Kontrolle ist schlechter
Die Musikindustrie beklagt digitales Kopieren und illegales Filesharing. Doch ist die digitale Kopie vor allem eine Chance
Mit dem Untergang ist Dieter Gorny vertraut. Wann immer der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie öffentlich über das Internet und die Digitalisierung spricht, ist die Apokalypse nicht fern - zumindest für den Fall, dass digitales Kopieren und illegales Filesharing nicht bald entscheidend eingedämmt werden. Als Vertreter der Rechte-Industrie wird er mit diesem Szenario sicher auch am Dienstag argumentieren - beim nichtöffentlichen Spitzengespräch im Bundesjustizministerium. Dort sollen die Internet-Provider für die sogenannte "Three Strikes and you're out"-Strategie gewonnen werden: Nach drei Verwarnungen wegen illegaler Downloads (ausgesprochen durch die Provider) soll die Drosselung und Sperrung des Internet-Zugangs für uneinsichtige Nutzer stehen. Ein Vorgehen, das man bislang nur aus diktatorischen Staaten kennt.
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Kein Freedom of Speech? Wie soll der sich dann informieren? Oder kommunizieren? Oder einen Job suchen? Oder wissen wann der Zug fährt? Oder irgendwie am online-Leben teilnehmen? Oder studieren - ohne Internet und Foliendownload etc praktisch unmöglich.
Soll der dann verdammt sein sich nur aus dem Fernsehen zu informieren? Der Arme.
26.01.2009 - 22:37 Uhr
MorbusBahlsen
Und mal ganz ehrlich: wer braucht die Plattenindustrie, wenn die Künstler aufgrund der Digitalisierung und des Internets viel leichter ihren eigenen Vertrieb organisieren können?
Selbst schuld. Hoffentlich gehen die ALLE Pleite, damit eine neue Industrie von Grund auf aufgebaut werden kann. Dann wird es zumindest ein-zwei Jahrzehnte Schonfrist geben bis es wieder im seichten teeny-Kommerz ausartet.
Und mal im Ernst, 17€ für eine CD? Etliche Kosten samt Produktio0n, Werbung, Lohn und Zwischenhändler belaufen sich auf unter 5€. Daher - fuck you.
Aporia
Und mal ganz ehrlich: wer braucht die Plattenindustrie, wenn die Künstler aufgrund der Digitalisierung und des Internets viel leichter ihren eigenen Vertrieb organisieren können?
Die Frage konnte noch keiner der Plattenindustrieleute beantworten. Das ist halt genauso wie mit dem Fräulein vom Amt. Früher, also ganz früher, hat diese Dame die Kabel am Pult vor ihr so zusammengesteckt dass eine Verbindung zwischen den zwei Telefonteilnehmern zustande kam. Seitdem es das Selbstwählverfahren gibt gibt es das Fräulein vom Amt nicht mehr.
Das gleiche passiert auch mit der Musikindustrie, nur leider will die es nicht wahrhaben und außerdem sind die zu reich und zu mächtig um einfach in der Vergangenheit zu verschwinden.
(Der Vergleich hinkt auch nicht: Früher brauchte ich viel Geld und Know How fürs Plattenstudio, fürs Vinyl herstelen, für die Vorfinanzierung und für die Distribution. Heute kann ich am heimischen PC produzieren (zumindest mal Techno), Vertriebsweg ist das Internet und der Kapitalaufwand ist unter Umständen geringer als 1000 Euro. Also liebe Plattenindustrie: Worin siehst Du heutzutage Deine Aufgabe???)
domarts sagte:
Er [Jacques Attali] regt u.a. die Einführung einer Kulturflatrate an - sehr spannender Gedanke, die genaue Umsetzung ist aber leider noch utopisch...
Dumm nur wenn jemand keine Kultur mag?Oder nicht so viel Kultur mag? Ist dieKulturflatrate nicht so wie die GEZ-Gebühr? Die bezahlt man egal ob man ARD und ZDF mag oder nicht und dann bleibt immer noch das Problem wer entscheidet was mit der Kulturflatrate bezahlt werden soll.
__xxx__ sagte:
Und mal im Ernst, 17€ für eine CD? Etliche Kosten samt Produktio0n, Werbung, Lohn und Zwischenhändler belaufen sich auf unter 5€. Daher - fuck you.
Jedesmal wenn ich im Elektrogroßmarkt bin bin ich immer wieder erstaunt dass es immernoch Leute gibt die so viel Geld für CDs ausgeben?! Vielleicht ist das wieder einer dieser Fälle wo der Preis nicht an den Kosten festgemacht wird sondern an der Zahlungsbereitschaft der Kunden und an dem was die anderen Firmen verlangen (selbst legale CDs sind in verschiedenen Ländern unterschiedlich teuer obwohl man von gleich hohen Kosten ausgehen kann).
