Was blöde Leute gut finden: Den Beziehungsstatus in Netzwerken
Text: christiane-lutz
Trends sind ja nicht immer nur cool. Meistens ist es sogar andersherum: blöde Leute finden etwas gut und plötzlich wird es überaus erfolgreich. Damit wir da nicht hintan stehen, setzen wir uns in dieser Reihe mit den Phänomenen auseinander. Heute: Der Beziehungsstatus in Netzwerken.
Die bodenständige Variante: vergeben
Vielleicht der sympathischste unter den Beziehungsstatus, weil er die Dinge beim Namen nennt. Wer „vergeben“ einstellt, ist auch vergeben. Allerdings stößt genau das auch Viele vor den Kopf. Vergeben? Heißt das jetzt, man darf die Seite nicht mehr besuchen oder sich durch die immer noch hübschen Fotos klicken? Zudem droht hier die Gefahr, dass Freunde bei unangekündigter Änderung des Status schon mal nachts um drei anrufen und sich besorgt erkundigen, ob man „denn nicht mehr zusammen sei“, oder „warum da jetzt plötzlich nix mehr steht“. Nichts tröstet bei Liebeskummer mehr, als sensible Freunde.
Zusätzlicher Gruselfaktor: die spezielle Funktion bei Facebook, die Paare miteinander verlinkt und man „voll süß“ gleich den neuen Freund der Freundin begutachten kann.
Gefürchteter Gästebucheintrag: „Och, cool, dass ihr endlich zusammen seid. Nach dem hin und her und den vielen Frauen, die Tom da in letzter Zeit hatte. Endlich was Solides.“
Die letzte Instanz: verlobt/ verheiratet/ engaged/ married
Wer einen dieser Status wählt, katapultiert sich selbst aus dem Flirtpool in die ewige Abstinenz. Niemand findet Profile von Studenten interessant, die schon verheiratet sind, außer zum Lästern. Auch wenn es vielleicht nicht so ist: dieser Status maßt brav und langweilig an. Da geht nichts mehr. Denkt man sich. Schlimmer: da will Niemand mehr, dass noch was geschieht. Und alle Welt soll es lesen.
Fiese Zusatzfunktion bei StudiVZ: die Geburtsnamenoption, die dann bei den glücklich verheirateten aufblinkt, direkt neben dem Hochzeitsfoto, versteht sich.
Ersehnter Gästebucheintrag: „Eure Hochzeit war echt supi. Die Torte war viel leckerer als neulich bei Petra und Klaus.“
Jeder Beziehungsstatus stellt ein sehr privates Detail aus dem Liebesleben für alle Welt aus. Ein Detail, das eigentlich erst mal nur die Beteiligten etwas angeht und über die Person als solches herzlich wenig aussagt. Ganz zu schweigen von oben angedeuteter Verwirrung, die willkürliches Status-Hüpfen im Freundeskreis auslösen kann. Wer dennoch mit der Angabe in seinem Beziehungsstatus kokettiert, der will im Grunde nur Aufmerksamkeit darüber erregen. Er inszeniert sich selbst auf dem Kuppelmarkt oft unbewusst als Kopulationswilliger, treue Seele, biedere Ehefrau oder sexuell Ausgehungerter. Daher gilt der Königsweg: Beziehungsstatus elegant umgehen und einfach lächelnd schweigen.
Anmerkung: Plural von „der Status“ ist „die Status“ (gesprochen mit langem „u“, nachzulesen im Duden)