15.09.2008 - 19:00 Uhr

0 29 Über Twitter weiterempfehlen

Rein wieder raus

Text: juri-gottschall

Eine eigene Waschmaschine ist ein Zeichen der Sesshaftigkeit – die urbanen Nomaden Münchens waschen auswärts. Zu Besuch in neun Waschsalons

Das auswärtige Waschen ist seit jeher das Schicksal derer, die keinen Platz für eine eigene Waschmaschine haben. Gerade in München, der Hochburg des fehlenden Wohnraums, ist die Auswahl an Waschsalons groß. Bei näherem Betrachten lässt sich das Angebot grob in vier Kategorien einteilen. Die Gemeinsamkeiten sind offensichtlich, doch gibt es auch große Unterschiede. Klicke auf das Bild, um die Fotostrecke zu starten!
1. Die Puristen Eco-Express, Prinz-Waschsalon, Waschsalon Humboldtstraße Der typische Puristen-Salon ist eine schlichte Erscheinung. Äußerlich auf das Wesentliche reduziert, bleibt nicht viel Raum für das Anpreisen von Spezialitäten. Lediglich Preis- und Mengenangaben oder der dezente Hinweis auf einen deutlichen Vorteil gegenüber der (nachbarschaftlichen) Konkurrenz prägen die Schaufensterfront. Sein Name ist stets nur „Waschsalon“. Auch bei der Inneneinrichtung gibt sich der Purist zurückhaltend. Neben dem obligatorischen Waschmaschinenpark findet sich nur noch ein Kaffeeautomat. Die Wände sind weiß, Effizienz und Ordnung die vorherrschenden Elemente. Passend zum Gesamtbild ist auch die Auswahl der Wanddekoration: Schlichte Schwarzweiß-Fotografien bieten dem ablenkungswilligen Wäscher ein bisschen Menschlichkeit in der ansonsten von Automaten dominierten Szenerie. 2. Die Traditionalisten Waschsalon Klischee, Lore’s Waschsalon, Waschsalon Zoche Die klassischen Vertreter der Waschsalon-Zunft sind schon lange im Geschäft und führen ihre Läden mit Begeisterung. Tradition wird groß geschrieben, das fängt schon bei der Namensgebung an. So trägt Lore’s Waschsalon noch immer den Namen seiner Gründerin, die ihn 36 Jahre lang führte, bevor er vor zehn Jahren von Monica Erriu übernommen wurde. Auch der Waschsalon Klischee besteht bereits seit 1960 und ist nun seit über fünf Jahren in den guten Händen von Irene Schlittenbauer und ihrem Sohn Timo. Die Individualität der Betreiber zeigt sich auch in der Einrichtung ihrer Salons. Während Lore’s noch weitgehend im Originalzustand belassen wurde, herrschen im Klischee dank farbenfroher Bilder Urlaubsstimmung und Südseefeeling. Eher schlicht geht es im Waschsalon Zoche an die Wäsche, wo Brigitte Bosch seit 30 Jahren den Kunden beim Umgang mit den ebenso alten Maschinen zur Seite steht. 3. Die Zeitgemäßen Wunderbarer Waschsalon, Schwabinger Waschsalon, Waschcenter Der zeitgenössische Waschsalon verknüpft Tradition und Moderne, vernachlässigt aber trotz neuester Technik den Komfort nicht. So bietet Siglinde Rechenmacher im Waschcenter Pariser Straße eine beträchtliche Auswahl Zeitschriften an, die die Wartezeit verkürzen sollen. In Regine Steckroths Wunderbarem Waschsalon darf sogar geraucht werden. Optik und Einrichtung ist freundlich, aber professionell. Die Tradition vergangener Tage wird im Schwabinger Waschsalon von Ali Sheichlarabadi und Farid Sharbati anhand alter Verpackungen und Schilder dokumentiert. 4. Der Visionär Waschsalon Lindwurmstraße Der Visionär glänzt durch die Verwendung von Superlativen („bester Waschsalon“, „größter Trockner“, „super Kaffee“). Zur Ablenkung und Entspannung zeigt uns Voika Ellinger neben unzähligen Filmplakaten, Computerspielen, Flipper und Internetzugang auch einen Massagesessel (!). Ach ja, waschen kann man hier auch.


