19.09.2008 - 19:00 Uhr

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Machen wir nur wegen der Karriere Freiwilligendienst?

Text: hannes-kerber - Foto: weltwaerts.de

Mehrere Medien fragen in jüngster Zeit, was uns treibt, uns in der Entwicklungshilfe zu engagieren? Ist es Egoismus? Ein paar Gedanken über die neuen "Internationalisten"

Im Mai hatte sich schon das SZ-Magazin über Egotrips ins Elend beschwert. Und jetzt eben "Die Zeit". Als Ziel fest fixiert ist die „Bewegung der neuen Internationalisten“, das „Lebensgefühl NGO“ – junge Freiwillige also, die zum Helfen in die Dritte Welt gehen. „Dient es dem Guten – oder bloß der Karriere?“, fragt Rudolf Novotny in der aktuellen Ausgabe der "Zeit". Zumindest der alte Immanuel Kant würde sich an der Debatte erfreuen. Der sagt, etwas vereinfacht: Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu! (Und andersherum.) Er behauptet weiterhin, wichtiger für die Debatte: Wenn du Gutes ungern tust, ist das um so besser! Und: Schande über den, der etwas davon hat, dass er anderen hilft! Die neuen Internationalisten versuchen, so meint es Rudolf Novotny erkannt zu haben, Karriere und Helfen zu vereinen – und das treibe sie hordenweiße in die Dritte Welt.
Angenommen, Karrieregeilheit wäre der vornehmste Beweggrund, der freiwillige Helfer motiviert, Zeit, Geld und Energie zur Verfügung zu stellen: Was wäre so schlimm daran? Organisationen in der Dritten Welt, die junge Karrieristen benötigen, erhalten diese. Junge Karrieristen erhalten ein Abenteuer für den Lebenslauf. Unternehmen erhalten junge Karrieristen mit Fremdsprachen- und Auslandserfahrung. Außer einem Gefühl im Bauch, das dem, der gegen seinen Willen anderen hilft, mehr Ehre einräumen möchte als einem neuen Internationalisten, bleibt nicht viel. Eine andere Frage stellt sich aber: Sind die neuen Internationalisten die „traurigen Streber“, über die sich "Die Zeit" Ende August ereiferte? Unpolitisch und inkonsequent sollen sie sein, die neuen Internationalisten. Und „pragmatisch bis zum Opportunismus“, dazu noch – jetzt kommt’s! - „unideologisch“ und „global.“ Die traurigen Streber sind zudem charakterlos und unpolitisch und auf dem besten Wege, die nächsten Haifische des Großkapitals zu werden: Sie wollen „an der Spitze jener Hackordnung stehen, die für das Leben gehalten wird.“ Diese Kritik scheint zu treffen, denn ein Haifisch bleibt ein Haifisch, auch wenn man’s nicht allzu gut beweisen kann. Und was die traurige strebsame Jugend der Nullerjahre vor allem nicht ist: Sie ist nicht die aufbegehrende Jugend von Achtundsechzig. Der Wille zur Macht hat den Willen zum politischen Handeln ersetzt, die Visionen sind wohl auf der Strecke geblieben. An dieser Stelle muss man fragen: Wie passt das mit den neuen Internationalisten und ihrem „Lebensgefühl NGO“ zusammen? Mit dem „vielleicht etwas naiven Glauben an eine bessere Welt“, den Rudolf Novotny bei ihnen erkennt? Vielleicht gibt es ja doch zwei Jugenden? Novotny schreibt aber, dass der heutige Idealismus die Internationalisten an die Seite des Staates treibe: Der „kreative Elan (reicht) aber offensichtlich nur bis zum Ausfüllen der Bewerbung für ein Regierungsprogramm.“ Gemeint ist unter anderem weltwärts, der noch junge Freiwilligendienst der Bundesregierung, der größte dieser Art in Europa. Er bezuschusst Entsendeorganisationen, damit Freiwillige gut organisiert, ordentlich versichert und dazu kostenfrei in die Dritte Welt fahren können, um zu helfen. Novotny aber zitiert den Einwand eines Berliner Studenten, auch ein ehemaliger Freiwilliger: „Früher war Entwicklungshilfe ein Abenteuer, heute vereint sie drei reizvolle Aspekte: Sinnstiftung, Weltgewandtheit und die Sicherheit einer bürgerlichen Karriere.“ Mag ja sein. Aber was bitte wäre so schlimm daran?


