Tom und die Krise. TEIL 2: beim Griechen
...Tom und seine Freundin machten sich also wild entschlossen auf den Weg nach Athen. Beide überlegten sich, welche Route sie einzuschlagen hätten: Richtung Südosten, und dann immer geradeaus. Erst mal durch Österreich, dann irgendwie durch dieses Ex-Jugoslawien, und dann muß man wohl noch mal fragen. Kurz hinter der Stadtgrenze leuchtete die Tankanzeige auf. Tom steuerte auf die nächste Tankstelle zu und tankte den alten Polo auf. Breitbeinig wie John Wayne schritt er zur Kasse: "Hey, wir sind hier im Auftrag der Revolution. Unsere Mission ist es, der griechischen Jugend zu einer besseren Zukunft zu verhelfen... Kannst Du die paar Liter für mich anschreiben?" Der Kassierer der Tankstelle: "Wenn Du willst mich verarschen, dann mußt Du früher aufstehen. Macht 47,68 klar?! Hast Du ADAC-Karte, kriegst Du ein Cent Rabatz." Tom: "Hey, nu hab Dich nicht so, ist doch für´n guten Zweck. Und nächste Mal zahl ich bestimmt. Wir müssen nach Griechenland - in die Wiege unserer Kultur, sie retten helfen." Der Kassierer entgegnete regungslos: "Muß ich heute Nacht Kasse abrechnen. Für jeder Cent, der fehlt, hafte ich alleine, verstehst. Da geht gar nix. Außerdem brauchst Du mir nicht kommen mit die Griechen. Von wegen Wiege von Kultur; Verbrecher sind das, die uns unsere Inseln geraubt haben, die seit Jahrtausenden zu Türkei gehören. Zahlst Du jetzt oder muß ich erst holen meine Freunde von deutsche Polizei?" Tom erstarrte, dann ballte sich seine Faust. Dann wurde ihm ganz kalt vom Kopf bis zu den Zehen. Als er wieder zu sich kam, sah er zuerst Ouzogläser, dann ein vergilbtes Poster der Akropolis, und schließlich seine Freundin, die ihm die Stirn streichelte. "Sind wir schon da", stammelte Tom. Doch ehe sie etwas antworten brauchte, wurde ihm klar, dass sie sich nicht am Ziel ihrer Reise befanden, sondern in einer versifften griechischen Vorstadtkneipe. "Du bist ausgetickt, und hast ganz schön Dampf abgelassen, mein Lieber... Du weißt ja, ich liebe Dein Temperament, und wenn Du mal Deine Wut zuläßt, dann kriegst Du so einen Glanz in den Augen... Ich mag das ja eigentlich ganz besonders an Dir", schaute sie ihn sorgenvoll an. "Was, was ist denn passiert?" "Du hast gerade einen ziemlichen Sachschaden angerichtet, sagt die Polizei. Und der Türke von der Tankstelle will dich wegen Körperverletztung anzeigen; vielleicht jedenfalls. Ja, und Geld haben wir jetzt auch keins mehr für Griechenland. Der Wirt war immerhin so nett, uns ein paar Ouzo zu spendieren, als ich ihm von der Idee mit dem Athentrip erzählt habe." Tom schwieg lange, und trank noch einige Ouzo mehr, bis er wieder einigermaßen bei Sinnen war. Dann gingen beide hungrig und schweigend zu ihrem alten Polo. Der Wirt verabschiedete ihn mit den Worten: "Glück ist eine Frage der Psychologie, mein Freund". Dabei zeigte er mehrmals mit dem Zeigefinger auf seine Stirn. Schweigend und ziellos fuhren sie umher, das Radio lief leise, die Stadt schlief totengleich. Nur die bunten Werbetafeln der Innenstadt blinkten hektisch und grell vor sich hin. "Wenn wir ein Kind hätten, dürften wir uns im nächsten Jahr um 10 Euro pro Monat mehr freuen, ist das nicht toll?!", unterbrach Tom irgendwann die Stille. "Haben sie gerade im Radio gesagt... Da sitzen diese Politiknasen in ihrem Luxus-Quartier in Berlin wochenlang zusammen, und verkünden dann diesen Witz als Großtat für die Familien. Und auf der anderen Seite ballern sie Milliarden in befreundete Banken und Konzerne. Und zwar genau in die Konzerne, die tags vorher mit ihnen im Kanzleramt zusammen saßen und genau dafür gesorgt haben. Ach ich vergaß zu sagen: für alle mit Hartz IV-Status werden diese 10 Euro Kindergeld-Erhöhung aufs Einkommen angerechnet, also vom Regelsatz wieder abgezogen. Ergibt am Ende, man staune, keine Senkung der Bezüge. Und wenn man ganz viel Glück hat, darf man jetzt zusätzlich 30 Stunden pro Woche kostenlos den Gärtner spielen als "1-Euro-Jobber". Hat ein gericht beschlossen. Das ergibt ja ganz ungeheure Zusatzeinkünfte - sofern die nicht auch wieder abgezogen werden vom Grundeinkommen." "Hör auf, das bringt doch jetzt nichts", rüffelte ihn seine Freundin: "Woher solls der Staat denn nehmen. Schau, dieser Finanztyp, der Steinbrück; der wußte doch schon vor drei Jahren, dass es so kommen wird. Deshalb hat der doch so aufs Sparen geachtet und jahrelang dieses Märchen vom ausgeglichenen Haushalt gefaselt. Weil jetzt die Kacke am Dampfen ist und der jeden Cent zweimal umdrehen muß." Tom war baff. So politisch hatte seine Freundin noch nie zu ihm gesprochen. Er hielt am Straßenrand und schaute sie prüfend an: "Du redest ja auf einmal so unheimlich schlau..." Sie: "Ja meinst Du etwa, nur Du erkennst, wie die Politiker tricksen und lügen? Und außerdem bin ich ja schon fünf Jahre mit Dir zusammen; das färbt ab... Sie erkannten, daß sie in dieser Nacht die Welt nicht mehr retten konnten, stoppten den Motor und umarmten sich voller Liebe.
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Schwacher Text.
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17.12.2008 - 22:04 Uhr
Hasilein