Amerika hat ca. 120 Mio. Haushalte) betrug in Amerika aber nur 44.000 Dollar brutto. Multipliziert man das aus, so erhält man 5,2 Billionen Dollar oder anders ausgedrückt, die amerikanischen Bürger können mit ihrem Einkommen nur 37,7 % der produzierten Waren kaufen. Wohlgemerkt wir rechnen mit dem Bruttogehalt. Staatskonsum kann man vernachlässigen, da der Staat auch einen Großteil seines Geldes für Löhne ausgibt ist dies mindestens ein Nullsummenspiel und außerdem rechnen wir ja schon mit dem Bruttogehalt, also inklusive dem was der Staat bekommt. Außerdem wird selbst ein Teil des Durchschnittseinkommens eben durch den Staat finanziert, da viele Mitarbeiter in den Verwaltungen ja ihr Geld vom Staat beziehen und dieses Einkommen auch ins Durchschnittseinkommen einfließt. Auch B2B-Geschäfte (also Business to Business) übernehmen einen Teil des Konsumes. UPS kauft z.B. Fahrzeuge von einem Hersteller und transportiert Waren von Firmen. Nur wenn die Lufthansa als Firma bei einer anderen Firma ein Flugzeug kauft, dann zahlt zwar die Lufthansa dieses Flugzeug, aber es wird mit Kundengeldern bezahlt, also mit den Einnahmen. Jeder B2B-Konsum wird im Endeffekt von Konsumenten bezahlt, selbst dann, wenn eine Firma nur an Business verkauft, denn diese Firmen müssen ja ihr Geld auch irgendwo her bekommen. Also SAP verkauft seine Software nicht an Konsumenten, aber die SAP-Kundenfirmen verkaufen ihre Produkte eben an Konsumenten. Eine Quote von unter 40 % möglicher Konsum durch Konsumenten kann nicht gesund sein. Die Einwohner Amerikas verdienen zu wenig um die selbst produzierten Produkte kaufen zu können. Die Überproduktion wurde durch Kredite für Konsumenten verkauft. Dies ist nun vorbei. Der Kreditkonsum findet nicht mehr in vollem Umfang statt. Die Firmen hingegen konsumieren nur, wenn sie das Geld, sprich die Umsatzerlöse dazu haben. Das sieht man daran, dass Firmen, die nur an Firmen verkaufen, besonders hart betroffen sind. Caterpillar (Hersteller von Baumaschinen) hat 30 % Umsatzrückgang, Scania (LKW-Hersteller) sogar 50 %. Nun kann man ausrechnen um wie viele Milliarden Dollars die US-Wirtschaft schrumpfen muss oder wie viel Kaufkraft benötigt wird. Auch hier laufen wir in Größenordnungen von 4 bis 5 Billionen Dollar - pro Jahr. Die 800 Milliarden Konjunkturpaket sind zwar gut gemeint, aber zum einen selbst in dieser Höhe nur ein Tropfen auf den heißen Stein, zum anderen würde dieser Betrag jedes Jahr benötigt. Für andere Länder gilt dies ähnlich, wenn auch nicht für alle ganz so drastisch. So hat sich das BIP in Deutschland in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt, die Nettolöhne haben aber stagniert. Wenn der gewerbliche Konsum weiter wegbricht und das ist zu erwarten, wenn die Umsätze weiter sinken, dann müssen wir je nach Branche mit bis zu 70 % Umsatzeinbußen rechnen. Denn mehr ist von den privaten Konsumenten schlicht nicht zu erwarten. Die Politik weiß das !! Die Politik unterstützt das Bankensystem mit der Begründung: „Das Banksystem und damit verbunden die Kreditvergabe müssen weiter funktionieren um die Wirtschaft am laufen zu halten.“ Mit anderen Worten, unsere politisch Verantwortlichen wollen ein System des Konsumes auf Pump aufrecht erhalten. Die Gesamt-Kreditsumme (also die Summe aller vergebenen Kredite) würde dann weiter steigen und die Blase würde sich nur vergrößern. Das ist bei der Kurzsichtigkeit unserer aber nicht wirklich verwunderlich. Warum fehlt so viel Kaufkraft 1. Arbeitskraft ist zu billig Klar werden muss einem dies zum Beispiel bei der Geschichte mit den Reparaturen. Heute rentiert es sich nicht mehr einen kaputten Artikel zu reparieren. Der Austausch durch ein neues Teil ist billiger. Da das neue Teil aber Rohstoffe und Energie bei der Herstellung enthält, zeigt uns klar, dass die Produktionsprozesse so weit optimiert wurden, dass die eigentliche Arbeit zur Belastung wird. Dies hat neben ökonomischen Problemen auch große Auswirkungen auf die Umwelt. Wenn es günstiger ist ein neues Produkt mit Rohstoff- und Energieverbrauch herzustellen und original zu verpacken, dann