Das ModeABC. Heute: G wie (schlechtes) Gewissen
Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass H&M-Näherinnen in Bangladesch geschlagen und genötigt werden. Sollte man H&M deshalb boykottieren?
Ein Bilderbuchmodel ist er ja nicht, dieser Typ, der derzeit in Pünktchenhemd und Sakko überlebensgroß an den Innenstadtfassaden hängt. Rasierer kennt er wohl nicht, aufgedunsen guckt er aus seiner Designer-Kollabo-Wäsche, als hätte er vor dem Fotoshooting mindestens zehn Dosenbiere mit den Eckzähnen aufgeknackt und runtergespült. Comme des Garçons endlich beim Billigschweden, lachte es uns diese Woche von allen Ecken und Enden entgegen. Während man darüber diskutierte, ob Männer und Frauen wirklich wie mies gelaunte, geschlechtslose Zirkusclowns herumlaufen sollten, ging eine weitere Schlagzeile leider etwas unter: „H&M-Näherinnen klagen über Ausbeutung“. Ein Reporterteam der ARD brachte Mitte der Woche, pünktlich zum Start der Designer-Kollektion, unangenehme Tatsachen ans Licht: Arbeiter der H&M-Zulieferfabrik "House of Sunshine" in Bangladesch, erzählten in einem Beitrag von „Report Mainz“, dass sie von ihren Vorarbeitern geschlagen und genötigt wurden. Näherinnen mussten sich mit ihren Vorgesetzten einlassen, ansonsten drohten unbezahlte Überstunden und Lohnabzug. Erniedrigungen und Belästigungen der weiblichen Mitarbeiter seien in der Fabrik, wo 1.700 Menschen arbeiten, an der Tagesordnung gewesen. Der Monatslohn beträgt dort 40 bis 50 Euro im Monat (auch für die Verhältnisse in Bangladesch extrem niedrig). H&M räumte daraufhin ein, dass es „weitreichende Probleme und Schwierigkeiten“ bei der Umsetzung des Unternehmenskodexes bei Zuliefererfirmen gibt, will aber weiter an einer Zusammenarbeit mit „House of Sunshine“ festhalten.
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und warum man immer noch bei mcdonalds essen sollte, wird mir für immer ein rätsel sein. und ich fahr eigentlich ganz gut damit.
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21.11.2008 - 10:31 Uhr
jananord
Einem Fernsehteam des WDR-Wirtschaftsmagazins "markt" ist es zusammen mit einem britischen Zeitungsreporter gelungen, Kinderarbeit in Indien zu dokumentieren. In zahlreichen versteckten Hinterhofnähereien, sogenannten Sweatshops, entdeckten sie Kinder unter 14, teilweise sogar unter 10 Jahren. Sie besticken Kleidungsstücke z.B. mit winzigen Paletten und Perlen, darunter auch Produkte internationaler Modemarken.
Vertreter der amerikanischen Modekette GAP zeigten sich entsetzt von einem Video, in dem ein etwa elfjähriger Junge ein Oberteil aus ihrer Kinderkollektion mit Perlen besticken muss - auf dem Boden eines mit Kot beschmierten Raumes sitzend. Der Konzern verweist darauf, dass es dazu kommen konnte, weil vermutlich ein indischer Zulieferer illegalerweise weitere Subunternehmer beschäftigt hat. Der Konzern versprach, der Sache sofort nachzugehen, räumte aber auch ein, dass sich Kinderarbeit trotz interner Kontrollen nicht hundertprozentig vermeiden ließe.
Die Kinder stammen meist aus den armen Regionen Indiens wie Bihar oder aus angrenzenden Ländern wie Bangladesh. Sie werden ihren Elternvon professionellen Menschenhändlern unter falschen Versprechungen für wenige Euros abgekauft und von Schleusern an ihre Bestimmungsorte - zum Teil Tausende von Kilometern entfernt - gebracht. Dort werden sie weiterverkauft und müssen häufig unter primitiven Umständen leben und ohne Lohn für ihre "Besitzer" arbeiten.