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Shorebilly
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Mag ich Mag ich nicht

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19.09.2008 - 19:12 Uhr
Shorebilly

genauso laeuft's.

karrieregeiler entwicklungshelfer mit pragmatismusueberschuss: ich.

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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19.09.2008 - 20:04 Uhr
soylentyellow

Ich hab meinen Zivi im Ausland gemacht weil ich nicht zur Bundeswehr wollte (Pazifist und so) und da es die Möglichkeit dazu gab den Zivi auch im Ausland zu machen habe ich diese Gelegenheit eben genutzt.

Nach Feierabend mal eben in den Bus nach Tel Aviv zu steigen um dort Party zu machen ist dann halt doch cooler als sich auf den Weg nach Gelsenkirchen zu machen. Den freien Tag am Mittelmeer im Schatten eines römischen Viaduktes (Caesarea) zu verbringen ist auch sehr lässig.

Muss aber sagen dass ich ohne den Zwang (Zwang im Sinne von Bundeswehr oder Zivi) das nicht gemacht hätte und das wäre schade gewesen, nicht nur wegen des Mittelmeeres sondern auch weil man beim Zivi eine Menge lernt, fürs Leben und so. Kann nun nämlich streifenfrei wischen und in nullkommanix Riesenberge an Abwasch erledigen und kann gleichzeitig füttern und selber frühstücken, sowohl rechts- als auch linksrum.

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19.09.2008 - 20:13 Uhr
soylentyellow

"Er [der Freiwilligendienst weltwärts] bezuschusst Entsendeorganisationen, damit Freiwillige gut organisiert, ordentlich versichert und dazu kostenfrei in die Dritte Welt fahren können, um zu helfen."

Das ist doch schon mal was, ich durfte/musste nämlich Flug und Krankenversicherung selber löhnen...was schon irgendwie eine unnötige Hürde ist - bezahlen um helfen zu dürfen? Das muss man sich erst einmal leisten können und auch leisten wollen.

Das war zwar im Endeffekt nicht sooo viel Geld (exakt so viel wie ein Monat Autofabrik) aber dennoch eine enorme (psychologische) Hürde.

Außerdem bekommt man die Hearts and Minds vieler Menschen in den entsprechenden Ländern nie wieder für so wenig Geld, die Freiwilligen tun als kleine Botschafter auch mehr für das Image Deutschlands als jede noch so teure Werbekampagne.

Ich glaube deshalb dass man kann sein Geld als Bundesrepublik Deutschland selten so gut anlegen kann wie bei einem solchen Programm. Außerdem bekommt man weltgewandtere und fremdsprachenkenntnisreichere Bürger zurück die, nach ihrer Rückkehr sicherlich die deutsche Bürokratie oder immer elektrischen Strom verfügbar zu haben etc mehr wertschätzen als vorher, denn auch wenn sie kompliziert ist, man weiß erst was man hat wenn man längere Zeit darauf verzichten musste.

lafuxa
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19.09.2008 - 22:20 Uhr
lafuxa

"Zumindest der alte Immanuel Kant würde sich an der Debatte erfreuen. Der sagt, etwas vereinfacht: Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu! (Und andersherum.)"

wenn ich so etwas lese, krieg ich echt die krätze. der alte kant hätte euch dafür vermutlich mit nem besen verprügelt.

hannes-kerber
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20.09.2008 - 10:54 Uhr
hannes-kerber

Das würde mir gefallen. Wie Kant jetzt.de mit dem Feuerhaken drohte.