ist dies äußerst belastend für unsere Umwelt. Ja selbst vom Konsumenten zurückgegebene Artikel werden nicht mehr original verpackt, da alleine dieser individuelle Verpackungsvorgang zu teuer wäre !! Damit fehlen qualifizierte Arbeitsplätze für Reparaturen. Auch die Computerisierung unserer Welt hat zu diesem Phänomen beigetragen, ein Mikroprozessor kann nicht repariert werden. Wie kam es zu dieser Entwicklung. Viele Artikel wurden hauptsächlich über den Preis verkauft, "Geiz ist geil". Dies setzte die Hersteller unter Druck und die Marktmacht der großen Handelsketten setzte die Hersteller weiter unter Druck. Die Konzentration auf dem Markt ist eines dieser Probleme, die wir z.B. beim Milchpreis wahrnehmen. Hersteller können es sich nicht leisten eine von vier Handelsketten zu verlieren. Das Ergebnis ist ein Nachgeben beim Preis. Ähnliches geschah zum Beispiel in der Autoindustrie. 1982 wurde ein Zulieferer bestreikt und legte für Wochen die Autoproduktion in Deutschland lahm. Das Ergebnis war, dass die Autoindustrie Regeln für Zulieferer aufstellte. Zum einen dürfen sie nicht mehr im Arbeitgeberverband sein und damit nicht mehr bestreikt werden, zum anderen wurde dann der Druck auf Produktionskosten und Löhne erhöht. Auch hier wirkte sich die Macht der wenigen großen Automobilhersteller auf eine ganze Branche negativ aus. 2. Gehaltsunterschiede Ein weiterer Grund für die fehlende Massenkaufkraft sind exorbitant steigende Gehälter von Film- und Fersehstars, von Sportlern, Musikern und Managern. Diese steigenden Gehälter müssen bezahlt werden. Wie Manager bezahlt werden ist klar, die Stars aber werden über Werbung bezahlt. Fußballstars werden durch Werbung und das Fernsehen bezahlt und das Fernsehen wiederum finanziert sich durch Werbung. Werbung wird teurer, dazu kommt noch Werbung mit Stars und so kommt es zu einem enormen Geldverbrauch für Werbung, der nur einigen wenigen Personen zu Gute kommt. Bekommt ein Star heute 1 Mio. Euro mehr für eine Werbekampagne als noch vor 10 Jahren, dann muss diese Million irgendwo eingespart werden. Eben bei der Produktion und dort sichtbar, siehe oben, bei den Gehältern oder der Anzahl der Mitarbeiter. Diese zusätzliche Million vernichtet also irgendwo entweder 40 Arbeitsplätze mit einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro oder aber 1.000 Arbeiter verdienen pro Jahr 1.000 Euro weniger. Der Star kauft aber für diese Million keine 40 Autos bzw. kauft nicht 1.000 etwas teurere Autos. So vernichtet man Konsum. Ein paar Beispiele: Die Kosten für die Rechte der Olympischen Sommerspiele für Amerika haben sich seit Barcelona 1992 bis Peking 2008 für den Sender NBC von 401 Mio. auf 894 Mio. mehr als verdoppelt. Für die Rechte in Europa hat sich der Betrag sogar von 90 auf 433 Mio. mehr als vervierfacht und für die Winterspiele von 92 Albertville mit 18,5 Mio. auf Turin 2006 mit 135 Mio. in 14 Jahren mehr als versiebenfacht. Es kann aber nicht mehr Werbung geschaltet werden, die Regeln sind den Sendern ziemlich klar vorgegeben. Die Werbung muss zur Refinanzierung teurer werden. Es entsteht kein neuer Arbeitsplatz, aber die Wirtschaft muss diese Beträge refinanzieren oder einsparen. Die Mehrausgaben hingegen gehen im Fußball-Bundesliga, Champions League, Eishockey, American Football, Baseball, Basketball, Olympiaden, Tennis, Formel 1, EMs und WMs direkt an die Sportler. Umverteilung von Massenkaufkraft auf einige wenige privilegierte Sportler. Dabei ist das große Feld des Sponsorings, dass in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen hat, noch gar nicht berücksichtigt. Ich denke zwar, dass sich dieses Problem von selbst löst, die Rechteinhaber der laufenden oder kommenden Wettbewerbe und Meisterschaften werden noch in Schieflage kommen und eine große Zahl von Sportvereinen wird schlicht Pleite gehen, im Motorsport geht es schon los, trotzdem ist es eines der Probleme, dass erkannt werden muss und für die Zukunft gelöst werden muss. Dabei geht es nicht um Neid, aber im Sinne der laufenden Wirtschaft müssen klar definierte Obergrenzen her. Für Film- und Fernsehstars, Musiker und Manager gilt ähnliches. Filme und Serien werden durch Werbung finanziert. Bekommt ein Tim Allen pro Folge "Hör mal wer da hämmert" 1,25 Mio. Dollar, dann muss dies durch Werbung finanziert werden. Das heißt aber auch, in dem wir den Stars huldigen, schädigen wir die Wirtschaft. 