Da CDs immer noch 17 Euro kosten muss es eben Leute geben die so viel dafür ausgeben, warum auch immer.
"Kultur für alle kostenlos! Toll!"
"Das ist es, was alle Künstler wollen!"
Und die, die es nicht wollen, die muss man eben noch umerziehen. Und bis das geklappt hat: einfach enteignen. Und dann bekommen sie Staatsknete. Kulturflatrate klingt natürlich besser. Und oben sitzt die Reichsschrifttumskammer und entscheidet, welcher Autor wie viel bekommt und was gute Kunst ist und was böse. Und dann wird die Welt gut, wie im Dritten Reich und in der Sowjetunion und auf Kuba und in Nordkorea. Genau.
Ich finde es nicht eigenartig, dass das offensichtlich kein Künstler will. Jeder könnte ja sein Zeug kostenlos ins Netz stellen. Aber es will halt niemand.
"Alles kostenlos" fordern wieder mal nur die Konsumenten, nicht die Künstler. Und als großen revolutionären Akt nehmen sie sichs einfach.
Dabei sind sie nichts anderes als Kleinkriminelle. Und ihren banalen Ladendiebstahl wollen sie mit hehren Idealen rechtfertigen. Und wundern sich, wenn man dafür Hausverbot erteilt. Dabei kommen sie mit einer Sperre des Internetzugangs noch gut weg, viel besser jedenfalls, als wenn sie in einer Videothek oder bei Saturn tausend CD oder DVD klauen.
soylentyellow sagte:
Da CDs immer noch 17 Euro kosten muss es eben Leute geben die so viel dafür ausgeben, warum auch immer.
Wer Internet hat, bestellt sich einfach über Amazon Originale aus dem Ausland für 5-10€.
27.01.2009 - 11:15 Uhr
__xxx__
Das ist doch prima: die einen verschenken, die anderen verkaufen, jeder wie er´s mag. Warum muss man dann alle zum verschenken zwingen?
mulmer sagte:
Dabei sind sie nichts anderes als Kleinkriminelle. Und ihren banalen Ladendiebstahl wollen sie mit hehren Idealen rechtfertigen. Und wundern sich, wenn man dafür Hausverbot erteilt. Dabei kommen sie mit einer Sperre des Internetzugangs noch gut weg, viel besser jedenfalls, als wenn sie in einer Videothek oder bei Saturn tausend CD oder DVD klauen.
Ich stimme ich dir weitgehend zu... aber mit der Internetsperre wird eine zu große Keule ausgepackt. Zum einen gibts bei Diebstahl von 1000 CDs im Saturn einen Rechtsprozess. Zum anderen ist es etwa so, dass man deine Füße zeitweilig einfrieren würde, weil du die CDs durch Laufen erreichen kannst. Das kann schon dreimal nicht ohne Gerichtsurteil erlaubt werden!
mulmer sagte:
@ __xxx__
Das ist doch prima: die einen verschenken, die anderen verkaufen, jeder wie er´s mag. Warum muss man dann alle zum verschenken zwingen?
Wer möchte das denn?
Es ist völlig in ordnung wenn jemand nichts verschenken will, ich bin selbst Musiker und verstehe das sehr gut. Aber was die Industrie macht ist einfach kriminell - vor allem da von dem ghanzen Geld die Künstler nur 2-3% bekommen. Auch vom Vertragsgeld muss man in der regel ALLES finanzieren, Aufnahmen, Videos, Promo - die Plattenfirma gibt da bei "kleineren" Bands absolut keinen Cent aus. Nur in Medienwirksamen Schrott (Brittney, Boyband,...) werden Millionen reingebuttert. Und das zahlen im Endeffekt die anderen Künstler, die ihres Geldes beraubt werden!
Es ist kein Wunder dass solche Leute wie Prince mittlerweile komplett auf Plattenfirmen verzichten. Lese mal in Wiki nach was Prince so alles getrieben hat seitdem er nicht unter Knebelverträgen leiden muss - seine Konzerte besuchen hunderttausende von Menschen, dann gibt es z.B. zu jeder Karte eine CD statt diese bei Media Markt/Walmart und co. in die Regale zu stellen. Oder als Zugabe in der tageszeitung, oder als freies Download. Mit der ersten Tour nach der "Trennung" hat er um die 80 Mio. Dollar umgesetzt, nur so als Beispiel - und das komplett ohne eine Plattenfirma.
Plattenfirmen sollen komplett abgeschafft werden, denn das sind die schlimmsten Blutsauger die es gibt. Wer sich ein wenig im Business auskennt, wird Dir das auch bestätigen.
