30.09.2008 - 19:00 Uhr

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Ich bin zu prüde für diese Welt

Text: yvonne-gamringer - Bild: dpa

Wir sollen Analsex ausprobieren. Wir sollen uns über Mösensäfte unterhalten. Wir sollen uns nicht so haben! Nur doof, wenn man merkt, dass man für all das ein klein wenig zu prüde ist

Neulich, es war eine dieser plötzlich erscheinenden und alles erhellenden Erkenntnisse, erkannte ich mit einem Mal: Ich bin prüde – durch und durch. An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Diese Erkenntnis hat mein Selbstbild nachhaltig erschüttert. Bislang war ich nämlich davon ausgegangen, dass ich ein verhältnismäßig offener Mensch bin – auch in sexueller Hinsicht. Schließlich bin ich ein sexuelles Wesen und hatte und habe Sex. Schon öfter. Mit verschiedenen Partnern. Nicht immer nur im Bett, nicht immer nur in einer Dings, äh, Stellung. Ich kann auch verschiedene Namen für Geschlechtsteile aufzählen, ohne rot zu werden. Und natürlich weiß ich, dass meine Art Sex zu machen (die Hetero-Durchschnittsvariante), nicht die allein seligmachende ist.
All das weiß ich, all das kann ich. Aber das genügt offensichtlich nicht, um als einigermaßen lockerer Mensch durch diese Zeit zu gehen.
Das hier sind Vibratoren. Sie heißen Paulchen und Fritzzz

Dafür braucht es anscheinend mehr. Man sollte in der Lage sein, hoch gelobte Fernseh-Serien wie die eben angelaufenen „Californication“ super zu finden, auch wenn jedes zweite Wort in der unmöglichen Synchronfassung „Mösensaft“, „Möse“, „Ficken“ und – ganz schön harmlos - „Schwanz“ lautet. Als Frau sollte man am Besten mindestens einen Vibrator sein eigenen nennen und auch nicht so verdammt verklemmt damit umgehen, sondern den Besitz desselben stolz wie eine Monstranz vor sich hertragen. Man sollte gerne Pornos gucken. Und im lokalen Sexshop sollte man sich auch regelmäßig blicken lassen – jetzt, wo sie sich so viel Mühe geben, ihre Marketingstrategie auf Kundinnen auszurichten.

Mit all dem kann ich nun aber leider nicht dienen.

Nicht dass wir uns da falsch verstehen: Ich finde Frauen bewundernswert, die über ihre Vibratorensammlung so locker plaudern, wie andere über ihre DVD-Sammlung. Und wenn sie in ihrer Freizeit gerne in Sexshops gehen, dann applaudiere ich ihnen herzhaft zu ihrer Courage und ihrem proaktiven Umgang mit ihrer Sexualität. Finde ich gut, wirklich gut. Und wenn jemand gerne anderen Menschen beim Geschlechtsverkehr zusieht, weil ihn das ganz kitzelig macht, dann soll der das bitte tun.
Nur: Ich selbst kann damit nicht dienen. Ich kann nicht in Sexshops gehen. Ich habe es wirklich versucht. Aber meine Angst ist viel zu groß, ich schäme mich vor potentiellen Mitkunden und am meisten Panik habe ich, aus dem Laden hinaus- und in einen entfernten Bekannten hineinzustolpern. Ich kann mich auch nicht dazu überwinden, Filme anzusehen, in denen andere Menschen unanständige Dinge miteinander unternehmen.
Klar, ich weiß: Ist doch total natürlich, Sex macht jeder, auch deine Eltern..

Nachricht an alle Frauen: Probiert unbedingt Analsex

Aber ich bevorzuge es, darüber hinwegzusehen und diesen Gedankenkomplex zu verdrängen. Dumm nur, dass Verdrängen nicht so gut geht, wenn ständig Meldungen im „Vermischten“ stehen, wie diese hier gestern: Die bislang als Disneyprinzessinnen-Darstellerin bekannte Schauspielerin Anne Hathaway gibt sich in einem demnächst erscheinenden Interview mit der Herrenzeitschrift Esquire ganz besonders freizügig und besingt die mannigfachen Vorteile von Analsex. „Jede Frau“, so Hathaway, „sollte es ausprobieren, will sie nicht etwas Großartiges verpassen.“ Durch die Anale Penetration habe sie sich ganz besonders weiblich gefühlt.
Alles klar. Danke für die Information. Beziehungsweise: nicht.
Nicht dass mich die Frau so wahnsinnig interessieren würde. Aber von nun an werde ich bei ihrem Anblick an Analsex denken und ihre direkte Aufforderung an mich und alle anderen Frauen dieser Erde, es ihr gleichzutun, geht mir – offengestanden – gehörig auf die Nerven. Ich habe als einer der wenigen Menschen in Deutschland darauf verzichtet, Charlotte Roches Meisterwerk „Feuchtgebiete“ zu lesen, weil ich mich mit Analfisteln nicht beschäftigen will. Obwohl ich es natürlich theoretisch toll finde, dass Roche mal so ganz nebenher ein ganzes Dutzend Tabus gebrochen hat. Theoretisch.
Ich will auch nicht als Abo-Prämie für eine Frauenzeitschrift ein Sexspielzeug bekommen. Obwohl ich natürlich nachvollziehen kann, dass das als unangepasst daherkommende Botschaft verstanden werden soll für die sexuelle Selbstbestimmung der Frau.
All diese Dinge finde ich theoretisch wirklich und wahrhaftig gut. Praktisch würde ich es vorziehen, nicht damit behelligt zu werden. Auch auf die Gefahr hin, weiterhin als ganz besonders prüde Person durchs Leben zu wandeln.