3. Hartz IV und der Niedriglohnsektor Hartz IV in Zusammenhang mit der Agenda 2010 wurde eingeführt um zum einen die hohen Kosten für die Arbeitslosenversicherung zu senken und zum anderen um, durch den entstandenen Druck, Arbeitslose dazu zu bewegen niederwertige oder auch überhaupt Jobs anzunehmen. Der zweite Grund macht nur dann Sinn, wenn genügend Arbeit vorhanden ist und es überdurchschnittlich viele Arbeitslose gibt, die nicht arbeiten wollen. Das war aber nicht der Fall. Wer sich die Arbeitslosenstatistiken und vor allem die Statistiken zu den offenen Stellen anschaut, als Hartz IV eingeführt wurde, der stellt fest, dass es nur wenige offene Stellen gab, etwa 5 % im Vergleich zu den Arbeitslosenzahlen. Also bei 5 Mio. Arbeitlosen etwa 250.000 Stellen. Selbst bei 10 % ist dies kein überdurchschnittliches Phänomen. Ja die Arbeitsagenturen waren durch einen ineffizienten Apparat und schlechte Vermittlungsresultate an dem Stand der offenen Stellen selbst schuld. Aber es sind durch Hartz IV Jobs entstanden. Hartz IV ist so etwas wie ein Mindestlohn. Wer 350,00 Euro plus Miete als Hartz IV Geld bekommt, wird für 700,00 oder 800,00 Euro arbeiten, denn das ist mehr Geld. Und mehr noch, wenn hier erhöhter Druck ausgeübt wird. Man kann es sich nicht leisten niedrig bezahlte Jobs auszuschlagen, da man sonst selbst die niedrigen Hartz IV-Sätze riskiert. Das Ergebnis war, die Wirtschaft hat dies ausgenützt und hat neue niedrigst bezahlte Jobs erzeugt und die Bezahlung für bestehende Jobs reduziert. Deshalb wollte die SPD ja nun einen gesetzlichen Mindestlohn um die Lohnkürzungen und Billigstlöhne, die durch Hartz IV entstanden waren, wieder nach oben zu korrigieren. Hartz IV ohne Mindestlöhne war der Schritt in ein unsägliches Lohndumping der Wirtschaft, dass dazu führte, dass man von einem Job "nicht mehr richtig leben" konnte. Es führte damit auch zu Kaufkraftverlust, denn wer von seinem Gehalt nicht richtig leben kann, kauft keine Investitionsgüter. Auch hier zeigt sich, dass die Wirtschaft jedes Schlupfloch, jede Lücke im System ausnützt, um den eigenen Vorteil zu nutzen aber ohne über die Konsequenzen für die Allgemeinheit nachzudenken. Nur als Anmerkung, das ist menschlich. Hartz IV und Mindestlöhne sind aber Eingriffe in die Tarifautonomie und damit zumindest im derzeit herrschenden System falsch. Wenn man Arbeitslosen Geld gibt, dann muss dies im Rahmen von Bezügen sein, die sich an Reallöhnen, die ein normales Leben gewährleisten, orientieren. Alles andere führt in den Abgrund, für die betroffenen Menschen, aber auch für die gesamte Wirtschaft. Wie soll jemand, der sich nicht einmal mehr ein Auto leisten kann, mobil für einen neuen Job sein? Die SPD und auch die CDU, die dies im Bundesrat mitgetragen haben, haben unserer Wirtschaft einen Bärendienst erwiesen, der nun in vollem Umfang zurück schlägt und die Krise in unserem Land noch verstärken wird. Der Niedriglohnsektor macht mittlerweile selbst Dubai Probleme. Man stampft Palmen und Skihallen aus dem Boden mit Billigarbeitern aus Indien. Damit entstehen aber bei den Indern keine Existenzen, die am Konsum in Dubai teilnehmen können und auf einmal sind die Einkaufs-Malls leer. 4. Länder ohne Gewerkschaften In der westlichen Welt hat sich innerhalb von mehr als hundert Jahren eine Kultur der Gewerkschaften entwickelt. Die großen Arbeitgeber, die viel Macht haben und durch die Auswahl der Mitarbeiter diese gegeneinander ausspielen konnten, wurden durch Arbeitnehmerverbände eingebremst, so konnten sie mit den Arbeitgebern auf Augenhöhe verhandeln, da nun alle Arbeitnehmer an einem Strang zogen. Dies hat sich verändert. Länder in denen die Gewerkschaften noch heute verboten sind (z.B. China) oder früher verboten waren (z.B. Länder des Ostblocks) standen