Wirtschaftskrise hin und her
Wie bereits in den letzten Artikeln durchgeführt, betrachten wir, was so passiert und analysieren damit die Situation. Außerdem gibt es diesmal einen Ausblick auf die Ereignisse 2009/2010 und Überlegungen dazu, was wir tun können.Die heimische Autoindustrie
Einer der großen deutschen Autohersteller scheint derzeit an der Krise vorbei zu maschieren, zumindest taucht er in den Schlagzeilen nur wenig auf. Audi. Warum ist das so? Audi hat viele Firmenkunden und die leasen Fahrzeuge. Obwohl Leasing auch eine Kreditfrom ist, unterliegt sie grundsätzlich anderen Regeln. Der Leasinggeber, also der, der das Geld zur Verfügung stellt, ist es gewohnt, dass die finanzierten Objekte nach einer bestimmten Frist zurückkommen und dann verwertet werden müssen. Ja mehr, die Leasinggeber wollen diese Verwertung, da sie damit einen Teil ihres Gewinnes erwirtschaften. Kreditgeber hingegen sind mit der Verwertung der beliehenen "Sachen" überfordert, besonders dann, wenn es sich um eine Vielzahl "Sachen" handelt. Ergo, Leasing spielt in einer anderen Liga, damit spielt Audi derzeit in einer anderen Liga und das zeigt uns, der Großteil der derzeitigen Misere entsteht dadurch, dass keine leichtfertigen Kredite mehr vergeben werden. Dadurch können die Personengruppen, die eigentlich schon vorher nicht mehr richtig am Konsum teilnehmen konnten nun wirklich nicht mehr teilnehmen und dieser Einbruch ist eben schwer zu verkraften.
Das Weihnachtsgeschäft
lief angeblich gut, allerdings präsentiert man uns kaum handfeste Zahlen. Dabei paßt aber nicht ganz ins Bild, dass z.B. in Landshut bereits nach dem 2. Advent ein Großteil der Geschäfte Rabatte bis 50 % anboten. Rabatte vor Weihnachten waren bisher vollkommen unüblich, ja vor einigen Jahren gar nicht möglich und zeigen die Misere auf. Im lukrativen Weihnachtsgeschäft verzichten die Geschäfte nicht ohne Grund auf einen Großteil ihrer Marge. Noch deutlicher wurde es am 24. Viele Geschäfte hatten die Öffnungszeiten für Heiligabend im Vorfeld angegeben und viele Geschäfte waren mangels Kunden bereits vor dieser selbst gesetzten Frist geschlossen!! Selbst Lebensmittelmärkte schlossen bereits wegen mangelndem Zuspruch vor der selbst angegebenen Zeit. Die Kunden waren mit Geldausgeben schon fertig oder besser formuliert, da war nichts, was sie ausgeben wollten. Rückfragen in diversen Shops ergaben dann auch ein ziemlich ernüchterndes Bild. Die Korrekturen der derzeit kolportierten Kauflaune im Weihnachtsgeschäft werden noch über die Nachrichten laufen.
Wenn trifft es
Bereits vor einigen Wochen zeigte ich am Beispiel 3,90 Euro für einen Schweinebraten mit Knödel und Sauerkraut, wie das Restaurant des Möbelhauses Emslander versucht Kunden anzulocken und damit den Preis für den Mittagstisch in Landshut stark unter Druck setzte. In den Wochen vor Weihnachten mußten wohl gerade wieder Restaurants, Metzgereien, Catering-Service und Hotels auf geplante Umsätze verzichten, weil umgreifend Weihnachtsfeiern kurzfristig abgesagt wurden. Dies trifft sicher auch Fluglinien und die Bahn, da auswertige Mitarbeiter nicht eingeladen wurden. Und so sieht man, wie es mehr und mehr andere Branchen trifft. Aber auch Länder denen es bisher relativ gut ging, wie z.B. Tschechien, der Musterknabe der Osterweiterung mit einer sehr harten Währung, bekommt die Auswirkungen zu spüren.
