Das Studium von Heute
Text: Marcologne
Nachdem ich einen kleinen Artikel gelesen habe, der eigentlich nichts Neues enthält, fühlte ich mich auf komische Art und Weise berührt. Ja, klar, der Artikel trifft es eigentlich ganz gut; aber auch ist der Artikel harmlos. Harmlos vom Inhalt her. Denn die Situation ist allgegenwärtig, so dass nichts Schlimmes mehr daran ist. Im Hörsaal auf dem Boden sitzen? Standard. Von der Arbeit noch schnell in ein Seminar hetzen? Alltag. Dass trotz Studiengebühren kaum etwas besser wird? Man hat sich dran gewöhnt. Dementsprechend schnell war der Artikel gelesen und ich las die Kommentare. Dort versammeln sich die üblichen Verdächtigen; die, die anscheinend nicht studieren und das alles für maßlos übertrieben halten; die, die das für normal ansehen und dann noch die, die sagen "Hört endlich auf zu jammern!". Auf die Spezies von Naturwissenschaftlern, die meinen, die Geisteswissenschaften sind nur der Text zu den Zahlen, den keiner liest, komme ich in einem anderen Artikel. All diese Leute haben wohl Recht (mal abgesehen vom Naturwissenschaftler - so viel muss jetzt hier schon sein).
Ich persönlich tendiere ja auch eher zu der Sorte "Jammert nicht rum, macht lieber". Richtig ist aber auch, dass man sich immer gewahr dessen werden muss, dass man hier für etwas zahlt. Konkret heißt das hier: ich zahle dafür, dass ich noch arbeiten gehen muss, dass ich auf dem Boden sitze und in schimmeligen Räumen sitze. Die Uni-Rektoren, zumindest aber ganz sicher unser Rektor Axel Freimuth, sagen jetzt natürlich, dass das Geld schon sinnvoll eingebracht wurde. Mag ich auch glauben, nur leider nicht an meiner Fakultät - denn wer braucht schon Lehrer im Zukunftsland Deutschland? Stattdessen fließt das Geld eher in die medizinische und Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - huch, was war Axel Freimuth noch mal? Physiker? Ein Schelm, wer dabei böses denkt.
Es ist nun so, dass man sich selbst helfen muss. Das ist im Studium wie in der Religion so. Durchbeißen heißt es da. Und ich muss gestehen, dass es mit meinen vier Nebenjobs plus Studium nicht immer einfach ist. Aber eins treibt mich immer weiter, bis ans hoffentlich schnelle Ende meines Studiums: die Uni. Ich möchte nicht einen Tag länger dort verbringen. Und so lerne und arbeite ich pausenlos weiter und es dreht sich immer schneller und schneller.
Jammern bringt also nichts, nachgerechnet wurde genug, demonstriert ja auch - und wenn die Politik nicht hört, was will man machen. Schlussendlich kann man ja nur sagen, dass die Politik sich und Deutschland selbst ins Knie schießt. Wollte Deutschland denn nicht, dass die Quote der Studenten steigt? Wir brauchen endlich mal mindestens 50% hieß es immer. Schafft das tolle Amerika und die noch bessere EU ja auch. Blöd nur, dass Deutschland davon noch meilenweit entfernt ist - auch, wenn die Zahlen langsam steigen. Könnten die schlechten Bedingungen trotz (!) Studiengebühren der Grund sein? Könnte die generell schlechte Schulbildung ein Grund sein? Könnte die mangelhafte Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein Grund sein? Bestimmt nicht. Ganz sicher liegt es am, äh, schlechten Wetter. Zu viel Regen und Wolken machen ja träge, auch und vor allem, was das Lernen angeht.
Schade, Deutschland - so ganz allgemein jetzt.
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15.12.2008 - 01:05 Uhr
hanschki