nun plötzlich in Konkurrenz zu den westlichen Ländern. Diesen Ländern ist noch weiter etwas gemeinsam, sie sind dabei ihre Wirtschaft aufzubauen und den Leuten damit Existenz zu bieten. Im Ostblock brachen die Strukturen zusammen, in Indien oder China wollen immer mehr Leute aus der Landwirtschaft in die Industriegesellschaft und damit am Konsum teilhaben. Es entsteht Konkurrenz unter den Arbeitssuchenden und eine hohe Nachfrage (der Arbeitssuchenden) und eine geringe Nachfrage (Arbeitgeber) führen zu fallenden Löhnen. Durch die fehlenden Gewerkschaften mussten in vielen Ländern absolute Mindeststandards wie Verbot der Kinderarbeit durch Konsumverzicht und den moralischen Druck der westlichen Konsumenten in diesen Ländern erst durchgesetzt werden. Damit geht aber weltweit Kaufkraft verloren, denn viele der Artikel werden nicht in diesen Ländern verkauft, sondern im Westen. Praktisch alle Spielzeuge und Turnschuhe werden in China billigst produziert und in den Industrienationen verkauft. Entstehen in Fernost 2 Arbeitsplätze mit 100 Dollar Einkommen für einen Arbeitsplatz hier für 2.000 Euro Monatseinkommen, dann verliert die Weltwirtschaft Geld um diese Spielzeuge zu kaufen. Die Spielzeuge wurden dabei aber nicht um den selben Faktor billiger, was an ausgeschütteten Gewinnen, hohen Vergütungen (siehe 1. und 2.) liegt und auch daran, dass auf einmal an diesem Produkt mehrere Firmen verdienen wollen. Früher gab es den Hersteller hier, der dann direkt vermarktete. Heute gibt es den Hersteller in Fernost, den Transporteur, die Häfen, Steuern und Gebühren der beteiligten Länder, Vermittler des Ganzen etc. Durch den Transport werden aber auch mehr Rohstoffe eingesetzt. Erst dann kommen die Waren hier beim eigentlichen Produzenten an. Bei gleichem Verkaufspreis erwirtschaften nun mehrere Firmen Gewinn, es werden mehr Rohstoffe benötigt (z.B. Transport) damit bleibt aber weniger Geld für die eigentlichen Arbeiter, die die Produkte eigentlich herstellen übrig. 5. Verkürzung der Produktzyklen Zum einen fand der Wettbewerb über die Preise statt zum anderen über neue Produkte. Adidas zum Beispiel hat heute in Deutschland genauso viele Leute beschäftigt wie vor 20 Jahren, aber eben hauptsächlich in der Entwicklung. Die Produktion ist in Fernost. Nun könnte man meinen, okay alles im Lot. Nicht ganz. Denn heute verkauft Adidas wesentlich mehr Schuhe als noch vor 20 Jahren und generiert damit deutlich mehr Umsatz. Kürzere Produktzyklen führen zu mehr Produkten und die Firmen haben heute auch gleichzeitig eine größere Produktpalette. In manchen Bereichen sind diese Produktpaletten schier unüberschaubar. Kauft ein Freund ein Produkt, kann er mir es nicht mehr empfehlen, da es genau dieses Produkt dann oft schon nicht mehr gibt. Handytarife z.B. halten noch nicht einmal über die Vertragsdauer. Damit muss aber mehr Werbung, Marketing, mehr Produkt-Schulung und viel mehr Entwicklung stattfinden. Diese zusätzlichen Kosten müssen über den höheren Umsatz erwirtschaftet werden. Obwohl also heute noch genauso viele Mitarbeiter bei Adidas arbeiten, müssen die Verbraucher mehr Produkte kaufen um die höheren Kosten für das Unternehmen zu decken. Das hört sich zwar zunächst so an, als wenn mehr Arbeitsplätze entstehen würden, aber in Wirklichkeit braucht man hauptsächlich mehr Lagerfläche, mehr Verkaufsfläche, was mehr Energie verbraucht, mehr Werbung und Marketing-Maßnahmen. Dies erzeugt Kosten und verbraucht Raum. Deshalb verbrauchen die Märkte auf den grünen Wiesen immer mehr Platz ohne aber Umsatz und Gewinn zu erhöhen. 6. Kreditzinsen Kredite dienen dazu, Waren zu kaufen, die derzeit nicht bezahlt werden können. Das hat in der Vergangenheit, wie wir gerade lernen, extrem statt gefunden. Kredite haben aber einen Nachteil, man muss Zinsen bezahlen. Da der Verbraucher jeden Euro nur einmal ausgeben kann, kann er den Euro, den er für Zinsen ausgibt, nicht für Waren ausgeben. Kreditzinsen verringern also das verfügbare Geld für Wareneinkäufe. Wer Kredite aufnimmt konsumiert nicht mehr, sondern eigentlich weniger. Zwar wird der Konsum etwas vorgezogen, wie wir eben auch gerade lernen, aber später (oder besser heute) fehlt dieser Konsum dann und die Zinsen reduzieren diesen Konsum weiter. Die Zinszahlungen der Konsumenten reduzieren die Einkommensabdeckung des Bruttoinlandsproduktes von 37,7 % damit weiter. 