Rettungspaket für Chrysler und GM
Vor Wochen, als der Dollar von 1,35 Euro auf 1,25 Euro stieg, wertete ich dies als weiteres Indiz für größere Kapitalumschichtungen von "Insidern", tippte auf eine Flucht aus Aktien und damit eine verstärkte Nachfrage nach Dollar, die zu diesem kurzfristigen Kurshoch führte und tippte auf massive Probleme bei Chrysler und vor allem GM. Die folgenden Nachrichten haben mich bestätigt. 17 Mrd. für GM sind zwar eine erste Rettung, aber anscheinend muss man bei Milliarden nicht mehr rechnen. Wenn man ein Jahreseinkommen von 40.000 Dollar annimmt, dann könnte man mit 17 Mrd. 425.000 Arbeiter ein Jahr lang finanzieren, ohne das diese arbeiten müßten. Bei General Motors werden sie wohl auch nicht arbeiten, aber bereits nach 3 Monaten wird dieses Geld verbraucht sein, vielleicht schneller. Zwar las ich auch auf sueddeutsche.de, dass schon alle amerikanischen Fluggesellschaften durch Chapter Eleven (einen amerikanischen Gläubiger-Schutz) gingen, aber Fluggesellschaften und Automobilhersteller sind nicht das selbe. Denn mein Flug ist in wenigen Stunden endgültig abgewickelt, für mein Auto will ich aber noch jahrelang Ersatzteile, Garantie und Service. Wer kauft bei einem angeschlagenen Händler bzw. Hersteller? Diese Erfahrung mußte schon Rover machen.
Der Dollar schwächelt
Und nun geht es in die andere Richtung. Innerhalb von knapp 2 Wochen fiel der Dollar von 1,25 Euro auf 1,44 Euro, ohne das dies zu größeren Schlagzeilen führte. Anscheinend schichten einige Insider gerade wieder verzweifelt um, siehe die Meldung von Hypo Real Estate bzgl. Insiderhandel. Hier wurden Aktien verkauft, bevor die Warnmeldung rausging. Und diesmal bewirkt es eine erhöhte Nachfrage nach Euro. Das heißt für mich, spätestens Anfang des Jahres wird es im Euro-Raum eine heftige Hiobsbotschaft geben. Kandidaten dafür sind natürlich die Autoindustrie, Airbus, aber vor allem auch Banken. Ich persönlich tippe diesmal auf eine große europäische Bank oder nach Island und Lettland vielleicht sogar auf ein Land der Eurozone. Besonders Spanien, aber auch Griechenland oder Italien scheinen hier gute Kandidaten zu sein.
Die nächste schlechte Nachricht für die Deutsche Bank
Die Finanzkrise entstand dadurch, dass man Kreditrisiken in sogenannten Paketen bündelte und diese dann weiter verkaufte. Höheres Gesamtrisiko, höhere mögliche Erträge. So wollte man das Kreditrisiko von den einzelnen Krediten trennen. Diese Pakete wurden nun immer wieder neu zusammengestellt und weiter verkauft. Die Trennung funktionierte anscheinend zu gut, denn in einem ersten Musterprozess in Amerika konnte die Deutsche Bank nicht lückenlos nachweisen, dass sie tatsächlich berechtigt ist, bestimmte Sicherheiten (sprich Häuser) zu verwerten. Das Gericht erkannte die in den Paketen enthaltenen Verträge nicht an. Sollte das Urteil von der nächsten Instanz bestätigt werden, dann haben die Banken ein noch viel größeres Problem. Die Kredite sind geplatzt und die Sicherheiten können noch nicht einmal verwertet werden. Weitere milliardenschwere Bereinigungen in den Büchern der Banken würden wohl fällig werden.
Wieviel wissen wir?
Ich denke mal, wir sehen noch nicht einmal die Spitze des Eisberges. Wir kucken derzeit verwundert über die Reling und sehen irgendwas großes weißes aufsteigen. 2009 und 2010 werden heftig. Um meine Aussichten hier offen zu legen. Am 09.11.2009 könnte der Kapitalismus den 20. Jahrestag des Sieges über den Kommunismus feiern. Könnte!!! Ich weiß auch nicht genau, was passieren wird. Aber es wird heftig und schnell. Die Marktwirtschaft so wie wir sie heute (noch) kennen wird wohl in 2 bis 3 Jahren nicht mehr existent sein. Wir stehen vor riesigen Umbrüchen und Revolutionen und können nur hoffen, dass diese unblutig und ohne Kriege ablaufen. Die Situationen auf unserem Planeten, siehe Griechenland, lassen mich daran allerdings zweifeln. Mit der Bundestagswahl im September sehe ich mögliche dunkle Wolken aufkommen, hoffentlich kommt die Wahl noch früh genug, bevor extreme Gruppierungen die Situation ausnützen und hoffentlich werden nicht Extreme begünstigt, wie 1933. Dass das NPD-Verbot wieder in aller Munde ist zeigt, dass die Regierenden wissen, was die Stunde gerade schlägt. Ganz nach dem Grundsatz, nicht die Nachricht ist interessant, sondern der Zeitpunkt.
