28.09.2008 - 19:10 Uhr

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„Es kommen immer die Falschen“

Text: sascha-chaimowicz - Illustration: Katharina Bitzl

Der Elternabend ist gefürchtet, weil Mama und Papa erfahren, wie es wirklich in der Schule steht. Aber was denken die Lehrer über Mama und Papa?

In vielen deutschen Schulen steht er jetzt an, der Tag, an dem man als Schüler bang zu Hause sitzt und grübelt, was der Lehrer wohl gerade den Eltern über die eigene Person zusteckt. Am Elternsprechtag kommt also die Wahrheit über Schüler ans Licht – aber was denken die Lehrer über die Eltern? jetzt.de hat vier Pädagogen in München nach ihren Erlebnissen am Elternsprechtag gefragt.
Eine Hauptschullehrerin, seit 20 Jahren im Dienst: „Elternsprechtage bei uns sind für die Katz’. Wenn überhaupt Eltern kommen, dann die Eltern, deren Kinder in der Schule keine Schwierigkeiten haben. Bei den echten Problemkindern lässt sich kein Mensch blicken, keiner kümmert sich um sie. Neunzig Prozent meiner Schüler sind Ausländer – deren Eltern kommen oft als Pärchen. Meistens kann aber nur einer der beiden Deutsch. Der andere Elternteil, meist die Mutter, sitzt dann devot neben ihrem Mann und schweigt. Manchmal ist auch ein Cousin da, der den Eltern übersetzt. Was häufiger vorkommt, sind baggernde Männer. Erst neulich kam ein Mann herein, mit weit geöffnetem Hemd, dicker Goldkette – ein Mann vom Typ Zuhälter, der mich heftigst angemacht hat. Dann gibt es noch einen italienischen Vater, der mir ständig Hustenbonbons aufdrängen will. Der baggert nicht um zu schleimen oder um für seine Tochter bessere Noten rauszuholen, sondern weil er ein Depp ist. Was mich so frustriert an diesen Elternsprechtagen, ist ihre Sinnlosigkeit. Wir erreichen nie diejenigen, die wir erreichen müssten. Vielleicht leiden manche meiner Schüler unter einer schlimmen Familiensituation, unter alkoholkranken Väter, Gewalt und so weiter; doch wir Lehrer erfahren das dann nicht. Ich glaube, viele ausländische Eltern kommen nicht, weil sie sich schämen oder Berührungsängste haben. Sie schämen sich dafür, kein Deutsch zu sprechen, oder dafür, dass sie arm sind. So kommt es, dass oft an unseren Elternabenden nicht mehr als drei oder vier Eltern da sind. Und meine Hauptschule gehört noch zu den besseren.“ Ein Gymnasiallehrer für Mathe und Physik, seit 13 Jahren im Dienst: „Was mir auffällt ist, dass Eltern immer größere Erwartungen an die Schulen haben. Das hat viel mit den Medien zu tun. Gutes Klassenklima und ein reichhaltiges Angebot an außerschulischen Aktivitäten sind ihnen zum Beispiel wichtig. Viele überengagierte Eltern verschätzen dann die Unterrichtssituation und verlangen von mir beispielsweise, jedes Mal daheim anzurufen, wenn der jeweilige Schüler sich danebenbenimmt. Auf was ich wirklich sehr achte, ist, nicht über die Kinder herzuziehen. Das bedeutet, Negatives einfach positiv einzupacken. Ich habe selbst Kinder und weiß, dass es weh tut, wenn Lehrer Schlechtes über die eigenen Kinder berichten. Ich brauche die Eltern auch nicht, um zu petzen. Wenn ich es im Klassenzimmer nicht schaffe, die Kinder zu motivieren, dann ist das mein Problem. Von Kollegen bekomme ich aber schon auch Anderes mit. Da gibt es welche, die richtig die Sau rauslassen und sich heiß reden. Mir sind auf Elternsprechtagen auch schon peinliche Pannen passiert. Einmal habe ich mit einer Mutter zehn Minuten lang über das falsche Kind gesprochen. Ich hatte eine Laura in der 8. und eine in der 9. Klasse. Die habe ich eben verwechselt. Am Schluss ist mir dann aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann. Glücklicherweise waren sich beide Schülerinnen auf eine Art sehr ähnlich.“
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