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rousseau
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 19:18 Uhr
rousseau

Du bist zu prüde für diese Welt, sagst Du (Autorin).

Ok, das steht dir doch zu diese Position zu beziehen.

Aber was soll der Inhalt dieses Textes sein
und was soll deine "Theorie" sein?

Der Text sagt nichts, ist fast vollkommen informationsleer.

Oder habe ich etwas übersehen?

spiegelei
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 19:32 Uhr
spiegelei

So isses. So und nicht anders. Danke, und glaub mir, du bist alles andere als allein.

Wochenendzyniker
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 19:59 Uhr
Wochenendzyniker

Liebe Autorin,

kann uns das, was irgendwelche Leute, die du und ich nicht kennen, für "in" erklären, nicht scheißegal sein? Wenn wasweißichwer wieder hinausposaunt wie hip doch Berlin oder London oder weißderteulfelwas sei, ist mir das doch auch wurscht. Also muss ich auch im Bett (wo außer meiner Freundin und mir eh keiner weiß, was da passiert) nicht auf das hören, was die erzählen.

Am verkrampftesten sind doch immer noch die Leute, die um jeden Preis unverkrampft sein wollen.

rousseau
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:01 Uhr
rousseau

Wochenendzyniker sagte:
Liebe Autorin,

kann uns das, was irgendwelche Leute, die du und ich nicht kennen, für "in" erklären, nicht scheißegal sein? Wenn wasweißichwer wieder hinausposaunt wie hip doch Berlin oder London oder weißderteulfelwas sei, ist mir das doch auch wurscht. Also muss ich auch im Bett (wo außer meiner Freundin und mir eh keiner weiß, was da passiert) nicht auf das hören, was die erzählen.

Am verkrampftesten sind doch immer noch die Leute, die um jeden Preis unverkrampft sein wollen.


Da ist wohl was dran.
Gerade deshalb, weil jeder das Recht hat, in gewissen Grenzen, zu sein wie er mag, ist mir auch nicht klar, was die Aussage des Textes sein soll.
Er liesse sich ohne Verluste auf eine Zeile zusammenkürzen:
Ich bin prüde.

lisa_laughs
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:17 Uhr
lisa_laughs

@ russeau: Prosa ist aber nicht dazu da, dass man sie auf eine Zeile zusammenkürzt. Das ist ja sozusagen gerade der Witz daran. Es stand ja auch nirgendwo was von einer neuen Theorie. Also, so what?

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:22 Uhr
ein_oxymoron

eine aussage des textes ist z.b., dass die autorin dazu steht, pruede zu sein. das finde ich gut. und wenn sich diese einstellung verbreitet und auch bei den marketingheinis rumspricht, kann ich vielleicht auch mal wieder in einen sexshop gehen, ohne dass mir vor lauter rosa und lila und haeschen, schmetterlingen und delphinen (seit wann ist eigentlich sodomie in mode??) die libido schreiend davonrennt.

rousseau
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:22 Uhr
rousseau

lisa_laughs sagte:
@ russeau: Prosa ist aber nicht dazu da, dass man sie auf eine Zeile zusammenkürzt. Das ist ja sozusagen gerade der Witz daran. Es stand ja auch nirgendwo was von einer neuen Theorie. Also, so what?


Neue Theorie nicht, stimmt.
Aber das Label des Textes heisst: Meine Theorie.
Das lässt ja darauf warten, dass die Autorin hier eine Theorie schildert.
Ich finde hier aber nur ihre Aussage, dass sie prüde ist.
Nicht mehr und nicht weniger.

Nunja, natürlich darf ich hier keine wissenschaftliche Abhandlung erwarten, deshalb ist mein Kommentar zu diesem Text
wohl etwas ungerecht(fertigt).

kachel
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:26 Uhr
kachel

Ich finde Frauen, die über ihre Vibratorensammlung reden, nicht bewundernswert sondern nervtötend.

Ich bin wohl noch prüder als prüde und außerdem total uncool. Is mir aber scheißegal.

rousseau
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:30 Uhr
rousseau

ein_oxymoron sagte:
eine aussage des textes ist z.b., dass die autorin dazu steht, pruede zu sein. das finde ich gut. und wenn sich diese einstellung verbreitet und auch bei den marketingheinis rumspricht, kann ich vielleicht auch mal wieder in einen sexshop gehen, ohne dass mir vor lauter rosa und lila und haeschen, schmetterlingen und delphinen (seit wann ist eigentlich sodomie in mode??) die libido schreiend davonrennt.


Ein Sexspielzeug in der Formgebung eines Delphins
hat, meiner Meinung nach, noch nichts mit Tiersex zu tun 8)
Das empfinde ich doch als etwas weit hergeholt.

ein_oxymoron
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Mag ich Mag ich nicht

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30.09.2008 - 20:36 Uhr
ein_oxymoron

rousseau sagte:
Ein Sexspielzeug in der Formgebung eines Delphins
hat, meiner Meinung nach, noch nichts mit Tiersex zu tun 8)
Das empfinde ich doch als etwas weit hergeholt.

also ich finde das schon sehr merkwuerdig. in -meinen- koerperoeffnungen haben niedliche tiere jedenfalls nichts zu suchen, und grelle farben auch nicht. aber vielleicht bin ich dazu ja zu pruede, haha.

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