12.01.2009 - 15:47 Uhr

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Die Bausteine meines Erfolges

Text: getupkid

Ich bin der Totschweiger. Wer Probleme hat, aber keine Lösungen, der ruft mich an. Ich schweige alles tot, was sich bewegt, alles im Umkreis von hundert Metern. Paupaupau, nichts hat eine Chance. Ich habe einmal an einem Tag fünf Beziehungsprobleme und drei Wirtschaftskrisen totgeschwiegen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin eiskalt. Ich verliere nie ein Wort darüber. Ich sitze im dunklen Totschweigerbüro und das Telefon klingelt. „Hallohallohallohallo“, sagen die Leute, „hallohallohallohallo, wir haben ein Problem. Eva Herman hat einen Reaktorunglück verursacht und hatte dabei nicht mal eine Unterhose an. Du musst uns helfen!“ Aber ich sage nichts. Denn ich bin ja der Totschweiger. Nur manchmal sage ich was. Wenn Leute anrufen und sagen „Heyheyheyhey, wir brauchen dringend noch einen Deutschen für so einen Film, der soll da den bösen Wikingerprinz spielen.“ Dann sage ich: Ich bin der Totschweiger, nicht Till Schweiger, verdammt noch mal. Ist doch echt nicht so schwierig. Das mal auseinander zu halten. Totschweiger – Till Schweiger. Irgendwann wird Hollywood mich verfilmen: „Der Totschweiger“ In der Hauptrolle: Stevie Wonder. Der ist zwar blind und nicht stumm, aber bis Hollywood das merkt, ist es eh zu spät. Wir schweigen das einfach tot. Legen einen Waschbärpelzmantel des Schweigens darüber und ein Schweigegelöbnis ab, gegen das jedes Ehrenwort von Helmut Kohl wie Kinderkacke wirkt. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, aber Totschweigen ist Diamant mit noch kleineren Diamanten drauf und drum herum Gold und obendrauf Puderzucker. Puderzucker, der kein Wort sagt, natürlich. Ich bin aber nicht nur der Totschweiger, neinnein. Ich bin auch der Hinauszögerer. Ich zögere alles hinaus. Deswegen geht dieser Text auch noch weiter, obwohl ich eigentlich schon nach dem ersten Satz keine Ideen mehr hatte. Ich zögere ihn einfach hinaus. Noch 3000 Zeichen. Noch 2980 Zeichen. Noch 2960 Zeichen. Auch die Pointen zögere ich hinaus, wenn ich schreibe. Gleich schreibe ich eine. Moment, noch kurz. Gleich. Im nächsten Satz, wirklich. Jetzt aber. Ach nein, erst lieber noch Simpsons gucken. Erst wenn das letzte Buch vergriffen, der letzte Pullover ausverkauft und alle Frauen vergeben sind, werde ich merken, dass man Hinauszögern nicht lesen, anziehen oder bumsen kann. Das wollte ich mir auf die Stirn tätowieren lassen. Aber ich hab einfach immer noch keinen Termin beim Tätowierer gemacht. Mach ich gleich. Aber erst bleib ich noch ein bisschen liegen, so tausend oder zweitausend Jahre. Dreh mich noch mal um im warmen Bett. Und noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Eon hat schon angefragt, ob sie ein Induktionsspulenkraftwerk neben mein Bett bauen dürfen. So sieht’s aus. Ich bin keiner von diesen albernen Modeprokrastinierern. Geht nach Hause, ihr Es-am-Ende-doch-noch-auf-die-Reihe-Krieger, ihr widert mich an. Ich bin der echte Hinauszögerer! Ich habe die Schlummertaste in deinen Wecker eingebaut, ich habe die Abgabeterminverlängerung für deine Hausarbeiten eingeführt, ich habe dich angestiftet so lange auf was Besseres zu warten, bis gar nichts mehr kommt. Nicht mal was Schlechteres! Was soll das denn heißen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Na, morgen zum Beispiel! Oder übermorgen! Oder überüberüberüberüberübermorgen! Oder nach den großen Ferien. Oder am St. Nimmerleinstag. Ich liebe den St. Nimmerleinstag. Der Feiertag aller Hinauszögerer: Da steigt die große Hinauszögererparty und keiner kommt, weil die Einladungen zu spät verschickt wurden. Ich bin aber nicht nur der Totschweiger und der Hinauszögerer, nein, ich bin auch noch der Hinschluderer. Ich schludere alles hin. Auch die Bibel habe ich hingeschludert, weil Gott mich drum gebeten hat. Deswegen widerspricht die sich jetzt auch so oft. Kann mir ja nicht jeden Unsinn merken, den ich vorne irgendwo geschrieben habe, bloß damit ich hinten nicht das Gegenteil sage. Im Hinschludern kann mir keiner das Wasser reichen. Einmal hab ich einfach so irgendwas auf ein Blatt Papier geschmiert und die Linkspartei hat es als ihr Grundsatzprogramm verabschiedet. Die haben nicht mal gemerkt, dass ich auf den Seiten 51-90 nur Texte aus Spam-Emails eingefügt habe per copy-and-paste. Mein ganzes Leben ist eine einzige Hinschluderei, so wie eine flüchtige Zeichnungen auf einer Papierserviette, mit der jemand den Weg in den nächsten Puff erklären wollte. Mein Leben war das Vorbild für die Bierdeckensteuererklärung von Friedrich Merz! Gegen mein Leben wirken selbst Mediziner-Dissertationen, als hätte Hegel sie verfasst! Totschweigen, Hinauszögern, Hinschludern: das sind die Bausteine meines Erfolgs. Deswegen bin ich dorthin gekommen, wo ich jetzt stehe. Selbst diesen Text habe ich hingeschludert. Deswegen hat er irgendwie auch kein richtiges Ende. --- Dies ist ein Storytauschtext. Er ist nicht von getupkid. Von wem ist er dann? alcofribas, AllesOderNichts, anneliese, amplifythegoodtimes, CommodoreSchmidtlepp, glassonion, irrgaertnerin Jollscherl, melan, phoneybone, rose, sommerhaus, synthie_und_roma, weltherrrschaft, WieJetztAber Ratet in den Kommentaren mit! Wenn alle 16 Texte gepostet sind, gibt’s die Auflösung – und die Verkündung der besten Rater.


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tatjana_traurig
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Mag ich Mag ich nicht

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07.05.2009 - 00:12 Uhr
tatjana_traurig

grandios!

lousal
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Mag ich Mag ich nicht

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14.05.2009 - 16:03 Uhr
lousal

loved it!

storytausch...kapier ich nicht.

hennus
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Mag ich Mag ich nicht

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23.02.2010 - 11:55 Uhr
hennus

hammertext.

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