7. Geringe Eigenkapitalquote und Private Equity Die geringe Eigenkapitalquote der Firmen (die Deutsche Bank hat eine Quote von 2 % !) führt zu erhöhter Kreditaufnahme der Firmen und damit zur Bezahlung von Kreditzinsen. Dies verteuert die Produkte. Die Konsumenten müssen mehr für die Produkte bezahlen, als sie wirklich Kosten würden oder die Arbeiter bekommen weniger Arbeitslohn. Man rechnet heute, dass in jedem Produkt Zinskosten in Höhe von einem Drittel enthalten sind und in Miete sogar zwei Drittel mit steigender Tendenz. Erschwerend kommen hier die Private Equity Fonds wie die Carlyle Group hinzu. Diese Beteiligungsgesellschaften kaufen Firmen auf, aber nicht mit eigenem Geld, sondern sie finanzieren den Kauf und bürden die Kredite dann den eigentlichen Unternehmen auf. Damit hat die gekaufte Firma nun höhere Kreditbelastungen, denn es muss der eigene Kauf finanziert werden, dies wiederrum führt zu höheren Produktkosten oder niedrigeren Gehältern, die Spirale wird weiter angeheizt. Wie falsch das ist zeigt der Immobilienkauf. Beim Immobilienkauf nimmt der Käufer einen Kredit auf, die Immobilie wird zwar belastet, aber wenn die Immobilie weiter verwertet wird, ist sie wieder schuldenfrei. Bei Private Equity hingegen bleibt der Kredit beim Untenhemen, also beim Objekt. Fazit In den vergangenen 20 Jahren, besonders seit Öffnung des Ostblocks und damit von Billiglohnländern aber auch durch die globale Vernetzung, ergaben sich für Unternehmen neue Spielräume für Lohndumping. Dieses Lohndumping wurde benutzt um die Gewinne von Anlegern zu erhöhen. Dies führt binnen kürzester Zeit nun schon zur zweiten handfesten Krise nach 2001. Und nun rufen die Anleger nach Hilfe vom Staat, warnen aber weiter vor einer zu starken Einmischung. Der unkontrollierte Handel kann nicht funktionieren und er hat dies nun auch bewiesen. Das einzelne Unternehmen, der einzelne Anleger, sind zu egoistisch und schädigen damit das ganze System. Die Unternehmen spielen dabei die Länder gegeneinander aus und suchen ihr zu Hause in den Ländern mit dem niedrigsten Standards. Ein befriedigender Umstand ist zumindest, dass die Länder Amerika und Großbritanien, die stärksten Vertreter dieses falschen Systems, nun am meisten leiden. Was ist zu tun? Zwar warnen viele Spezialisten vor Protektionismus, also davor sich auf die eigene Wirtschaft zu stützen und in Deutschland z.B. nur noch deutsche Produkte zu kaufen, aber für mich erscheint dies derzeit der einzig richtige Weg. Die Krise ist finanziell nicht in den Griff zu bekommen, es müssen die Spielregeln verändert werden. Es müssen harte Regeln durchgesetzt werden, bei denen sicher einige Länder nicht mitspielen werden wollen und zwar auch die, die eigentlich am meisten gelernt haben sollten. Aber die deutsche Wirtschaft ist stark, sie hat viele kaufkräftige Konsumenten und teilweise Schlüsselwirtschaften wie z.B. den Maschinenbau oder den Warentransit in Mitteleuropa. Zwar kann Deutschland nicht ohne die Weltwirtschaft existieren, aber vor allem kann die Weltwirtschaft nicht ohne Deutschland existieren. Diesen Druck müssen wir ausnützen um wichtige Reformen durchzusetzen. Die Reformen 1. Strafzölle für Länder mit niedrigen Arbeitsstandards. Länder die Gewerkschaften verbieten müssen mit Strafzöllen zum Umlenken gezwungen werden, bei Ländern mit erlaubter oder geduldeter Kinderarbeit müssen Embargos greifen. Betriebe mit Angestellten ohne Betriebsräte oder die nicht Mitglied in einem Arbeitgeberverband mit gültigen Tarifverträgen sind werden höher besteuert. Hohe Quoten von Zeitarbeit oder Minijobs (über 10 %) müssen auch höher besteuert werden. 2. Wenn Hartz IV so bleibt, dann brauchen wir flächendeckende Mindestlöhne, besser jedoch wäre es Hartz IV in dem derzeitigen Stand (menschenverachtende Kontrollen) abzuschaffen und wieder eine vernünftige Grundsicherung aufzubauen. 