Neue Magazin-Texte:
Textoptionen
Mehr Texte von
juri-gottschall
Mehr Texte zum Label
jetztgedruckt
Text Freunden empfehlen Text drucken Text melden
Der Text gefällt Dir?
Lesenswertpunkt schenken
Fehler gefunden?
Report an Error
Hier bei jetzt.de anmelden,
Texte schreiben und kommentieren.
29 Kommentare

speichern

Alle Kommentare anzeigen

milagro
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 10:22 Uhr
milagro

also ich hatte die letzten drei jahre waschsalon, die waren aber alle nicht so schön und gemütlich wie die. das waren einfach waschhallen. und wenn man was kaputt war, wars eigenes pech weil niemand da zum beschweren. und die wäsche ging auch öfter kaputt weil das ja nicht die supersanften miele-maschinen sind. dafür waren sie aber jeden tag auf bis 22 uhr und bei 20 maschinen auch immer was frei (außer wenn großwaschtag bei den arabischen familien angesagt war). ich hab das dann optimiert, indem ich zwei maschinen pro samstag laufen ließ und in der zeit in den supermarkt um die ecke gegangen bin. danach hieß es, einkauf und wäsche den berg zur wohnung hochpuckeln und danach dann endlich wochenende. geklaut hat zum glück nie jemand was aber die maschinen sind ja auch verriegelt derweil sie waschen.

peonopp
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 11:20 Uhr
peonopp

milagro sagte:
ich hab das dann optimiert, indem ich zwei maschinen pro samstag laufen ließ und in der zeit in den supermarkt um die ecke gegangen bin.

aha! zwei maschinen pro woche. ich habe mich immer gefragt, wieviel wäsche eine einzelperson pro woche zu waschen hat. seit 8 jahren habe ich 2 kinder und konnte mich gar nicht mehr erinnern, wieviel zu waschen war, als ich allein war.
in den 8 jahren haben wir übrigens drei waschmaschinen verschlissen - u.a. eine von bauknecht und eine von miele. letztere hat nicht mal 3 jahre geschafft, was enorm enttäschend war.

soylentyellow
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 12:41 Uhr
soylentyellow

Gibt es keine WaMa in einer WG ziehe ich da nicht ein - nicht weil ich ein Fashionist bin und fremden WaMas nicht traue, nein, das muss im 21. Jhd. einfach nicht sein.

Im Zweikampf WaMa vs. TV gewinnt die WaMa hands down.

Der Zweikampf WaMa vs. Internet geht dahingegen unentschieden aus.


Wer würde Deinen WaMa vs. Gerät Deiner Wahl gewinnen?

Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 12:47 Uhr
soylentyellow

Diese Waschmaschinenansammlungen erinnern mich an meinen Zivi: Waschen, waschen, nochmal waschen und dann gaaanz viel zusammenlegen.

octopussy
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 12:48 Uhr
octopussy

hahaha. Hat was. Aber ehrlich: eine eigene Waschmaschine mag zwar seßhaft machen, aber sie ist doch noch ein Mehrkomfort an Leben. Denn: zum Waschsalon gehen, Woche für Woche, macht nicht glücklich. Und kostet ja auch einiges.

margaretha
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 13:17 Uhr
margaretha

ohja, dank perfekt eingerichteter zweitwohnung konnte ich jetzt auch der wäsche-dienstleistungen von mutti entsagen. wieder ein schritt hin zum erwachsen-werden!
ansonsten hat mich auch beeindruckt, wie glücklich die besitzer im großen und ganzen aussehen. reich wird man mit 'nem waschsalon sicher nicht... aber vielleicht ist es ja was psychologisches, à la "sie kommen dreckig rein und gehen sauber wieder" ;)
hier in dresden gibt es einen waschsalon, da hängt die decke voller vergessener socken. wenn man da vorbei-/ hingeht, kann man socken-memory spielen... :D

Annegretel
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 13:30 Uhr
Annegretel

Für mich waren Waschsalons immer der beste Start ins Wochenende - super zum Leute kennenlernen und austauschen, was so geht am Abend... und in Dresden gibt es wohl die spannenderen Waschsalons - in Kombination mit ner Bar.
Hach - ich fand das schon sehr schick - auch wenn ich meine gute Lady jetzt auch zu schätzen weiß.
..und.. klasse Bilder.

kikuju
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

16.09.2008 - 14:21 Uhr
kikuju

tolle bilder.

ich persönlich kenne auch nur die beschriebenen waschhallen und war sehr froh, als das vorbei war.

GMG
Melden!
Zitieren
Mag ich Mag ich nicht

0

17.09.2008 - 18:26 Uhr
GMG

Ich liebe meine Waschmaschine.

Zurück Seite 1 2 3

Alle Kommentare anzeigen


Speichern

Jetzt-Mitglied

juri-gottschall offline

juri-gottschall

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.


München