Machen wir nur wegen der Karriere Freiwilligendienst?
Mehrere Medien fragen in jüngster Zeit, was uns treibt, uns in der Entwicklungshilfe zu engagieren? Ist es Egoismus? Ein paar Gedanken über die neuen "Internationalisten"
Im Mai hatte sich schon das SZ-Magazin über Egotrips ins Elend beschwert. Und jetzt eben "Die Zeit". Als Ziel fest fixiert ist die „Bewegung der neuen Internationalisten“, das „Lebensgefühl NGO“ – junge Freiwillige also, die zum Helfen in die Dritte Welt gehen. „Dient es dem Guten – oder bloß der Karriere?“, fragt Rudolf Novotny in der aktuellen Ausgabe der "Zeit". Zumindest der alte Immanuel Kant würde sich an der Debatte erfreuen. Der sagt, etwas vereinfacht: Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu! (Und andersherum.) Er behauptet weiterhin, wichtiger für die Debatte: Wenn du Gutes ungern tust, ist das um so besser! Und: Schande über den, der etwas davon hat, dass er anderen hilft! Die neuen Internationalisten versuchen, so meint es Rudolf Novotny erkannt zu haben, Karriere und Helfen zu vereinen – und das treibe sie hordenweiße in die Dritte Welt.
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Nach Feierabend mal eben in den Bus nach Tel Aviv zu steigen um dort Party zu machen ist dann halt doch cooler als sich auf den Weg nach Gelsenkirchen zu machen. Den freien Tag am Mittelmeer im Schatten eines römischen Viaduktes (Caesarea) zu verbringen ist auch sehr lässig.
Muss aber sagen dass ich ohne den Zwang (Zwang im Sinne von Bundeswehr oder Zivi) das nicht gemacht hätte und das wäre schade gewesen, nicht nur wegen des Mittelmeeres sondern auch weil man beim Zivi eine Menge lernt, fürs Leben und so. Kann nun nämlich streifenfrei wischen und in nullkommanix Riesenberge an Abwasch erledigen und kann gleichzeitig füttern und selber frühstücken, sowohl rechts- als auch linksrum.
19.09.2008 - 20:13 Uhr
soylentyellow
Das ist doch schon mal was, ich durfte/musste nämlich Flug und Krankenversicherung selber löhnen...was schon irgendwie eine unnötige Hürde ist - bezahlen um helfen zu dürfen? Das muss man sich erst einmal leisten können und auch leisten wollen.
Das war zwar im Endeffekt nicht sooo viel Geld (exakt so viel wie ein Monat Autofabrik) aber dennoch eine enorme (psychologische) Hürde.
Außerdem bekommt man die Hearts and Minds vieler Menschen in den entsprechenden Ländern nie wieder für so wenig Geld, die Freiwilligen tun als kleine Botschafter auch mehr für das Image Deutschlands als jede noch so teure Werbekampagne.
Ich glaube deshalb dass man kann sein Geld als Bundesrepublik Deutschland selten so gut anlegen kann wie bei einem solchen Programm. Außerdem bekommt man weltgewandtere und fremdsprachenkenntnisreichere Bürger zurück die, nach ihrer Rückkehr sicherlich die deutsche Bürokratie oder immer elektrischen Strom verfügbar zu haben etc mehr wertschätzen als vorher, denn auch wenn sie kompliziert ist, man weiß erst was man hat wenn man längere Zeit darauf verzichten musste.
wenn ich so etwas lese, krieg ich echt die krätze. der alte kant hätte euch dafür vermutlich mit nem besen verprügelt.
falsche debatte. entwicklungshilfe und freiwilligendienst sind grundverschieden (und werden hier auch nicht vermischt). es geht beim freiwilligendienst um helfen nicht um hilfe. der autor scheint klar zu unterscheiden (im gegensatz zu dem typen von dem das zitat am ende ist). und ob entwicklungshilfe sinnvoll ist, ist eine ganz andere frage.
Geht man her und sagt "ich leite ne Sportgruppe in Bolivien" sagen alle "Ey geil, erzähl mal, ist bestimmt totaaaaal supercooooool und so".
Was ich damit sagen will: wer sich ernsthaft sozial engagieren will, kann das auch daheim. Aber ha, meistens ist es ja so, dass das soziale Engagement mit Ende des FSJ ebenfalls endet.
Ich bin mir nahezu sicher dass es den meisten nicht um Entwicklungshilfe geht, sondern um "Auslandsaufenthalt". Was man da konkret nun macht, ist doch egal.
versteh ich nicht. wieso denn grundverschieden? die freiwilligendienstler im ausland kommen doch wohl vornehmlich in der entwicklungshilfe unter, nicht? "es geht um helfen nicht um hilfe"??
Ich war auch im Ausland studieren, vermeide es aber Leuten die sowas nicht gemacht haben irgendeine Form "Defizit" vorzuwerfen.
