Don't impose - Die Höflichkeitskolumne
Text: deeli
22. November 2008 - Die Mexikohexe schlägt zurück
Es ist der Geburtstag eines Freundes und wir treffen uns ein weiteres Mal beim Mexikaner. Nach dem Kellnerin-Fiasko beim letzten Mal können wir doch dem leckeren Essen nicht widerstehen und begeben uns erneut in die Höhle des Löwen, respektive der Kellnerin.
Wir haben Glück – wenn man das so nennen möchte. Schon als wir die Türe aufstoßen, grinst sie uns an wie ein Honigkuchenpferd. Sie scheint uns wiederzuerkennen, und das ganz ohne gigantischen Sojasaucenfleck auf dem Hemd. Dieses Mal dürfen wir sogar etwas länger in der Karte stöbern ohne dass sie uns diese anschließend vorliest.
Es ist Montag und das ist von Bedeutung, denn montags gibt es eine riesige Portion Gambas zum günstigen Preis. Wir bestellen einmal einen gemischten Vorspeisenteller für alle. Allerdings ist mir nicht ganz klar, was „Gambas Rebozadas“ sind. Was Gambas sind, weiß ich, aber „rebozadas“ – vielleicht heißt das ja „ultrascharf“ oder etwas in der Art und dann sollten die versammelten Lebensmittelallergiker am Tisch vielleicht vorsichtig sein. Genau hier erfolgt der erste Auftritt der Kellnerin, die, wie sich später herausstellen wird, heißt wie ein Musikinstrument: Tuba. Und genauso viel heiße Luft fabriziert sie auch, denn sie antwortet (ziemlich laut, als wären wir nicht nur unwissend, sondern auch taub): „Das sind Meeresfrüchte!“ Ahja. Ich frage noch mal, auf was sich „rebozadas“ bezieht, bzw. welche Zubereitungsart das ist. Es wird sich nachher herausstellen, dass es so etwas wie „im Brotteig“ oder „paniert“ bedeutet. Sie wiederum antwortet: „Sag ich doch, Meeresfrüchte.“ Gut. Schweigen wir einfach dazu.
Wir bestellen also das Essen, unter anderem auch einmal das Gambasangebot. Mit Kräuterbroten, Dips und Salat. Der völlig ausgehungerte bestellt noch eine Portion Reis dazu. Darauf sie: „Das ist ja blöd, dass da kein Reis dabei ist. Das ist gut, dass Sie welchen dazu bestellen. Oder lieber Pommes?“
Auch hier – schweigen wir lieber.
Sie bringt das Essen und verteilt tausend kleine Tellerchen auf unserem Tisch. Als sie die Platte mit den ungefähr dreißig ungeschälten Gambas vor meinen Bekannten stellt, schaut sie ihn mit großen Augen an und sagt: „Können Sie die schälen? Ehrlich? Ich find das ja total eklig, denen den Kopf abzuknacken!“ Langsam fragen wir uns, ob sie sich einen Sport daraus macht…
Nach dem Essen liegen einige Papiere für ein Projekt auf dem Tisch, die wir gemeinsam durchgehen. In der Zeit ignoriert sie uns konsequent, es gibt keine neuen Getränke, kein gar nichts. Später sagt sie, wir hätten ja gearbeitet, da hätte sie nicht stören wollen.
Wir fragen nach der Rechnung und wie beim letzten Mal verdreht sie die Augen, als ihr klar wird, dass ihre mathematischen Kenntnisse gefragt sind. Sie ist nicht in der Lage, von 102,30€ ganze 84€ abzuziehen. Sie versucht es 4mal schriftlich auf ihrem Kellnerinnenblock – vergeblich. Peter sagt ihr das Ergebnis, sie glaubt ihm nicht. Erst als er es ihr auf dem Handyrechner zeigt, glaubt sie uns. Und dann schaut sie ihn ungläubig an: „Sie können ja gut rechnen!“
Langsam beschleicht mich der Verdacht, dies könnte ein Theaterdinner sein…
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28.11.2008 - 14:55 Uhr
querspieler