27.01.2009 - 13:13 Uhr
__xxx__
Als noch krasseres Beispiel, die Band Phish holt jedes Jahr ein paar Millionen Leute zu ihren drei-tages-Festivals und die haben noch nie eine offizielle Platte rausgebracht.
27.01.2009 - 13:15 Uhr
MorbusBahlsen
27.01.2009 - 13:35 Uhr
__xxx__
mal eine andere frage: wenn sich jemand jetzt diesen text kopieren würde und den dann auf seiner seite nutzen würde. was würde geschehen? der süddeutsche verlag oder dirk von gehlen würden ihr copyright einklagen. aber wenn die musik als kreatives produkt alle rechte verliert, warum darf ich dann nicht auch beliebig viele text klonen oder kopieren? und überall einstellen??
27.01.2009 - 17:19 Uhr
MorbusBahlsen
MorbusBahlsen sagte:
Wer will denn der Musik die Rechte absprechen? Es geht um das Prinzip, wie gehandelt wird bei Verstößen: SZ oder DvG klagen bei Entdeckung des Missbrauchs auf Schadensersatz und Unterlassung wahrscheinlich oder sowas, und die Rechteindustrie will sich das ersparen und lieber den Provider meinen Zugang zu SZ Online sperren lassen. Das ist doch der Punkt, oder?
na wenn hier propagiert wird: das alte copyright muss weg - dann verliert die musk doch genau dieses copyright. wenn ich das aber weiter denke heisst das im grunde:alles verliert sein copyright. auch texte. wenn ich mit musik runterlade kann ich das auch mit texten machen, wenn sie in digitaler form vorliegen. also könnte ich dann auch diesen text kopieren und damit machen was ich will.
darum geht es doch. nur weil musik ein datenpaket ist haben die so probleme. aber ich kann dann auch digitale fotos oder texte in digitalter form nehmen und verwenden wie ich will, denn das copyright gilt doch nicht nur für musik, sondern alle ergüsse.
27.01.2009 - 17:33 Uhr
synthie_und_roma
ich mein ich kann auch schlecht michael jackson runterladen und meinen freunden weissmachen das wäre ich. jede sau würde sofort wissen, dass das lied von michael jackson ist. ihm also gehört. und ja man liest bei texten nicht unbedingt heraus wer sie verfasst hat, da hinkt der vergleich, aber man kann es dazuschreiben. wer hätte das gedacht?
Beru sagte:
also ich hab hier auch schon sachen zitiert, also kopiert. bin ich jetzt böse?
Das Zitat war noch nie verboten, genau so wenig wie die Privatkopie.
Zur Sperre des Internet-Zugangs: klar ist das nur die zweitbeste Lösung. Aber die Diebe verstecken sich hinterm Datenschutz, diesem Lieblingspopanz der Deutschen. Um einen Dieb zu verfolgen muss man deshalb heute über die Staatsanwaltschaft gehen, um die Identität herauszubekommen. Und der Staatsanwalt bearbeitet nur noch Fälle mit mehr als 3000 gestohlenen Dateien. Das bedeutet fatisch, dass der Staat Diebstähle darunter nicht so schlimm findet. Im Laden wird man schon bei einer CD mit der Polizei konfrontiert.
Das ist ganz offensichtliches Unrecht. Und weil der Staat untätig bleibt, muss eine andere Lösung gesucht werde, die nicht über die Berichte geht. Da ist die "Olivenne"-Lösung pragmatisch: drei Verwarnungen, dann Sperre. Wer nach der ersten Verwarnung weiterklaut, nach der zweiten es immer noch nicht kapiert, der hat dann offline Zeit zum Nachdenken. Surfen kann er ja immer noch bei Freunden oder im Internetcafe etc. Nur wird er sich da vermutlich benehmen.
Die typische Argumentation: der wusste doch nicht, dass er das nicht darf... und: das hätte ja jeder sein können, der PC steht ja ganz offen rum..., die ziehen dann nicht mehr, die sind nach zwei Verwarnungen unglaubwürdig.
musiker können noch auf tournee gehen und damit geld machen. das wird bei schriftstellern ein wenig schwieriger.
Aporia sagte:
@synthie_und_roma: Die Frage ist doch, ob du anderer Leute Material verwendest, um damit Geld zu machen, oder ob du es für dich selbst und deine Freunde verarbeitest. Es war noch nie verboten, sich einen Text abzuschreiben, der einem gefällt. Das Copyright tritt dann in Kraft, wenn du ihn wiederveröffentlichst. Und da kommt es dann häufig drauf an, in welchem Sinne du veröffentlichen willst. Es hat dir noch nie einer verboten zuhause oder im Freundeskreis seine Songs nachzuspielen, aber sobald du damit Geld verdienst, sollst du zahlen. So macht das ja auch Sinn.