Und streifenfreies Putzen und Spülen in Verbindung mit dem Ausland hervorzuheben ist auch etwas seltsam. Das lernt man spätestens, wenn man zu Hause auzgezogen ist.
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#1...
21.09.2008 - 05:58 Uhr
electrolux
"Wie Agrargeschäft und Versorgungsnöte zusammengehören und wie sie politisch betreut werden"
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#5
"10 Schuldenerlasse hat es seit 1996 gegeben – seither ist zur "Dritten Welt" eine "Vierte" und eine "Fünfte" hinzugekommen:
Die "Armutsbekämpfung" macht Fortschritte"
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#7...
"Schuldenerlass für die 3. Welt, Kampf gegen Armut und Korruption als "Millenniumsziel"
Der Imperialismus gibt sich menschlich:
Halb Afrika wird Almosen-Protektorat"
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#8...
der artikel sagte:
Er behauptet weiterhin, wichtiger für die Debatte: Wenn du Gutes ungern tust, ist das um so besser!
das ist quatsch. wenn das so weitergeht, komme ich gleich mit dem feuerhaken.
achja, es tut mir leid, dass wir niemanden entführen, um unseren unmut auszudrücken. im übrigen sehe ich darin auch gar keinen nutzen, wenn ich's verpatz, land ich im knast. und dann hab ich voll geil in meiner jugend voll krass einen auf voll radikal gemacht und so aber erreicht hab ich nichts.
und das heißt nicht, dass ich alles kommentarlos hinnehme, was mir vorgeworfen wird.
Und das Schöne ist: Diese Pseudo-Philosophie trägt überhaupt nichts zum Thema des Artikels bei. Weglassen wäre besser gewesen, oder wie "Kant sagte: In der Kürze liegt die Würze."
21.09.2008 - 14:38 Uhr
wendehals
Am besten mit einem FSJ im Ausland.
mouton sagte:
So falsch ist doch "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu" gar nicht^^ macht den armen redakteur nicht so fertig^^
Ähm, als Verhaltensregel ist es tatsächlich nicht die schlechteste (siehe Wikipedia "Goldene Regel"). Bei Kant steht aber genau, weshalb diese Regel trotzdem fehlerbehaftet ist.
Wenn der "arme Redakteur" also diese Regel als Kant-Interpretation einfach so ausgibt, ohne seine Augen bei der Lektüre zu öffnen (oder wenigstens zu recherchieren), dann darf er getrost "fertig gemacht" werden.
So einfach ist das.
wäre hätte hier bitte nicht lieber gelesen: „demnach muss ein jedes vernünftige wesen so handeln, als ob es durch seine maximen jederzeit ein gesetzgebendes glied im allgemeinen reich der zwecke wäre.“
plöder, plöder, plöder reakteur!
Ansonsten spielt es keine Rolle die Motivation hinter dem Engagement zu hinterfagen - es gibt für jeden individuelle Gründe.
Und 'etwas im Lebenslauf stehen zu haben' ist nicht der schlechteste Grund.
22.09.2008 - 09:23 Uhr
DagnyTaggart
wendehals sagte:
Ach ja: Und sollte tatsächlich irgendjemand *nur* aus Karriere-Lebenslauf-Gründen ein FSJ im Ausland machen (etwa im indischen Ghettokindergarten), der gehört bestraft.
Am besten mit einem FSJ im Ausland.
Ach? FSJ darf man deiner Meinung nur machen, wenn man keinen Spass dabei hat?
Unlovable sagte:
Und streifenfreies Putzen und Spülen in Verbindung mit dem Ausland hervorzuheben ist auch etwas seltsam. Das lernt man spätestens, wenn man zu Hause auzgezogen ist.
genau, und beim bund sowieso. ausserdem hat man, wenn man das mit dem entwicklungshilfeding richtig anstellt, im dritte-welt-ausland personal zum fensterputzen und spuelen. dadurch schafft man nebenbei noch arbeitsplaetze, was im zweifelsfalle besser und wirkungsvoller ist als die sogenannte entwicklungshilfe an sich.
Haha.
Nein, ich glaube bloß, dass ein FSJ (gerade im "schwierigen" Ausland) nicht immer ganz gemütlich ist, ich kenne zwei Leute, die ihres verfrüht abgebrochen haben - einfach weil sie meinten, der psychischen Belastung nicht mehr gewachsen zu sein.
Wenn also jemand so ein Jahr ohne einen Funken Idealismus auf sich nimmt, sondern nur weil er bei seiner Bewerbung eine schicke Zeile mehr im CV haben möchte... bitte sehr. Selbst schuld.
ShesSoHigh sagte:
du meinst der abiturient im Entwicklungsland hat dann Personal in seinem... riesenhaus, ja?
Haha.
also ich hatte das. das war allerdings auch kein fsj, diese selbstverwirklichungstrips direkt nach dem abi sind ja eh ein ziemlicher mumpitz.
