Warnen statt Klagen: Die Musikindustrie ändert ihre Strategie in Sachen Internet-Piraterie
Kurz vor Weihnachten sorgte der Verband der Musikindustrie in Amerika (RIAA) mit einer Richtungsänderung für Aufsehen: Man will seine potenziellen Kunden, die im Netz illegal Songs runterladen, nicht mehr mittels juristischer Klagen angehen, sondern mit Warnungen, die von den Internet-Providern ausgesprochen werden sollen. Wir haben bei Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, nachgefragt, welche Folgen die amerikanische Entscheidung für Deutschland hat.
Ist der bisherige Weg im Kampf gegen Internet-Piraterie gescheitert? Nein. Im Gegenteil. Deutschland zeigt, dass es Wirkung hat, wenn man die Verfolgung von Internet-Piraterie juristisch ernst nimmt. Die Masse der Internet-Nutzer verhält sich korrekt, aber es gibt zwischen drei bis vier Millionen Menschen in Deutschland, die illegales Filesharing betreiben. Diese Zahl ist aber in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, weil das Risiko erwischt zu werden eben durch den massiven Anstieg der Verfolgung relativ hoch geworden ist. Trotzdem geht man in den USA jetzt einen anderen Weg. Der rein juristische Weg ist langfristig auch nicht die Lösung. Das will niemand und wir würden uns gerne mal wieder auf das konzentrieren, was wir am besten können und das ist: Musik zu produzieren, die den Leuten Spaß macht.

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Und nun? Nun beansprucht die gleiche Industrie das Recht, Providern Weisung zu geben, irgendwelche ihrer Kunden zu sanktionieren. Damit spielt die Industrie dann nicht nur Kläger, sondern beansprucht es ferner gleich Richter und zusätzlich Vollstrecker zu sein. Die Beweislast wird demnach umgekehrt: Nicht mehr die Industrie muss nachweisen, dass jemand etwas heruntergeladen hat (was sie oft nicht kann, daher ja auch der Strategiewechsel), sondern zukünftig muss der sanktionierte beweißen, dass er einen Download NICHT getan hat. Es findet also eine Beweislast-Umkehr statt, die nichts mehr mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu tun hat. (Versuchen sie mal zu beweisen, dass ihr Arbeitskollege sie gestern NICHT gefragt hat, wie ihnen das Mittagessen geschmeckt hat.) Wenn dies durch kommt, also mit Hilfe der Lobbykratie über den Weg der Politik in Gesetzesform gegossen wird, haben wir es endlich schwarz auf weiß: Das, wofür im letzten Jahrhundert viele Millionen gestorben sind, nämlich dass es im Zentrum von Europa ein demokratischer Rechtsstaat gibt, auf den man stolz sein kann, existiert heute nicht mehr. Dann haben Geld- und Machtinteressen diesen Staat endgültig aufgefressen.
am liebsten würde uns die musikINDUSTRIE chips implantieren, wo sie dann bei jedem song den wir hören abrechnen könnte und wenn wir nicht zahlen, dann sperrt sie uns die ohren.
eigentlich sollte sie den weg wieder zu einer offenheit gegenüber den kunden suchen. freie musik zu fairen preisen und die downloads würden nur so fließen und die kasse klingeln. aber so werden unsummen ausgegeben um potentielle kunden zu gängeln und absurde prozesse und abmahnungen auszuteilen.
23.12.2008 - 23:02 Uhr
marksu_
hübsche illustration!«
Merci! Schöne Weihnachten.
MfG, tschüs vom Chris
die industrie hat selbst schuld daran, dass soviel kopiert wird.
- sie hat wohl alle trends verschalfen,
- sie ist ziemlich geldgierig ( welcher anteil des preises kommt denn
bie den künstlern na ? )
- sie ist viel zu teuer : ich habe nahezu ausschliesslich cd's aus dem
herkunftsbereich Second hand,
- man kann auch sagen : bei den hohen preisen ist kopien schon
pflicht,
- ich selbst mag keine "computer- musik", mir ist etwas zum an-
fassen und blättern und betrchten viel lieber als eine mp3- datei,
- nur : neueres wäre mir auch ganz lieb, aber bei den neupreisen
kommt mir nichts ins haus und
- im scond- hand- bereich ist das teilweise auch recht bald er-
hältlich und natürlich zu einme bruchteil des neupreises,
- preisanpassungen nach unten zecks steigerung der nachfrage
sind für die musikindustrie wohl so unvorstellbar wie grüne
männchen,
- ist an der musikindustrie etwa total vorbeigegangen, dass aldi
und co gerade von den billigstpreisen leben und dabei sogar
noch zu milliardenschweren unternehmen werden ???
- ein umdenken ist dringend notwendig, aber das sit woh an-
strengender als die kriminalisierung ganzer gesellschaften ???
Aber wie auch immer, das Geschäftsmodell der Musikindustrie, mit kopierten Musikkonserven Geld zu verdienen, wird nur noch durch staatliche Protektion in Form von maßgeschneiderten Gesetzen am Leben gehalten. Aus demokratischer Sicht ein Unding. Es ist ja nicht so, dass nur private Musikkopierer das Nachsehen haben, der Bildungsbereich ist von den verschärften Regularien ebenso schwer betroffen.
Frohe Weihnachten Euch allen!
du hast doch gar keine ahnung, ALTER!
aber dann denk halt nochmal zehn jahre nach wie man n vernünftiges angebot gestalten könnte. wir machen schon mal weiter.
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23.12.2008 - 20:26 Uhr
sebastian_r
Grade graduate Response ist ein Euphemismus fuer eine absolutes Unding. Man mache sich nur bewusst, was es heisst: Auf Betreiben einer privaten Firma (so wie in der Vergangenheit Logistep) soll Massenhaft Kunden Internet abgedreht werden (oft wohl auf basis von "Beweisen" die oft genug von Gerichten nicht anerkannt wurden). Ich halte das nicht nur juristisch fuer hochproblematisch.
Weiterhin: Der Anteil von Menschen, die sich aus Tauschbörsen Musik runterladen ist zurueckgegangen und das soll aufgrund von der juristischen Verfolgung passiert sein? Das ich nicht Lache! Zum einen ist in der gleichen Zeit der allgemeinen Markt fuer Musik und Video auch stark zurueckgegangen und zum anderen gibt es mittlerweile ernst zu nehmende Alternativen. D.h. haette die Musikindustrie gleich das geliefert, was sie liefern sollte, dann haette sie das Problem nie gehabt und vielen Menschen und sich selbst eine Menge Ärger ersparen können.