Aporia, da würde ich widersprechen.
Bin ja nun kein Rechtsmensch, aber was ich verstanden hab, gibt es ein "Copyright" im deutschen Recht eigentlich nicht. Der Urheber eines Werks kann ganz einfach bestimmen, wer wann wie was zu welchen Preis mit seinem Werk macht. Dieses Bestimmungsrecht (und die Verwaltung sowie das Inkasso) kann er an Dritte (Musikindustrie, Verlage, Gema, ...) abtreten, die Urheber-Eigenschaft ist aber nicht veräußerlich.
Für dich als Konsumenten gelten diese Regeln, egal ob du die Werknutzung privat mit deiner Freundin, auf der Firmenweihnachtsfeier, Youtube, oder sonst wie gewerblich machst.
Dass private Kopien und Aufführungen nicht verfolgt werden, kommt nur daher, dass es nicht praktikabel ist. Dafür gibt es dann die Abgaben auf Kopierer, CD-Brenner und Leer-Medien.
grundsätzlich finde ich eine "bestrafung" grundsätzlich richtig, denn auch wenn die muckemafia diesen zustand selber hat enstehen lassen (inkl. dem unrechtsbewusstsein), ist es doch ein form von diebstahl.
diese digital revolulotion komplett zu kriminalsieren, wird bei bekifften, sinnentleerten kiddies genauswenig weiter helfen, wie so eine selten dämliche kampagne "copy kills musik".
ich habe neulich irgendwo gelesen, dass es der musikindustrie so "schlecht" geht, wie vor einführung der cd. kann also so schlimm nicht sein, nur das sie nicht sehen wollen, das dieses goldene zeitalter nur einmalig mit dem eintritt in das ditgital zeitalter möglich war. leider sitzen an den hebln ja nur vergraiste, angstvolle vollpfosten, die diese phase ja null genutzt haben, sondern die käufer nach strich und faden ausgenommen haben. und das ist halt mit dem internet vorbei gewesen und es ist bei den heutigen downloadpreisen für kommerzielle musik (über die cd preise muss man schon seit 10 jahren nicht mehr reden) auch kein wunder, dass das ganze nur teilweise funzt. denn es gibt nur 2 gründe den digitalen vertrieb ertragreich zu gestalten: entweder über den preis, oder den zeitlichen aufwand (aber natürlich auch gekoppelt an den preis). das ist der grund warum itunes läuft, es ist einfach!
was her muss, sind neue, völlig neue vertriebsmodelle a la p2p. sprich, ich kaufe ein stück und für jedes weitervertriebene stück per rechner oder fon, bekomme ich eine provision usw.
meiner meinung nach das modell der zukunft, denn die flatrate ist wieder so eine kriminelle nötigung wie der gez quatsch.
aber grundsätzlich hat die musikindustrie das loch selber geschaufelt, weil sie einfach aml alles komplett verschlafen haben und das loch mit diesen ganzen kurzweiligen nicht auszuhaltenden müll versuchen zu füllen.
das ganze passt aber auch gut in diese volksverdummungsmaschinerie der gleichgeschalteten medien (oder erträgt jemand noch diesen ganzen gallileo ravioli speziall scheiss?).
bis das netz nicht die kritische maße erreicht hat, was nur bietrinkenderweise am sofa funktioniert, werden alle weiterhin schön dumm gehaltenund mit glück wachen sie dann stück für stück aus ihrem kommatösen schlaf auf und merken, hej, die mediale welt ist ja grösser als der einheitsmüll.
das ganze wird aber mit sicherheit von diversen lobbyisten versucht zu verhindern, denn möglich ist das ganze ja nun schon etliche jahre.
wo kommen wir denn da hin, selbstbestimmte medien user, die womöglich auch noch wieder lernen, verantwortung selber zu tragen. revolution, nieder mit ihnen, schnauze halten und bier trinken ;-)
und steuern zahlen nicht vergessen........
ach ja und dann ist da noch der schlimmste verein von allen, der niedergebrannt gehört: die olle gema!
wenn jemand hier dafür verantwortlich ist, dass sich keine neuen konzepte und ideen verbreiten, dann die vögel, denn es wird alles im keim erstickt, mit utopischen gebühren, die jeglicher grundlage entbehren und so offensichtlich erkenn lassen, wo der hase längst läuft, bzw längs zu laufen hat!
ganz schlimm!!!!
http://www.heise.de/newsticker/Keine-Int...
In D stehen die Zeichen noch auf Fernmeldegeheimnis. Zum Glück.








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26.01.2009 - 19:05 Uhr
kasi