James Bond - Ein Quantum Trost - Die Lizenz zur Filmkritik
Bond-Filme hatten bei mir immer was besonderes. Meinen ersten Bond sah ich mit 18, als ich mit einem Freund auf einem Camping-Platz bei Prien war und wir in Rosenheim beide unseren ersten Bond sahen. Als wir zum Camping-Platz zurück kamen, war der Platz neben uns neu belegt, mit einem VW Bully mit dem Kennzeichen BO-ND ... Am Samstag, bei meinem bisher letzten Bond, war ich in Prag bei einem sehr guten Freund. Bond auf englisch mit tschechischen Untertiteln. Naja, war ganz lustig immer mal wieder Bondu zu lesen. Nur zweimal war ich sozusagen offline, da wurde italienisch bzw. spanisch gesprochen, da halfen auch die tschechischen Untertitel nicht mehr. Aber ein Blick in Wikipedia und imdb.com veriet mir, nichts Wichtiges verpasst, mein englisch ist immer noch gut genug für Originalfilme. Nur die Sache mit der Staumauer habe ich nicht mitgekriegt, war angeblich aber auch nur ein Nebensatz. Doch nun zur Kritik, Achtung auch einige Details werden dabei verraten. Fangen wir mit der Action an, denn nach gefühlten 60 Sekunden, Titel erst später, ist man bereits in einer wilden Verfolgungsjagd mit Schießerei, Bond ist wieder mal der Gejagte. Der zweit schnellste Filmstart nach Lethal Weapon 2. Die Verfolgungsjagd ist sehenswert mit tollen Crashs guten Schnitten und Kameraeinstellungen. Allerdings wird bereits in diesem Teil klar, es ist kein wirklicher Bond. Keine Tricks, keine technischen Spielereien am Auto helfen ihm, den letzten Gegner entledigt er sich mit einer Maschinenpistole, das ist unwürdig für einen Bond. Man hätte mindestens erwartet, dass beim Druck auf einen unter dem Aschenbecher befindlichen Knopf eine Cruise Missile startet und den Querträger der Vorderachsaufhängung ansägt. Nunja, auf Q oder besser seinen Nachfolger kann man dann lange warten, wohl mindestens bis zum nächsten Bond-Film. So gut diese Actionsszene aber war, so bescheiden sind die nächsten beiden. Eine Verfolgungsjagd zu Fuß über Dächer und Balkone endet in einer Halle mit Baugerüst und sich drehenden T-Trägern und herabhängenden Seilen. Was da genau abläuft ist schwierig auszumachen, zu schnell sind die Schnitte. Warum sich der T-Träger nun dreht, wird nicht wirklich klar. Ähnliches in der nächsten Sequenz, einer Bootsverfolgung, nur schwer ist der Ablauf nachzuvollziehen. Hier wollte man sichtlich zu viel. Eine weitere Sequenz im Flugzeug hingegen ist fantastisch. Durch die langsameren Schnitte, die Einstellungen, die Musik und natürlich die ablaufende Handlung wird eine irre Spannung erzeugt, die den Zuschauer im Sitz fesselt und an den Endkampf in Lethal Weapon 4 erinnert, als Mel Gibson gewürgt wird oder an den Anfang von Cliffhanger mit Stallone. Ich denke, der Spannung dieser Szene kann sich der Zuschauer auch beim zweiten Mal nicht entziehen. Cineastisch liefert der Bond-Film aber noch zwei wirkliche Höhepunkte. Die Parallelmontagen in der Opernsequenz der Seebühne Bregenz, hier wird zwischen Opernaufführung und Kampf hinter den Bühnen nicht nur hin und her geschnitten, sondern eine Synchronität und Ergänzung erzeugt, dass dies mit Worten wie Schnitt oder Montage nicht wirklich richtig beschrieben ist, das ist schon eine richtige Choreographie. In einer doppelten Kampfszene am Schluss im Feuer gelingt dies ähnlich gut. Überhaupt ist die Sequenz an der Seebühne auch die beste, Bond im Anzug, das einzige Mal wirklich als Gentleman, auch spielen technische Tricks hier eine große Rolle, so hätte man sich den ganzen Bond geswünscht und Craig zeigt hier, dass er in die Fußstapfen von Pierce Brosnan reinpassen würde. Kommen wir zu den Darstellern. Craig war natürlich gesetzt und überzeugt durch seine physische Präsenz und er ist wohl der best ausehendste Bond mit verschrammtem Gesicht. Sein Gegenspieler Green ist genial besetzt und spielt eine Rolle zwischen unscheinbarem, cleverem und schleimigem Verbrecher perfekt. Das kann man vom Bondgirl nicht sagen, sie bleibt eher blass ;-) und ist nicht wie in den letzten Filmen eine wirkliche Powerfrau. Die könnte Fields sein, die sofort eine ähnliche Präsenz entwickelt wie Bond, vielleicht liegt das aber auch an meinem Frauengeschmack ;-). In Sachen Emanzipation ist dieser Bond auf jeden Fall ein Rückschritt. Leider wird Fields verheizt, weil sie zu schnell mit Bond in den Kissen landet und zu früh das zeitliche segnet, das auch noch in Öl getaucht. Damit sind wir bei der Handlung. Ein Bond ohne Technikschnickschnack, ein Bond ohne Ironie, Gentlemangehabe, ein Bond ohne Flirtereien, ist kein Bond. Und das vergißt man auch fast, da man nie das "Bond, James Bond" aus Bonds Mund vernimmt. Als Actionfilm alleine, bringt das Abenteuer aber nur wenig mehr als andere Bruce-Willis-Filme. Da erwartet man bei einem Bond einfach mehr. Neben einigen Lücken im Handlungsstrang, warum rettet Bond das Mädel vom Boot um es dann einem am Land wartenden Passanten bewusstlos in die Arme zu werfen und einfach zu gehen ?, ist die Story dann doch arg dünn. Einige Kritiken werfen denn auch dem Regisseur vor, einen schlechten Bond gemacht zu haben. Dabei muss man den Kritikern vorwerfen, sie haben keine Ahnung was ein Regisseur macht. Er wählt die Locations und die Ausstattung, er besetzt die Rollen, beim Bond-Film außer Bond und M natürlich, das hat er alles gut gemacht, bis auf das Bondgirl vielleicht. Aber die Story. Autoverfolgung hatten wir schon, Bootverfolgung auch, Mädchen in Öl zwar nicht, dafür aber in Gold, am Boden etwas aus der Luft im Flugzeug finden hat schon Brosnan gemacht und ist auch dabei abgestürzt und kurzzeitig seinen Job losgeworden sind auch mehrere Bonds schon. Im Gegensatz dazu fehlt aber eine ungewöhnliche Action wie z.B. Verfolgungsjagd mit Panzer, oder das Eishotel, die BMW-Verfolgung im Parkhaus oder ähnliches. Fast alles wirkt schon, als wäre es einmal dagewesen, das mag für einen Actionfilm genug sein, für einen Bond ist es das nicht. Ich sortiere "Ein Quantum Trost" bei den Timothy-Dalton-Bonds ein, das ist eher am unteren Ende der Skala und ein deutlicher Rückschritt. Schade. Digital_Data- Zwei Morde und viel Beziehungsknatsch 07.05.2011
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12.11.2008 - 07:57 Uhr
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