Boerdi
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20.09.2008 - 11:09 Uhr
Boerdi

das Gegenteil von gut gemacht ist halt immer noch gut gemeint: schlecht ausgebildete "Entwicklungshelfer", die mal ein Jahr was anderes machen wollen, sind nicht wirklich hilfreich. Sinnvoller wäre es oft, für einen Bruchteil des Geldes einheimische Helfer zu schulen uns auszubilden, die dann auch im Land bleiben (das gezahlte Taschengeld inkl. Flug etc. enstspricht oft mehreren vollen Gehältern vor Ort).

nordzucker
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20.09.2008 - 11:30 Uhr
nordzucker

neiddebatte geht immer?

einohrhase
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20.09.2008 - 12:15 Uhr
einohrhase

@ boerdi

falsche debatte. entwicklungshilfe und freiwilligendienst sind grundverschieden (und werden hier auch nicht vermischt). es geht beim freiwilligendienst um helfen nicht um hilfe. der autor scheint klar zu unterscheiden (im gegensatz zu dem typen von dem das zitat am ende ist). und ob entwicklungshilfe sinnvoll ist, ist eine ganz andere frage.

ShesSoHigh
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20.09.2008 - 20:40 Uhr
ShesSoHigh

was mich daran nervt ist halt: wenn du dich in Deutschland sozial engagierst, ne Sportgruppe leitest oder im Altersheim hilfst oder sowas, dann gucken Dich alle dumm an nach dem MOtto "Ey bist du bescheuert, mach doch was richtiges, da verdienste ja gar nix".
Geht man her und sagt "ich leite ne Sportgruppe in Bolivien" sagen alle "Ey geil, erzähl mal, ist bestimmt totaaaaal supercooooool und so".

Was ich damit sagen will: wer sich ernsthaft sozial engagieren will, kann das auch daheim. Aber ha, meistens ist es ja so, dass das soziale Engagement mit Ende des FSJ ebenfalls endet.
Ich bin mir nahezu sicher dass es den meisten nicht um Entwicklungshilfe geht, sondern um "Auslandsaufenthalt". Was man da konkret nun macht, ist doch egal.

niki-piranha
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20.09.2008 - 23:14 Uhr
niki-piranha

@ einohrhase

versteh ich nicht. wieso denn grundverschieden? die freiwilligendienstler im ausland kommen doch wohl vornehmlich in der entwicklungshilfe unter, nicht? "es geht um helfen nicht um hilfe"??

Unlovable
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21.09.2008 - 00:24 Uhr
Unlovable

Ich simme ShesSoHigh voll zu. Mit FSJ im Ausland habe ich zwar keine Erfahrung, aber ich habe das Gefühl, dass dieses "ins Ausland" gehen für viele einfach nur Unterschiedungsmerkmal ist. Klingt ja auch bei soylentyellow durch. Das ist cooler in Tel Aviv... lässiger am Mittelmeer...
Ich war auch im Ausland studieren, vermeide es aber Leuten die sowas nicht gemacht haben irgendeine Form "Defizit" vorzuwerfen.
Und streifenfreies Putzen und Spülen in Verbindung mit dem Ausland hervorzuheben ist auch etwas seltsam. Das lernt man spätestens, wenn man zu Hause auzgezogen ist.

electrolux
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21.09.2008 - 05:43 Uhr
electrolux

Zur "Entwicklungshilfe" und ähnlichen Staatsprogrammen gibt es einen interessanten Vortrag:
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#1...

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21.09.2008 - 05:58 Uhr
electrolux

Weitere Vorträge zum Thema:

"Wie Agrargeschäft und Versorgungsnöte zusammengehören und wie sie politisch betreut werden"
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#5

"10 Schuldenerlasse hat es seit 1996 gegeben – seither ist zur "Dritten Welt" eine "Vierte" und eine "Fünfte" hinzugekommen:
Die "Armutsbekämpfung" macht Fortschritte"
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#7...

"Schuldenerlass für die 3. Welt, Kampf gegen Armut und Korruption als "Millenniumsziel"
Der Imperialismus gibt sich menschlich:
Halb Afrika wird Almosen-Protektorat"
http://doku.argudiss.de/?Kategorie=all#8...

chippyq
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21.09.2008 - 12:24 Uhr
chippyq

der artikel sagte:
Er behauptet weiterhin, wichtiger für die Debatte: Wenn du Gutes ungern tust, ist das um so besser!

das ist quatsch. wenn das so weitergeht, komme ich gleich mit dem feuerhaken.

mouton
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21.09.2008 - 13:11 Uhr
mouton

bei weltwärts ist das alles wenigstens mal vernünfitg aufgelistet.
achja, es tut mir leid, dass wir niemanden entführen, um unseren unmut auszudrücken. im übrigen sehe ich darin auch gar keinen nutzen, wenn ich's verpatz, land ich im knast. und dann hab ich voll geil in meiner jugend voll krass einen auf voll radikal gemacht und so aber erreicht hab ich nichts.
und das heißt nicht, dass ich alles kommentarlos hinnehme, was mir vorgeworfen wird.

wendehals
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21.09.2008 - 14:37 Uhr
wendehals

Lafuxa und chippy haben Recht. An dieser Kant-Auslegung ist so ziemlich alles falsch, was man nur falsch machen kann.