3. Höchstlöhne einführen, da diese hohen Bezahlungen für Stars und Manager Geld aus der Wirtschaft abziehen. Wer mehr als die Höchstlöhne will, muss entsprechend für die möglichen Verluste der Zukunft mit seinem Vermögen haften. Abschöpfen ohne Zukunftsverantwortung ist nicht mehr zeitgemäß. Bekommt ein Manager oder Sportler Erträge über einem bestimmten Niveau (beispielsweise 500.000 Euro pro Jahr), dann muss er diesen Teil zurückzahlen, wenn die bezahlende Firma später Verluste generiert. 4. Es müssen Mittel ergriffen werden, die Anleger von rein kurzfristigen Gewinnzielen abhält. Je kürzer ein Anleger eine Aktie hält, desto höher muss die Steuer sein, die er für den Gewinn bezahlen muss, evtl. müssen sogar zusätzliche Abgaben her, die das Risiko für kurzfristige Engagements erhöhen. Der Anleger erwartet ja auch jetzt, dass der Staat in Schieflage geratene Betriebe und Banken stützt. Dieses Geld muss aus den erzielten Gewinnen kommen. Außerdem muss neben Dividende bei Unternehmensgewinnen in Zukunft auch eine Rückzahlung der Aktionäre bei Unternehmensverlusten erzeugt werden. Dies würde dazu führen, dass Aktionäre wieder langfristiger denken und Unternehmen nicht kurzfristig so stark unter Druck setzen. 5. Ausgeschüttete Gewinne an Aktionäre müssen in gleicher Höhe an Arbeitnehmer ausgeschüttet werden. Wird eine Million Gewinne als Dividende ausbezahlt, so muss eine zusätzliche Million an Gewinnen an die Arbeitnehmer bezahlt werden. Erwirtschaftet ein Unternehmen über einen Drei-Jahres-Zeitraum mehr als 25 % Umsatzrendite müssen entweder die Preise für die Produkte oder die Löhne angepaßt werden. 6. Kartelle und marktbeherschende Firmennetze müssen verhindert, bestehende und davon gibt es genug, müssen zerschlagen werden. 7. Anlageformen mit großen Hebelwirkungen wie Future, Optionen, Hedge-Fonds etc. aber auch Dinge wie Leerverkäufe müssen verboten werden. Bei der Anlage von Geld muss eine Eigenkapitalquote von 50 % vorhanden sein (auch wichtig wegen der Geldmenge), die Beträge müssen in voller Höhe eingelegt werden (keine niedrigen Kautionen wie bei Futures) und Anlageformen, die in jeglicher Form bei fallenden Kursen Gewinne versprechen, müssen abgeschafft werden. Der Anleger muss an der Gesundheit des Marktes in erhöhtem Maße interessiert sein. 8. Die Eigenkapitalquote muss erhöht werden, besonders bei Banken und Finanzinstituten auf eine gesetzlich vorgeschriebene Höhe von z.B. 50 %, wieder auch wegen der Geldmenge. Banken müssen Garantieen in Höhe von 50 % der eingelegten Gelder geben. Finanzanleger müssen die 50 % Quote bei Wirtschaftsprüfungen nachweisen, das heißt sie müssen die Sicherheit der Anlagen als Bringschuld nachweisen.. 9. Warentransporte müssen durch Steuern, Abgaben und Zölle verteuert werden, damit Waren nicht wegen ein paar Cent billiger Löhne quer durch die Welt transportiert werden. Dies spart zum einen Energieresourcen, schützt die Umwelt und mindert die größten Probleme der Globalisierung. 10.Bei Firmenkäufen muss eine Eigenkapitalquote vorgegeben werden und zwar auch für Aktientauschgeschäfte. Bei Firmenkäufen (wie z.B. Private Equity) müssen die Schulden beim Käufer bleiben und nicht der gekauften Firma aufgebürdet werden. Bei Immobilienkäufen ist dies ja auch so. Selbst nach einer Zwangsversteigerung ist eine Immobilie schuldenfrei, da die Immobilie zwar als Sicherheit dient, aber eben die Schulden beim Käufer bleiben. Dies sind Vorschläge zur Diskussion für eine Veränderung unseres Wirtschaftssystems. Ich will die Marktwirtschaft nicht abschaffen, aber Auswüchse mit negativen Auswirkungen auf uns alle müssen korrigiert werden. Es kann nicht sein, dass Anleger, Manager, Banken und andere geldgierige Personen unser System auf Dauer durch abgezogenes Geld schädigen und auf Kosten anderer Leben. Die Zeit drängt, wir stehen nahe vor dem vollkommenen Kollaps. Die Politik muss unter Druck gesetzt werden um die Schritte in eine andere Richtung zu lenken. Das wird schwer, je mehr mithelfen, desto besser. Digital_Data


