07.01.2009 - 18:30 Uhr

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Warten auf den Bart

Text: philipp-mattheis - Foto: photocase.de/froschperspektive

Prinz William hat sich seinen Vollbart abrasiert - andere Männer warten ein Leben lang auf einen richtigen Bart. Eine kleine Klageschrift

„Du hast viel gesehen von der Welt und hast auch nie zuwenig Geld. Die Accessoires sind schon perfekt, doch eins hast du noch nicht gecheckt: Die glatte Haut im Gesicht, nein darauf stehen die Frauen nicht.“ Die Ärzte, „3-Tage-Bart“ Prinz William hat keinen Vollbart mehr. Britische Zeitungen veröffentlichten am Mittwoch Bilder des 24-Jährigen mit seiner Freundin Kate Middleton, auf dem der Prinz ein glatt rasiertes Gesicht hat. Nächste Woche tritt er seinen Militärdienst bei den Rettungsfliegern an und da ist ein Bart nicht erlaubt. Ich bin neidisch auf Prinz William. Nicht weil er Royal ist und Kate Middleton seine Freundin und erst recht nicht, weil er jetzt Flugzeuge fliegt. Das wäre mir alles viel zu anstrengend. Ich bin neidisch auf seinen Bartwuchs. Mittlerweile bin ich Ende 20 und in meinem Gesicht wächst zwar etwas, was man mit etwas Wohlwollen als „Drei-Tage-Bart“ interpretieren könnte, aber dieses Gekräusel hat wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen als drei Tage. Eher so drei Wochen, vielleicht auch fünf. Immerhin. Immerhin wächst jetzt irgendetwas in meinem Gesicht. Auch das war lange Zeit nicht so.
Ich war 15, als mein bester Freund mit einem Ziegenbart in die Schule kam. Ziegenbärte sind ein eigenes Thema, aber damals waren „Goaties“ ziemlich angesagt. Plötzlich veränderte er sich. Sein Auftreten wurde selbstbewusster und sicherer. Die Mädchen, die Lehrer, die Typen aus der 11. – alle verhielten sich ihm gegenüber anders, irgendwie respektvoller. Immer wenn er meinte, etwas Wichtiges sagen zu müssen, strich er sich mit seiner linken Hand über den Bart. Das war eine Denkerpose! Daraufhin wollte ich auch so einen Kinnbart haben. Ich wartete drei Tage, doch nichts passierte. Dann begann ich zu rasieren, weil ich gehört hatte, dass der Bart schneller wächst, wenn man oft rasiert. Das ist übrigens nicht wahr. Kein Haar wächst schneller, bloß weil man es schneidet. Als ich genug rasiert hatte, begann ich wieder zu warten. Nach zehn Tagen kroch langsam ein lichter Flaum aus meiner Gesichtshaut. Weg damit, dachte ich mir. Denn nichts sieht schlimmer aus als ein Bart, der kein richtiger ist. Bei einem glatten Gesicht kann man sich noch auf modische Pseudoargumente stützen. Flaum dagegen tragen nur 14-Jährige mit Migrationshintergrund, deren Kultur es verlangt, jedes Anzeichen von Männlichkeit, sei es auch noch so lächerlich, zu zelebrieren. Männer mit Vollbart wirken attraktiver und netter. Im Rahmen einer Studie wurden vor ein paar Jahren männlichen und weiblichen Probanden Fotos von Männern mit und ohne Vollbart vorgelegt. „Obwohl alle Abgebildeten gleich ausdruckslos schauten, wurden die Bärtigen im Durchschnitt von den Versuchspersonen eindeutig positiver beurteilt“, lautete das Fazit. Als Bartloser ist man zu einem gewissen Grad von der Modewelt ausgeschlossen. Das ist so, wie wenn plötzlich alle Menschen bis zu Schuhgröße 43 grüne Wildlederschuhe tragen würden, man selbst aber Schuhgröße 44 hat und in dieser Größe gibt es keine grünen Wildlederschuhe. Selbst wenn man solche Schuhe total blöd findet, man fühlt sich in seinen Möglichkeiten beschränkt. Es ist gar nicht so, dass ich unbedingt einen Vollbart haben möchte. Eigentlich stellte ich es mir ziemlich unangenehm vor, so viel Gestrüpp im Gesicht zu haben. Wahrscheinlich müsste ich jeden Morgen, bevor ich das Haus verlasse, im Spiegel prüfen, ob sich nicht Nutella oder Eireste darin verfangen haben. Kratzen würde er auch und Pickel darunter müsste man ewig suchen. Außerdem haben Vollbärte etwas Altbackenes und Pseudointellektuelles. Ich will auch nicht wie der Freund von Judith Holofernes und diese ganzen Berlin-Mitte-Nichtsnutze aussehen. Mir geht es gar nicht um den Vollbart an sich. Mir geht es um die Möglichkeit, einen zu haben. Ich möchte frei darüber entscheiden zu können, wie viele Haare in meinem Gesicht wie wachsen. Aber die Natur macht mir einen Strich durch die Rechnung und verordnet mir zwangsweise jugendliches Aussehen. Immerhin, die Zeit ist auf meiner Seite. Ich werde warten. Und während ich warte und mein Bart langsam wächst, sprießen die Haare der Bärtigen auch an deren Brust, Rücken und an allen anderen Stellen, an denen man als Bartloser mit Haarlosigkeit gesegnet ist. So gesehen ist die Aufteilung dann doch gerecht.