Und das Schöne ist: Diese Pseudo-Philosophie trägt überhaupt nichts zum Thema des Artikels bei. Weglassen wäre besser gewesen, oder wie "Kant sagte: In der Kürze liegt die Würze."

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21.09.2008 - 14:38 Uhr
wendehals

Ach ja: Und sollte tatsächlich irgendjemand *nur* aus Karriere-Lebenslauf-Gründen ein FSJ im Ausland machen (etwa im indischen Ghettokindergarten), der gehört bestraft.
Am besten mit einem FSJ im Ausland.

mouton
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21.09.2008 - 16:07 Uhr
mouton

So falsch ist doch "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu" gar nicht^^ macht den armen redakteur nicht so fertig^^

wendehals
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21.09.2008 - 22:06 Uhr
wendehals

mouton sagte:
So falsch ist doch "Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg auch keinem andern zu" gar nicht^^ macht den armen redakteur nicht so fertig^^


Ähm, als Verhaltensregel ist es tatsächlich nicht die schlechteste (siehe Wikipedia "Goldene Regel"). Bei Kant steht aber genau, weshalb diese Regel trotzdem fehlerbehaftet ist.
Wenn der "arme Redakteur" also diese Regel als Kant-Interpretation einfach so ausgibt, ohne seine Augen bei der Lektüre zu öffnen (oder wenigstens zu recherchieren), dann darf er getrost "fertig gemacht" werden.
So einfach ist das.

kantkenner
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22.09.2008 - 00:00 Uhr
kantkenner

wirklich!

wäre hätte hier bitte nicht lieber gelesen: „demnach muss ein jedes vernünftige wesen so handeln, als ob es durch seine maximen jederzeit ein gesetzgebendes glied im allgemeinen reich der zwecke wäre.“

plöder, plöder, plöder reakteur!

DagnyTaggart
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22.09.2008 - 09:22 Uhr
DagnyTaggart

Was an einem ZWangsdienst wie BW oder Zivi sinnvoll sein soll, erschliesst sich mir nicht. Zwang ist Zwang, auch wenn man das im Rückblick für die eigene Entwicklung positiv sehen mag.

Ansonsten spielt es keine Rolle die Motivation hinter dem Engagement zu hinterfagen - es gibt für jeden individuelle Gründe.

Und 'etwas im Lebenslauf stehen zu haben' ist nicht der schlechteste Grund.

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22.09.2008 - 09:23 Uhr
DagnyTaggart

wendehals sagte:
Ach ja: Und sollte tatsächlich irgendjemand *nur* aus Karriere-Lebenslauf-Gründen ein FSJ im Ausland machen (etwa im indischen Ghettokindergarten), der gehört bestraft.
Am besten mit einem FSJ im Ausland.


Ach? FSJ darf man deiner Meinung nur machen, wenn man keinen Spass dabei hat?

Shorebilly
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22.09.2008 - 09:43 Uhr
Shorebilly

Unlovable sagte:
Und streifenfreies Putzen und Spülen in Verbindung mit dem Ausland hervorzuheben ist auch etwas seltsam. Das lernt man spätestens, wenn man zu Hause auzgezogen ist.


genau, und beim bund sowieso. ausserdem hat man, wenn man das mit dem entwicklungshilfeding richtig anstellt, im dritte-welt-ausland personal zum fensterputzen und spuelen. dadurch schafft man nebenbei noch arbeitsplaetze, was im zweifelsfalle besser und wirkungsvoller ist als die sogenannte entwicklungshilfe an sich.

