01.12.2008 - 13:37 Uhr

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Harvard verliert zehn Milliarden Dollar

Text: Maledives

Die Krise an den Finanzmärkten trifft auch die Universitäten in den USA hart. Weil sie ihr gesamtes Stiftungsvermögen an den Börsen anlegten, verlieren sie jetzt einen Großteil ihres Kapitals. Baustopp, Personalkürzungen und höhere Studienbeiträge sollen dem Haushaltsdefizit entgegenwirken. Darunter leiden vor allem die Studierenden. Seit vielen Jahren ist Harvard die reichste und bekannteste Universität der Welt, dessen Spitzenruf ihr weit vorauseilt. Doch nun muss die Hochschule an der Ostküste mit einem Stiftungsvermögen von 37 Milliarden Dollar erstmals eingestehen, dass die Finanzkrise auch sie hart treffen wird. In einer E-Mail an alle Mitarbeiter und Studierenden schrieb Drew Gilpin Faust, erste Präsidentin der Universität, dass Harvard „nie da gewesene Verluste“ bevorstünden. Die Hochschule setzt seit Jahren alles auf die Börsen und ist mit diesem Kurs bisher gut gefahren. Nach Angaben von spiegel.de verzeichnete die Harvard Management Company (HCM) zwischen 1998 und 2008 jährlich einen Zuwachs von 13,8 Prozent. Der Erfolg könnte sich jetzt ins Gegenteil kehren. „Uns steht eine Zeit größerer finanzieller Einschränkungen bevor“, sagt Faust. Zwar konnte die Universität am Charles River in der ersten Hälfte dieses Jahres noch einen Gewinn von 8,6 Prozent verzeichnen, jedoch verloren die Anlangen auf den in- und ausländischen Märkten danach rund zwölf Prozent ihres Wertes. Nach Angaben der Rating-Agentur Moody's Investors Service droht Harvard somit ein Minus von 30 Prozent ihres Gesamtvermögens, was etwa zehn Milliarden Dollar entspricht. Aber auch andere private und öffentliche Universitäten bleiben von den Auswirkungen der Finanzkrise nicht verschont. Das Dartmouth College in New Hampshire gab bekannt, dass sie jüngst 220 Millionen Dollar verloren hat, die kalifornische Universität Stanford büßt rund 45 Millionen Dollar ein. Ihr Etat wird zum großen Teil durch die Spendebereitschaft früherer Absolventen gefüttert. Ob diese angesichts der Finanzkrise so groß bleibt, ist offen. Die öffentlichen Universitäten leiden vor allem unter Kürzungen der Hochschulzuschüsse. Wegen Steuersenkungen in Massachusetts und Arizona Steuern, verringerten die Staatem den Beitrag um vier und fünf Prozent. Die Folgen belasten besonders die Studierenden. Die Universität in Boston kündigt einen Einstellungsstopp an, Harvard streicht ein lang geplantes Bauvorhaben. Die Liste ist lang. Zusätzlich sollen die Studienbeiträge laut Universitätsverband American Council on Education (ACE) an privaten Unis um 5,9 Prozent auf 25.000 Dollar und an öffentlichen Unis um 6,4 Prozent auf 6500 Dollar pro Jahr steigen. Eigentlich sei dies kein Grund zur Sorge, so ACE-Präsidentin Molly Corbett Broad, da der Anstieg vergleichbar mit denen der vergangenen Jahre sei. Dennoch: „Ich befürchte, dass dies nur eine Momentaufnahme ist. Die Auswirkungen der Finanzkrise wurden nicht eingerechnet.“ Den amerikanischen Universitäten stehen demnach schwere Zeiten bevor.


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