Das Ausmaß am Beispiel Toyota
In den Nachrichten hören wir, Toyota erleidet nach einem Gewinn von 18 Mrd. einen Verlust von 1,8 Mrd. Wir hören weiter von einem Umsatzeinbruch von 30 % und einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von Japan um 8,9 % und gegenüber dem Vorjahresmonat sogar von 16 % und das für November. Die Finanzkrise bricht wie ein Tsunami über die Unternehmen herein. Bricht der Umsatz ein, so geht der Gewinn nicht in dem selben Masse zurück, sondern es frißt als erstes den kompletten Gewinn auf, da viele Fixkosten wie Mitarbeiterlöhne, Miete, Fahrzeugflotte, Buchhaltung etc. in unveränderter Höhe weiterlaufen. Die Finanzkrise trifft die Unternehmen so schnell, dass sie nicht schnell genug reagieren können. Es wird wohl kein Unternehmen vor großen Verlusten verschont bleiben. Gerade langfristige Verpflichtungen bzw. auch ein hoher Kündigungsschutz können sich nun fatal auswirken. Für all dies gibt es derzeit keine passenden Regelungen und so werden die Unternehmen bluten. Das Beispiel zeigt aber auch, es ist in erster Linie keine Auswirkung der durch die Finanzkrise verunsicherten Verbraucher. Dadurch das nun keine leichtfertigen Kredite mehr vergeben werden, bricht schlicht und ergreifend von einem Tag auf den anderen der kreditfinanzierte Konsum von Konsumenten weg, die sich diese Produkte eigentlich auch mit Krediten nie leisten konnten. Was wir jetzt sehen, ist nicht die Auswirkung der Finanzkrise. Es ist der Istzustand unserer Wirtschaft. Abwandernde Unternehmen wie Nokia, die Arbeitslosigkeit, Hartz IV, über Jahre sinkende Reallöhne, aber auch viele andere Gründe haben Kaufkraft vernichtet und diese wurde zunächst durch Kredite ausgeglichen. Nun gibt es keine Kredite mehr und das Ergebnis ist eine reduzierte Nachfrage auf Basis der real vorhandenen Kaufkraft der Konsumenten. Und darunter leiden die Unternehmen. und was dies für Auswirkungen auf die Börsen haben wird, wenn kaum noch ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet .... Ich erwarete für 2009 mindestens ähnliche prozentuale Abschläge wie 2008.
Das volle Ausmaß am Beispiel Toyota
Bei Toyota bricht der Umsatz um 30 % ein. Vor einigen Wochen rechnete ich vor, dass das 700 Mrd. US-Rettungspaket für die Banken eine Höhe von 5 % des Bruttoinlandsproduktes von Amerika umfaßt, dass 14 Billionen beträgt. Wenn bei Toyota, das hauptsächlich vom Export lebt, nun 30 % des Umsatzes wegbricht, dann müssen wir annehmen, dass 30 % der Verbraucher keine Kredite mehr bekommen um Toyotas zu kaufen. Meine Überschlagsrechnung damals ergab 10 % der amerikanischen Verbraucher (bei 700 Mrd. Kreditsumme). Das Beispiel Toyota zeigt mir, dass die Größe der Kreditblase mit 30 % bei geschätzten 4,2 Billionen liegen könnte, also dem sechsfachen, wohlgemerkt nur in Amerika. Wenn man nun noch mit überlegt, dass Anleger Kredite aufgenommen haben um diese Anlagepakete zu kaufen (z.B. Hedgefonds) oder nur Kautionen hinterlegen mußten, dann erscheint ein dunkles schwarzes Loch auf uns zuzukommen. Deutschland ist derzeit mit 1,5 Billionen insgesamt verschuldet. Das zeigt deutlich die mögliche Größe und vor allem, dass diese Größe von keinem Land dieser Erde mehr kontrolliert werden kann. Und schon gar nicht von irgendeiner Bank. Unser System steht vor dem vollkommenen Kollaps.
