23.12.2008 - 18:30 Uhr

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Warnen statt Klagen: Die Musikindustrie ändert ihre Strategie in Sachen Internet-Piraterie

Text: dirk-vongehlen - Illustrationen: Christian Fuchsberger

Kurz vor Weihnachten sorgte der Verband der Musikindustrie in Amerika (RIAA) mit einer Richtungsänderung für Aufsehen: Man will seine potenziellen Kunden, die im Netz illegal Songs runterladen, nicht mehr mittels juristischer Klagen angehen, sondern mit Warnungen, die von den Internet-Providern ausgesprochen werden sollen. Wir haben bei Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, nachgefragt, welche Folgen die amerikanische Entscheidung für Deutschland hat.

Ist der bisherige Weg im Kampf gegen Internet-Piraterie gescheitert? Nein. Im Gegenteil. Deutschland zeigt, dass es Wirkung hat, wenn man die Verfolgung von Internet-Piraterie juristisch ernst nimmt. Die Masse der Internet-Nutzer verhält sich korrekt, aber es gibt zwischen drei bis vier Millionen Menschen in Deutschland, die illegales Filesharing betreiben. Diese Zahl ist aber in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, weil das Risiko erwischt zu werden eben durch den massiven Anstieg der Verfolgung relativ hoch geworden ist. Trotzdem geht man in den USA jetzt einen anderen Weg. Der rein juristische Weg ist langfristig auch nicht die Lösung. Das will niemand und wir würden uns gerne mal wieder auf das konzentrieren, was wir am besten können und das ist: Musik zu produzieren, die den Leuten Spaß macht.
Hat also der Blogger Recht, der die Entscheidung mit den Worten kommentierte: „Die Musikindustrie erklärt den Downloadern jetzt den Frieden.“? Wir haben nie einen Krieg gegen die Downloader geführt. Wir haben uns lediglich zur Wehr gesetzt, denn die moralischen Appelle haben nichts gebracht. Insofern ist die massenhafte Verfolgung von Internet-Piraterie eine Notwehrlösung gewesen und kein Krieg. Diese Notwehrlösung ist jetzt aber zumindest in Amerika aber vorbei. In Teilen ja. Wir sehen, dass man in vier der fünf weltweit größten Musikmärkten – in England, Frankreich, Japan und jetzt auch in den USA - ein so genanntes Graduate Response Modell einzuführen versucht ... ... das müssen Sie erklären. Der Gedanke, der dahinter steht ist der, dass man nicht sofort juristisch gegen diejenigen vorgeht, die man erwischt hat. Sondern dass man zunächst den Provider informiert und dass der einen Warnhinweis an den Internet-Nutzer schickt, in dem sinngemäß steht: Wir sind von Rechteinhabern darauf hingewiesen worden, dass über deinen Anschluss illegale Angebote gelaufen sind und bitten dich, das bleiben zu lassen. Und wenn derjenige, auf diese Warnung nicht reagiert? Wenn man jemanden nicht nur einmal erwischt wird, muss man überlegen, was für Sanktionsmöglichkeiten es gibt, um Wiederholungstäter davon abzubringen. Und da gibt es ein breites Spektrum, das vom zeitweisen Abschalten des Internetzugangs wie in Frankreich bis zu Sanktionen wie Bandbreiten-Reduzierung oder dem Blockieren bestimmter Tauschbörsen-Protokolle