„Ich schreibe auf keinen Fall Popliteratur!“
Text: christian-rohm - Fotos: ddp
Benedict Wells, 24, gilt als die Entdeckung des Jahres: Sein Buch „Becks letzter Sommer“ verkaufte sich schon mehr als 15.000 Mal und soll wohl verfilmt werden. Das jetzt.de-Interview über falsche Inhalte im Deutschunterricht, die Fragen der Lektorin und Einsamkeit in Berlin
Es gibt bereits Planungen, „Becks letzter Sommer“ zu verfilmen. Du hast gesagt, dass du dir für die Hauptrolle Christian Ulmen wünschen würdest. Warum gerade er?
Er wäre für mich einfach die Idealbesetzung für Robert Beck, ich hatte ihn auch beim Schreiben immer schon vor Augen und mag ihn sehr gerne. Ich habe ihm auch schon ein Exemplar des Buches, mehrere handgeschriebene Briefe und E-Mails geschickt, aber ich glaube, er hat einfach keine Zeit für den Film. Trotzdem versuche ich natürlich weiterhin, ihn für den Film zu gewinnen. Würde er Beck spielen, würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen.
Du lebst in Berlin. Kannst du dich dort, wo man eigentlich rund um die Uhr etwas unternehmen kann, überhaupt auf das Schreiben konzentrieren?
Ja. Wenn man theoretisch alles machen könnte, dann macht im Endeffekt überhaupt nichts und landet doch wieder hinter seinem Schreibtisch.
Was magst du an Berlin und was nicht?
Ich bin eigentlich relativ anspruchslos und kann daher gar nicht sagen, was ich an Berlin nicht mag. Ich war ja jetzt lange in den USA und auch in anderen europäischen Städten und kam dann wieder zurück nach Berlin und dachte sofort: „Det lieb ick.“ Ich mag an Berlin einfach diese gewisse Lässigkeit. Man kann zum Beispiel noch um 15 Uhr in irgendeine Kneipe zum Frühstücken gehen. Ich mag auch das Spazierengehen durch die Stadt, das Nachtleben, die Lebendigkeit. Ich denke, Berlin ist für mich und viele andere junge Menschen generell eine großartige Stadt.
Du bist Single. Schreibt man als Single anders, als wenn man in einer festen Beziehung lebt?
Nein, ich glaube nicht. Ich habe beides erlebt und konnte keine Qualitätsunterschiede feststellen. Aber ich glaube sehr an die Aussage „Wer leidet, ist kreativer.“ Jedoch hätte ich auch nichts dagegen, mehrere Jahre mal nicht zu leiden und nicht zu schreiben.
Viele Kritiker, die sich begeistert über deinen Erstling äußerten, fragten sich gleichzeitig, wie du zu den Einsichten kommst, die im Buch zu finden sind. Die Hauptfigur Robert Beck ist über zehn Jahre älter als du. Woher nimmst du deine Lebenserfahrung?
Es ist einfach so, dass ich unheimlich gerne andere Menschen beobachte und mich frage, wieso sie etwas tun. Und ich kenne eben auch einen Lehrer in Becks Alter und viele Leute, die älter sind als ich. Wenn man mit denen spricht, merkt man schnell, was sie bewegt. Mich fasziniert auch immer die Schwäche von Leuten, die eigentlich aus ihrem Alltag ausbrechen wollen, dies aber nicht schaffen.
Und deine Internatserfahrungen? Du hast mal gesagt, deine Zeit in verschiedenen bayerischen Internaten sei ein wahres Paradies für einen Schriftsteller gewesen. Inwiefern?
Zum einen, weil ich dort viele skurrile Menschen und Situationen erlebt habe, zum anderen, weil einen die Internatszeit ungemein prägt. Man wird selbstständiger und entwickelt eine ganz andere Beobachtungsgabe. Die Empfindungen in einem Internat sind intensiver, man sieht alles wie durch eine Lupe. Wenn du verliebt bist, bist du noch viel stärker verliebt. Wenn du jemanden hasst, dann hasst du ihn noch viel stärker. Und Freundschaften sind im Internat keine normalen Freundschaften, sondern fast Brüderschaften. Ich muss sagen, dass ich die Zeit im Internat wirklich genossen habe.
Bei jungen Autoren wird häufig versucht, sie bestimmten literarischen Strömungen zuzuordnen, bei dir fielen unter anderem die Bezeichnungen „Pop-Literatur“ und „Generation Berlin“. Ist so etwas lästig oder hilfreich?
Ich schreibe auf keinen Fall Pop-Literatur! Ich mag diesen Begriff nicht, weil er eine gewisse Oberflächlichkeit assoziiert – und ich möchte alles sein, nur nicht oberflächlich. Ich hasse es sowieso, in Schubladen gesteckt zu werden. Um das zu verhindern, wird auch jedes Buch, das ich schreiben werde, anders sein. Das zweite spielt in Berlin, das dritte in den USA und wird eine Satire, das vierte wird ein dunkler Fantasyroman, das fünfte ein Familienroman...
Das weißt du jetzt schon?
Ja, kein Buch wird dem anderen gleichen.
Verrätst du denn, worum es in deinem nächsten Buch gehen wird?
Das zweite Buch wird von einer verrückten Woche in Berlin erzählen. Das wird eine Geschichte, bei der sich Traum und Realität vermischen. Und das dritte wird eine Satire, die in den USA angesiedelt ist und die die bösartige, aber wahre Geschichte der „Samenbank der Genies“ erzählen wird. Es geht um einen Jungen, der durch seine Gene ein Genie werden sollte, jedoch ein totaler Loser wurde.