Was bewirkt der Umzug von Nokia
Die Verlagerung des Werkes von Deutschland nach Rumänien bewirkt in unserem Wirtschaftssystem eine ganze Menge. Erstens verliert die Weltwirtschaft an Kaufkraft. Denn für jeden 2.000 Euro Arbeitsplatz in Deutschland entstehen maximal zwei 150 Euro Arbeitsplätze in Rumänien. Damit verliert die Welt mit jedem verlorenen Arbeitsplatz 1700 Euro Kaufkraft. Oder anders ausgedrückt. Bei 2000 Arbeitern bei Nokia in Deutschland verliert die Weltwirtschaft jedes Jahr 40 Millionen Euro an Kaufkraft. Zweitens haben sicher eine Großzahl der ehemaligen deutschen Mitarbeiter von Nokia Kredite laufen. Die können nun nicht mehr bedient werden. Wenn also viele Mitarbeiter in den Industrieländern ihren Job verlieren, dann verlieren die Banken sicher geglaubte Kredite. Nokia ist also auch ein Verursacher der Kreditkrise. Drittens gehen sicher geglaubte Arbeitsplätze verloren. Passiert dies öfters, so gehen auch bei Personen, die glaubten einen sicheren Job zu haben, die Warnglocken an: "Ist mein Job noch sicher?" Diese Verunsicherung bewirkt, dass Leute mit einem sicheren Arbeitsplatz plötzlich das Vertrauen in die eigene Zukunft verlieren und so Investitionen aus Zukunftsangst heraus vermeiden.
Ist Nokia der böse Feind?
Ja und nein. Nokia wird von Anlegern mit überzogenen Renditeerwartungen zu diesen Schritten gezwungen. Diese überzogenen Renditeerwartungen entstehen durch Anlageformen wie Hedgefonds oder Warentermingeschäfte. Hier werden teilweise Renditen von 100% und mehr erwirtschaftet. Die Aktiengesellschaften stehen hier in Konkurenz um das Geld der Anleger und müssen, auch wenn sie bereits guten Gewinn erwirtschaften, mithalten. Allerdings denken Betriebe auch sehr einseitig. In Amerika lehrt man "Hire and Fire". Der Arbeitnehmer darf kein Vertrauen in seinen Arbeitsplatz haben, er ist nur solange angestellt, wie er gebraucht wird. Dabei vergessen die Betriebe, dass sie selbst auf Vertrauen angewiesen sind. Sie müssen das Vertrauen in die Arbeitnehmer haben, dass sie auch morgen noch an ihren Arbeitsplatz kommen und das Unternehmen so zugesicherte Lieferverträge einhalten kann. Die Arbeitnehmer sind aber auch Konsumenten und das Unternehmen muss auch darauf vertrauen, dass die Konsumenten auch morgen noch die eigenen Produkte kaufen. Eigentlich ist das Unternehmen viel mehr auf dieses Vertrauen angewiesen, als der Arbeitnehmer. Einige Unternehmen dachten wohl, sie haben so viel Marktmacht oder gar ein Monopol, dass sie dieses Vertrauen nicht bräuchten. Das rächt sich nun für die ersten und weitere werden folgen. Unser Wirtschaftssystem ist sehr fragil nur 10 % Veränderung bewirken umfangreiche Probleme. Verliert ein Unternehmen nur 10 % seiner Kunden, dann frißt das den gesamten Gewinn und bringt ein Unternehmen an den Rand des Ruins, da die Fixkosten weiterlaufen.
Was können die Regierungen kurzfristig tun
Bereits die Rezession von 1929 zeigte deutliche Korrektur- und Einwirkungsschwächen in unserem Wirtschaftssystem auf. Geändert hat sich wenig, man hoffte auf ewiges Wirtschaftswachstum um der Rezession zu begegnen. Instrumente für den Staat um in der Rezession einzuwirken wurden jedoch nicht entwickelt. Nun hat man keinen Reservereifen im Kofferraum und steht mit mindestens 3 platten Reifen am Straßenrand. Warum können unsere Regierungen nur wenig tun ?
1. Instrument ist der Zinssatz. Da ist Amerika schon der Handlungsspielraum ausgegangen, weniger wie 0 % geht eben nicht. Es ginge schon, aber das ist eine andere Geschichte. Allerdings halten sich die Banken nicht daran. Ein Grund für 0 % ist, Unternehmen billige Kredite zu geben. Der andere Grund ist, den Geldhabenden das Sparen zu verderben und somit gespartes Geld in Umlauf zu bringen. Interessanterweise steigen derzeit die Zinsen für Sparer vollkommen unbeeindruckt von Zinssenkungen der Zentralbanken. Eben weil die Banken Geld brauchen. Ob ich eine Milliarde von einer anderen Bank leihe und dafür Kreditzinsen bezahle oder von 100.000 Anlegern jeweils 10.000 Euro bekomme und dafür Guthabenzinsen ausbezahle, der Effekt ist der selbe, es spült 1 Milliarde in die leeren Kassen für die Zinsen bezahlt werden müssen. Allerdings muss die Bank im ersten Fall ihre Bonität nachweisen. Das Instrument der Zentralbank wird so stumpf, die Wirtschaft verselbständigt sich und treibt führerlos Richtung Eisberg. Hier zeigt sich deutlich, wie der unkontrollierte Egoismus des Einzelnen, die eigentlich guten Schritte zerstört. Wer jetzt noch für möglichst freie Märkte appeliert, der ist schlicht unbelehrbar und lernt aus gemachten Fehlern absolut gar nichts.