Viel besser: erst was Ordentliches lernen, dann als Freiwilliger mit Ärzte ohne Grenzen ins Ausland gehen (dafür muss man kein Arzt sein).
NeueAubergine sagte:
Viel besser: erst was Ordentliches lernen, dann als Freiwilliger mit Ärzte ohne Grenzen ins Ausland gehen (dafür muss man kein Arzt sein).
Ganz recht.
Aber ansonsten sollte man m.E. erst die Resultate bewerten, bevor man nach motivationen fragt!
Gesetzt den fall, es wird tatsaechlich etwas positives bewirkt, dann ist es doch zumindest zweitrangig, wenn die Motivation nicht ganz so selbstlos war.
lieber was tun mit multiplen motivationen, als nichts tun aus lauter angst, die motivation ist nicht ganz p.c.
SnowFrightenedSneakers sagte:
Gesetzt den fall, es wird tatsaechlich etwas positives bewirkt, dann ist es doch zumindest zweitrangig, wenn die Motivation nicht ganz so selbstlos war.
.
genau!
hätte ich nicht schöner sagen können.
und selbst wenn die freiwilligen helfer schlecht ausgebildet sind und die hilfe insgesamt vielleicht ein bißchen ineffizient, so lernen sie etwas im ausland, dass sie, so leid es mir tut, nicht lernen, wenn sie zu hause bleiben. sie lernen den umgang mit einer anderen kultur und in ihr zu leben. und deswegen sollten das so viele junge menschen machen, wie möglich. denn ich denke, es gibt kein besseres mittel, langfristig etwas gegen fremdenhass zu unternehmen, oder?
Ich bin auch gerade mit weltwärts unterwegs und kann euch sagen, dass ich bei einigen Freiwilligen hier wirklich das Gefühl hab, dass die Steuergelder da zum Fenster rausgeschmissen wurden (deren Einstellung: Ich bin hier der King, ich erfreue mich am niedrigen Preisniveau scheiß auf meine Arbeit hier).
Jedoch weiß ich spätestens seit dem Vorbereitungsseminar in Deutschland (und das war thematisch recht anspruchsvoll und ziemlich vollgestopft), dass der allergrößte Teil der Freiwilligen mit dem Willen geht, im Land Gutes zu tun. Die Leute waren ganz geschockt und bekamen ein schlechtes Gewissen, als sie hörten, dass sie keinesfalls Entwicklungshelfer werden sondern einfach nur im Ausland arbeiten werden und viel viel mehr bekommen als sie geben.
Es läuft auch offiziell nicht unter Entwicklungshilfe, die Regierung erhofft sich von der ganzen Sache einfach, dass die Freiwilligen sog. "Interkulturelle Kompetenzen" erlangen und nach Deutschland bringen.
Viele haben es auch zumindest Phasenweise ziemlich schwer im Ausland. Wenn man aus "niederen Beweggründen" wie Karrieregeilheit im Ausland ist, hält man das meiner Meinung nach gar nicht oder nur sehr schwer aus. Man muss schon bereit sein und es muss einem am Herzen liegen, dass man die fremde Kultur animmt und eben auch mal in einer klapprigen Hütte schlafen, in der es Ratten gibt (und das sag ich jetzt nicht um es zu überspitzen, das ist wirklich so). Als Karrieregeile würde ich mir dann schon lieber ein schickes Praktikum in New York suchen, um meinen Lebenslauf zu pimpen.
Ob weltwärts nun von Steuergeldern bezahlt werden sollte oder nicht, das weiß ich selbst nicht genau.
Aber es ist auf jeden Fall einfach unfair und viel zu schnell beurteilt, wenn man allen Freiwilligen vorwirft, dass sie einfach nur einen Egotrip starten wollen (und diese Vorwürfe kommen ja zumeist sogar von Leuten, die sich mit dem Thema nicht mal wirklich beschäftigt haben, geschweigedenn in die Struktur von weltwärts geblickt haben und mal Freiwillige getroffen und sich mit ihnen über ihre Beweggründe unterhalten haben).
Und die derzeitige Entwicklungspolitik der BRD ist durchaus mal zu hinterfragen.
Dass man als Individuum Spaß daran haben kann, weit zu reisen, Kulturen kennen zu lernen und nebenbei auch noch eine sinnvolle Aufgabe zu haben, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Ausland, Freiwilligenarbeit, Praktikum bei den relevanten NGOs - hab ich selbst alles auch gemacht. Aber das muss ja nicht von der Bundesregierung finanziert werden. Und dass Argument Gerechtigkeit und Changengleichheit (es sollten ja schon alle die Möglichkeit haben, zu gehen) finde ich ein bisschen überzogen in diesem Kontext. Da brauchen wir erstmal Chancengleichheit an ganz anderen Stellen.








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19.09.2008 - 19:12 Uhr
Shorebilly
karrieregeiler entwicklungshelfer mit pragmatismusueberschuss: ich.