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riesenherz
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2009 - 19:17 Uhr
riesenherz

*sehr gute Analyse.
Wieso lese ich das eigentlich erst jetzt?

Über manche Vorschläge sollte man wirklich diskutieren, aber auf jeden Fall sind sie diskursfähig. Das ist mehr, als ich bei den meisten Analysen zu dem Thema bislang gelesen habe.

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2009 - 20:07 Uhr
DagnyTaggart

Oje. Der Weltökonom ist wieder da.

Eine Volkswitschaft ist kein geschlossenes System, sondern ein offenes, welches mit anderen Volkswirtschaften im Austausch steht und darüber hinaus dynamisch ist und nicht statisch. Deine Annahmen, D_D basieren auf einem statischen, geschlossenen System und somit sind deine Schlussfolgerungen hinfällig.

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Mag ich Mag ich nicht

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05.03.2009 - 20:24 Uhr
DagnyTaggart

riesenherz sagte:
Über manche Vorschläge sollte man wirklich diskutieren, aber auf jeden Fall sind sie diskursfähig. Das ist mehr, als ich bei den meisten Analysen zu dem Thema bislang gelesen habe.


Riesenherz, du enttäuscht mich. Ich hätte Dich für intelligenter gehalten.
D_Ds Thesen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Zölle um Transaktionskosten zu erhöhen und Gehälter und Gewinne deckeln um Spitzen zu kappen.

