22.01.2009 - 23:10 Uhr

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Eine gepflegte Pleite

Text: alcofribas

Dieser Text ist von phoneybone Der Zug schlängelte sich durch das Elbsandsteingebirge entlang eines Flüsschens, dazu tauchte die Sonne alles in ein mildes Licht, sehr hübsch, ein richtiges Kalendermotiv. Nur Manfred merkte nichts davon, er saß auf der Zugtoilette, sein dicker Hintern abgerutscht und eingeklemmt zwischen Wand und Klo, sein Kopf, schräg im Nacken, drückte auf die Spülung, der Mechanismus ließ die Klappe offen stehen auf der ganzen Strecke zwischen Dresden und Prag. Manfred wunderte sich später, woher er sich im Hochsommer den Schnupfen geholt hatte, aber kein Wunder bei sechs Stunden Luftzug. Das ganze war eine Kurzschlussreaktion gewesen. Sein Steuerberater hatte ihn angerufen, die Fahnder hatten seine Unterlagen durchsucht und Manfreds Ordner mitgenommen. Das einzig erstaunliche daran ist, dass das nicht schon viel früher passiert ist. Dieser desolate Kupferrohrgroßhandel und dann diese Neubauvilla mit Whirlpool und Sauna, aber fünfzehn Jahre lang war alles gut gegangen, sein Steuerberater war wirklich sein Geld wert gewesen. Noch ein oder zwei Jährchen und er hätte Schluss gemacht mit diesem unseligen Schwarzhandel, es hat ihm gereicht, im Grunde war er ein ehrlicher Mensch, diese Trickserei und Schmugglerei lag ihm nicht, er war da so reingeschlittert. Aber ein oder zwei Jährchen hätte er noch gebraucht, dann hätte er genug beisammen gehabt um sich zur Ruhe zu setzen, er hätte Konkurs angemeldet, vielleicht hätte man ein paar Beamte schmieren müssen, aber es wäre eine astreine gepflegte Pleite gewesen. Gerade als er zur Hintertür raus ist, hat die Steuerfahndung vorne geklingelt. Er ist durch Nachbars Garten gerannt und hat sich ins Bushäuschen gesetzt, dann ist er mit dem Bus zum Hauptbahnhof gefahren und einfach in den nächstbesten Zug eingestiegen. Im Bordrestaurant hat er sich einen Prosecco nach dem andern reingekippt und ist, gerade noch rechtzeitig, bevor der Schaffner kam, auf die Toilette gegangen. Erst als der Zug ruckartig hielt, wachte er auf, er hievte seinen Hintern aus der Klemme und zog die Hose hoch. Benommen torkelte er aus dem Zug. Als er vor dem überaus tristen Bahnhof stand, hörte er das Stimmengewirr um sich und verstand kein Wort. Jetzt habe ich auch noch den Verstand verloren, dachte er erstaunlich gefasst. Seine Hände griffen in die Hosentaschen auf der Suche nach seinem Portemonnaie. Aber die waren leer, und ihn überkam doch Panik. Er konnte nicht wissen, dass das Portemonnaie mitten im idyllischen Elbsandsteingebirge auf den Gleisen lag, es war beim Pinkeln ins Klo gefallen. Sein Pass, sein Bargeld, seine Kreditkarte, alles weg. Praha-Holesovice stand in großen Lettern über dem Portal. Er war also nicht verrückt. Zuerst hatte sein Hintern sich ganz taub angefühlt, doch inzwischen tat er furchtbar weh, sein Kopf auch. Er lief einfach los. Plattenbau reihte sich an Plattenbau. Irgendwann, es war schon fast dunkel, nahmen die Straßenzüge einen altstädtischen Charakter an, und plötzlich stand er mitten im Touristengetümmel auf dem Karlsplatz. Das war einfach zuviel, Tränen flossen ihm die dicken Wangen hinab, er konnte nichts dagegen tun. Zuletzt hatte er mit zwölf Jahren so geweint, als die stärkeren Jungs aus der achten Klasse ihm seine Rolling-Stones-Platte aus dem Westpaket abgeknöpft hatten. Kraftlos setzte er sich auf die Bank vor dem Jan-Hus-Denkmal. Erst erwog er zur deutschen Botschaft zu gehen, dort, an der Rückseite hatte er einmal vor dem Zaun gestanden, über den die DDR-Bürger geklettert sind. Mit Anna hatte er damals diesen Ausflug nach Prag gemacht. Ach Anna, wenn die da wäre… Aber zur Botschaft zu gehen war unmöglich, die würden ihn schnurstracks der Polizei ausliefern. Es war alles ziemlich beschissen und hungrig wurde er langsam auch noch. Er setzte sich auf den Boden, ein jämmerliches Gesicht brauchte er nicht aufzusetzen, das hatte er bereits. Die Menschenmasse wälzte sich an ihm vorbei, er streckte eine Hand aus und nach kurzer Zeit umklammerte er die ersten Kronen, deutsche Touristen sind großzügig. Notiz aus der Sächsischen Zeitung vom 30.12.08: Der wegen Geldwäscherei und Zigarettenschmuggel angeklagte Manfred S. wurde nach vier Jahren in Prag gefasst. Er handelte mit Altmetall aus osteuropäischen Abrissfabriken, dabei soll er Zigaretten in Kupferrohren versteckt und über die Grenze geschmuggelt haben. Nachdem er der Polizei bei einer Hausdurchsuchung 2004 knapp entkommen war, hatte er sich nach Tschechien abgesetzt und dort eine falsche Identität angenommen. Ein Nachbar alarmierte die Polizei wegen Lärmbelästigung. Sie nahmen Manfred S. vergangenen Montag in seiner 300m²-Wohnung am Wenzelsplatz fest, als er mit mehreren namhaften Vertretern der Russenmafia, Prostituierten und tschechischen Vagabunden eine rauschende Orgie feierte. Manfred S., geboren 1960, wuchs in Dresden-Trachau auf, sein Vater besaß eine Gemischtwarenhandlung, die nach der Wende bankrott ging. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren im internationalen Waffen- und Rauschgifthandel. Sein einziger Kommentar: „Ich bin da so reingeschlittert“. --- Dies ist ein Storytauschtext. Er ist nicht von alcofribas. Von wem ist er dann? AllesOderNichts, amplifythegoodtimes, anneliese, CommodoreSchmidtlepp, getupkid, glassonion, irrgaertnerin, Jollscherl, melan, phoneybone, rose, sommerhaus, synthie_und_roma, weltherrrschaft, WieJetztAber Ratet in den Kommentaren mit! Wenn alle 16 Texte gepostet sind, gibt’s die Auflösung – und die Verkündung der besten Rater.


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Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

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20.01.2009 - 17:40 Uhr
Jollscherl

ach scheiße, geht ja nicht. oder doch? kann das los einen selber treffen?
arrrgh. wen hab ich noch übrig? puh

WieJetztAber
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Mag ich Mag ich nicht

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21.01.2009 - 15:13 Uhr
WieJetztAber

phoneybone

Jollscherl
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Mag ich Mag ich nicht

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21.01.2009 - 18:24 Uhr
Jollscherl

endgültiger tipp: weltherrschaft

chippyq
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Mag ich Mag ich nicht

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22.01.2009 - 11:54 Uhr
chippyq

jollscherl?

AllesOderNichts
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Mag ich Mag ich nicht

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22.01.2009 - 12:06 Uhr
AllesOderNichts

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