Wir werden alle Hacker
Text: dirk-vongehlen
Die Kultur des Selbermachens erlebt einen Aufstieg, von dem jetzt auch große Unternehem profitieren wollen. Ein Lob in acht Strophen
Man nennt sie Amateure, Hobby-Bastler oder Hacker und verunglimpft ihre Produkte als unprofessionell. Doch allen Schmähungen zum Trotz erlebt die Kultur des Selbermachens einen Aufstieg, von dem jetzt auch Unternehmen wie Google profitieren wollen. Ein Lob aufs Selbermachen - gesungen in acht Strophen:
Das Gesicht des Selbermachens: Sackboy aus Little Big Planet
Selber machen ist . . .
. . . nicht neu
Man kann bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückgehen, um den Ursprung dessen zu finden, was heute als Selbermach-Kultur auftaucht. Bereits im Jahr 1980 sprach der US-Zukunftsforscher Alvin Toffler von einem neuen Typus von Verbrauchern, vom "Prosumenten". Mit diesem Wort-Remix aus "Produzent" und "Konsument" fasste er eine neue Kultur des Selbermachens zusammen: Menschen konsumieren nicht mehr einfach nur, sie wollen selber aktiv werden, umgestalten, neu kombinieren. Sie wollen zu Hackern werden.
. . . Hacking ohne Computer
Hacker, so erklärt es Tim Pritlove vom Chaos Computer Club, müssen keinesfalls immer mit Computern arbeiten. Beim Hacken gehe es vielmehr darum, vorgegebene Lösungen nicht einfach zu akzeptieren, sondern nach neuen Wegen zu suchen - auf allen gesellschaftlichen Gebieten. Als Ur-Hacker beschreibt Pritlove dabei die Figur des Harry Tuttle aus dem 80er-Jahre Kultfilm Brazil . Darin verkörpert Robert de Niro einen Gas-Wasser-Installateur, der "wie ein Guerilla-Kämpfer" all die Probleme löst, die in dem totalitären Computerstaat Brazil von staatlicher Seite nicht gelöst werden können.