Sofortkauf für 150.000 Dollar - wie es ist, einen echten Banksy auf ebay zu verscherbeln
Tobias Huber (28) aus Altötting bei München betreibt eigentlich ein T-Shirt-Label. Für einen guten Freund in Jamaika versteigert er jetzt gerade ein 1000kg-Mauerstück mit einem Schablonenmotiv des weltbekannten Künstlers Banksy. Wie der Mann in Kingston zu dem Stück kam, warum Banksy sauer ist und worum es eigentlich geht, erzählt Tobias im Interview.
Tobias, verkaufst du öfter Kunst über das Internet? Tobias Huber: Normalerweise verkaufe ich online nur T-Shirts. Die sind zwar schön, ich würde sie aber nicht unbedingt als Kunstwerke bezeichnen. ...und wieso jetzt einen Banksy? Das hat sich zufällig ergeben, weil ein guter jamaikanischer Freund von mir, Peter Dean Rickards, den ich 2006 während meines Auslandsemesters kennen lernte, sich vor etwa einem Monat entschlossen hat, eine Wand samt Banksy-Bild abzumontieren, um es dann zu verkaufen. Warum unterstützt du ihn? Er ist Jamaikaner, ein wahnsinnig guter Fotograf und Filmemacher und er braucht Geld. Aber ich würde Peters Aktion auch unterstützen, wenn er wohlhabender wäre. Weil ich sie lustig finde und sie zum Nachdenken über die Relativität der Wertigkeit von Kunst anregt. Was in London auf dem Auktionstisch mehre hunderttausend Pfund erbringen kann, kann in Jamaika nichts mehr sein als eine Schmiererei an der Mauer einer Bar.

Hätte nicht eigentlich Banksy Anrecht auf das Geld? Nein, Peter hat ja die Wand ja ordentlich gekauft. Peter ist zum vorherigen Besitzer der Wand, einem Barbetreiber, hingefahren und hat gefragt, ob er ihm die Wand abkaufen könnte. Der hat zugestimmt - für dieses Geschäft gibt es sogar eine Rechnung - und dann wurde die Wand abmontiert. Zugegebenermaßen hatte die Wand für den Barbesitzer natürlich einen anderen Wert als für einen potentiellen westlichen Sammler. Hört sich an, als hätte dein Freund Peter den Barbesitzer übers Ohr gehauen? Für jamaikanische Verhältnisse hat er viel Geld bekommen, 600 US-Dollar. Man muss wissen, dass der durchschnittliche Jamaikaner ein Monatsgehalt von etwa 30 US-Dollar bekommt. Und Peter ist ja auch Jamaikaner. Ist der Verkauf nicht urheberrechtlich problematisch? Urheberrechtlich denke ich nicht. Zuerst hat ja Banksy, zumindest nach deutschem Recht, eine Straftat begangen – Sachbeschädigung. Peter hat das "beschädigte" Wandstück anschließend gekauft, ist also legitimer Besitzer. Wenn er überhaupt gegen ein Gesetz verstoßen hat, dann gegen das „Gesetz der Straße“, einen moralischer Codex, der sagt, man solle Street-Art nicht übermalen, sein eigenes Graffiti zu nahe daneben setzen oder gar entfernen. Das ist es auch, was manche Internetblogger momentan an der Sache stört. Ja, die reagieren so, als ob man in Indien eine Kuh köpfen würde. Das war schon damals bei der Veröffentlichung der Banksy-Fotos so, die Peter geschossen hat. Die Leute lieben Banksy. Auch dafür, dass er unbekannt ist und wollen derartige Bilder und Aktionen nicht sehen, um ihr Idol nicht anzukratzen. Denkst du nicht, Banksy wird Peter, gerade auch wegen des persönlichen Zwists, versuchen zu verklagen? Es gibt dieses Zitat von Banksy auf einem seiner Bilder, er sagt da: „ I can’t believe you morons actually buy this shit“. Bei der Street-Art, wie sie Banksy betreibt, geht es erst einmal darum, seinen Namen zu verbreiten, "all city" oder in Banksys Fall "all world" zu sein. Banksy hat sich diesen Namen - wie gesagt auch absolut zu recht - gemacht und ab 2001 mit seinem Namen und seiner Arbeit auch Geld verdient, als seine Werke die Galerien geentert haben. Er war es, der seine Kunst vorangetrieben hat. Und er weiß um die Dynamik der Street-Art. Somit denke ich nicht, dass er - wenn es dafür überhaupt eine Grundlage geben sollte - rechtlich gegen Peter vorgehen wird. Damit würde er letztendlich ja auch einen weiteren Beweis dafür liefern, dass er 2004 auf Jamaika war und die Bilder, die von ihm gemacht wurden, authentisch sind. Eine Tatsache, die er ja immer noch abstreitet. Glaubst du Street-Art ist dann noch Street-Art, wenn es keine Street-Art im eigentlichen Sinne mehr ist? Ja. Denn, dann wäre Street-Art auch keine Street-Art mehr, wenn es im Museum hängt. Street-Artists dürfen meiner Meinung nach nicht den Anspruch erheben, dass die Straße eine permanente Galerie ist, in der sie Dauerausstellungen abhalten können. Vor allem nicht Straßen, in denen sie nicht zu Hause sind. Denk mal, das würde öfter passieren, wäre es dann nicht vorbei mit der Street-Art? Die Bahn versucht ja auch seit Jahren Graffitis, teilweise echte Kunst, zu entfernen. Ohne Erfolg. In der Street-Art ist es so, dass die Leute sich immer wieder neu erfinden müssen. Das ist Teil des Spiels. Es gibt Jäger und Gejagte. Diesmal ist der Jäger eben nicht die Polizei, sondern Peter.
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unsymphatischer mensch.
diedrossel sagte:
auch nicht anders als der rest des kunstmarkts. und deswegen nicht weniger scheiße und ignorant.
^..^ ..hehe...
Interessant gebrüllt, (Frau) Drossel.
rousseau sagte:
diedrossel sagte:
auch nicht anders als der rest des kunstmarkts. und deswegen nicht weniger scheiße und ignorant.
^..^ ..hehe...
Interessant gebrüllt, (Frau) Drossel.
isdochwahr. im interview einen auf schlau machen und was von street art faseln aber anscheinend keine ahnung - oder her keinen respekt - vor dem, was man als site specific bezeichnet. aber wie auch gesagt, das passiert ja fast immer, wenn monetäre interessen auf kunst treffen.
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29.01.2009 - 18:57 Uhr
obskuro
Das Bild mit dem Dobermann ist top! (auf ebay)