2. Instrument, Konjunkturprogramme. Auch diese sind nicht so effektiv, wie vielleicht angenommen. Staatliche Investitionen sind entweder Subventionen oder Einkäufe. Die Einkäufe sind eigentlich sogennannte B2B-Geschäfte, also eine Art Business zu Business-Geschäft. Wenn der Bund Autos oder Computer kauft oder Straßen baut, dann kommt dies einzelnen großen Unternehmen zu gute. Im Moment kämpfen die Händler aber mit Kaufverweigerung oder Kaufunfähigkeit der Konsumenten. Das Geld müßte ins B2C-Segment wandern. Der Bund kauft Autos bei einem großen Hersteller und alle kleinen Händler gehen leer aus. Ein wirkliches Konjunkturprogramm wäre es, bei jedem Händler in Deutschland je ein Auto oder einen Computer für die öffentlichen Verwaltungen zu kaufen. Nur das kann der Staat nicht. Und er will es auch nicht. Straßenbau ist ähnlich, davon haben z.B. Fertighaushersteller gar nichts.
Fertighaushersteller könnte der Staat nur mit Subventionen helfen. Was aber nun passiert ist zunächst, dass jeder wartet bis er weiß, wo die Subventionen greifen. Die Preise sind derzeit schon im Sinkflug, ich denke bereinigt um Miete und einige wenige andere Branchen (wie Energie, Lebensmittel) sind wir bereits in der Deflation, siehe Rabatte im Weihnachtsgeschäft, wobei diese Rabatte nur ungenügend in die Warenkörbe einfließen. Der Konsument mit Geld wartet also, denn morgen bekommt er schon wieder etwas mehr für sein Geld und die Subventionen gibt es auch morgen. Damit sieht man das Dilemma, Subventionen greifen erst, wenn der Konsument kauft. Wenn die Deflation aber mehr bringt als die Subvention, dann verliert die Subvention ihre Wirkung. Damit sind die Mittel des Staates schon ziemlich ausgeschöpft. Und wieder schädigt der individuelle Egoismus etwas zu warten, weil es ja bald wieder billiger wird, die Gemeinschaft.
Was können die Regierungen langfristig tun
Kurzfristige Massnahmen, wie ein Konjunkturprogramm, Kurssenkungen oder Bürgschaften für Unternehmen lösen das eigentliche Problem nicht. Das Beispiel Toyota zeigt klar, nicht die Finanzkrise ist das eigentliche Problem, sondern der verlorene Konsum aufgrund von weltweitem Kaufkraftverlust durch Firmenabwanderungen, Arbeitslosigkeit, Hartz IV und ähnlichem. Dieser wegbrechende Konsum müßte langfristig aufgefangen werden. Diese Spielräume haben unsere Regierungen aber nicht. Sie können das Vertrauen der Verbraucher vielleicht ein paar Monate zurückgewinnen, sie können Betriebe wie General Motors vielleicht für ein paar Monate retten, aber nicht für immer. Deshalb werden wir in 2009 und vor allem 2010 drastische Einschnitte erleben. Der einzig richtige Schritt wäre jetzt, keines der maroden Unternehmen zu unterstützen, sondern Massnahmen zu treffen, die die Massennachfrage stärken. Z.B. könnte man statt einem Rettungspaket für Banken jedem Bürger Deutschlands dessen Einkommen unter einem bestimmten Betrag liegt (z.B. unter 1000 Euro) einen einmaligen Geldbetrag zur Verfügung stellen. Denn Personen mit geringem Einkommen haben Bedarf, verschlissene Kleidung, kaputte Waschmaschinen etc. zu ersetzen. Sie werden dieses Geld sofort wieder ausgeben und nicht irgendwo anlegen. Deshalb sind Steuererleichterungen Schwachsinn, da Hartz IV-Empfänger davon gar nichts haben und die Reichen dieses Geld wieder in irgendwelchen dubiosen Kapitalgeschäften anlegen und damit dieses Geld schlicht in Dummheit und Gier verbrennen.
Wurden von den Regierungen in den letzten Monaten Fehler gemacht ?