reicht ... Sie meinen, dass ein Nutzer nicht mehr frei auf Seiten surfen kann, wie er will, sondern dass dieser Zugang reglementiert oder auch gedrosselt wird? Das kann ein Weg sein, es kann aber auch sein, dass man dann doch den juristischen Weg geht. Wünschen Sie sich ein solches Modell auch für Deutschland? In Deutschland ist es so, dass sich sowohl die Politik auch die Provider diesem von uns bevorzugten Weg bisher widersetzen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Provider sagen, sie wollen nicht die Hilfssheriffs der Inhalteanbieter sein. Dabei geht es darum gar nicht. Die Ermittlungen werden ohnehin von den Rechteinhabern weitergeführt. Davon abgesehen kann man aber auch datenschutzrechtliche Bedenken gegen solche Pläne haben. Wir haben da in Deutschland eine extrem hohe Sensibilität beim Thema Datenschutz, das ist richtig. Und durch die jüngsten Skandale ist das sicher nicht weniger geworden. Dennoch muss man sagen: Das Grundrecht auf Eigentum ist ein gleichwertiges Grundrecht mit dem auf Datenschutz. Man muss einen Ausgleich dieser Interessen finden und das kann nicht immer nur zu Lasten der Rechte-Inhaber gehen. Mal abgesehen von der politischen Frage, gibt es doch auch pragmatische Probleme: Warum sollte sich ein Provider mit seinem Kunden anlegen und diesem zum Beispiel die Bandbreite kürzen, obwohl im Vertrag, den die beiden geschlossen haben, was anderes steht? Da ist eher das Gegenteil der Fall. Wenn Sie sich die Geschäftsbedingungen (AGB) angucken, denen man zustimmt, wenn man einen Vertrag mit einem Provider abschließt, werden Sie in ganz vielen ABGs einen Passus finden, der den Provider berechtigt, den Internet-Zugang ganz abzuschalten, wenn es begründete Verdachtsmomente gibt, dass über diesen Anschluss Urheberrechts-Verletzungen begangen wurden. Rein juristisch könnten die Provider da sehr viel mehr tun.
Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Foto: musikindustrie.de Das tun sie aber bisher dennoch nicht. Die Provider reagieren sehr sehr verhalten. Das ist ja auch verständlich. Sie werden von sehr vielen Seiten in die Pflicht genommen. Ich glaube aber, dass das Teil einer sehr viel größeren gesellschaftspolitischen Debatte ist, wie wir mit dem Internet in Zukunft umgehen wollen: Ist das eher eine rechtefreie Parallelwelt oder gelten da ähnliche Gesetze wie in der realen Welt? Nochmal zurück zur Entscheidung aus Amerika: Folgt daraus für Sie eine Änderung Ihrer Strategie? Werden Sie die juristische Verfolgung von Urheberrechts-Verletzungen ebenfalls einstellen? Die Entscheidung in den USA hat im Moment keine Auswirkungen auf unsere Strategie. Solange wir von der Politik und den Providern in Deutschland immer nur hören was nicht geht, gibt es leider keine Alternative zur juristischen Verfolgung. Mehr zu den Fragen von Download und juristischen Mitteln gibt es im Themenschwerpunkt Urheberrecht auf jetzt.de. Unter anderem auch ein Interview mit Axel Stahl von der Generalstaatsanwaltschaft Nordrhein-Westfalen, der von der Arbeit der Strafverfolgungsbehörden berichtet.


