Durchhaltevermögen
Montag morgen 8.30 Uhr. Trägheit auf den Lidern, auf den Armen, den Beinen, hinter den Schläfen. Und eine Erinnerung: Gestern Nacht habe ich beschlossen, konsequenter zu sein. Ich habe das laut ausgesprochen, wie ein Mantra, in die dunkle Küche hinein. Also gut, denke ich, mache die Augen wieder zu und warte konsequent ab, bis die Trägheit in wirklich jede Faser meines Körpers gekrochen ist. Für ein paar Stunden geht alles gut. Dann klingelt das Telefon. Ich gehe ohne Zögern ran. Denn wenn man zu lange wartet, kostet das Ignorieren des Klingelns mehr Energie als das Abnehmen des Hörers. Es ist Konrad, der mich an unsere Verabredung heute erinnert. Wir treffen uns genau drei Mal im Jahr, doch die letzten zwei Male habe ich kurzfristig abgesagt, so daß wir uns nun schon beinahe ein Jahr nicht gesehen haben. Noch einmal absagen wäre unverzeihlich. Wenn schon nicht konsequent träge, dann wenigstens konsequent faul, denke ich, und stelle mich am xxx-Platz an den Fahrstuhl hinunter zur U-Bahn, steht ohnehin sonst niemand an. Doch der Fahrstuhl ist sehr langsam, und während ich warte, kommen allerlei Menschen heran und stellen sich hinter mich. Nur so ganz alte Menschen und Leute mit Kinderwägen und mit Krücken. Niemals werden wir alle in den Fahrstuhl passen. Als die Türen aufgehen, improvisiere ich ein Humpeln und verzerre dabei das Gesicht. Das klappt. Die Alten und Kranken, die oben zurückbleiben, haben einen verständnisvollen Gesichtsausdruck, und auch mein Mitgefühl für mich selbst wächst mit jeder Sekunde an. Unten humple ich aus dem Fahrstuhl heraus, da tippt es mir plötzlich auf die Schulter. „Du Simulant!“ wird jetzt gleich ein Bahnbediensteter zu mir sagen und mich wegen Vortäuschung falscher Tatsachen verklagen. Aber es ist nur Felix. Felix ist erfolgreich in irgendwas und immer guter Laune, eine Plaudertasche und mit allen Einwohnern der Stadt befreundet. Was Felix zuerst weiß, das weiß bald jeder, vor allem Konrad. „Hej, was ist denn mit deinem Fuß?“ Mitreisende aus dem Fahrstuhl sind immer noch in Hörweite. „Ach, böse Geschichte“, sage ich und ziehe Felix Richtung Ausgang, das Humpeln noch etwas stärker, Felix stützt mich. Klar, daß ich das Humpeln nun den ganzen Tag durchziehen muß. Meine Geschichte, was eigentlich passiert ist, wird mit jedem Mal ausgefeilter. Ich flechte einen Hund und einen Fahrradfahrer mit ein, sogar empörte Passanten und einen Besuch im Krankenhaus. („Und?“ habe ich ängstlich den Arzt gefragt, als er das Röntgenbild betrachtet hat, „wie sieht es aus?“ – „Ganz zauberhaft“, hat er gesagt und mir einen Automatenkaffee spendiert.) Ich kann gar nicht mehr damit aufhören und ziehe mit Konrad und Felix von Station zu Station durch die ganze Stadt. Als ich viele Stunden und Mitleidsbekundungen später alleine im Dunklen auf dem Nachhauseweg bin, humpelt mein Fuß wie von selbst hinter mir her. --- Dies ist ein Storytauschtext. Er ist nicht von rose. Von wem ist er dann? alcofribas, AllesOderNichts, anneliese, amplifythegoodtimes, CommodoreSchmidtlepp, , getupkid, glassonion, irrgaertnerin Jollscherl, melan, phoneybone, sommerhaus, synthie_und_roma, weltherrrschaft, WieJetztAber Ratet in den Kommentaren mit! Wenn alle 16 Texte gepostet sind, gibt’s die Auflösung – und die Verkündung der besten Rater.- Zeitsalz. 20.01.2009
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Ich tippe auf wiejetztaber
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12.01.2009 - 08:08 Uhr
sommerhaus