Ja natürlich. Einer der Fehler, die gerne kolpotiert werden, ist, man hätte Lehmann Brothers retten sollen. Hätte das wirklich etwas gebracht? Überlegen wir kurz. Es hätte nur etwas gebracht, wenn die Finanzkrise der eigentliche Auslöser wäre. Hätte man Lehmann Brothers gerettet, so wäre die Kreditbereitschaft derzeit wohl etwas höher, denn der Konkurs von Lehmann Brothers hat zu einer riesigen Vertrauenskrise innerhalb der Kreditbranche geführt. Aber, das Problem ist eben nicht die Finanzkrise. Lehmann Brothers kam ins trudeln, weil einfach zu viele Konsumentenkredite, die zu immer wieder neuen Paketen geschnürt wurden, geplatzt sind. Das Ergebnis war schon damals, dass bei den Kosumentenkrediten nun genauer hingeschaut wurde. Viele Konsumenten bekamen nun keine Kredite mehr, deshalb erleidete die japanische Wirtschaft bereits im November einen erheblichen Umsatzeinbruch, zum Vormonat 8,9 %, zum November des Vorjahres 16 %. Das heißt, es gab bereits vor November Umsatzeinbrüche, die mit Lehmann Brothers im Prinzip nichts zu tun hatten. Das Geld hätte also Lehmann Brothers möglicherweise gerettet und den Kreditunternehmen etwas geholfen, an unserer wirtschaftlichen Situation hätte es gar nichts geändert. Zwar war z.B. die Bürgschaft der deutschen Regierung für die Banken wichtig, da es den Mittelstand beruhigt hat, der im September schlaflose Nächte hatte, weil er damit rechnen mußte, dass die laufenden Kredite gekündigt werden würden. Doch auch das hilft nur kurzfristig. Nun müssen beim Einzelhandel die Lager geräumt werden um die Sommerkollektionen zu bestellen. Aber, die Waren wurden bereits im Weihnachtsgeschäft mit Abschlägen verkauft um laufende Verbindlichkeiten zu bedienen und neue Kredite wird es nicht geben. Wie der Einzelhandel die Sommerkollektionen bezahlen will, wird interessant zu beobachten sein. Leere Läden könnten eines der kommenden Phänomene sein. Mehr noch, wie die Großhändler reagieren, wenn Sie in den nächsten Wochen die bereits produzierten Sommerkollektionen nicht so los werden wie das nötig wäre. So wird sich durch die Hersteller und Großhändler die Deflation anheizen. Mehr noch, leer stehende Läden in den Einkaufszentren werden die Immobilienpreise weiter unter Druck setzen und damit auch die Immobilienkrise weiter anheizen. Und in Landshut will man mit dem Stadtpark ein neues Einkaufszentrum eröffnen, das klingt sehr weise ;-). Es ist für Regierungen im Moment wirklich nicht einfach den goldenen Weg zu finden, wo man ansetzen soll, es sind schlicht zu viele Baustellen.
Was kann jeder Einzelne tun
1. Konsumieren und nicht warten. Wer wartet riskiert zum einen, dass sein gewünschtes Konsumgut durch Insolvenz oder Preisen unter Herstellungskosten vom Markt verschwindet. Wer will noch einen BMW, wenn es BMW nicht mehr gibt und die Ersatzteilfrage und Reparatur nicht geklärt ist? Aber auch Hersteller produzieren Produkte nicht mehr, die wegen der Deflation die Produktionskosten nicht mehr reinspielen.
2. Deutsche Produkte konsumieren. Wer heute ein japanisches Auto kauft handelt grob fahrlässig. Nicht das ich Japaner schlecht finde oder sie für schuldig an der Misere halte oder sie diskriminieren will. Aber eines zeigt uns diese Krise, von der Weltwirtschaft können wir derzeit nichts erwarten, wir müssen auf uns schauen. Die Jobs und das weitere Auskommen in Deutschland werden nur hiesige Unternehmen garantieren können und deshalb brauchen diese nun unsere ganze Unterstützung.
3. Wir müssen darauf drängen Hartz IV abzuschaffen. Das Risiko nach einem Jahr Arbeitslosigkeit auf Hartz IV Niveau abzusinken hemmt das Vertrauen des Verbrauchers in die eigene Zukunft und damit langfristige Investitionen einzugehen. Und jetzt hat wirklich jeder um seinen Job Angst. Wer Angst hat konsumiert aber nicht, er hortet sein Geld für schlechte Zeiten und genau das ist als Massenphänomen der Todesstoß für unsere Wirtschaft.
