büßen beten beistand suchen
- Wie wäre es, wir könnten kochen zusammen, ich hole dich ab von der Arbeit und ich habe dann auch schon viel geschafft und so, dann haken wir uns unter und gehen Pärchen spielen in der Stadt, du kaufst dir Schnürsenkel und Entfärber für deine orangene Waschmaschine, ich sage, schau mal Schatz und dann zeige ich auf was mit Glitzer im Schaufenster. Ich kaufe uns dann ein Eis und dann besorgen wir Gin und Prosecco und perverses Fleisch und dann koche ich für dich.- Das wird nichts, du, das mit dem Eis könnte klappen, aber der Rest, du, das wird nichts und für Eis, das ist zu kalt auch und so ( nuschelt er)
- Pessimist, larmoyanter du! ( protestiere ich) Wieso denn?
- Verpeilte Ziege (knurrt er), Feiertag ist morgen
- Aber wieso das denn, das war doch gerade erst, wer feiert denn jetzt ( ich empöre mich)
- Die Bösen. Die Reformatoren feiern, diese Nicht-Rebellen, diese Reformanten halt ( hustet er in Hörer)
- Ach ( ich bin betroffen) also büßen wir?
- Ja, beten tun wir auch. Um Beistand bitten. ( nuschelt er wieder)
- Und wenn wir nur mit Brot auf Enten werfen und danach gibts Pfannkuchen und ich mal dir das Fleisch auf das übrige Druckerpapier und schneide es aus als Mobile? ( jetzt bettel ich)
- Das geht nicht, weil dann ist ja Feiertag. Und an Feiertagen sitze ich zuhause und gehe nicht raus, da starre ich an die Wand und überlege ob ich Probleme habe oder nur neue Freunde brauche.
Da kann man nix anfangen mit mir ( er nuschelt immer noch)
- Achso ist das ( ich sarkastiere)
- Ja so ist das ( jetzt sarkastiert er auch)
- Bis dann ( ich verabschiede mich, ich fluche, ich rauche)
Soll er doch nuscheln, vor sich hin und nicht in meine Ohren. Und ich, naja, ich büße jetzt schon für meine Dreistigkeit dieses Versöhnungsangebots, ich büße meine Vorfreude auf einen Abend zusammen, ich bete, dass der Feiertag herumgeht und ich mein Studium glücklich beende und raus bin aus Sachsen und der Pflegeversicherung, ich bete, dass er mehr Beistand hat als die Knoten seiner Raufasertapete an der Wand gegenüber.
Ein kollektiver Tag an dem das Volk betet um vor den Türken beschützt zu bleiben, so war das damals also, und ich,
ich werd mal wieder von keinem Volk beschützt vor übler Laune-
naja, alles Reformatoren eben.
Keine Rebellionen heute. Heute mal nicht.
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19.11.2008 - 23:47 Uhr
lichter