03.10.2008 - 19:00 Uhr

0 19 Über Twitter weiterempfehlen

Das ModeABC. Zum Feiertag: C wie COMME des GARÇONS

Text: julia-finger - Screenshots: www.lesmads.de

In dieser Rubrik deklinieren wir einmal pro Woche die Welt der Mode durch. Dieses Mal stellen wir das japanische Modelabel „COMME des GARÇONS“ vor, dessen Kleider ab November in den Schaufenster des Moderiesen H&M hängen werden.

Lagerfeld, Stella McCartney, Viktor & Rolf, Roberto Cavalli und jetzt Rei Kawakubo: An den Ständern in den H&M-Shops hängt bald wieder eine Designer-Kollektion. Offiziell ist noch nicht bekannt, wie die Kleidung des japanischen Haute-Couture-Labels "COMME des GARÇONS" aussehen wird. Allerdings ist das eigentlich noch geheime Lookbook online schon in vielen Modeblogs aufgetaucht. Und die Gerüchte werden dadurch nicht weniger: Ein Kleid für 450 Euro? Die Kollektion wird nur in vier Shops verkauft? Ein Parfüm soll es auch geben? Am 8. November wird alles aufgeklärt und die Kollektion offiziell vorgestellt.
Rei Kawakubo, Chefdesignerin und Gründerin von COMME des GARÇONS, gilt als Visionärin und damit als eine der wichtigsten Modedesignerinnen und –designern der Gegenwart. Immer direkt am Zeitgeist, oft selbst dem voraus, stellt die Japanerin durch androgyne Schnitte in dunklen Töne den Sexismus der heutigen Gesellschaft und die übermäßige Verwendung von Farbe in Frage. In früheren Kollektionen hat sie die weibliche Silhouette mit wucherndem Stoff überzeichnet oder Kleidungsstücke auf links gedreht. Aus den nun sichtbaren Nähten wurde Dekoration. Den androgynen Look überspitzte sie mit Männerschuhen, weiten Männerhosen und Männersakkos. Die immer wortkarge Kawakubo beschreibt ihre Mode knapp mit: "Sie revolutioniert."
Tragbar?
Als die 66-Jährige in die Schule kam, stand Japan noch unter amerikanischer Militärherrschaft. Nach ihrem Literatur-Studium an der Keio-Universität begann sie als Stylistin in der Werbeabteilung eines Chemiekonzerns. Ihr Label COMME des GARÇONS gründete sie 1969. Nähen konnte Kawakubo allerdings nicht. Sie stelle eine Schneiderin ein, der sie Anweisungen gab. Doch der Funken zündete erst zwölf Jahre später, als Kawakubo auf der Pariser Fashion Week die Branche schockierte mit Löcher-Pullis, wie von Motten zerfressen, und Models, die in Kartoffelsack-förmige Kutten gehüllt und ungeschminkt waren. Modejournalisten und Designer sprachen entsetzt vom "post-atomaren Fetzenlook". Andere faszinierte, dass Kawakubos Kleider auftraten, als seien sie ein Kunstwerk. Ihre Schau war ein Angriff auf die oberflächliche Vorstellung, Mode habe nur etwas mit Schönheit und Erotik zu tun. Dass die Presse ihre grau-schwarzen Kutten mit Schlagbegriffen wie "Hiroshima Chic" verspotte, kommentierte sie nie. Deswegen hielten viele die Meldung, COMME des GARÇONS arbeite nun mit H&M zusammen, für einen Witz. Denn auch wenn Rei Kawakubo mittlerweile kein Kopfnicken, sondern Anerkennung erntet, fragen sogar schmerzfreie, abgebrühte Modekritiker, die längst alles gesehen haben, bei jeder Schau nach der Tragbarkeit ihrer unkonventionellen Klamotten. Die H&M-Kollektion hingegen sieht durchaus straßentauglich aus. Klar, nicht für jeden, und manche Stücke werden wohl auch nur der modeoffensten Fashionista gefallen und vor allem stehen, aber mit den meisten Sachen kann sich auch Max Mustermann anfreunden, denn auch Herrensachen sollen an den Kleiderstangen hängen und selbst für Kinder gibt es zwei, drei Teile.
Tragbar!
Spannend, ob enthusiastische Modefans mit strahlenden Augen und bepackten Armen durch den Laden hetzen, und sich, wie schon bei H&Ms letzten Design-Kollektionen von Lagerfeld und Cavalli, auch vor den Umkleidekabinen in der Kinderabteilung endlose Schlangen bilden werden. Doch bevor die Kollektion nach Europa kommt, wird die Kleidung erstmal in Kawakubos Heimatland Japan während der Eröffnung des zweiten H&M-Shops in Tokio gezeigt. Mal sehen, wie die modefreundlichen Japaner auf die Kleiderkunst-Kunstkleider reagieren werden. Nächste Woche: D wie Dos & Don'ts


Neue Magazin-Texte:

Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!

Textoptionen
Mehr Texte von
julia-finger
Mehr Texte zum Label
ModeABC
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
19 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

Terpsichore
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

04.10.2008 - 19:13 Uhr
Terpsichore

i love comme des garcones.

garamond
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

04.10.2008 - 20:19 Uhr
garamond

elbschlick sagte:
@Commodore
Dieses ständige unsubstantiierte Kritisieren nervt einfach nur.
Scheinst wohl selbst eine Möchtegern-Journalist zu sein, dessen Qualitäten aber nicht ausreichen.
Mein Tip:
Wenn man zum Inhalt des Artikels nichts beizutragen hat, am besten die Klappe halten.


äh, mit seinem beitrag hat commodre doch mehr zum inhalt des textes gesagt als du oder etwa nicht? wo trägtst du mit deinem beitrag da oben was zum inhzalt bei? nirgendwo oder eta nicht? ich mit diesem bietrag uah nicht, schon klar! :-P

susette
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

05.10.2008 - 14:42 Uhr
susette

mal was anderes: silhuette - ist das neue rechtschreibung? jetzt echt? und warum dann nicht siluette, das h spricht man ja auch nicht mit?

und ja, kopieren und keine quellen angeben ist nicht gerade großartig.

Guenther_Maria_Juana
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

05.10.2008 - 20:55 Uhr
Guenther_Maria_Juana

@susette: Das Wort hieß schon immer Silhouette ...

susette
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

05.10.2008 - 21:40 Uhr
susette

Guenther_Maria_Juana sagte:
@susette: Das Wort hieß schon immer Silhouette ...


vorhin stand da silhuette. und bei der rechtschreibreform kann man ja nie wissen! sag selbst: portmonee ...

Guenther_Maria_Juana
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

05.10.2008 - 22:01 Uhr
Guenther_Maria_Juana

Tatsächlich, das wurde eingebürgert! Sieht aber trotzdem falsch aus. Ich bleibe bei Portemonnaie oder Geldbeutel. So. :-D

susette
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

05.10.2008 - 22:04 Uhr
susette

ja, eben. "die silhouette des portmonnaies mit dem delphin ähnelt einem känguruh" würde ich auch schreiben. wenn ich das schreiben würde.

milagro
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

07.10.2008 - 13:51 Uhr
milagro

bestgucci sagte:
Ich kenne den Begriff „chucks“ nur als Bezeichnung für ein Schuhtyp nicht aber als Marke?

ich hab bis heute keinen schimmer was das ist, schuh oder marke *g*

royhuschenbeth
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

12.10.2008 - 14:07 Uhr
royhuschenbeth

converse chuck taylor ~ nike air jordan

Zurück Seite 1 2

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

julia-finger unbekannt

julia-finger

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.


Berlin