House Musik und was nun?
Text: JacobStein
House Musik und was nun? Diese Frage beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Der eigentliche Boom der House Musik ist längst verflogen und seine Anhänger wissen nicht was kommen soll.
Die Entwicklung lässt sich nicht durch eine stetig steigende Gerade beschreiben, wie ich es noch vor ein oder zwei Jahren in meiner Euphorie annahm. Ich denke heute viel mehr an eine Sinuskurve, gefolgt von einer Geraden mit der Steigung Null, begründet durch starke Gefühlszerissenheit. Und genau dort befindet sie sich jetzt. Die Kräfte wirken in viele Richtungen und gleichen sich dementsprechend wieder aus.
Meines Erachtens gibt es vier Trends und keiner vermag sich zu etablieren. Keiner hat den Mut und die Hingabe wie damals, eine klare Entwicklung herbei zu führen.
Eine wichtige Vorraussetzung einer längst überfälligen Revolution der House Musik sind die Hörer.
(Bild: E.M.)
Vor vielen Jahren fing es an. Als Junior Jack auf seinem eigenen Label "Eh Samba" veröffentlichte und später Michael Grey uns "The Weekend" bescherte, wurde House Musik salonfähig und brachte einen unglaublichen Hype mit sich. House fing an sich zu entwickeln. Mehr und mehr trieben Künstler, wie beispielsweise die Discoboys den Trend voran. Mit einem Kompressor bis zum Anschlag aufgedreht zwang man das Publikum sich zu bewegen. Mylo, mit dem von Tocadisco geremixten Track "In my arms" brachte uns den Sägezahn näher und besiegelte gleichzeitig das Ende des Aufstiegs. Schon hier war klar, eine weitere Steigung herbei zu führen fordere großen Mut und Phantasie. Das Publikum musste bei Laune gehalten werden. Monotoner und nerviger hieß von nun an die Devise. Lange Zeit funktioniert dies auch.
Bis der Hörer sich selber zu fragen anfing: „Wie krank ist das denn?" Salonfähig war die derzeitige Musik schon lange nicht mehr.
Ratlosigkeit machte sich breit. Was nun? Das Publikum spaltete sich auf. Viele suchten das Neue, andere blieben stehen und hielten sich an das, was sich schon so lange bewährt hatte. Wiederum andere erhofften sich ihre Befriedigung durch Musikstile fern ab von House Musik.
Der Minimal klopfte mehr und mehr - aber wohl aufgrund seiner Möglichkeiten zu zaghaft - an die Türen der Clubs. Drum'n'Bass - mit erhöhter bpm-Zahl - lockte massenhaft Leute in die eher unter dem Zeichen "Wir sind Underground" stehenden Tanzeinrichtungen, aber viele rannten genau in diesem Tempo davon.
Die Partymetropolen entwickelten sich ähnlich. Jeder Trend stützt sich auf eine Stadt. Sozusagen die Spaltung der Stile mit einem riesigen Abstand zueinander.
Aber müssen wir jetzt alle umziehen?
Ich denke nicht. Eine Discoqueen, die, seitdem sie es das erste Mal gehört hat, immer noch die Arme in die Luft wirft, wenn im Club „My my my" von Armand van Helden erklingt, wird irgendwann auch gelangweilt sein.
Minimalisten werden bald wieder Hunger auf Mehr verspüren sowie Drum'n'Bass Jünger auf Weniger.
Und die, die dies schon aufgegeben haben, sind vielleicht der Schlüssel zu dem, was uns alle wieder vereinen wird.
Neue Texte zum Label 'Musik':
Textoptionen
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16.10.2008 - 14:40 Uhr
Laudi
Boysnoize/Whitey/Justice/Digitalism/Surkin/Glow/MSTRKRFT
oder eben Techno!
und der von dir angesprochene House ist doch seit Jahren hinüber und Minimal ist auch fast schon wieder durch.
Im moment schreit alles nach Synthie und geknarze.