ShesSoHigh
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22.09.2008 - 10:39 Uhr
ShesSoHigh

du meinst der abiturient im Entwicklungsland hat dann Personal in seinem... riesenhaus, ja?
Haha.

wendehals
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Mag ich Mag ich nicht

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22.09.2008 - 11:27 Uhr
wendehals

@DagnyTaggart: *verwirrt* Huh, habe ich das irgendwo gesagt?
Nein, ich glaube bloß, dass ein FSJ (gerade im "schwierigen" Ausland) nicht immer ganz gemütlich ist, ich kenne zwei Leute, die ihres verfrüht abgebrochen haben - einfach weil sie meinten, der psychischen Belastung nicht mehr gewachsen zu sein.
Wenn also jemand so ein Jahr ohne einen Funken Idealismus auf sich nimmt, sondern nur weil er bei seiner Bewerbung eine schicke Zeile mehr im CV haben möchte... bitte sehr. Selbst schuld.

Shorebilly
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22.09.2008 - 11:57 Uhr
Shorebilly

ShesSoHigh sagte:
du meinst der abiturient im Entwicklungsland hat dann Personal in seinem... riesenhaus, ja?
Haha.


also ich hatte das. das war allerdings auch kein fsj, diese selbstverwirklichungstrips direkt nach dem abi sind ja eh ein ziemlicher mumpitz.

ShesSoHigh
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Mag ich Mag ich nicht

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22.09.2008 - 12:12 Uhr
ShesSoHigh

ich hatte das jetzt allerdings so verstanden als wäre es genau um diese trips gegangen.

NeueAubergine
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22.09.2008 - 14:44 Uhr
NeueAubergine

Schlimm (oder zumindest ungünstig) ist: dass man als Helfer nicht so viel taugt, wenn man vor allem auf der Suche nach sich selbst ist.

Viel besser: erst was Ordentliches lernen, dann als Freiwilliger mit Ärzte ohne Grenzen ins Ausland gehen (dafür muss man kein Arzt sein).

SnowFrightenedSneakers
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22.09.2008 - 16:23 Uhr
SnowFrightenedSneakers

NeueAubergine sagte:
Viel besser: erst was Ordentliches lernen, dann als Freiwilliger mit Ärzte ohne Grenzen ins Ausland gehen (dafür muss man kein Arzt sein).

Ganz recht.
Aber ansonsten sollte man m.E. erst die Resultate bewerten, bevor man nach motivationen fragt!
Gesetzt den fall, es wird tatsaechlich etwas positives bewirkt, dann ist es doch zumindest zweitrangig, wenn die Motivation nicht ganz so selbstlos war.
lieber was tun mit multiplen motivationen, als nichts tun aus lauter angst, die motivation ist nicht ganz p.c.

arunda
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22.09.2008 - 17:02 Uhr
arunda

SnowFrightenedSneakers sagte:

Gesetzt den fall, es wird tatsaechlich etwas positives bewirkt, dann ist es doch zumindest zweitrangig, wenn die Motivation nicht ganz so selbstlos war.
.


genau!
hätte ich nicht schöner sagen können.
und selbst wenn die freiwilligen helfer schlecht ausgebildet sind und die hilfe insgesamt vielleicht ein bißchen ineffizient, so lernen sie etwas im ausland, dass sie, so leid es mir tut, nicht lernen, wenn sie zu hause bleiben. sie lernen den umgang mit einer anderen kultur und in ihr zu leben. und deswegen sollten das so viele junge menschen machen, wie möglich. denn ich denke, es gibt kein besseres mittel, langfristig etwas gegen fremdenhass zu unternehmen, oder?

sagmalschnellnennamen
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26.01.2011 - 02:57 Uhr
sagmalschnellnennamen

So, nun sind so 2,5 Jahre vergangen, ich hoffe Die Zeit denkt jetzt nicht mehr so einen Stuss. Im Spiegel war vor Kurzem ein Artikel über weltwärts. Das Programm wurde da auch ziemlich verrissen und der Artikel war nicht ausreichend recherchiert, aber in einigen Punkten stimmte es zumindest.

