Der Tod von Alexandros - eine Spurensuche im Web
Die Meldung ging in der Nacht zu Sonntag über den Ticker: Bei Zusammenstößen zwischen Autonomen und der Polizei in Athen ist ein 15-Jähriger ums Leben gekommen. Laut Medienberichten wurde der junge Mann vom Warnschuss eines Polizisten getroffen, heißt es darin. Doch die Freunde des Getöteten sind sich sicher: Es war kein Warnschuss. Sie sprechen von einer gezielten Tötung und lassen ihrer Wut und ihrer Trauer freien Lauf. In den folgenden Tagen gibt es immer wieder Bilder von brennenden Autos und Straßenschlachten in den Nachrichten.
Der Getötete hieß Alexandros Grigoropoulos. Am Dienstag wurde er beerdigt. Doch die vielen Demonstranten in Athen und anderswo wollen die Erinnerung an ihn am Leben halten - auch im Internet. Eine Spurensuche.
In der deutschen Wikipedia-Ausgabe findet sich ein Verweis auf Alexis, der mit vollem Namen Alexandros-Andreas Grigoropoulos heißt, im Beitrag über den Athener Stadtteil Exarchia, der, so Wikipedia, als "Zentrum der alternativen Szene gilt".

Dieses über die Nachrichtenagenturen verbreitete Bild findet sich in Medien überall auf der Welt. Es zeigt den 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos, der am vergangenen Samstag im Athener Stadtviertel Exarchia durch die Kugeln aus einer Polizeipistole zu Tode kam. (Foto: AP)
Auf der Fotoplattform Flickr sind zahlreiche Bilder dem Verstorbenen gewidmet. Man erfährt, dass Alexandros' Spitzname wohl Gregory lautete und sieht Bilder aus den Straßen Thessalonikis, wo es ebenfalls zu Auseinandersetzungen kam.
Unter dem Schlagwort alexisgrigoropoulos finden sich zahlreiche Bilder des 15-Jährigen. Neben dem durch die Agenturen verbreiteten auch eines, das Alexandros zeigt, wie er gerade zum Basketballspielen geht.
Auf Facebook wird Alexandros wie ein Star behandelt. Mehr als 20.000 Menschen sind bereits "Fan" von ihm geworden. Zudem hat sich eine Gruppe namens ALEXANDROS GRIGOROPOULOS (R.I.P.) gegründet. Hier wird zumeist auf griechisch kommunziert.
Es wird allerdings ein Video auf Photobucket verlinkt, das ganz ohne Worte auskommt. Der Clip namens alullabyforanangel zeigt Bilder von Alexandros, die gegengeschnitten sind mit Eindrücken der Ausschreitungen in Athen: Demonstrierende Schüler, brennende Mülltonnen und dann Fotos von einem Jungen, der auf vielen Bildern noch aussieht wie ein Kind. Dazu spielt ein Klavier traurige Musik.
Auf YouTube ist ein sechseinhalbminütiger Clip mit "Nothing else matters" von Metallica unterlegt. Dort gibt es auch zahlreiche weitere Filme, die die Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei in Athen dokumentieren, sowie einen verwackelten, dunklen Clip, der angeblich aus der Nacht stammt, in der Alexandros starb. Auch Mitschnitte von griechischen Fernsehberichten gibt es in großer Zahl.
Bei MySpace sind einige Filme eingestellt, die an Alexandros erinnern sollen. Und der Friedrichshafener Rapper Jaysus hat sein MySpace-Profil mit einer Widmung für Alexandros versehen - ein inhaltlicher Zusammenhang ist jedoch nicht zu erkennen.
Die im Rahmen der Berichterstattung über die Terroranschläge in Mumbai gelobte Microblogging-Plattform Twitter liefert No results for Alexis Grigoropoulos. Auch bei der ebenfalls nordamerikansich geprägten Linksammlung digg.com sucht man vergebens. Beim Bookmark-Service delicious finden sich unter dem Schlagwort grigoropoulos ein Verweis auf die mediale Berichterstattung über den 15-Jährigen.
So gelangt man beispielsweise auf die von CNN betriebene Nutzer-Website iReport.com. Hier fordert das Nachrichten-Network seine Zuschauer auf, eigene Fotos und Berichte einzustellen. Sehr aktiv tut dies ein junger Mann namens AlexMoot.
Auch in der so genannten Blogosphäre gibt es einige Blogger, die an Alexandros erinnern. Unter alexisg.blogsport.de gibt es eine (deutschsprachige) Übersicht über die Geschehnisse der vergangenen Woche. garizo.blogspot.com ist die Adresse eines englisch-griechischen Blogs, das zahlreiche Fotos dokumentiert und eine klare politische Position bezieht.
Auch Thomas Schörner, der derzeit sein Auslandssemster in Athen verbringt, widmet sich bloggend dem Tod von Alexandros. Unter dem Titel Im Schatten der Akropolis schreibt er über die Unruhen, die in dem Athener Stadtteil Exarchia begannen, in dessen Nähe er wohnt. Im Interview mit jetzt.de erzählt er, wie er die letzten Tagen in Athen erlebt hat.
Bei Indymedia-Athens findet sich außerdem ein Brief, den Freunde des Getöteten angeblich an die Weltöffentlichkeit geschickt haben. Darin heißt es: "Wir möchten eine bessere Welt. Helft uns. Wir sind keine Terroristen, keine Kapuzenträger. Wir sind ihre Kinder."
Mehr zum Thema auf jetzt.de
Hier die Reportage von SZ-Korrespondent Kai Strittmatter aus Athen und hier das Interview mit dem bloggenden Studenten Thomas.
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11.12.2008 - 19:13 Uhr
soylentyellow
http://jetzt.sueddeutsche.de/foren/1210/








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11.12.2008 - 19:12 Uhr
soylentyellow