13.10.2008 - 11:50 Uhr

12 13 Über Twitter weiterempfehlen

Kufsteiner Klettersteig |oder wie es zu 2.000 Höhenmetern gekommen ist|

Text: MountMcKinley in Schöne_Photos (470)

11.10.2008:

Für den heutigen Tag hatte ich mir viel vorgenommen. Zuerst den Kufsteiner Klettersteig gehen und anschließend noch nen Freund beim Kampenkönig (ist ein Mountainbikewettbewerb auf die Steinlingalm - unterhalb der Kampenwand) begleiten.

Deshalb klingelte heute auch der Wecker ne viertel Stunde früher als sonst.

04.00 Uhr

Kurz nach 04.30 Uhr war ich in Eichelwang, ein Vorort von Kufstein. Von dort gings über zu viele Treppenstufen hinauf ins Kaisertal. Eigentlich ist es verboten, mit dem Mountainbike zum Anton-Karg-Haus zu fahren, allerdings hab ich um diese Zeit wohl niemanden gestören. Und naja...das ganze Kaisertal zu Fuß hinter zu laufen...der reinste Horror. Es reichte schon, das Mountainbike die ganzen Treppenstufen hoch zu schleppen. Allerdings lenkte der atemberaubende Blick auf das beleuchtete Kufstein von der mords Schlepperei ziemlich ab.


(das Lichtermeer von Kufstein)


Endlich die Stufen hinter mich gelassen ging es eine zeitlang durch dichtesten Nebel. Ist schon sehr seltsam, wenn man nur paar Meter Sicht nach vorn hat. Die Stirnlampe bohrte sich mühelos durch die weiße Nebelwand und lies die kleinen Tropfen sichtbar machen. Und wenn ich ehrlich bin, war mir doch etwas unheimlich. Zwar ging der Nebel, so schnell er gekommen war, allerdings konnte der über mir leuchtende Sternenhimmel die Umgebung nicht wirklich erleuchten. Außerdem verschluckte mich eh bald ein kleiner Wald-Trail, da ich die Hauptabzweigung verpasst hatte. Tja...wieder stockfinstere Nacht und nur der Schein der Lampe...echt gruslig.

Allerdings muss ich sagen, dass das Erwachen des Tages unglaublich sehenswert ist und auch, wenn mir ziemlich lang mulmig war - und mich hoffentlich niemand hat singen hörn (hab damit die ziemlich erdrückende Stille etwas durchbrochen) - es lohnt sich jedes mal wieder.


(der Tag erwacht...langsam)


Am Anton-Karg-Haus (oder Hinterbärenbad) angekommen, hab ich mein Rad in die Büsche geschmissen und über den Bettlersteig bzw. einen Teil des Gütlersteigs gings zum Einstieg des Kufsteiner Klettersteigs.


(der Bettlersteig schmiegt sich eng an den Hang)



(richtungsweisend)



(und der Tag schreitet fort...)

Da das Kaisertal nordseitig des Kaisers liegt, hat es die Herbstsonne ziemlich schwer bzw. schafft es die Sonne selbstverständlich generell nicht wirklich, die Nordseite anzuscheinen. Im kühlen Schatten ging es weiter bis zum Einstieg...


(am Einstieg des Klettersteigs...er sieht noch recht human aus...)

Zu beginn geht man über griffiges Gestein. Nicht zu steil, aber dennoch ratsam, sich wenigstens mit einem Karabiner zu sicher. Nach guten 10 Minuten kommt man allerdings zur ersten „Schlüsselstelle“.


(doch bald schon zeigt sich ein anderes Gesicht)

Wer sich hier schwer tut, sollte wohl besser nicht weitergehen, denn es folgen weitere Stellen, die nicht nur mit Kraft, sondern auch nur mit entsprechender Technik und Übersicht zu meistern sind...


(am rechten Bildrand erkennt man den weiteren Verlauf)


(kurze Zeit war ich sogar selbst am zweifeln, ob es eine so gute Entscheidung war, weiter zu gehen...)


(...denn es wird nicht leichter - im Gegenteil - luftiger und kräfteraubender)

Was zusätzlich noch erschwerend hinzu kommt, ist die Tatsache, dass nur sehr, sehr wenige Tritte einbetoniert wurden...aber für nen echten Klettersteigfan gibt’s eigentlich nix schöneres - ansonsten wäre es ja auch zu einfach.


(In luftiger Höhe lässt sich der Blick auf das Wolkenmeer und die sonnenbeschienenen Hänge noch mehr genießen)

Weiter geht’s in luftiger Höhe...





(absolute Schwindelfreiheit würde ich hier doch voraussetzen)

...bis etwas zu früh das Gipfelkreuz des unteren Gamskarköpfels in der Herbstsonne erstrahlt.





(glücklich...und doch ein bisschen wehmütig, denn ein paar Höhenmeter hätte ich zugern noch zurückgelegt)

Der Kufsteiner Klettersteig...ein wirklich rassiger Steig, der seine schwarze Einstufung redlich verdient hat...vor allem auch deshalb, weil der Zustieg sehr lang ist...jedenfalls für diejenigen, die ihn an einem Tag gehen wollen.

Das Gipfelbuch...selten schön:



und ein Gipfellied war natürlich auch noch drin...



Auf dem Rückweg über den Gütlersteig geht es bequem zurück ins Kaisertal


(die bisher einzigsten Lebewesen, die mir heute über den Weg gelaufen sind...allerdings sollte sich das bald ändern)

und der Herbst präsentiert sich im Sonnenlicht um einiges schöner, als noch in der frühen Morgenstunde...








(Baumpilz - selten einen so großen, schönen und gleichmäßigen gesehen)






(ein Herz im Wald...)

Nachdem ich wieder zu Hause war, 1.400 Höhenmeter hinter mir, konnte ich grad mal ne Stunde ausruhen, bevor es schließlich weiter per MTB auf die Steinlingalm ging - noch mal knappe 600 Höhenmeter...
2.000 Höhenmeter an einem Tag ist schon ziemlich krank...aber einen solchen Herbsttag muss man einfach draußen verbringen, oder?


Neue Texte zum Label 'Klettersteige':
Textoptionen
Mehr Texte von
MountMcKinley
Mehr Texte zum Label
Klettersteige
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
13 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

mushummel
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

27.10.2008 - 07:57 Uhr
mushummel

*

Foglietto
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

29.10.2008 - 10:27 Uhr
Foglietto

ganz einfach: Toll!

owen_meany
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

18.09.2009 - 10:02 Uhr
owen_meany

hui... schwarze einordnung verdient ist gut. das bild vorm gipfelkreuz sieht schon heftig aus. da muss ich mir das erstnochmal überlegen.
aber wie so häufig - danke für die eindrücke. werde mir was für die nächste tour aus deinem fundus suchen.

Zurück Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen

Deine Geschichte erzählen