Ersteres führt zu Protektionismus und muss zu Kriegen etc. führen - wenn Waren und Dienstleistungen Grenzen nicht passieren dürfen, werden es Soldaten tun um neue Absatzmärkte zu finden.
Zweiteres führt dazu, dass kaum jemand teure Produkte kaufen kann und somit der ganze (luxus-)Konsumgüterbereich zusammenrbricht. Dies ist nicht wünschenswert, weil Luxusprodukte eine hohe Wertschöpfung haben und viele Gehälter und Zwischenhändler davon gut leben, wenn Fussballer oder andere Stars einkaufen. Wer dies nicht unterstützen will, braucht die CDs nicht kaufen oder nicht ins Stadion zu gehen.
(Olympia wird vom ÖR finanziert, den würde ich gern abschaffen)

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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08.03.2009 - 23:55 Uhr
Digital_Data

@DagnyTaggart

Der Prozektionismus 1929 bis 1933 hat nicht zu einem Krieg geführt. Und ob dieser Protektionismus damals schlimmer war, als ohne Protektionismuss, kann keiner mit Sicherheit sagen.

Zwar hast Du Recht, dass die Weltwirtschaften verwoben sind, aber ich hatte das Thema Aussenhandel ja betrachtet, da Amerika mehr Waren importiert als exportiert, sieht die Sache bei einer Betrachtung des Welthandels nur noch schlimmer aus.

Ich will keine Löhne deckeln, aber wer viel verdienen will muss haften und nicht nach dem Steuerzahler rufen.

Du könntest ja aber gerne auf die einzelnen Punkte eingehen. Ich habe bereits in einem Text hier im April 2008 !! vor genau dem gewarnt was nun passiert. Damit habe ich zumindest im Moment das positive Moment auf meiner Seite.

Und noch etwas. Die Luxusartikel werden auch von Leuten gekauft, die sich die nicht bar leisten können. So wie ein Fließbandarbeiter einen größtmöglichen Audi noch eben so machbar finanziert, so tut dies der wohlhabende auch. Die Leute kaufen immer so maximal, wie es Budget und mögliche Kredite hergeben. Deshalb trifft die Krise gerade auch Luxushersteller mit amhärtesten, siehe Porsche oder Dubai.

Digital_Data

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Mag ich Mag ich nicht

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09.03.2009 - 19:56 Uhr
Digital_Data

riesenherz sagte:
*sehr gute Analyse. Wieso lese ich das eigentlich erst jetzt?Über manche Vorschläge sollte man wirklich diskutieren, aber auf jeden Fall sind sie diskursfähig. Das ist mehr, als ich bei den meisten Analysen zu dem Thema bislang gelesen habe.


Danke riesenherz. Irgendwann wird der Leidensdruck hoch genug werden um zu reagieren, ich hoffe dass es dann nicht zu spät ist. Leider haben Leute wie DagnyTaggart oder auch kulturgut nur immer die gleichen Platitüden parat. Das die falsch sind, sehen wir gerade nur zu deutlich. Wie schon angedeutet, die Befürworter dieser überholten Theorien werden mit die größten Verlierer werden. Wir haben den Bodensatz noch lange nicht gesehen und die Wahl im September wird für manche noch ein böses Erwachen bringen. Ich sage ein Wahlergebnis vorraus, dass selbst CDU und SPD zusammen keine Mehrheit sichert und eine Drei-Parteien-Koalition notwendig machen wird. Wenn noch irgend jemand aus der Versenkuing erscheint, dann müssen wir sogar mit einem Sechs-Parteien-System leben. Das ist die Konsequenz daraus, wenn man die anstehenden Probleme in der Politik nicht vernünftig angeht. Siehe Drittes Reich, siehe jetzt Israel, siehe immer wieder Italien etc.

Digital_Data

DagnyTaggart
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Mag ich Mag ich nicht

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11.03.2009 - 22:04 Uhr
DagnyTaggart


aber wer viel verdienen will muss haften und nicht nach dem Steuerzahler rufen.


Meine Rede. Seit Jahren. Der Staat hat in der Wirtschaft nichts zu suchen.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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11.03.2009 - 23:09 Uhr
Digital_Data

Wer ruft denn im Moment dauernd nach dem Staat ?

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