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diejodie
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Mag ich Mag ich nicht

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08.01.2009 - 12:18 Uhr
diejodie

ich steh total auf bärte, 3 tage geht bei fast allen typen gut, vollbart schon weniger und nur wer richtig viel style hat, darf den könig der bärte tragen, den moustache, carlos dengler-style, yeah.
aber alle anderen mögen es bitte lassen, denn ein schnauzer ist noch lange kein moustache.

Herr_Wurst
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Mag ich Mag ich nicht

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08.01.2009 - 12:25 Uhr
Herr_Wurst

Nun, in meinen Mittdreißigern, beginnen sich auch bei mir die fünfmarkstückgroßen Löcher auf meinen Backen zwischen Kinn und Kotelett zu schließen, die mich immer vom Vollbart trennten. Da erklärt sich mir in der Rückschau auch die bei meinem Vater in den 80ern plötzlich auftretende Liebe zum Vollbart - er trug ihn, wie ich jetzt erahne, weil auch er in den Kreis der des Vollbarts mächtigen aufgestiegen war.
Sehr lange hielt die Mode bei ihm allerdings nicht, sah auch, obgleich gepflegt, immer etwas waldschratig aus.
Und auf das freche Haar, das seit einiger Zeit meint, bisweilen aus meinem Ohr ragen zu müssen, könnte ich u. U. auch verzichten.
Und: Mein von mir damals durchaus manchmal beneideter Teenie-Goatie-Kumpel (Biohazard!) trägt seit damals außerdem, mit nachlassendem Stolz, ein gräßliches Tribal-Tattoo auf der Wade. Da bin ich froh, dass ich genetisch zu einem vollwertigen früh-90er Hardcorelook nicht in der Lage war und so auch auf ein dergestaltes Tattoo verzichtete.
Obgleich-manchmal so ein bisschen Mickey Rourke oder Bruce Willis würde dem Herrn Wurst in schwachen Momenten schon gefallen.
Aber nein: glattrasiert ist einfach der beste Bart.

starfire
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08.01.2009 - 14:27 Uhr
starfire

ich verzichte auf bart seinerseits und wunde lippen meinerseits. ich knutsche auch nicht mit nem klettverschluss...

etwas
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Mag ich Mag ich nicht

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08.01.2009 - 15:03 Uhr
etwas

ich find bärte schon irgendwie gut. jedesmal wenn ich die startseite anklicke, denke ich, mhh.
aber keine ziegenbärte, keine schnauzer und keiner löcher. drei-tage-bis-wochen-bart oder vollbart mit entsprechendem gesicht ist hingegen schon seeeehr gut.

MarkTwain
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08.01.2009 - 16:20 Uhr
MarkTwain

Ein Freund von mir hatte das Schicksal, sich schon im zarten Alter von 13 Jahren rasieren zu müssen. Ist auch sonst ein ziemlich behaarter Typ. Mit Ausnahme der oberen Kopfhälfte merkwürdigerweise.

Ich selbst bin ziemlich unbehaart, vor allem im Gesicht. Ich kann den Autor also gut verstehen, auch wenn ich eigentlich noch nie den Drang verspürte, mir einen Bart stehen zu lassen.

Birger
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08.01.2009 - 18:03 Uhr
Birger

mein bart ist rasiert auch am anschaulichsten da nur stellenweise vorhanden und mit wenig dichte, und kotelett gibt's bei mir nur aufm teller, da wächst einfach nix, genausowenig am oberkörper - aufm kopf dagegen üppig, immer noch!

versteh mal einer die welt..

DerNaturjoghurt
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08.01.2009 - 19:17 Uhr
DerNaturjoghurt

Auch wenn das Rasieren häufig nervt. Bartwuchs würde ich nicht hergeben. Wie im Text gesagt, es ist so das Fünkchen Freiheit zu wissen, er würde wachsen - wenn ich wöllte :-)

femme_d_argent
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08.01.2009 - 21:56 Uhr
femme_d_argent

pro bart.

sechself
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12.01.2009 - 11:18 Uhr
sechself

Ich wollte nie einen Mann mit Bart, fand die Vorstellung immer schrecklich!
Jetzt hab ich einen Bärtigen und find's toll.

NinaTina
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Mag ich Mag ich nicht

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31.01.2010 - 12:46 Uhr
NinaTina

Allerdings verliert der Prinz jetzt schon seit Haupthaar. Er hat schon kleine Geheimratsecken, der arme Kerl.
Dann doch lieber keine Gesichtshaare und dafür Haare am Kopf.

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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.