Ich bin auch gerade mit weltwärts unterwegs und kann euch sagen, dass ich bei einigen Freiwilligen hier wirklich das Gefühl hab, dass die Steuergelder da zum Fenster rausgeschmissen wurden (deren Einstellung: Ich bin hier der King, ich erfreue mich am niedrigen Preisniveau scheiß auf meine Arbeit hier).
Jedoch weiß ich spätestens seit dem Vorbereitungsseminar in Deutschland (und das war thematisch recht anspruchsvoll und ziemlich vollgestopft), dass der allergrößte Teil der Freiwilligen mit dem Willen geht, im Land Gutes zu tun. Die Leute waren ganz geschockt und bekamen ein schlechtes Gewissen, als sie hörten, dass sie keinesfalls Entwicklungshelfer werden sondern einfach nur im Ausland arbeiten werden und viel viel mehr bekommen als sie geben.
Es läuft auch offiziell nicht unter Entwicklungshilfe, die Regierung erhofft sich von der ganzen Sache einfach, dass die Freiwilligen sog. "Interkulturelle Kompetenzen" erlangen und nach Deutschland bringen.

Viele haben es auch zumindest Phasenweise ziemlich schwer im Ausland. Wenn man aus "niederen Beweggründen" wie Karrieregeilheit im Ausland ist, hält man das meiner Meinung nach gar nicht oder nur sehr schwer aus. Man muss schon bereit sein und es muss einem am Herzen liegen, dass man die fremde Kultur animmt und eben auch mal in einer klapprigen Hütte schlafen, in der es Ratten gibt (und das sag ich jetzt nicht um es zu überspitzen, das ist wirklich so). Als Karrieregeile würde ich mir dann schon lieber ein schickes Praktikum in New York suchen, um meinen Lebenslauf zu pimpen.

Ob weltwärts nun von Steuergeldern bezahlt werden sollte oder nicht, das weiß ich selbst nicht genau.
Aber es ist auf jeden Fall einfach unfair und viel zu schnell beurteilt, wenn man allen Freiwilligen vorwirft, dass sie einfach nur einen Egotrip starten wollen (und diese Vorwürfe kommen ja zumeist sogar von Leuten, die sich mit dem Thema nicht mal wirklich beschäftigt haben, geschweigedenn in die Struktur von weltwärts geblickt haben und mal Freiwillige getroffen und sich mit ihnen über ihre Beweggründe unterhalten haben).

Fahrtrichtung
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11.08.2011 - 12:00 Uhr
Fahrtrichtung

Dass generell nichts schlecht daran ist, wenn an einem bestimmten Arrangement, was auf Hilfe ausgelegt ist, am Ende nicht nur der Bedürftige, sondern auch der Helfende was hat, das bestreitet doch überhaupt niemand. Die Kritik, die hier mit der Frage "Was ist so schlimm daran?" zurückgewiesen wird, ziehlt doch eigentlich auf etwas anderes ab. Der Artikel "Egotrips ins Elend" hinterfragt vielmehr die entwicklungspolitische Ausrichtung der Bundesregierung. Und das völlig zu Recht! Es macht nämlich tatsächlich wenig Sinn, dass Deutsche in Entwicklungsländer geschickt werden, wenn das Geld gleichzeitig in professionelle langfristig ausgerichtete Beratung sowie Beschäftigung lokaler Arbeitskräfte investiert werden könnte. Damit ist allen mehr gedient. Die jungen Deutschen, die den Kick und das soziale Engagement suchen, werden hier dringend in Pflege- und Sozialstationen gebraucht, Altenpflege, Tafel, Kinderbetreuung, Nachhilfe, etc. Das gibts hier auch. Halt nicht exotisch.
Und die derzeitige Entwicklungspolitik der BRD ist durchaus mal zu hinterfragen.

Dass man als Individuum Spaß daran haben kann, weit zu reisen, Kulturen kennen zu lernen und nebenbei auch noch eine sinnvolle Aufgabe zu haben, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Ausland, Freiwilligenarbeit, Praktikum bei den relevanten NGOs - hab ich selbst alles auch gemacht. Aber das muss ja nicht von der Bundesregierung finanziert werden. Und dass Argument Gerechtigkeit und Changengleichheit (es sollten ja schon alle die Möglichkeit haben, zu gehen) finde ich ein bisschen überzogen in diesem Kontext. Da brauchen wir erstmal Chancengleichheit an ganz anderen Stellen.


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