4. Wir müssen alle Finanzprodukte mit Hebelwirkungen verbieten, wie beispielsweise Warentermingeschäfte mit lächerlichen Kautionen oder Hedgefonds. Denn diese Finanzkonstrukte stehen in Konkurrenz zu Aktiengesellschaften und drücken diese in eine Situation, die Kaufkraft durch Abwanderung, Rationalisierungen und stagnierende Löhne vernichtet. Die erziehlten Gewinne, z.B. durch billigere Produktion in Rumänien, geht aber derzeit in Gewinne und damit kommt dies nur den geldgierigen Anlegern zu Gute. Jeder muss bei der nächsten Wahl und im Gespräch mit Abgeordneten darauf drängen.
Mein Ausblick - neue Verkaufsformen
Ich erwarte für 2009 Monate mit einer Rezession im zweistelligen Bereich, also Minus 10 % und mehr, Japan zeigt bereits wo die Reise hingeht. Wir werden die nächsten Monate mindestens eine große Firmenpleite pro Monat erleben. Problemfälle wie General Motors, Chrysler, Merck/ratiopharm sind erst der Anfang. Mercedes, auch Siemens oder Nokia und andere werden in den Strudel geraten, niemand ist sicher, siehe Toyota. Die Arbeitslosigkeit wird dramatisch steigen, 4 bis 5 Millionen werden bis zur Wahl erst der Anfang sein. Wir werden eine Deflation erleben, Produkte werden über die Zeit deutlich billiger werden, da es viele Unternehmen geben wird, die Geld brauchen und keine Kredite bekommen. Der einzige Ausweg wird sein, Produkte unter dem Herstellungspreis zu verkaufen um sich vor der Pleite zumindest kurzfristig zu retten und die laufenden Kredite irgendwie zu refinanzieren.
Wir werden neue Prepaid-Produkte kennenlernen, da die Wirtschaft nicht mehr auf Konsumenten verzichten kann, die nicht genügend Bonität für Verträge hat. Erste Auswirkungen hiervon sind schon zu sehen, die Warenprämien beim Abschluß von Handyverträge steigen, da der mögliche Kundenkreis kleiner wird. PrePaid für Strom, Gas, Wasser, Telefon, Kabel, Internet, Versicherung etc. ohne Vertrag werden sich etablieren bzw. in Zukunft den Großteil des Marktes ausmachen. Es wird bargeldlosen Geldtransfer ohne Konto und Kreditkarte geben, die PrePaid-Kreditkarte wird zur Normalität. Firmen die auf Kautionen angewiesen sind, wie z.B. die Autovermietungen werden dadurch neue Konzepte brauchen. Warenlieferungen gegen Rechnung werden seltener, da es keine Versicherungen mehr gibt, die das Ausfallrisiko wie in der Vergangenheit übernehmen. Es werden sich vollkommen neue Finanzierungslösungen für Autos, Elektronik, Häuser, Möbel und andere Investitionsgüter ergeben (z.B. vielleicht Automiete direkt vom Händler).
Mein Ausblick - Wer wird Probleme bekommen
Zum Beispiel der Fußball. Kein Witz. Viele Vereine sind kreditfinanziert, haben hohe Schulden. Wenn es eine Rezession gibt, dann sparen die Leute, es werden Vereinsmitgliedschaften gekündigt, es kommen weniger Zuschauer und auch die Fernsehsender haben weniger Geld. Gerade die Fernsehsender stehen wohl vor der größten Herausforderung. Eigentlich müßte in HD investiert werden. Die Konkurrenz mit YouTube steht in den Startlöchern, seit kurzem gibt es HD-Videos auf YouTube, damit hat man das Fernsehen nun endgültig überholt. Man hat in den guten Jahren die Investition verschlafen und steht nun mit dem Rücken an der Wand und hat kein Geld für die entsprechenden Investitionen. Besonders das deutsche Fernsehen mit seiner bemitleidenswerten Qualität hat YouTube nur wenig entgegenzusetzen. Die Fernsehlandschaft steht sowieso vor einem Umbruch, die Krise wird es beschleunigen, Ende nächsten Jahres werden es sicher schon weniger Sender sein. Erste Kandidaten sind hier Sat.1 und Pro 7. Ähnlich schlecht schaut es für Branchen und Unternehmen wie Airbus, Gastronomie und Hotels (Reduzierung von Firmenreisen), Bauindustrie (besonders Baufirmen für private Häuslebauer), Möbelhäuser, Elektromärkte, die Computerindustrie (und damit wahrscheinlich leider auch AMD) oder die Reisebranche aus. Aber auch das Gesundheitswesen steht vor dramatischen Einschnitten, da mit der Krise die Finanzierung des ungezügelt teurer werdenden Apparates, den sich Deutschland da leistet, endlich nicht mehr gewährleistet sein wird.
