21.01.2009 - 13:05 Uhr

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Susanna

Text: PapillonDeNuit

Susanna wird mir fehlen. Ich weiß nicht, ob ich sie gehen lassen kann. Sie ist wie ein Teil von mir geworden. Ihr Hochmut, ihr Lachen, ihr Hass. Ihr rotes Haar, ihre Zerstörungswut. Vor einer Woche noch, am Sonntagmorgen, bin ich mit ihr die Straße entlang gelaufen und habe gefühlt, wie zerrissen sie war. Ihre Schminke lief ihr das Gesicht herunter und sie wirkte nicht mehr aufgebracht in ihren schwarzen Stöckelschuhen, sondern nur noch hilflos. Aber Ich, ich hab mit ihr gelitten, ohne sie zu verurteilen. Susanna ist alles was ich nie war. Mit ihr konnte ich mich austoben. Etwa vor zwei Monaten waren wir Mittwochabend Essen. Sie, Micha und ich. Die Zwei haben eine Weinflasche nach der anderen geleert und sind dann sturzbetrunken aus dem Lokal in den Regen hinaus. Wie als wären sie noch 15 haben sie die Schuhe ausgezogen und sind durch die Pfützen gerannt. Und ich hinterher. Sie haben unbändig gelacht und die Hände in den Himmel geworfen und mein Herz hat geklopft vor lauter Aufregung. Micha hat zwei Bildzeitungen aus dem Zeitungs-kasten geklaut und sie haben sich Hüte gebastelt. Susannas rotes Haar quoll darunter hervor. Es war so rot als würde gleich Farbe aus ihrem Haar laufen. Es war, glaub ich, der beste Moment. Auf jeden Fall der Lauteste, der Wildeste. Susanna, Micha und ich. Wir haben gelebt in diesem Moment. Wir waren echt – wir waren da. Dann war Micha weg und aus der lebenslustigen Frau mit den blitzenden Augen wurde meine neue Susanna. Es ging nicht anders. Ich sah sie genau vor mir. Sie war so wütend, so voller Hass auf sich, die Welt und natürlich Micha. Abends im Bett tat mein Herz mir weh, wenn ich an sie dachte. Aber ich wusste sie würde eine starke Frau sein, eine die sich nicht bezwingen lässt. Kein Mädchen, mit Schleife im Haar. Sie war nie ein Kind der Traurigkeit gewesen. Hass war doch so viel näher an Liebe als Trauer. Manchmal zögerte ich und fragte mich ob das wirklich meine Susanna war. Aber je länger ich über sie schrieb, desto deutlicher sah ich sie jeden Tag vor meinem inneren Auge. Sie fragte sich nie was richtig oder falsch war, denn sie folgte immer nur ihren Gefühlen. Diese trieben sie in verschiedene Wohnungen, in verschiedene Betten und zu verschiedenen Drogen. Als sie bei Lars im Bett lag, zwischen Decken und seinen Beinen eingeklemmt und er ihre roten Haare streichelte, dachte Susanna, der Sturm in ihr würde langsam abflauen. Aber es war ein Irrtum. Es war noch nicht das Ende der Geschichte. Meine Susanna hat nie geweint, bis zu dem Sonntagmorgen, an dem sie mit zerzausten Haaren, verrutschten Kleidern und schwarz verschmieren Liedern, den Gehweg entlang lief. Da hat sie eine Träne geweint, aber nur eine und ich bin mir nicht sicher ob ich sie wirklich gesehen habe. Am Tag danach verschwand ich mit ihr nach Sylt. Das ist zwar irgendwie ein Klischee, aber mal sehen was daraus wird. Jetzt lasse ich sie am Strand sitzen. Nicht melancholisch, nicht nachdenklich. Sie sitzt einfach nur da. Wenn sie aufsteht und geht, dann ist die Geschichte zu Ende. Dann muss ich Susanna gehen lassen. Dann gehört sie Mike, meinem Lektor. Aber ich weiß er wird sie genauso mögen wie ich. Aber was sagt oder denkt meine starke Susanna auf diesen letzten Zeilen? Ich würde sie wirklich gern fragen.


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noplacespecial
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Mag ich Mag ich nicht

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07.07.2010 - 00:08 Uhr
noplacespecial

;)

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ist jetzt-Userin und hat diesen Beitrag verfasst.


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