07.10.2008 - 21:18 Uhr

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Was man nicht weiß, was sich ändert

Text: haruki

Was fällt ihm zuerst auf. Die Nachtluft, die durch die zerstörten Scheiben fließt. Das Schreien der Hupe. Der Schmerz in seiner Hüfte, der anders ist als die Schmerzen in Armen und Beinen. Das Flackern der Scheinwerfer wird ihm später auffallen, wenn er den Mut hat die Augen zu öffnen. Die Welt ist zerteilt für ihn, ein Luxus, eine Dualität von vorher und nachher ein Geschehenes Ungeschehenes für ein paar kostbare Sekunden in denen er ist wer er war und nicht wen er verlieren wird. Und ändert es sich. Dieser Moment fällt unzufällig mit dem öffnen seiner Augen zusammen. Einem zögernden Flattern der Lider, bis er die Augen öffnet und eine Idee aufkommt, in ihm darüber wo er ist. Er seinen Kopf anhebt, das Schreien der Hupe erlischt und nachhallt in seinem Schädel. Die Lichter des Armaturenbrettes flackern bläulich. Wie ein Morsecode der eine wahre Geschichte erzählt. Von Nacht und Nässe, von Leitplanken und einem Baum. Eine einfache Sache, wie in einer Nachrichtensendungen und man hört nicht hin. Keine Empathie für ein Unglück. Er richtet sich langsam weiter auf, sein Kopf sackt unwillkürlich nach hinten und ein stechender Schmerz geht von seinem Hinterschädel aus. Die Schmerzneuronen feuern wild und es gelingt ihm nicht ein System darin zu verstehen, alles passiert zur gleichen Zeit und dauert, dauert bis er mit dem ganzen etwas anfangen kann. Dem Schmerz in der Hüfte, als er seinen Kopf bewegt und runter sieht, auf einen schmalen Plastikpflock, der sich in sein Fleisch gebohrt hat. Mit der linken Hand greift er danach, umfasst den Pflock und zieht heraus, entledigt sich des Fremden. Blut hängt daran, ungewöhnlich fest dazu ein feiner Geruch von gebrannten Mandeln und Stücken von Haut oder Organen. Er lässt den Pflock fallen und macht sich daran den Gurt zu lösen. Es gelingt ihm einfach, er sinkt zu Seite, die Tür gibt nach und er fällt aus dem Wagen, auf Blatt und Matsch. Die Beine noch im Inneren, seltsam abgetrennt von ihm. Zieht er sie nach und zieht sich hoch an der Tür, bis er steht, lässt er los. Steht da, bei Bäumen, der Linie an der ein Wald beginnt. Ein paar Schritte ab von der dunklen Fahrbahn. Der Regen fällt in Fäden, dünn auf alles. Glänzt immer wieder im Licht der Scheinwerfer wie billige Kristalle. Er erinnert sich an. An, ihn. Den Geruch von Zuckerwatte im Regen und den verwaschenen Urinstein im Klo. Und an, an sie. An sie und ihr Gesicht am Morgen, wie aus einer Reklame für Frühstücksbrötchen, das Haar in Strähnen im Gesicht und lächelnd. Er beugt sich runter und sieht, ihr Haar im Gesicht, dunkel verklebt und sie, Augen halb offen, starrt sie in den Fußraum. Starrt sie, starrt er leicht nach vorgebeugt auf sie ihm Beifahrersitz. Regen dringt kalt durch Hemd und mischt sich mit seinem Blut. Eben auch warm. Er reist sich los, dreht sich, wirbelt an der Waldgrenze, sein Hirn vernebelt. Es war eine lange Nacht, sie kommt zurück und er muss sich erinnern. Unerbittlich kommen die Bilder, der Gedanke daran, wie sich von Freunden verabschiedeten und lachten. Wie er noch etwas trank, wie sie in der kleinen Bar ankamen und sie sagte ‚es ist kalt’. Trank er mit ihnen und ihr. Mit Freunden Bier und Wein, sie feierten etwas, er wollte sie heiraten. Er hatte es ihr gestern gesagt. Im Bett, beim Frühstück mit aufgebackenen Brötchen und einem Ring und einer Blume. Eine Rote Gerbera neben der Morgenzeitung. Irgendwo war Krieg. Und einer der Freunde bot an ihnen sein Bett zu geben. ‚Treibst aber nicht’ und sie lachten und schlugen das Angebot aus. Jetzt liegt ihm Wald ein Wagen und ein Baum verkeilt mir ihrem Köper. Nur noch das. Fleisch, Knochen, Blut schon kalt. Nichts mehr, das da etwas daran ändert. Nur noch das. Und er geht Wagen herum, auf ihre Seite. Dort ist die Tür offen, rausgerissen vom Aufprall. Ihr Körper hängt im Gurt. Auch ohne ihr Gesicht ist sie Tot, etwas in der Art wie ihre Haare fallen, ihre Handhaltung. Er kniet sich zu ihr, löst ihren Gurt. Er kann nicht verhindern, dass sie nach vorn sackt. Er fährt mit dem Arm hinter sie. Den anderen schiebt er unter ihre Beine. Sie ist schwer, viel schwere als sonst. Es fiel ihm leicht sie zu tragen, aus Spaß von der Küche ins Schlafzimmer. Ihr dort die Beine zu spreizen und ohne große Eile in sie einzudringen. Sie hatte die Angewohnheit zur Seite zu schauen wenn er das tat. Er wusste nie warum. Er hebt sie, schiebt sie, drückt sie aus dem Sitz über den Schaltknüppel. Ihr Hintern hängt sich dort fest, es braucht all seine Kraft sie daran vorbei zu schieben, sie in den Fahrersitz zu legen. Ihre steifen Arm auf dem Lenkrad zu platzieren. Er biegt ihre Finger auseinander, legt sie um das Lenkrad, der Kristall an ihrem Ring reflektiert die Scheinwerfer. Er beugt sich über sie, greift nach dem Gurt und schließt ihn. Mit beiden Händen greift er nach ihrem Kopf und als er in einer Bewegung nach rechts fällt und sich ihre Augen treffen kann er nicht weg sehen. Er schaut in ihre matten Augen, und legt den Kopf nach vor. Dreht sich und lässt sich in den Sitz fallen. Er fällt ihm schwer seinen Kopf ruhig zu halten, seinen Arme. Sie fallen nur und im Rückspiegel Regen und er bildet sich ein blaues Licht zu sehen. Das ihn retten wird.


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3 Kommentare

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jane_lane
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Mag ich Mag ich nicht

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07.10.2008 - 21:30 Uhr
jane_lane

mh

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Mag ich Mag ich nicht

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11.10.2008 - 11:43 Uhr
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!!!
(der erste teil ist beklemmend realistisch)

Leben_leben_lassen
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Mag ich Mag ich nicht

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15.01.2009 - 22:31 Uhr
Leben_leben_lassen

wunderbar düster... krasses gefühl... menschlich.. zerbrechlich... ein nur so winziger fleck in der weite des feldes


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haruki

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