Es wird aber auch andere Personengruppen geben, die Probleme bekommen. Z.B. Rentner und Pensionäre. Gerade in Amerika gibt es private Vorsorge über Fonds, Firmenbeteiligungen, Firmenaktien und anderes. Diese Personen verlieren gerade ihre Altersversorgung und werden sie noch weiter verlieren, da die Krise erst am Anfang steht. Wie gesagt, wenn mehr und mehr Betriebe keine Gewinne mehr erwirtschaften können, dann werden die Aktien ins bodenlose fallen und damit die Altersversorgung. Diese Probleme der mitlerweile größten Bevölkerungsgruppe werden dafür sorgen, dass sich die Wirtschaft auch mittelfristig nur schwer erholen wird. Wenn die größte Gruppe der Bevölkerung durch teilweisen Verlust ihrer Einkommensquelle nicht mehr am Konsum teilnimmt, dann wird es wirklich eng. Hier zeigt sich die Kurzsichtigkeit von Altersvorsorgen auf Fonds- und Aktienbasis. Das funktioniert eben nur, wenn es der Wirtschaft gut geht, wenn es der Wirtschaft aber schlecht geht, dann verschärft es das Problem nur. Es bedarf hier vollkommen neuer Konzepte. Arbeit bis 67 wird uns in ein paar Jahren wie der Himmel vorkommen.
Mein Ausblick - Unser Wirtschaftssystem
Die wichtigste Frage aber wird sein, wie lange die Regierungen brauchen, um zu erkennen und vor allem um bereit zu sein, für dramatische Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem. Das diese Veränderungen kommen werden steht für mich heute außer Frage. Der Zeitpunkt dieses System durch leichte Modifikationen zu retten ist lange vorbei, da man die mahnenden Stimmen nicht erhörte, ja schlicht in einem Anflug von Größenwahn ignorierte. Damit aber stehen die Chancen gut für eine Erneuerung und vor allem für eine Abkehr vom Zinssystem, denn Geld arbeitet nicht, sondern wir alle arbeiten für die Zinsen der Anleger. Wer reich sein will, soll dafür selbst arbeiten. Fertig ! Das aber wiederrum stellt alle Bemühungen z.B. unserer Regierung auf den Kopf, da damit die private Altersvorsorge als Teil der Vorsorge (z.B. Riester) so nicht mehr funktioniert. Auf Sand gebaut.
Dieser notwendige Umbruch wurde in Deutschland bei der Wiedervereinigung verpaßt. Die Wahl im September kann auch eine Chance sein, für Gruppierungen, die nicht die Extreme bedienen, sondern die Systemfehler erkennen und sich den Wählerauftrag für einen Umbau unseres Wirtschaftssystems holen. Der, der damit beginnt, wird den Startvorteil geniesen und dadruch vorne mit dabei sein und wahrscheinlich sogar die Führung in der Welt übernehmen. So könnte die Wahl auch zur Chance werden. Die USA werden diese Führung sicher verlieren, da sie mit ihren Problemen, der Immobilienkrise, der Finanzkrise, der Automobilkrise, dem schwächelndem Dollar, dem Haushalts- und Handelsdefizit, und vor allem der Altersversorgung zu viele unlösbare Probleme an der Backe haben.
Mein positiver Ausblick
Das war alles sehr schwarz. Es ist vor allem für die schwarz, die gerne an Bestehendem festhalten und das ist in Deutschland leider der größte Teil. Aber das Leben hat mir gezeigt, dass es immer irgendwie weiter geht. Wir werden nicht verhungern, errungene Fortschritte wie das Fernsehen, Telefonie oder das Internet, ja selbst das Reisen werden nicht verschwinden. Es wird nur anders werden. Es wird eine spannende Zeit, hier können wir alle real an einem gewaltigen Umbruch teilnehmen. Und die die frühzeitig reagieren können sehr stark davon profitieren. Klar nach dem Motto: "Wenn man es ändert, dann heißt das nicht es wird besser. Aber damit es besser werden kann, muss man es ändern." Also fangen wir an und lernen wir aus den Fehlern der Vergangenheit und des Jetzt.
Digital_Data wünscht Euch ein glückliches und gesundes und hoffentlich erfolgreiches 2009
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