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knuckledragger
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Mag ich Mag ich nicht

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25.12.2008 - 11:30 Uhr
knuckledragger

Wie die meisten Sachen von Vongehlen ist auch das hier sehr ärgerlich.

naffnaff
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Mag ich Mag ich nicht

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25.12.2008 - 16:20 Uhr
naffnaff

Seufz...

Könnten die Authoren dieser Zeitung *bitte* damit aufhören, ständig den völlig tendenziösen Terminologie-Missbrauch der Industrie zu übernehmen?

Raub beinhaltet (mindestens) Gewaltandrohung. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass jemals ein Runterlader der Musikindustrie Gewalt angedroht hätte, um seine Kopie zu bekommen!

Über Falschetikettierung wie Piraterie oder Verbrechen red ich gar nicht erst.

Nachhilfe bietet z.B. Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Raubkopie

garamond
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25.12.2008 - 19:51 Uhr
garamond

ganz am rande: am geilsten war immer noch diese kampagne

"raubkopierer sind verbrecher"

muhahahaha. hetzkampagne - das triffts. und dann diese werbung wo die häftlinge lüstern auf den hintern des neuankömmlings, des raubkopierers, starren und danach lechzen - köstlich.

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25.12.2008 - 19:55 Uhr
garamond

wobei das wohl nur für filme und so war, oder?!?

lumica
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25.12.2008 - 21:27 Uhr
lumica

sebastian_r sagte:
Weiterhin: Der Anteil von Menschen, die sich aus Tauschbörsen Musik runterladen ist zurueckgegangen und das soll aufgrund von der juristischen Verfolgung passiert sein? Das ich nicht Lache! Zum einen ist in der gleichen Zeit der allgemeinen Markt fuer Musik und Video auch stark zurueckgegangen und zum anderen gibt es mittlerweile ernst zu nehmende Alternativen. D.h. haette die Musikindustrie gleich das geliefert, was sie liefern sollte, dann haette sie das Problem nie gehabt und vielen Menschen und sich selbst eine Menge Ärger ersparen können.


Nunja, sooo ganz unrecht hat die Musikindustrie damit nicht, schließlich sind einige bekannte Anbieter tatsächlich aufgrund juristischer Probleme vom Markt verschwunden...

Deinem letzten Satz dagegen kann ich nur zustimmen. Die Musikindustrie ist wie ein kleines trotziges Kind, dass sich mit allen Mitteln versucht gegen die vermeintlich bösen Eltern (in dem Fall die Kundschaft), die das Kind nach ihren 'Vorstellungen' erziehen wollen, zu wehren versucht. Wie viel Geld man in aufwendige Kopierschutzverfahren gesteckt hat, und wie viele juristische Konsequenzen angestrebt wurden, die, die sich nicht den Machenschaften der Industrie fügen wollen, beschaffen sich nach wie vor das Gewünschte auf 'nicht-legale' Weise.

Aber wie kann man das ändern? Vielleicht sollte die Musikindustrie ganz einfach mal auf die Kundschaft zu gehen und nicht mit dem Dolch in der Hand auf sie zu rennen. Aber im Endeffekt wird man sowieso erst dann aus den Fehlern lernen, wenn alles zu spät ist...

silanea
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26.12.2008 - 15:28 Uhr
silanea

Glückwunsch, Vongehlen! Für das Veröffentlichen dieser Pressemeldung in Dialogform wirst du wohl ein zünftiges Weihnachtsgeld kassiert haben.

Allein Formulierungen wie "Die Ermittlungen werden ohnehin von den Rechteinhabern weitergeführt." machen klar dass hier jemand nicht verstanden hat was das staatliche Exekutivprivileg ist. Die Lektüre des Grundgesetzes sei dringend empfohlen. Ja, auch dir, Dirk. Dann würdest du vielleicht auch mal den journalistischen Mund aufmachen und derartige Gesinnung - Selbstjustiz durch die Privatwirtschaft abseits jeglicher rechtlicher Grundlage, das und nichts anderes sind solche Pläne - kritisch hinterfragen. Und nein, "das müssen Sie erklären" ist NICHT kritisch.

Zum Heulen, zum Heulen. Unterhalte dich doch mal mit dem Kollegen Prantl aus der "richtigen" Redaktion, der kann dir das mit dem Hinterfragen ganz gut erklären, meine ich.

fryxx
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Mag ich Mag ich nicht

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26.12.2008 - 16:32 Uhr
fryxx

silanea sagte:
Zum Heulen, zum Heulen. Unterhalte dich doch mal mit dem Kollegen Prantl aus der "richtigen" Redaktion, der kann dir das mit dem Hinterfragen ganz gut erklären, meine ich.


Danke! Dieser Gedanke kam mir auch. Der Text ist halt wieder mal eines dieser typischen von-Gehlen-Nicht-Interviews... Wenn wenigstens eine kritische Frage dabei gewesen wäre, ok, aber so?

studio77
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Mag ich Mag ich nicht

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26.12.2008 - 17:44 Uhr
studio77

Och nööö, nicht wieder so ein DvG-Geschreibsel.

Kann der Mensch irgendwann mal Journalismus lernen?

Auch der Abo-Link zur SZ wirkt immer peinlicher. Hat es der Verlag bereits so nötig, über unterklassige Artikel auf ein Abonnement aufmerksam zu machen?

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dirk-vongehlen

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.