Machen wir nur wegen der Karriere Freiwilligendienst?
Mehrere Medien fragen in jüngster Zeit, was uns treibt, uns in der Entwicklungshilfe zu engagieren? Ist es Egoismus? Ein paar Gedanken über die neuen "Internationalisten"
Im Mai hatte sich schon das SZ-Magazin über Egotrips ins Elend beschwert. Und jetzt eben "Die Zeit". Als Ziel fest fixiert ist die „Bewegung der neuen Internationalisten“, das „Lebensgefühl NGO“ – junge Freiwillige also, die zum Helfen in die Dritte Welt gehen. „Dient es dem Guten – oder bloß der Karriere?“, fragt Rudolf Novotny in der aktuellen Ausgabe der "Zeit". Zumindest der alte Immanuel Kant würde sich an der Debatte erfreuen. Der sagt, etwas vereinfacht: Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu! (Und andersherum.) Er behauptet weiterhin, wichtiger für die Debatte: Wenn du Gutes ungern tust, ist das um so besser! Und: Schande über den, der etwas davon hat, dass er anderen hilft! Die neuen Internationalisten versuchen, so meint es Rudolf Novotny erkannt zu haben, Karriere und Helfen zu vereinen – und das treibe sie hordenweiße in die Dritte Welt.
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Und die derzeitige Entwicklungspolitik der BRD ist durchaus mal zu hinterfragen.
Dass man als Individuum Spaß daran haben kann, weit zu reisen, Kulturen kennen zu lernen und nebenbei auch noch eine sinnvolle Aufgabe zu haben, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Ausland, Freiwilligenarbeit, Praktikum bei den relevanten NGOs - hab ich selbst alles auch gemacht. Aber das muss ja nicht von der Bundesregierung finanziert werden. Und dass Argument Gerechtigkeit und Changengleichheit (es sollten ja schon alle die Möglichkeit haben, zu gehen) finde ich ein bisschen überzogen in diesem Kontext. Da brauchen wir erstmal Chancengleichheit an ganz anderen Stellen.
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26.01.2011 - 02:57 Uhr
sagmalschnellnennamen
Ich bin auch gerade mit weltwärts unterwegs und kann euch sagen, dass ich bei einigen Freiwilligen hier wirklich das Gefühl hab, dass die Steuergelder da zum Fenster rausgeschmissen wurden (deren Einstellung: Ich bin hier der King, ich erfreue mich am niedrigen Preisniveau scheiß auf meine Arbeit hier).
Jedoch weiß ich spätestens seit dem Vorbereitungsseminar in Deutschland (und das war thematisch recht anspruchsvoll und ziemlich vollgestopft), dass der allergrößte Teil der Freiwilligen mit dem Willen geht, im Land Gutes zu tun. Die Leute waren ganz geschockt und bekamen ein schlechtes Gewissen, als sie hörten, dass sie keinesfalls Entwicklungshelfer werden sondern einfach nur im Ausland arbeiten werden und viel viel mehr bekommen als sie geben.
Es läuft auch offiziell nicht unter Entwicklungshilfe, die Regierung erhofft sich von der ganzen Sache einfach, dass die Freiwilligen sog. "Interkulturelle Kompetenzen" erlangen und nach Deutschland bringen.
Viele haben es auch zumindest Phasenweise ziemlich schwer im Ausland. Wenn man aus "niederen Beweggründen" wie Karrieregeilheit im Ausland ist, hält man das meiner Meinung nach gar nicht oder nur sehr schwer aus. Man muss schon bereit sein und es muss einem am Herzen liegen, dass man die fremde Kultur animmt und eben auch mal in einer klapprigen Hütte schlafen, in der es Ratten gibt (und das sag ich jetzt nicht um es zu überspitzen, das ist wirklich so). Als Karrieregeile würde ich mir dann schon lieber ein schickes Praktikum in New York suchen, um meinen Lebenslauf zu pimpen.
Ob weltwärts nun von Steuergeldern bezahlt werden sollte oder nicht, das weiß ich selbst nicht genau.
Aber es ist auf jeden Fall einfach unfair und viel zu schnell beurteilt, wenn man allen Freiwilligen vorwirft, dass sie einfach nur einen Egotrip starten wollen (und diese Vorwürfe kommen ja zumeist sogar von Leuten, die sich mit dem Thema nicht mal wirklich beschäftigt haben, geschweigedenn in die Struktur von weltwärts geblickt haben und mal Freiwillige getroffen und sich mit ihnen über ihre Beweggründe unterhalten haben).