17.10.2008 - 22:39 Uhr

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Über das Dilemma der Pornoindustrie

Text: Wasago

Sex sells. Und zwar eine ganze Menge. Nun sind wir ja in einer aufgeklärten Gesellschaft. Allerdings ist da etwas, was uns beunruhigt: Wir glauben was wir sehen. Insofern ist Pornogucken problematisch: Denn eigentlich haben Pornos mit Sexualverhalten in der Beziehung (wobei letzteres hinreichend aber nicht ausschließlich als Kriterium zieht) nicht sonderlich viel zu tun. Warum? Nun stell dir mal vor, du wärst Produzent und Verkäufer von Pornos. Es gilt auch hier das alte BWL- Grundsätzchen eines nahezu gesättigten Marktes: Lass dir was einfallen, was als Mehrwert gilt. Und da hast du, wenn es darum ginge, Lust an der Liebe zu verkaufen ein ernsthaftes Problem: Spaß ist ein Gefühl, Erregung irgendwie auch und beide lassen sich nur bedingt auf Zelluloid respektive CCD-Chip bannen. Fazit: Du lässt dir was anderes einfallen: Warten wir mal, kurz abstrahiert es geht hier um ein Messbarkeitsproblem: Gefühl ist nicht messbar, doch wie kann man das umgehen? Man postuliert eine Korrellation mit messbaren Parametern und stellt diese dann dar. Voilà der Schlüssel zu Pornomillionen(-varianten). Lieber Leser, wenn du dich an dieser Stelle mit "HÄ?" meldest, kurz der Grund für diesen Text: Ich bin aus reiner Neugier im ab 18 Teil der Videothek gewesen und war ob der Titel, die sich da um ein und dieselbe Sache drehen ziemlich fasziniert. (von Ostfrauen bis Asiaten, bla und blubb. Mehr Auswahl als beim Essen....) Dann bekam ich mit, dass manche Kumpels wirklich durch die oben postulierten Korrelationen schon negativ beeinflusst wurden in ihrem Sexleben: Sie meinten, wenn die Freundin nicht X Mal kommt,..... der Rest ist in jeder Kneipe nachzuhören. Da werden echte Krisen ("Bin ich kein guter Liebhaber?" bis zu Beziehungskrisen "Dann ist wohl was in der Beziehung falsch, mal lieber was Neues suchen...") Konkreter: Was ist da eigentlich messbar: A) Die Partnerin (wo kommt sie her, wie sieht sie aus, wie alt ist sie, wieviele davon sind da...) B) Der Partner (siehe A) ) C) Körperliche Merkmale in der Windelzone. (Die alte Längengeschichte, die dieser nervige Emailschreiber immer postuliert, der selbst meinen Arbeitskolleginnen eine Penisverlängerung aufschwatzen will.) D) Zeit/ Dauer (Leider durch die Abspieldauer des Mediums begrenzt.) E) Körperliche Reaktionen (meistens bei Frauen, wobei hier die Beobachtung, da Sex im Tomographen nicht so erotisch aussieht stark eingeschränkt ist.) F) und hier wird's interessant: Was wird gemacht? G) Ich wette, ich habe noch ein paar "Parameter" vergessen, mit denen versucht wird immer das Gleiche zu verkaufen. Das Problematische an dieser Lösung des Pornodilemmas ist die Auswirkung auf das Gefühl von "Normal". Liebe Mädels, irgendwer kauft das Zeug und das ist verdammich nicht wenig. Wen wundert's da, wenn plötzlich versucht wird, den Guinessbuch der Rekorde Rekord im Toppen einer der oben genanten Parameterstudien (vielmehr scheint's nicht zu sein) aufzustellen. Schließlich hat Mann ja schon als Pubertierender mit Hilfe von Parametern den härtesten Metalhörer ausgemacht (schnellste Gitarre, dunkelster Bass, krasseste Show). Also was hält uns auf, das auch mal im Bett auszuprobieren? Ehrlich gesagt, etwas sollte uns aufhalten, aber das ist verdammt schwierig: Denn woran hat ein Olympialäufer eigentlich Spaß, am Laufen oder am gesiegt haben? Oder besser, hat der eigentlich mehr Spaß als die ganzen Lockerjogger im Park? Womöglich nicht und da liegt das Problem: Wir opfern unserer ständigen Vergleichssucht den guten Sex. Das gilt auch für Frauen, die in Frauenmagazinen sich mit der Frage nach vaginaler oder klitoraler Orgasmus auseinander setzen müssen. Schlimmer noch Frau kriegt ja keinen Kassenzettel und weiß eigentlich nie meßbar, ob das nun ein Orgasmus war oder nicht. Vielleicht geht's noch besser? Vielleicht. Vielleicht wäre nicht nachdenken, nicht messen mal besser. Kopf aus.
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