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Leben

| 22.10.2008 08:00  

Der Almosen-Ticker: Gibst du Bettlern Geld?

Text: philipp-mattheis  Foto: ddp
Eigentlich muss in diesem Land niemand verhungern. Trotzdem gibt es in jeder Großstadt zahlreiche Bettler. Gibst du ihnen etwas?




Seit fast zwei Jahren sieht man in Münchens Fußgängerzone, Menschen regungslos auf den Knien sitzen. Ihre Augen sind geschlossen, ihre Hand geöffnet. Manchmal liegen kleine Pappkartons neben ihnen, auf denen steht mit Edding geschrieben: „Bin blind und brauche dringend Geld für eine Augenoperation“.

Als Münchner gibt man diesen Menschen natürlich kein Geld, weil man in der Zeitung gelesen hat, dass sie für eine Mafia aus Rumänien oder Moldawien arbeiten und einen Großteil ihrer Einnahmen an ihre Bosse abliefern müssen. So etwas will man nicht unterstützen.

Dem Penner vor der Asam-Kirche gibt man lieber auch nichts. Weil er so nach Schnaps stinkt und man seinen Alkoholismus nicht auch noch fördern will. Die Punks am Sendlinger Tor kriegen erst recht keinen Cent, weil sie ihr – wahrscheinlich gar nicht so knapp bemessenes – Taschengeld nur in Alkopops und Drehtabak investieren und überhaupt nur schnorren, weil es cool ist.
Die Straßenmusikanten brauchen auch nichts, die kriegen eh genug. Die verdienen ja mehr, als ein normaler Student zu leben hat.

Hinter dem Alten Peter sitzt dann noch ein alter Mann, der stinkt nicht nach Alkohol. Er spielt kein Instrument und ist auch kein Punk. Dem gibt man aber auch nichts, weil in Deutschland ja niemand verhungern muss – und in München, dieser reichen, selbstgefälligen Stadt mit ihren zahllosen Hilfsangeboten erst recht nicht. Wer hier jemand auf der Straße sitzt, hat das meistens andere Gründe. In der Obdachlosenzeitung Biss stand einmal, dass 85 Prozent aller Münchner Obdachlosen psychische Probleme haben.

Auf der anderen Seite: Was geht es mich an, warum mich jemand um Hilfe bittet? Wenn jemand um Almosen bettelt, wird er dafür seine Gründe haben. Es ist nicht meine Aufgabe, das zu hinterfragen, zu kritisieren oder ihm Tipps für seine Lebensführung zu geben. Ich kann ihm helfen oder eben nicht.

Wie sieht deine Policy aus?
Gibst du Bettlern Geld und wenn ja wie viel?
Findest du, alle sollten deinem Beispiel folgen?


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afrirali 22.10.2008 | 08:02
Ich habe keine policy, aber hier in Deutschland geb ich seltener was als in den USA. Da hab ich den Leuten manchmal einfach ein Sandwich gekauft.

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graziella_wunderschoen 22.10.2008 | 08:05
den weihnachtsman auf dem bild hab ich auch.
irgendwo..

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getupkid 22.10.2008 | 08:35
ja, ab und an. laune- und kleingeldfundus-abhängig.

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dascory 22.10.2008 | 08:52
getupkid sagte:
ja, ab und an. laune- und kleingeldfundus-abhängig.


außerdem: eher, wenn ein hund dabei ist.

in der straße meiner ersten wg "wohnte" auch ein obdachloser. dem haben wir auch oft brote und obst gebracht. den mocht ich, der war richtig nett.

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alcofribas 22.10.2008 | 08:55
ich bin da hin- und hergerissen, da ich in einer stadt lebe, in der der reichtum der bewohner viel weniger zur schau gestellt und das understatement gepflegt wird als in münchen, könnte ich hier locker in der woche ein monatsgehalt auf der straße los werden.

allerdings gebe ich doch launeabhängig, meistens freitags und meistens nur in der bahn. dann aber nie unter einem euro. obdachlosenzeitschriften kaufe ich nicht, gute chancen haben musiker, aber auch nur in der bahn.

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chocolatecat 22.10.2008 | 08:59
am sendlinger tor oder in der sonnenstr ist oft so eine dicke frau mit ganz fiesen beinen. die sind ganz offen und geschwollen.

da denk ich mir immer, gebt der frau doch lieber einen kleinen hund, liebe bettelmafiosi, da geben die leute sicher eher was. diese wunden, da schaut doch jeder angewidert weg. außerdem jammert die immer so laut.

die biss kauf ich manchmal, die les ich dann auf dem klo. punks kriegen von mir tatsächlich nie was.

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fraeuleiningeborg 22.10.2008 | 09:01
Punks kriegen oft, die Musiker in der Bahn nie, weil ich das als Belästigung empfinde.
Scheint sich ja ganz gut zu verteilen, wenn man die Antworten liest.

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alcofribas 22.10.2008 | 09:05
dascory sagte:
.außerdem: eher, wenn ein hund dabei ist


nein. hund ist ein ausschlusskriterium.

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voiceofregret 22.10.2008 | 09:11
getupkid sagte:
ja, ab und an. laune- und kleingeldfundus-abhängig.



sehe ich auch so. wobei man hier selten jemand betteln sieht, schnorrende punks schon eher.

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Aporia 22.10.2008 | 09:13
Schwieriges Thema. Aber Musiker in der Bahn sind meist ganz witzig. Zumindest angenehmer als die, die sich hinstellen und ihre Lebens- und Leidensgeschichte herunterrattern -- da fühlt man sich dann so komisch unter Zugzwang.

Auf der U2 in Hamburg gibt es diese zwei coolen Typen, bei denen der eine in angenehm zurückhaltender Lautstärke mit Klampfe und Elvis-artiger Stimme Elvis-Lieder singt, während der andere, ein alter Sack, mit dem Klingelbeutel durch den Wagen geht und mit den jungen Mädels flirtet, indem er sie »Prinzessin« nennt. Die werden dann rot und kramen hektisch nach dem Geldbeutel, sehr süß...

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